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USA
Queerfeindlichkeit bei erster republikanischer Präsidentschaftsdebatte
Keine*r der acht republikanischen Kandidierenden hat sich bei der ersten Präsidentschaftsdebatte der Republikaner für queere Rechte ausgesprochen – ganz im Gegenteil.

Die Kandidierenden der Republikaner mit der obligatorischen Handgeste während des Abspielens der Nationalhymne (v.l.n.r.): Asa Hutchinson, Chris Christie, Mike Pence, Ron DeSantis, Vivek Ramaswamy, Nikki Haley, Tim Scott und Doug Burgum (Bild: IMAGO / USA TODAY Network)
- 24. August 2023, 09:01h 4 Min.
Bei der ersten Debatte der Republikaner zur Präsidentschaftswahl 2024 am Mittwochabend traten acht Parteigrößen – sieben Männer und eine Frau – im Milwaukee zum verbalen Schlagabtausch gegeneinander an. Der in Umfragen führende Ex-Präsident Donald Trump verzichtete auf eine Teilnahme und zeigte sich dagegen parallel zur Debatte auf X, dem früheren Twitter, in einem voraufgezeichneten Interview mit dem Rechtsaußen-Journalisten Tucker Carlson.
Queere Themen spielten bei am Ende der von Fox News Channel organisierten Debatte auch eine Rolle – dabei bekräftigten die Kandidat*innen ihre Ablehnung von LGBTI-Rechten. Ron DeSantis, der Gouverneur von Florida und nach Trump beliebtester Bewerber im Feld der Republikaner, erklärte etwa mit Blick auf sein "Don't say gay"-Gesetz: "Wir brauchen Bildung in diesem Land, keine Indoktrinierung." Ferner sagte er feierlich: "Wir haben Gender-Ideologie aus dem Lehrplan unserer Schulen eliminiert." Ein Journalist des linksliberalen Nachrichtensenders MSNBC bezeichnete diese Äußerung als ironisch, "weil der Gouverneur in seinem Staat eine der radikalsten Indoktrinierungsinitiativen des Landes anführt: Er schränkt Gespräche über sexuelle Orientierung und Gender ein, verharmlost den Schrecken der Sklaverei […] und blockiert Diversity-Initiativen an Hochschulen."
/ RareRon Desantis talks fighting indoctrination at public schools! #GOPDebate pic.twitter.com/7Q72cR7pVb
Rare (@Rare) August 24, 2023
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In der Debatte wurde insbesondere gegen trans Menschen Stimmung gemacht: So sprachen die Moderator*innen Bret Baier und Martha MacCallum die Kandidatin Nikki Haley, die ehemalige amerikanische Botschafterin bei den Vereinten Nationen, darauf an, dass sie trans Frauen vom Frauensport – selbst vom Schulsport – ausschließen will. Darauf antwortete sie: "Es geschehen viele verrückte woke Dinge an unseren Schulen." Tim Scott, ein US-Senator aus South Carolina, erklärte: "Wenn Gott jemanden als Mann erschaffen hat, muss er im Sport gegen Männer antreten." Doug Burgum, der Gouverneur von North Dakota, verteidigte das Sportverbot für trans Frauen in seinem ländlichen Bundesstaat: "In North Dakota machen wir den Schutz des Frauensports zur Priorität."
Radikale Thesen auch bei anderen Themen
Bei vielen anderen Themen äußerten sich die Kandidierenden reaktionär, etwa bei Klimaschutzmaßnahmen. Pharma-Unternehmer Vivek Ramaswamy, der bislang kein politisches Amt innehatte, behauptete beispielsweise: "Die Anti-CO2-Agenda zerstört unsere Wirtschaft. Mehr Menschen sterben durch schlechte Klimaschutzmaßnahmen als durch den Klimawandel." Er sprach sich auch gegen Hilfe für die von Russland attackierte Ukraine aus und bezeichnete illegale Einwanderung martialisch als "Invasion".
/ mehdirhasanRamaswamy uses what was once only a neo-Nazi talking point, referring to immigration at the southern border as an "invasion."
Mehdi Hasan (@mehdirhasan) August 24, 2023
Nothing worse than brown folks, kids of immigrants, mainstreaming far-right language on immigration.#GOPDebate
Donald Trump gilt als großer Favorit bei den republikanischen Vorwahlen, die Mitte Januar 2024 im Bundesstaat Iowa beginnen. Laut dem Statistikportal FiveThirtyEight sprechen sich derzeit 52 Prozent für den Ex-Präsidenten aus. Weit dahinter stehen DeSantis (15 Prozent) und Ramaswamy (10 Prozent). Alle anderen Kandidierenden erreichen derzeit weniger als fünf Prozent.
Bei der Fox-News-Debatte haben sich nur zwei der acht Kandidat*innen kritisch über Trump geäußert: der frühere Gouverneur von Arkansas, Asa Hutchinson, und der Ex-Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, der über die Anklagen gegen Trump sagte: "Egal ob Sie glauben, dass die Vorwürfe berechtigt sind oder nicht, das Verhalten ist dem eines Präsidenten nicht würdig. Sie können mich ausbuhen, aber das ändert nichts an der Wahrheit." Christie wurde während der Debatte mehrfach ausgebuht.
Trump äußerte sich in seinem Interview weniger zimperlich über seine Mitbewerber*innen: Christie sei ein "Geisteskranker", von seinem ehemaligen Vizepräsidenten Mike Pence zeigte er sich "sehr enttäuscht" und Ron DeSantis sei ein "aussichtsloser Fall".
Am Donnerstag muss sich Trump den Behörden im Bundesstaat Georgia stellen, weil er dort wegen versuchten Wahlbetrugs bei der Präsidentschaftswahl 2020 angeklagt ist. Das zuständige Gericht hat eine Kaution in Höhe von 200.000 US-Dollar (rund 184.000 Euro) festgesetzt. Zudem sind weitere Strafverfahren wegen der von Trump provozierten Kapitol-Erstürmung am 6. Januar 2021 oder einer mutmaßlichen Schweigegeldzahlung an die frühere Pornodarstellerin Stormy Daniels anhängig. Trump bezeichnet alle Vorwürfe gebetsmühlenartig als "Hexenjagd".
Joe Biden macht Wahlkampf in LGBTI-Community
Die Präsidentschaftswahl findet Anfang November 2024 statt. Joe Biden gilt auf demokratischer Seite als gesetzt, auch wenn er innerparteilich vom Populisten Robert Kennedy herausgefordert wird. Anders als die Republikaner wirbt Biden offensiv in der LGBTI-Community und verspricht Verbesserungen wie etwa eine Bundesinitiative zur Bekämpfung von Obdachlosigkeit bei minderjährigen queeren Menschen (queer.de berichtete). (dk)















