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Berlin

Betreiberin von queerem Club "Busche" will Flüchtlingsunterkunft verhindern

Carla Pahlau fürchtet um die Existenz ihres Clubs, falls bald Geflüchtete in der Nachbarschaft einziehen.


Auch der konservative Kanal Servus TV berichtet in seiner Nachrichtensendung über die Auseiandersetzung um die Unterkunft für Geflüchtete (Bild: Screenshot Servus TV)

  • 28. August 2023, 12:03h 3 Min.

Die Betreiberin des queeren Traditionsclubs "Busche" in Berlin-Friedrichshain wehrt sich gegen ein geplantes Asylbewerberheim in der Nachbarschaft. Wie die Springer-Medien "B.Z." und "Bild" berichten, hat Carla Pahlau einen "Offenen" Brief an den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner gesendet, in dem sie die Eröffnung eines Gefüchtetenheims mit bis zu 650 Menschen in einem früheren Hostel ablehnt. Sie sieht darin die Existenz des 1985 gegründeten Clubs gefährdet.

"In den letzten Monaten erhöhte sich die Zahl der Straftaten gegen homosexuelle Personen in Berlin enorm", erklärte Pahlau nach Angabe der Boulevardblätter. "Die weitaus überwiegende Zahl der Straftäter sind Migranten mit muslimischem Hintergrund." Allerdings ist unklar, woher sie diese Information hat – sie geht aus der Berliner Polizeistatistik nicht hervor, da keine Angaben zur Religionszugehörigkeit erhoben werden.

Pahlau lehnt weitere Kommentare ab

Gegenüber queer.de will sich Pahlau nicht weiter zu dem Brief äußern – und auch den gesamten Text des Briefes nicht veröffentlichen. In ihrem privaten Facebook-Profil teilte sie in den letzten Monaten öffentlich Postings von queerfeindlichen Populisten wie Roger Köppel oder Peter Hahne, die auch gegen Migration Stimmung machen. In vielen rechten Portalen wie "Jouwatch", die oft LGBTI-Rechte kritisieren, wurde Pahlau am Wochenende als eine Art Kronzeugin gefeiert, die die Gefahr offen ausspreche, die angeblich für deutsche queere Menschen von Ausländer*innen ausgeht.

Über das geplante Asylbewerberheim gibt es auch einen parteipolitischen Streit in der Großen Koalition: "Wir halten die Entscheidung für diesen Standort für eine Katastrophe", so die CDU-Abgeordneten Kurt Wansner und Timur Husein gegenüber den Boulevardzeitungen. Unklar bleibt hingegen, wo die Geflüchteten sonst unterkommen sollen, da die bestehenden Unterkünfte schon so gut wie voll belegt sind.

Zudem hat sich Husein in der Vergangenheit wenig für queere Menschen interessiert und sich sogar als Hardliner positioniert: Erst vor wenigen Tagen sprach er etwa im Kurznachrichtenportal X trans Menschen das Existenzrecht ab, als er auf den SPD-Tweet "Trans* Frauen sind Frauen" antwortete: "NEIN. Frauen sind Frauen. Männer sind Männer."

/ TimurHusein
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Wiebke Neumann, die queerpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, erklärte hingegen: "Wenn die Geflüchteten etwa durch Sozialarbeiter*innen auf ihren neuen Sozialraum vorbereitet werden, entsteht auch kein erhöhtes Konfliktpotenzial." Vize-Bürgermeister Oliver Nöll (Linke) wies darauf hin, dass niemand ohne Grund fliehe – und sich die im Viertel lebenden Menschen und die neu Ankommenden "aneinander gewöhnen müssen". Der Berliner Queerbeauftragte Alfonso Pantisano (SPD) erklärte gegenüber queer.de, er könne sich zu den Brief erst äußern, wenn ihm dieser in Gänze vorliegt.

Laut "Tagesspiegel" waren 2021 in der bundesweiten allgemeinen Kriminalstatistik insgesamt 7,1 Prozent der Tatverdächtigen Geflüchtete – dieser Anteil sei seit 2018 kontinuierlich gesunken. 5,2 Prozent aller registrierten Opfer seien Zugewanderte gewesen. Kriminologe Christian Walburg wies darauf hin, dass junge Männer unabhängig von ihrem Hintergrund eher durch eine erhöhte Kriminalitätsbelastung auffielen und diese Gruppe unter Geflüchteten überdurchschnittlich vertreten sei. Zudem würden von Geflüchteten begangene Straftaten häufiger angezeigt. Eine Rolle spiele auch die "unsichere Lebenssituation und die Sozialisations- und Gewalterfahrungen, die die Menschen zum Teil mitbringen". (dk)

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