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Freie-Wähler-Chef

Aiwanger bleibt Söders Vize

Auch ein Antisemitismus-Skandal hat vorerst keine Folgen für Vizeministerpräsident Hubert Aiwanger, der vor wenigen Wochen noch mit queerfeindlichen Tiraden für Aufregung sorgte.


Hubert Aiwanger machte bereits mehrfach gegen queere Menschen Stimmung – jedoch erst nach dem Auftauchen eines antisemistischen Flugblatts wird seine Befähigung als Politiker bundesweit in Frage gestellt (Bild: Raimond Spekking / wikipedia)
  • 29. August 2023, 10:56h 3 Min.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erhöht in der Affäre um ein antisemitisches Flugblatt den Druck auf seinen Stellvertreter Hubert Aiwanger, belässt ihn aber im Amt. Der Freie-Wähler-Chef solle einen Katalog mit 25 Fragen schriftlich beantworten, sagte Söder nach Beratungen im Koalitionsausschuss am Dienstag in München. Aiwanger habe zugesagt, die Fragen zu beantworten.

Erst danach könne man den Fall abschließend bewerten, sagte Söder. Eine Entlassung aus dem Amt des Landeswirtschaftsministers und stellvertretenden Ministerpräsidenten wäre zum jetzigen Zeitpunkt "ein Übermaß", so der CSU-Chef. Eine Frist zur Beantwortung der Fragen nannte er zunächst nicht.

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Söder hatte am Dienstag eine Sondersitzung des Gremiums einberufen, Aiwanger sollte dort persönlich Stellung nehmen zu den Vorwürfen. Der 52-Jährige hatte am Samstagabend schriftlich zurückgewiesen, zu Schulzeiten in den Achtzigerjahren ein antisemitisches Flugblatt geschrieben zu haben, über das die "Süddeutsche Zeitung" berichtet hatte.

Aiwanger: Es war der Bruder

Gleichzeitig räumte er aber ein, es seien "ein oder wenige Exemplare" in seiner Schultasche gefunden worden. Kurz darauf gestand Aiwangers älterer Bruder ein, das Pamphlet geschrieben zu haben. Später sagte er, er glaube, dass sein Bruder Hubert die Fluglätter wieder habe einsammeln wollen. Söder reichen diese Erklärungen aber bislang nicht aus.

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CSU will mit Aiwanger-Partei weitermachen und schließt Koalition mit Grünen aus

In Bayern wird am 8. Oktober ein neuer Landtag gewählt. Die CSU hatte bislang stets erklärt, die Koalition mit den Freien Wählern nach der Wahl fortsetzen zu wollen. Alle Umfragen hatten bis zuletzt auch fast keinen Zweifel daran gelassen, dass dies möglich sein wird – wobei die Freien Wähler zuletzt bei 11 bis 14 Prozent lagen. Die CSU regiert im Freistaat seit 2018 zusammen mit den Freien Wählern.

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Die Landtags-CSU wollte die Koalition auch am Dienstag grundsätzlich fortsetzen. Ein schwarz-grünes Bündnis wurde bei Online-Beratungen des erweiterten CSU-Fraktionsvorstandes am Dienstagfrüh ausgeschlossen, wie die Deutsche Presse-Agentur von Teilnehmer*innen erfuhr. Allerdings gab es in der Runde demnach ebenfalls den Ruf nach weiterer Aufklärung.

Aiwanger hatte in den letzten Monaten versucht, sich mit Queerfeindlichkeit zu profilieren: So hatte er im Juni eine Draglesung in einer Münchner Bibliothek als "Kindswohlgefährdung" bezeichnet (queer.de berichtete). Zuvor hatte er mit Blick auf Regenbogenfamilien abwertend gesagt: "Die Normalen müssen zusammenstehen" (queer.de berichtete). Auch bei anderen Themen äußerte sich der Politiker wiederholt populistisch. Kürzlich forderten daher die Grünen – noch vor Bekanntwerden des Antisemitismusskandals – den Rücktritt als Vizeministerpräsident und Wirtschaftsminister (queer.de berichtete). (dpa/dk)

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