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Westafrika

Nigeria: 200 Männer bei "Schwulenhochzeit" festgenommen

Nach der Razzia sollen 67 Personen angeklagt werden – ihnen droht Haft bis zu 14 Jahren.


Der regionale Polizeichef führte die Festgenommenen vor (Verpixelung durch queer.de)

  • 30. August 2023, 05:28h 3 Min.

Wegen mutmaßlicher Homosexualität hat die Polizei in Nigeria eigenen Angaben zufolge zunächst 200 Männer bei einer Razzia festgenommen. Die Männer hätten am Montag in einem Hotel nahe der Küstenstadt Warri im südlichen Bundesstaat Delta eine "Schwulenhochzeit" abgehalten, sagte der Polizeisprecher des Staats, Bright Edafe, am Dienstag. Die Polizei habe das Hotel gestürmt; die Mehrheit der Männer habe "Frauenkleider" getragen, sagte Edafe. Zwei als Braut und Bräutigam gekleidete Männer seien ebenfalls festgenommen worden.

Nach Abschluss weiterer Ermittlungen sollen die Festgenommenen formell angeklagt werden, wie der Polizeisprecher sagte. Laut späteren Medienberichten sprach er von 67 Personen, die angeklagt werden sollen. Bei einer Pressekonferenz vor seinem Revier mussten viele Festgenommene hinter ihm sitzen. Edafe veröffentlichte die Bilder nicht anonymisiert selbst bei Twitter und betonte stolz, er habe die Männer zur Schau gestellt.

Es gebe ein Video der Hochzeitszeremonie, so Edafe. "Wir sind in Afrika und wir sind in Nigeria. Wir können die westliche Welt nicht kopieren, weil wir nicht die gleiche Kultur haben." Einige der Festgenommenen, manche offenbar zum Zeitpunkt der Festnahme in Drag, betonten gegenüber der Presse, sie hätten einer Fashion-Show oder Party beigewohnt.

Bis zu 14 Jahre Haft

Homosexuelle Handlungen können in Afrikas meistbevölkertem Staat mit rund 220 Millionen Einwohner*innen nach einem "Unzuchts"-Paragafen aus britischer Kolonialzeit mit bis zu 14 Jahren Haft belegt werden, nach einer u.a. von der katholischen Kirche eingeforderten Strafverschärfung aus dem Jahr 2014 können auch gleichgeschlechtliche Küsse, die Teilnahme an einer gleichgeschlechtlichen Hochzeitszeremonie oder die Arbeit für LGBTI-Organisationen entsprechend bestraft werden (queer.de berichtete).

In mehreren muslimisch dominierten Regionen des Landes drohen zudem Peitschenhiebe und die Todesstrafe nach Scharia-Recht. So waren im letzten Jahr drei von der Religionspolizei festgenommene Männer zum Tode verurteilt worden (queer.de berichtete). Im vorliegenden Fall geht es allerdings um eine rein staatliche Strafverfolgung.

Zunehmende Repression

Entsprechende Razzien hatte es in Nigeria in den letzten Jahren mehrfach gegeben, wie im aktuellen Fall wurden einige Festgenommene den Medien regelrecht vorgeführt. Amnesty International forderte am Dienstag die sofortige Freilassung der Männer und eine Beendigung der "Hexenjagd".

/ AmnestyNigeria
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"In einer Gesellschaft, in der Korruption weit verbreitet ist, wird das Gesetz, das gleichgeschlechtliche Beziehungen verbietet, zunehmend von Polizeibeamten und anderen Mitgliedern der Öffentlichkeit zur Belästigung und Erpressung von Menschen genutzt", so die Menschenrechtsorganisation. "Das ist inakzeptabel."

Homosexualität ist in vielen Staaten des Kontinents strafbar. Uganda verschärfte im Mai seine Anti-Homosexuellen-Gesetze, sexuelle Handlungen können nun mit der Todesstrafe geahndet werden. Eine entsprechende erste Anklage erfolgte vor wenigen Tagen (queer.de berichtete).

Im Nachbarland Kenia soll demnächst im Parlament über ein Gesetz nach ugandischem Vorbild debattiert werden. In Ghana berät das Parlament derzeit über ein Gesetz, nach dem Schwulen und Lesben mehrjährige Haft drohen könnte, wenn sie sich selbst als homosexuell bezeichnen. Auch in Namibia beschloss das Parlament im Juli ein Gesetz, das die Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Ehen ausschließt, die im Ausland geschlossen wurden. Im Land selbst ist Homosexualität verboten. (dpa/cw)

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