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Hessen
Queerfeindlicher CDU-Politiker Hans-Jürgen Irmer tritt ab
Jahrzehntelang bestimmte der Rechtsaußen Hans-Jürgen Irmer die hessische und deutsche Politik mit. Auf Druck aus seiner Partei zieht sich der 71-Jährige, für den Homosexualität "nicht normal" ist, nun von seinen Ämtern zurück.

Hans-Jürgen Irmer war zwischen 2017 und 2021 auch Mitglied des Bundestages (Bild: IMAGO / Christian Spicker)
- 30. August 2023, 06:31h 2 Min.
Der hessische CDU-Politiker Hans-Jürgen Irmer geht in Rente: Der 71-Jährige gibt laut "Hessenschau" alle seine Posten in der Union ab. So tritt er nach 25 Jahren als Chef des CDU-Kreisverbandes Lahn-Dill und nach 34 Jahren als Vorsitzender der Kreistagsfraktion auf. "Damit ist der Generationswechsel dann auch vollzogen", so Irmer am Dienstag gegenüber dem hr.
Irmer war – mit kurzen Unterbrechungen – zwischen 1990 und 2017 Mitglied des hessischen Landtags; zwölf Jahre lang war er auch CDU-Vizefraktionschef. Danach zog dann für eine Legislaturperiode in den Bundestag ein. 2021 verlor er sein Direktmandat im Wahlkreis Lahn-Dill an die SPD.
"Ein selten konsequenter Rechtsradikaler"
In den vergangenen Jahrzehnten war Irmer als Teil des rechten Flügels der Union bekannt, der auch immer wieder gegen queere Menschen austeilte. 2004 ging er etwa gegen einen Schullehrer wegen dessen Homosexualität vor (queer.de berichtete). 2014 bezeichnete er Homosexualität pauschal als "nicht normal" (queer.de berichtete). Wegen derartiger Aussagen und Kontakten zu rechtspopulistischen und rechtsextremen Organisationen stand er auch innerparteilich immer wieder in der Kritik. Der ehemalige hessische Innenminister Gerhard Bökel (SPD) bezeichnete ihn bereits zur Jahrtausendwende als "einen selten konsequenten Rechtsradikalen". Für die heutige Bundeschefin der Linken, die Hessin Janine Wissler, ist er ein "geistiger Brandstifter".
Eigentlich war Irmer als Kreistagsfraktionschef bis 2026 gewählt. Er sei jedoch zum vorzeitigen Rückzug gedrängt worden. Der CDU-Landratskandidat Carsten Braun hatte den Posten übernehmen wollen, um seine Kandidatur zu stärken. Um einen "klaren Cut" zu machen, gebe er auch den Parteichefposten ab. Nachfolger soll der 26-jährige Johannes Volkmann werden, ein Enkel des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl (1930-2017).
Auch nach seinem Rückzug will Irmer weiterhin in der öffentlichen Debatte mitwirken – über den "Wetzlar Kurier", ein Anzeigenblatt, das er 1990 gekauft hatte und über das er seither seine Ansichten verbreitet. In dem Magazin warb er etwa in der Vergangenheit für die "Heilung" von Homosexualität. (dk)














