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Polizeistatistik
Berlin: Antiqueere Hasskriminalität auf neuem Höchststand
Erneut meldet die Berliner Polizei einen Höchststand von queerfeindlichen Übergriffen. Besonders die Zahl der Gewaltdelikte ging nach oben.
- 4. September 2023, 11:55h 2 Min.
Aus Hass gegen queere Menschen begangene Delikte haben in Berlin einen neuen Höchststand erreicht. Das teilte die Hauptstadtpolizei in ihrem am Montag veröffentlichten Bericht "Politisch motivierte Kriminalität in Berlin 2022" (PDF) mit.
Demnach seien im vergangenen Jahr insgesamt 542 Fälle von "Hasskriminalität gegen die sexuelle Orientierung und/oder gegen das Geschlecht/sexuelle Identität bzw. die geschlechtsbezogene Diversität" gemeldet worden. Das bedeutet einen Anstieg von 2,5 Prozent. Noch stärker nahmen Gewaltdelikte zu: Hier wurden 164 Fälle gemeldet und damit ganze 25 Prozent mehr als 2021. Unklar ist, ob die Anzeigebereitschaft gestiegen ist oder die tatsächliche Zahl der Fälle.

(Bild: Polizei Berlin)
Die Aufklärung bei antiqueerer Hasskriminalität habe laut Polizei letztes Jahr 42 Prozent betragen und lag damit ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres. Bei Gewaltdelikten ist die Aufklärungsquote hingegen auf 34 Prozent eingebrochen. Sie lag damit acht Prozentpunkte niedriger als im Jahr zuvor.
Insgesamt gab es die meisten Fälle von Hasskriminalität gegen queere Menschen in Mitte (107), Tempelhof-Schöneberg (97) und Friedrichshain-Kreuzberg (68). Bei antiqueeren Gewaltdelikten führte Mitte (35) nur knapp vor Neukölln (34) sowie Friedrichshain-Kreuzberg (24).
Tatverdächtige und Opfer meist Männer
Die Tatverdächtigen waren ebenso wie die Opfer bei antiqueeren Delikten in den meisten Fällen männlich. Bei den Tatverdächtigten machten Männer 82 Prozent aus, bei den Opfern 76 Prozent.
Der Anstieg bei gegen queere Menschen gerichtete Hasskriminalität widerspricht dem generellen Trend in Berlin: Insgesamt gingen die Fälle bei politisch motivierter Kriminalität um 15 Prozent auf 5.122 Fälle zurück.
Letzten Monat hatte der Berliner Queerbeauftragte Alfonso Pantisano (SPD) eine Landesstrategie zum Schutz queerer Menschen gefordert (queer.de berichtete).
Die Berliner Polizei meldet queerfeindliche Übergriffe weit häufiger als die Behörden aus anderen Ländern. Damit sollen Hassverbrechen aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität gezielt publik gemacht werden. Sowohl die Berliner Polizei als auch die Staatsanwaltschaft haben eigene Ansprechpartner*innen für LGBTI. (dk)














