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Cancel Culture von rechts
AfD fühlt sich vom Queerbeauftragten diffamiert
Die AfD ist sauer auf Sven Lehmann, weil der Grünenpolitiker in einer Fragestunde die Rechtsaußenfraktion als queerfeindlich bezeichnet hatte. Deshalb klagt die AfD in Karlsruhe.

Schneeflöckchen Tobias Matthias Peterka will keine Kritik an den Positionen seiner Partei durch die Bundesregierung dulden (Bild: IMAGO / Future Image)
- 5. September 2023, 14:17h 3 Min.
Die AfD-Bundestagsfraktion hat vor dem Bundesverfassungsgericht abermals Organklage gegen die Bundesregierung eingereicht. Im aktuellen Fall geht es nach Angaben der Fraktion vom Dienstag um Äußerungen des Queerbeauftragten der Bundesregierung, Sven Lehmann (Grüne), von denen sich ein AfD-Abgeordneter diffamiert fühle.
Lehmann, so beklagte die Rechtsaußenfraktion in einer Pressemitteilung, habe im Frühjahr im Bundestag auf eine Frage des AfD-Abgeordneten Tobias Matthias Peterka "unter anderem mit den Worten [beantwortet], 'die queerfeindlichsten und damit menschenfeindlichsten Äußerungen, Bestrebungen, Anträge und Entwürfe' würden aus der AfD-Fraktion kommen". Diese Antwort sei "bewusst diffamierend und damit unzureichend und rechtswidrig".
Das Grundgesetz verpflichte die Vertreter der Bundesregierung, "inhaltliche und neutrale Auskünfte auf Fragen von Abgeordneten zu geben", erklärte AfD-Justiziar Stephan Brandner. Mit Blick auf Lehmanns Äußerungen sprach Brandner von "Anfeindungen" und "verbalen Grenzüberschreitungen".

Hintergrund der AfD-Klage ist eine Fragestunde des Bundestages vom 1. März, bei der Lehmann, der auch Staatssekretär im Bundesfamilienministerium ist, befragt wurde. Während dieser Sitzung äußerten sich Vertreter der AfD extrem queerfeindlich – Brandner beleidigte dabei etwa die trans Abgeordnete Tessa Ganserer (Grüne) durch Deadnaming (queer.de berichtete). Peterka fragte, "ob es Erkenntnisse gäbe, aus welchen Bevölkerungsschichten die größte Ablehnung von 'queeren' Lebensansätzen zu kommen scheint". Daraufhin erwiderte Lehmann, dass sich die AfD im Bundestag am queerfeindlichsten zeige.
AfD bezeichnete Lehmann als "völlig durchgeknallt"
Die AfD zeigte sich in der Vergangenheit in ihrer Kritik an Lehmann übrigens nicht zimperlich: So bezeichnete der Abgeordnete Enrico Komning die Forderungen des Queerbeauftragten als "kriminell" (queer.de berichtete). Die Abgeordnete Christina Baum beschimpfte Lehmann gar als "völlig durchgeknallt" (queer.de berichtete).

Sven Lehmann während der Fragestunde Anfang März (Bild: Screenshot Parlamentsfernsehen)
Die AfD-Fraktion hat bereits mehrfach Organklage gegen die Bundesregierung eingereicht – unter anderem auch wegen kritischer Äußerungen von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). Letztes Jahr hatte die AfD eine Klage gegen die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gewonnen, weil sie es 2020 als "unverzeihlich" bezeichnet hatte, dass bei der Wahl des Ministerpräsidenten in Thüringen der FDP-Politiker Thomas Kemmerich mit den Stimmen von CDU, AfD und FDP gewählt worden war. Konkrete Folgen für die inzwischen aus dem Amt geschiedene Merkel hatte dieser AfD-Sieg vor Gericht nicht. Die mit fünf zu drei getroffene Entscheidung bedeutete jedoch einen PR-Erfolg für die Rechtsaußenfraktion. (AFP/dk)
Tobias Matthias Peterka (AfD): Die Herangehensweise in Bezug auf organisierte Religionsgemeinschaften ist eine Sache; aber Sie haben ja sicher auch eine Problemfeldanalyse durchgeführt. Gibt es denn da Erkenntnisse, aus welchen Bevölkerungsschichten die größte Ablehnung von queeren Lebensansätzen zu kommen scheint?
(Canan Bayram [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aus der AfD! Das weiß doch jeder! – Zuruf von der SPD: Aus der AfD! Guck doch mal in den Spiegel!)
Da bitte ich natürlich um eine wahrheitsgemäße Antwort. – Vielen Dank.
(Gabriele Katzmarek [SPD]: Um eine "wahrheitsgemäße Antwort"! Was reden Sie da denn? – Anke Hennig [SPD]: Also sag mal!)
Sven Lehmann, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Danke für die Nachfrage. – Wenn Sie mich schon so fragen, muss ich sagen, dass, wenn ich hier in dieses Parlament schaue, die queerfeindlichsten und damit menschenfeindlichsten Äußerungen, Bestrebungen, Anträge und Entwürfe aus Ihrer Fraktion kommen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der LINKEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP – Leni Breymaier [SPD]: Alle Fragen heute! – Canan Bayram [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Und das war wahrheitsgemäß!)














