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Theater des Westens
Wenn das Polizeiorchester für die Community spielt
Die Berliner Benefizgala #GEMEINSAMBUNT stand unter der Schirmherrschaft der Polizeipräsidentin, es spielte das Landespolizeiorchester Brandenburg. Ganz schön viel Polizei für einen Abend, an dem die queere Community im Vordergrund stehen soll. Oder doch nicht?

Die Schwestern der Perpetuellen Indulgenz und Moderatorin Gerlinde Jänicke bei der Gala (Bild: Fabian Girschick)
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6. September 2023, 06:56h 4 Min.
Wer zum ersten Mal etwas von der Veranstaltungsreihe #GEMEINSAMBUNT hört, stellt sich sicherlich ein eher schrilles Event vor, bei dem es nur vor Dragqueens strotzt und die Gay-Pop-Hymnen von Lady Gaga, Britney Spears & Co. rauf und runter laufen. Doch tatsächlich handelt es sich dabei um so ziemlich das komplette Gegenteil – zumindest zwischendurch.
Denn bei der Benefizgala #GEMEINSAMBUNT im Berliner Theater des Westens, die am Dienstagabend bereits zum vierten Mal stattfand, werden auch ruhigere oder melancholischere Töne angeschlagen. Eröffnet wurde sie von der Police Pipe Band, die mit Dudelsäcken und ihrer typischen Kluft die Bühne stürmte. Ein eher ungewöhnliches Bild für eine LGBTI-Veranstaltung – insbesondere, da es sich dabei um "echte" Polizist*innen handelte.
Ein hohes Aufgebot an Polizist*innen – als Show-Acts
Allgemein war ziemlich viel Polizei vertreten, allein durch Barbara Slowik, die Berliner Polizeipräsidentin, die sich die Schirmherrschaft mit Peter Plate teilte. Zudem stand die musikalische Umrahmung des Events unter der Leitung von Christian Köhler mit dem Landespolizeiorchester Brandenburg.

Die Police Pipe Band eröffnete die Gala (Bild: Fabian Girschick)
Aber passt das überhaupt zusammen? Schließlich hegen viele Mitglieder der LGBTI-Community nicht gerade die höchsten Sympathien gegenüber der Polizei, zumal man immer wieder von Vorfällen liest, bei denen sich Beamt*innen queerfeindlich verhalten. Diese hohe Polizeipräsenz bei #GEMEINSAMBUNT sorgt deshalb durchaus für Verwunderung, auch bei unserem Reporter Fabian Girschick, der sich die Veranstaltung vor Ort angesehen hat.
Die Berliner Polizei positioniert sich klar zur LGBTI-Community
Relativ schnell machte die Polizei Berlin aber deutlich, wie wichtig ihr es sei, sich für die LGBTI-Community stark zu machen. Hierfür griff sie auch ein jüngstes Beispiel auf, einen Tweet über das Hissen einer eigenen Regenbogenfahne in Berlin. Über 1.000 Kommentare seien daraufhin bei der Polizei eingetroffen, die meisten negativ und mit dem Vorwurf mangelnder Neutralität. Löschen wollte sie den Post aber nicht.

Moderatorin Gerlinde Jänicke mit den Veranstalter*innen des Abends (Bild: Fabian Girschick)
Stattdessen machte die Polizei Berlin klar, dass sie sich neutral verhalte, dennoch aber die Mitglieder der Community schütze und für sie einstehe. Für diese Unterstützung queerer Menschen erhielt sie bei #GEMEINSAMBUNT auch großes Lob von Berlins Queerbeauftragtem Alfonso Pantisano, der die Berliner Polizei als Vorbild für alle Polizeibehörden in Deutschland ansieht.
Emotionale Auftritte und nachdenkliche Momente
Wie gegenwärtig queerfeindliche Angriffe sind, wurde den ganzen Abend über immer wieder thematisiert. So erinnerte Alfonso Pantisano in seiner Rede auch an die trans Frau Ella, die sich vor rund einem Jahr auf dem Berliner Alexanderplatz mit Benzin übergossen und selbst angezündet hatte. Ihr Grab wurde seitdem mehrere Male geschändet, was nicht nur hochgradig respektlos sei, sondern auch ihren Angehörigen zu schaffen mache.

Der Berliner Queerbeauftragte Alfonso Pantisano hiuelt eine bewegende Rede (Bild: Fabian Girschick)
Auch Dragqueen Marcella Rockefeller stimmte die Besucher*innen nachdenklich, in dem sie von ihrem jüngeren Bruder erzählte, der seit seinem Coming-out mit Anfeindungen zu kämpfen habe. Für ihn performte sie den Song "Ich hab genauso Angst wie du" und war den Tränen nahe.
Die typische Queerness darf ebenfalls nicht fehlen
So abwechslungsreich und erfrischend es auch war, dass die Benefizgala – im Gegensatz zu vielen CSDs und Pride-Paraden – viele der typischen Klischees nicht erfüllte, durften natürlich dennoch auch ein paar Stereotypen queerer Veranstaltungen nicht fehlen. Und so kamen gleich mehrere Dragqueens auf die Bühne, Musicaldarsteller Michi Heller performte lasziv zu Ricky Martins "She bangs" und Songs wie "I Wanna Dance with Somebody" erinnerten an feuchtfröhliche Besuche in Gay-Bars.
Zwischendurch war es immerhin auch ziemlich nervenaufreibend, stets von den vielen Gewalttaten zu hören. Doch mit dem abwechslungsreichen Programm kamen die Veranstalter*innen ihrer Aufgabe nach, Aufklärungsarbeit zu betreiben und gleichzeitig zu unterhalten. Mit den Spenden berücksichtigt werden dieses Jahr Vereine wie der CSD Prignitz e.V. oder der Respektpreis.
Zum Hintergrund der Veranstaltung
Durch einen Anstieg der gewalttätigen transfeindlichen Übergriffe in den Jahren 2018 und 2019 in Neukölln entstand durch die Ansprechpersonen der Polizei für LGBTI (damals Sebastian Stipp und Anne von Knoblauch) gemeinsam mit dem Bezirksamt Neukölln die Idee, eine Show auf die Bühne zu bringen. Diese sollte die Aufmerksamkeit auf Hasskriminalität gegen queere Personen insgesamt erhöhen und die Ansprechpersonen für LGBTI in der Öffentlichkeit noch bekannter machen.
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