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Interview
Wie macht sich Heiner Lauterbach als Schwuler, Maren Kroymann?
In der Kino-Komödie "Enkel für Fortgeschrittene" spielt die lesbische Schauspielerin Maren Kroymann eine gehörnte hetero Ehefrau – und "Männer"-Mann Heiner Lauterbach einen mürrischen Schwulen. Wie das lief, verrät die 74-Jährige im Interview.

Maren Kroymann und Heiner Lauterbach bei der Premiere von "Enkel für Fortgeschrittene" am 15. August 2023 in der Essener Lichtburg (Bild: IMAGO / Future Image)
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7. September 2023, 04:50h 5 Min.
Sie ist die Grande Dame der deutschen Comedy: Die offen lesbische Schauspielerin Maren Kroymann räumt Preise ab wie keine andere: Grimme-Preis, Fernseh-Preis, Comedy-Preis und zuletzt den Dieter-Hildebrandt-Preis (queer.de berichtete). Und auch für die Beste Rede des Jahres 2021 wurde die aus Tübingen stammende Künstlerin von ihrer einstigen Uni gewürdigt: Rigoros wie keine andere sprach Maren Kroymann darin Sexismus und Diskriminierung in der Fernsehbranche an . Ihre Satire-Sendung "Kroymann" bietet Comedy vom Feinsten – und das Format wird in diesem Jahr fortgesetzt.
Auch auf der Kino-Leinwand ist die 74-Jährige ab heute wieder zu sehen, diesmal als gehörnte hetero Ehefrau: Nach dem ebenso erfolgreichen wie smarten Komödie-Coup "Enkel für Anfänger" folgt mit "Enkel für Fortgeschrittene" eine nicht minder amüsante Fortsetzung. Wieder auch mit Barbara Sukowa als Hippie-Lady sowie Heiner Lauterbach als überaus mürrischen Schwulen – der nach dem Tod des Partners nun eine neue Liebe findet.
Zum Kinostart hatten wir die Gelegenheit, uns mit Maren Kroymann zu unterhalten.
Frau Kroymann, wie bei den ersten "Enkeln" bietet auch in der Fortsetzung das Drehbuch starke Qualitäten. Weshalb ist das so chronisch selten im deutschen Kino?

Poster zum Film: "Enkel für Fortgeschrittene" startet am 7. September 2023 bundesweit in den Kinos
Manchmal trauen sich Produzenten oder Sender einfach nicht genug und denken, das etwas Vordergründigere käme beim Publikum besser an. Wie wenig das zutrifft, hat der Erfolg des ersten "Enkel"-Films dann ja deutlich gemacht. Damals dachte ich beim Lesen des Drehbuchs: "Wow. So witzig. So schlau. Und so gut Vorurteile aufgespießt!". So viel Qualität trifft man wirklich selten. Ich hätte gerne mehr davon!
Was genau macht diese Qualität aus?
Es ist ein Film über das pralle Leben: Er handelt von der Geburt, er handelt vom Sterben, er handelt von der Liebe in all ihren Facetten. Da ist die verloren geglaubte Liebe, die vielleicht wiederkommt. Da ist die neue Liebe bei Menschen, die aufgrund ihres Alters und ihrer Trauer schon mit dem Thema Liebe abgeschlossen hatten.
Während Sie als lesbische Schauspielerin die hetero Ehefrau spielen, übernimmt "Männer"-Mann Heiner Lauterbach hier die schwule Rolle. Gerät das zur kleinen Utopie einer neuen Normalität?
Ehrlich gesagt, habe ich die Rolle beim ersten Teil vor allem deswegen angenommen, weil ich den Part von Heiner Lauterbach so großartig fand. Dass dieser wirklich deutlich heterosexuelle Mann hier nun den Schwulen spielt, fand ich einfach eine super gute Idee. Wer im wirklichen Leben was ist, spielt hier gar nicht so eine Rolle.
Fänden Sie es nicht auch eine super gute Idee, wenn Sie öffentlich nicht ständig auf Ihre sexuelle Orientierung angesprochen würden?
In meinen letzten Interviews bin ich gar nicht drauf angesprochen worden, Sie sind jetzt seit längerem der Erste. (lacht) Macht aber nix. Auf mich kamen die Medien früher oft zu, weil es ansonsten nur wenige offen lesbische Schauspielerinnen gab, und sehr wenige, die sich medial dazu äußern wollten. Durch die Kampagne #ActOut hat sich das verändert, weil sich dabei viele öffentlich geoutet haben. Nicht wenige sagen allerdings: Damit reicht es mir, ich möchte nicht weiter darauf angesprochen werden. Derweil ich nach meinem Coming-out immer tapfer in alle Talkshows gegangen bin, um die Lesben zu vertreten. Eine musste es ja machen…
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Wie war die Atmosphäre beim Drehen der Fortsetzung? Ist das ein bisschen wie Klassentreffen?
Ja, es ist locker. Allerdings auch nicht übertrieben nah. Es ist nicht so, dass wir privat wahnsinnig viel zusammen machen würden. In der Konstellation beim Drehen funktioniert alles super zusammen, es herrscht eine große Kollegialität und Herzlichkeit. Beim Spielen sind alle bereit, auch zurückzutreten, und keiner drängt nach vorne. Vielleicht auch deshalb, weil wir alle unsere eigenen Karrieren und ein bisschen Erfolg im Leben schon erreicht haben.
Ein bisschen Erfolg und reichlich Preise. Voriges Jahr bekamen Sie vom Institut für Rhetorik der Uni Tübingen den Preis für die beste Rede des Jahres. Dieses Jahr folgte der Dieter Hildebrandt Preis und der Grimme-Ehrenpreis. Was bedeutet der dauerhafte Preisregen für Sie?
Diese Preise hauen mich schon um, das finde ich großartig. Mit Dieter Hildebrandt habe ich gearbeitet, und ihm verdanke ich sehr viel. Deswegen ist dieser Preis etwas ganz Besonderes für mich. Ebenso die Auszeichnung der Uni Tübingen, wo ich ja einst mein Studium begann. Diesen Preis für die beste Rede bekamen vor mir überhaupt nur drei Frauen, Angela Merkel, Ursula von der Leyen und Margot Käsmann. Als ich diese Nachricht bekam, hatte ich schon kurz Tränen in den Augen.
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Wie geht es mit Ihrer Satire-Sendung "Kroymann" weiter?
Dieses Jahr machen wir eine Sendung mit einer etwas anderen Struktur als sonst – nach dem Motto "Öfter mal was Neues". Alle Beteiligten hängen sehr an diesem schönen Format, das schon sehr speziell ist und wollen gerne weitermachen.
Die Sendung "Kroymann" könnte von Künstlicher Intelligenz vermutlich kaum übernommen werden. Mit welchen Gefühlen sehen Sie insgesamt die Zukunft von KI?
Diese kleine Anarchie unserer Sendung kann die KI nicht bieten. Bei standardisierten, bürokratischen Texten kann künstliche Intelligenz durchaus funktionieren. Aber wenn es um Kreativität geht, um das Menschliche und um das Menschsein, da möchte ich eigentlich lieber keine KI haben. Bei Poesie und Träumen möchte ich mich nicht ersetzen lassen.
Enkel für Fortgeschrittene. Komödie. Deutschland 2023. Regie: Wolfgang Groos. Cast: Maren Kroymann, Heiner Lauterbach, Barbara Sukowa, Günther Maria Halmer, Ercan Durmaz, Marie Burchard, Bruno Grüner, Efe Kayra Yildirim, Linus von Emhofen, Franka Roche, Chiara Kitsopoulou, Morten Völlger, Romy Baur, Imogen Kogge, Jörg Vincent Malotki, Vivien Sczesny. Laufzeit: 110 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. FSK 6. Verleih: Studiocanal. Kinostart: 7. September 2023
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