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Queerfeminismus für Anfänger*innen
Mit ihrer Kino-Doku "Feminism WTF" will Katharina Mückstein einer (ehemals) kämpferischen Bewegung Auftrieb verleihen. Trotz vieler Expert*innen und einer trans Perspektive will ihre Aufklärungs-Fleißarbeit jedoch nicht wirklich zünden.

Ausschnitt aus dem Filmplakat: "Feminism WTF" startet am 7. September 2023 im Kino
- Von
7. September 2023, 05:35h 3 Min.
Feministische Kämpfe stecken in der Krise: Wird Aktivist*innen doch ein Mundverbot erteilt, weil ja die geschlechtliche Gleichberechtigung angeblich bereits Realität sei. Und im Diskurs kommt immer wieder der unbegründete Vorwurf des allgegenwärtigen Männerhasses auf.
Hinter "Feminism WTF", dem Titel des ersten Kino-Dokumentarfilms der Wiener Regisseurin Katharina Mückstein, lässt sich eine ähnlich reaktionäre Debatte um die weltweiten Frauen*-Bewegungen vermuten: Die abwertende Implikation im Namen ist jedoch irreführend, bietet der Film doch eine behutsame Einführung in die feministische Materie.
Das binäre Geschlechtersystem als überholt entlarvt

Szene aus "Feminism WTF" (Bild: mindjazz pictures)
In Spielfilmlänge nimmt die Dokumentation die Zuschauer*innen (allzu) zaghaft an die Hand: "Feminism WTF" zeichnet die Anfänge weiblicher Aufstände und internationaler Solidarität, beginnend mit Kolonialgeschichte und der expliziten körperlichen Ausbeutung Schwarzer Frauen*. Er greift ganz richtig das kapitalistische Interesse am Antifeminismus auf, durch das Unternehmen die doppelte Ausbeutung von Frauen* als Arbeitnehmerinnen und Care-Arbeiterinnen legitimieren. Zudem argumentiert der Film treffend, dass Feminismen intersektional gedacht, also Überschneidungsflächen zu anderen strukturellen Diskriminierungsformen berücksichtigt werden müssen. Er lässt sich überdies Zeit für eine trans Perspektive, die das binäre Geschlechtersystem als das entlarvt, was es ist: längst überholt.
Von Sozio- und Biologie über Sexual- und Erziehungswissenschaft bis hin zu kritischer Männerforschung: Mückstein lädt Expert*innen aus diversesten Fachbereichen ein, die unterschiedliche Blickwinkel auf feministische Theorie verkörpern. Zudem fungieren einige Individuen als Teilnehmer*innen sozialer Experimente vor laufender Kamera, um stereotype Vorstellungen von Gender in der Erziehung und eigene Privilegien in der jugendlichen Sozialisierung zu entlarven. Wie die Auswahl dieser Proband*innen und Interviewpartner*innen geschieht, bleibt hier etwas zu intransparent.
Der Film lässt inhaltliche und visuelle Anreize vermissen

Interviews in Laboratmosphäre; Expertin in "Feminism WTF" (Bild: mindjazz pictures)
Der Dokumentarfilm besteht zu einem überwiegenden Anteil aus Interviewausschnitten und "talking heads", also sprechenden Köpfen. Die gestellten Fragen wirken teils behäbig und fad, sie bieten keinen neuen Ansatz für feministische Perspektiven. Mit Fragen wie "Wo siehst du den Feminismus in 100 Jahren?" präsentiert sich "Feminism WTF" als abgedroschen – so wie eine zweifellos fleißig vorbereitete, aber doch eher ermüdende PowerPoint-Präsentation. Aus welcher Motivation entsteht der Film, an welche Zielgruppe richtet er sich? Ein thematisches Alleinstellungsmerkmal oder ein konkreter kritischer Aufhänger bietet Mückstiens erste Dokumentation leider nicht.
Zudem bietet der Film für sein Medium zu wenig visuellen Anreiz für das Publikum. Die Regisseurin lässt ihre Gesprächspartner*innen in farblich akribisch aufeinander abgestimmten Settings vor die Kamera treten. Die ästhetische Ähnlichkeit zu Laboren bietet durch ihre saubere Aufgeräumtheit genügend Raum zur Reflexion und hoher Inhaltskonzentration, erzeugt aber zugleich den Anschein von Realitätsferne. Das ist wenig förderlich, geht es "Feminism WTF" doch darum, feministische Theorie in den Alltag zu ziehen und auch Männer* für den gemeinsamen Kampf gegen das Patriarchat zu überzeugen.
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Die Musikvideo-Sequenzen, für die Tony Renaissance den elektronischen Soundtrack beisteuerte, dürften noch dynamischer, wilder, kämpferischer sein. "Feminism WTF" mangelt es an konkreten und revolutionären Forderungen – ganz im Sinne der Herausforderung, die der Film selbst benennt: einer (ehemals) kämpferischen Bewegung Auftrieb verleihen. Die belehrenden Zwischenfazits und zusammenhangslos eingeblendeten Zitate großer feministischer Denkerinnen verstärken ästhetisch den nicht immer zufrieden stellenden inhaltlichen Eindruck eines zwar übersichtlich gestalteten, aber thematisch oberflächlichen Instagram-Posts.
Feminism WTF. Dokumentarfilm. Österreich 2023. Regie: Katharina Mückstein. Mitwirkende: Maisha Auma, Persson Perry Baumgartinger, Astrid Biele Mefebue, Nikita Dhawan, Christoph M. Laufzeit: 96 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. FSK 12. Verleih: mindjazz pictures. Kinostart: 7. September 2023
Links zum Thema:
» Alle Kinotermine auf der Homepage von mindjazz pictures
Mehr zum Thema:
» Interview mit Regisseurin Katharina Mückstein: "Transphober Hass ist keine feministische Position" (04.09.2023)
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