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Interview
Dermot Kennedy: "Es ist wichtig, dass wir offener werden"
Dermot Kennedy gilt als irischer Nationalheld und begeistert auch hierzulande tausende von Fans. queer.de sprach mit dem 31-jährigen Singer-Songwriter über Gender-Stereotype, seine Vorbildfunktion und seinen Bezug zur LGBTI-Community.

Der irische Sänger und Songwriter Dermot Kennedy singt von Herzschmerz und Hoffnung (Bild: Shervin Lainez)
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9. September 2023, 10:14h 5 Min.
Kurz bevor er beim "Superbloom"-Festival in München die Bühne betritt, trifft queer.de den Singer und Songwriter Dermot Kennedy (31) backstage zum Interview. Er ist, wie man sich ihn vorstellt, freundlich und unaufgeregt. Ohne Starallüren, Bad-Boy-Gehabe oder Arroganz. Einfach authentisch.
Und über genau diese Authentizität und seine Offenheit hinsichtlich seiner Emotionen sprach er rund zehn Minuten mit unserem Reporter Fabian Girschick. Tabus gab es dabei keine, dafür aber Geständnisse, die zeigen, auch für ihn bringt das Star-Sein seine Tücken und Grenzen mit.
Ein Gespräch mit dem Sänger, der mit seinen beiden Studioalben "Without Fear" und "Sonder" sowohl in Irland als auch Großbritannien auf Platz eins der Charts landete.
Zunächst einmal: Herzlich willkommen in Deutschland! Was magst du hier am meisten?
Ich liebe die Landschaft in Deutschland und erkunde deshalb während meiner Konzerte immer gerne die Gegend und lerne etwas Neues über die Orte dazu. Außerdem habe ich in Deutschland immer ein sehr cooles Publikum. Tatsächlich gibt es einige Songs, die ich nur in Deutschland spielen kann, da das Publikum hier so respektvoll und freundlich ist. Das bedeutet mir als Künstler wirklich sehr viel.
Aktuell tourst du um die ganze Welt. Was gefällt dir an dem vielen Reisen am besten – und geht es dir teilweise vielleicht auch auf die Nerven?
Es trifft tatsächlich beides zu: Manchmal denke ich, ich habe den besten Job auf der Welt, darf viel reisen und überall musizieren. Das ist ein wirklich großes Privileg, und ich kann mir nichts Besseres vorstellen. Manchmal ist es aber auch wirklich sehr hart, da man stets auf seine psychische und physische Gesundheit achten muss. Wofür ich aber sehr dankbar bin, ist, dass ich mich auf der Bühne nicht verstellen muss. Wenn es mir zum Beispiel mal schlecht geht, gehe ich nicht auf die Bühne raus, und behaupte, wie glücklich ich wäre. Sondern dann lass ich die Show einfach die Show sein. Aber zu 99 Prozent ist es das Beste auf der Welt, denn ich durfte schon so viel von der Welt sehen, einfach weil ich Musiker bin.
Wie schaffst du es denn, trotz deines großen Erfolgs auf dem Boden zu bleiben?
Dadurch, dass ich 31 und nicht erst 17 bin, konnte ich im Leben schon viele Erfahrungen machen und mich so hinreichend selbst kennenlernen. Darunter zählt, dass ich zum Beispiel erkannt habe, wie ich mich sowohl als Privatperson als auch als Künstler verhalten soll. Zudem habe ich eine tolle Familie und wunderbare Freund*innen, die mich auch wissen lassen würden, wenn sich irgendetwas an mir verändert haben sollte.

Dermot Kennedy sorgt auch in Deutschland für ausverkaufte Konzerte (Bild: Andrew Rose)
Was viele an dir schätzen, ist, dass du dich häufig sehr emotional präsentierst. Und das, obwohl es immer noch Stimmen gibt, dass Männer keine Gefühle zeigen dürfen. Wie gehst du damit um?
Ich sehe für mich keinen anderen Weg, als meine Gefühle zu zeigen. Denn wenn ich einen Song 200- oder 300-mal performe, muss ich auch an das glauben, was ich singe. Wenn ich also beim Schreiben einen Schmerz spüre, dann möchte ich, dass dieser im Song auch erhalten bleibt. Denn das Tolle an Konzerten ist beispielsweise zu sehen, wie die Zuschauer*innen meine Emotionen spüren, und wie ich wiederum ihre spüren kann.
Was glaubst du, wie wir Gender-Stereotypes in Zukunft reduzieren können?
Als Ire sehe ich, wie langsam sich Dinge verändern und wie viel Rolle beispielsweise Religion noch immer für viele spielt. Ich glaube aber, es ist wichtig, dass wir immer offener werden. Schließlich leben wir in angsterregenden Zeiten, in denen einige sogar noch engstirniger sind als früher. Ich schreibe zwar viel über Themen wie Liebe, aber am Ende möchte ich vor allem eines durch meine Musik erreichen: Dass sich alle so wohlfühlen wie sie sind. Ich möchte, dass sie erkennen, dass sie einen Platz auf der Erde haben und nicht alleine sind.
Denkst du denn, dass du als Musiker auch eine gewisse Vorbildfunktion mitbringst?
Vielleicht ein wenig. Aber ich fühle mich selbst immer nicht so wichtig. Und ich meine das nicht auf eine traurige Art und Weise. Ich sehe mich als jemanden, der Songs schreibt und singt. Und wenn ich etwa ein Konzert vor 20.000 Menschen spiele, dann sind das 20.000 Menschen plus einer, inklusive mir. Und auch wenn ich die Songs singe, haben wir alle dieselben Emotionen. Ich fühle mich zwar geehrt, dass ich ein potentielles Vorbild bin, aber ich selbst sehe mich nicht so.
Wie ist denn dein persönlicher Bezug zur LGBTI-Community?
Ich war vor kurzem erst in Dublin und habe all die bunten Fahnen im Rahmen der Pride-Parade gesehen. Das war wirklich cool. Ich finde es schön, in Zeiten zu leben, in denen die Menschen der Community offener gegenüber werden. Für mich gibt es nicht Schöneres, als zu musizieren, und mich dadurch für eine Welt stark zu machen, in der wir füreinander da sind und uns gesehen fühlen.
Zurück zu deiner Musik: Welcher war dein bisher persönlichster Song?
Vermutlich "Innocence and Sadness". Als ich diesen das erste Mal live gespielt habe, habe ich mich danach total erschöpft gefühlt. Mit diesem Gefühl habe ich nicht gerechnet. Aber es sind einfach einige Strophen darin enthalten, die von sehr einschneidenden Erlebnissen aus meinem Leben handeln.
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Woher nimmst du denn die Inspiration für deine Musik?
Von überall. Für mich hat beispielsweise Sport schon immer eine große Rolle im Leben gespielt. Ich war schon immer begeistert von Leuten, die sehr diszipliniert waren und ihrem Traum nachgegangen sind. Und ich sehe dies häufiger im Sport- als im Musikbereich. Aber natürlich ziehe ich auch aus der Musik anderer Künstler*innen viel Inspiration und checke etwa jeden Tag Spotify.
Und gibt es eigentlich bei all dem Erfolg noch irgendetwas, dass du erreichen möchtest?
Das Wichtigste für mich ist, einfach glücklich zu bleiben. Das ist tatsächlich so. Wir haben schon in den bedeutendsten Konzertlocations gespielt, und trotzdem habe ich mich nicht vollkommen erfüllt gefüllt. Das macht für mich deutlich, dass Glücklichsein nicht unbedingt mit dem Spielen vor hunderttausenden Menschen zu tun hat. Und deshalb ist es mein Ziel, auch dann glücklich zu sein, wenn ich zwei Jahre nicht auf Tour gehe.
Links zum Thema:
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» Offizielle Homepage von Dermot Kennedy
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