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Kulturkampf in Amerika

US-Senator: "Ich begann damit, von hinten in ihn einzudringen"

Ein republikanischer Senator las im Washingtoner Parlament einen Ausschnitt aus einem queeren Buch vor, um für dessen Verbot in Büchereien zu werben.


Senator John Kennedy würde gerne Bücher mit queeren Themen aus Büchereien verbannen (Bild: Screenshot C-SPAN)

  • 13. September 2023, 11:25h 2 Min.

Eine Anhörung des Justizausschusses im US-Senat hat am Dienstag eine sehr eigenartige Wendung genommen und zu peinlich-betretenen Blicken der Anwesenden geführt: Der 71-jährige republikanische Senator John Kennedy las eine schwule Sexszene aus der autobiografischen Essay-Sammlung "All Boys Aren't Blue" von George M. Johnson vor. Damit wollte der erbitterte Gegner von LGBTI-Rechten aus Louisiana dafür werben, dass das Buch in öffentlichen Büchereien verboten wird.

Wörtlich las Kennedy vor:

Ich habe etwas Gleitgel aufgetragen und geschafft, dass er auf die Knie geht. Ich begann damit, von hinten in ihn einzudringen. Ich zog es wieder raus und küsste ihn, während er onanierte. Er bat mich, mich umzudrehen, während er sich ein Kondom überzog. Das war mein Arsch – und ich kämpfte mit dem Gedanken, dass jemand in mir drin ist. Er ist auf mich drauf gegangen und langsam in mich eingedrungen. Das war der schlimmste Schmerz, den ich jemals im Leben gespürt habe. Schließlich hat sich der Schmerz mit Lust vermischt.

/ atrupar
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Das Buch stammt von einer nichtbinären Person, die zudem auch noch schwarz ist – also nicht zum typischen Klientel der Republikaner gehört. Mehrere Schulbezirke haben das Buch bereits verboten. Insbesondere Bücher, die LGBTI- oder afroamerikanische Themen behandeln, landen auf derartigen Verbotslisten.

Kritik von Demokraten

Demokraten und Republikaner stimmten in der Anhörung überein, dass nicht alle Bücher für alle Altersklassen geeignet seien. Es sei allerdings laut den Demokraten nicht redlich, eine besonders detaillierte Sexszene herauszupicken, um ein Buch zu beurteilen, das Diskriminierungserfahrungen aufgrund der Hautfarbe oder der sexuellen oder geschlechtlichen Orientierung zum Thema macht.

Das im April 2020 veröffentlichte Buch "All Boys Aren't Blue" wurde von Kritiker*innen hoch gelobt. Es sei ein "unerschütterliches Zeugnis, das Schwarzen queeren Kids Sichtbarkeit verleiht", schrieb etwa die "Huffington Post".

Der demokratische Politiker Alexi Giannoulias erwiderte Kennedy, dass laut seinen Argumenten eine ganze Reihe weiterer Bücher verboten werden müssten, beispielsweise der amerikanische Klassiker "Wer die Nachtigall stört" von Harper Lee, der Rassismus in den Südstaaten zum Thema macht. "Wo soll das Ganze dann aufhören?", fragte Giannoulias. Die Republikaner sollten damit aufhören, die "Grundrechte der Amerikaner zu beschneiden, nur weil ihnen bestimmte Dinge nicht gefallen". "Unsere Büchereien sind zur Zielscheibe jener geworden, die sich im Namen der Freiheit für unterdrückerische Maßnahmen stark machen. Autoritäre Regime verbieten Bücher, aber nicht Demokratien", so Giannoulias. (cw)

/ Giannoulias

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