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Baden-Württemberg

Böblingen: Trans Frau nach Streit im Supermarkt festgenommen

An der Kasse einer Lidl-Filiale in Böblingen kam es am Montag zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen einer 25-jährigen Kundin und einem 46 Jahre alten Mann. Über eine Polizeimeldung, die viele Fragen offenlässt…


Symbolbild: Der Vorfall ereignete sich im Kassenbereich einer Lidl-Filiale in Böblingen (Bild: IMAGO / Martin Wagner)

In offiziellen Polizeiberichten wird queer­feindliche Gewalt nicht selten noch immer verharmlost, vor allem abseits der großen Metropolen. Statt die Hassmotivation sowie Täter*in und Opfer klar zu benennen, wird dann von einem "Streit" berichtet oder einer "Auseinandersetzung", von einer queeren und einer nicht queeren Person, die "aneinandergeraten" sind. Bei entsprechenden Meldungen ist es immer ratsam, genauer hinzuschauen.

So lässt auch eine Presseinformation des Polizeipräsidiums Ludwigsburg vom Dienstag über einen Vorfall in Böblingen viele Fragen offen. In der schwäbischen Kreisstadt kam es am Montagmittag in einem Lidl-Supermarkt zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen einer 25-jährigen trans Kundin und einem 46 Jahre alten mutmaßlichen cis Mann. Vorübergehend festgenommen wurde am Ende die trans Frau.

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Wörtlich heißt es im Polizeibericht:

Am Montag (18.09.2023) gerieten gegen 12:35 Uhr eine Kundin und ein Kunde eines Lebensmitteldiscounters in der Rudolf-Diesel-Straße in Böblingen aneinander. Ein zunächst verbaler Streit im Kassenbereich eskalierte und führte zu einer körperlichen Auseinandersetzung. Hierbei zog eine 25-jährige Transfrau einen Teleskopschlagstock und schlug in Richtung eines 46-Jährigen. Zudem beleidigte die 25-Jährige den Mann. Im Anschluss daran flüchtete die Transfrau auf den Parkplatz des Discounters und der 46-Jährige rannte ihr hinterher. Beim Versuch, den 46-Jährigen zu stoppen, verletzte sich eine 57-jährige Mitarbeiterin des Discounters leicht. Mehrere alarmierte Streifenwagenbesatzungen konnten die 25-Jährige auf dem Parkplatz des Discounters antreffen und vorläufig festnehmen. Sie wurde zum Polizeirevier Böblingen gebracht. Nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wurde sie auf freien Fuß entlassen. Die Ermittlungen des Polizeireviers Böblingen dauern an.

Warum sind die Kundin und der Kunde aneinandergeraten? Wir wollten mehr über die Hintergründe wissen und fragten bei der Pressestelle des Polizeipräsidiums Ludwigsburg nach: Gibt es zum Auslöser der Streits weitere Erkenntnisse? Spielt die Transidentität der Kundin eine Rolle, sind möglicherweise transfeindliche Bemerkungen des 46-Jährigen gefallen? Warum wollte eine Lidl-Mitarbeiterin den Mann stoppen?

Die Antwort von Pressesprecher André Kielneker am Mittwochvormittag fiel recht mager aus:

Die Hintergründe der vorausgegangen verbalen Streitigkeiten sind derzeit noch Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen, die bis auf weiteres andauern. Darüber hinaus können wir im laufenden Ermittlungsverfahren keine weiteren Auskünfte erteilen.

Doch wenn es bislang offenbar keine Hinweise auf einen transfeindlichen Hintergrund der Auseinandersetzung gibt, warum wurde dann die Transidentität der 25-Jährigen im Polizeibericht überhaupt erwähnt?

Auf diese Frage antwortete der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Ludwigsburg wie folgt:

Wir können Ihnen mitteilen, dass grundsätzlich die Sexualität oder Identität einer Person nicht im Vordergrund unserer Berichterstattung steht und wir mit der erforderlichen Sensibilität die Sachverhalte aufarbeiten. Wir pflegen jedoch generell eine objektive Berichterstattung. Der zugrundeliegenden Sachverhalt generierte eine starke Öffentlichkeitswirkung und er wurde von mehreren unbeteiligten Zeugen wahrgenommen. Hierbei wurde auch eine, dem Anschein nach, männlich Person in Frauenbekleidung gemeldet, weshalb wir zur Klärung der Gesamtumstände die Transidentität der Person benannt haben.

Eine nicht wirklich überzeugende Begründung. Da das Polizeipräsidium Ludwigsburg in seinen Meldungen auch nicht die cis Identität von Tatverdächtigen benennt, deutet hier einiges auf einen Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot im Medienkodex der Polizei Baden-Württemberg. Sensibilität im Umgang mit trans Menschen sieht anders aus.

Um eines klarzustellen: Auch mögliche queerfeindliche Bemerkungen sind keine Rechtfertigung dafür, im Supermarkt mit einem Teleskopschlagstock auf andere Menschen einzuprügeln. Die weiteren Ermittlungen werden (hoffentlich) zeigen, was wirklich an der Lidl-Kasse passiert ist.

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