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"Eine Seuche, schlimmer als das Coronavirus"
Libanon: Religionsführer erlässt Fatwa gegen queerfreundlichen TV-Sender
Ein beliebter libanesischer TV-Sender fordert, Homosexuelle nicht länger staatlich zu verfolgen. Das bringt konservative Kräfte im Land in Wallung.

Dieser Spot im libanesischen Sender MTV fordert die Entkriminalisierung von Homosexualität (Bild: MTV)
- 20. September 2023, 09:59h 2 Min.
Der libanesische TV-Sender MTV hat mit einer Kampagne für die Entkriminalisierung von Homosexualität für Aufregung in konservativen Kreisen gesorgt. Der TV-Sender, der vor allem mit Unterhaltungssendungen wie arabischen Versionen von Shows wie "Let's Dance" oder "Familienduell" für Quoten sorgt, zeigt seit dem 2. September einen gut halbminütigen Spot, in dem die Abschaffung von Paragraf 534 des Strafgesetzbuches gefordert wird, der "jeden Geschlechtsverkehr, der gegen die natürliche Ordnung verstößt", unter Strafe stellt. Mit diesem Paragrafen wurden auch immer wieder queere Menschen verfolgt.
In dem Spot werden zwei nebeneinanderstehende Männer in einem Aufzug gezeigt. Danach kommt ein Mann mit einer Waffe in den Aufzug und verlässt diesen wieder. "Es gibt Straftaten", heißt es dazu in einem eingeblendeten arabischen Text. "Und es gibt Liebe". Darauf heißt es: "Für die Abschaffung des Paragrafen 534 des libanesischen Strafgesetzbuches, der Homosexualität kriminalisiert."
/ MTVLebanon. #mtvlebanon pic.twitter.com/XWhVmJavXQ
MTV Lebanon (@MTVLebanon) September 2, 2023
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Der sunnitische Religionsführer Hassan Moraib hat wegen des Werbespots eine Fatwa, also ein islamisches Rechtsgutachten, erlassen, wie aus einer Übersetzung der Nichtregierungsorganisation "Middle East Media Research Institute" (MEMRI) hervorgeht. "Wir betrachten MTV als eine Seuche, schlimmer als das Coronavirus, vor dem man sich hüten sollte", sagte Moraib in einer Sendung des Online-Kanals "Spot Shot". "MTV hat seine Seele an Satan verkauft." MTV anzuschauen sei für Muslim*innen "haram", also verboten, fuhr der Geistliche fort. "Ich verkünde diese Fatwa durch Ihre Sendung", so der Geistliche.

(Bild: MEMRI TV)
Der Libanon galt in der Vergangenheit als in der Region relativ liberal im Umgang mit queeren Menschen. Zuletzt kam es aber vermehrt zu Übergriffen auf die LGBTI-Community. So hatten kürzlich Männer eine queere Bar in der Hauptstadt Beirut angegriffen, in der eine Drag-Veranstaltung stattfand. Lokale Medien berichteten, dass einige der Barbesucher verprügelt und bedroht wurden. Laut einem neuen Bericht der Human Rights Watch greifen die Behörden inzwischen systematisch die grundlegenden Rechte von queeren Person an (queer.de berichtete). (dk)















