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Offener Brief

Aktivist*­innen fordern weniger Kommerz und "Rainbow-Washing" bei deutschen CSDs

In einem offenen Brief sprechen sich eine Reihe von queeren Promis dafür aus, etwas gegen die Kommerzialisierung von CSDs zu unternehmen.


Die Unterzeichnenden des offenen Briefes machen sich Sorgen, dass der CSD zu kommerziell wird und die Botschaft der Gleich­behandlung von LGBTI nicht mehr durchdringen kann (Bild: prideinc.de)

Der Heidelberger LGBTI-Aktivist und "Queermentor"-Gründer Pavlo Stroblja hat am Dienstag gemeinsam mit 25 Unterstützer*innen aus der LGBTI-Community einen offenen Brief veröffentlicht, in dem die "zunehmende Kommerzialisierung" und das "Rainbow-Washing" bei Pride-Veranstaltungen in Deutschland kritisiert werden. Zu den Erst-Mitunterzeichnenden des Briefes an den Verein CSD Deutschland gehören unter anderem "Big Brother"-Moderator Jochen Schropp, Schauspieler Brix Schaumburg, der erste trans Mr. Gay Germany, Max Appenroth, Dragqueen Bambi Mercury oder Stuart Bruce Cameron, der Organisator der ersten queeren Jobmesse "Sticks & Stones".

"Mit diesem offenen Brief möchte ich meine Sorge über die Tendenz der zunehmenden Kommerzialisierung der CSDs in Deutschland und zum Rainbow-Washing durch Unternehmen zum Ausdruck bringen", heißt es in dem Brief. Zwar spielten auch privatwirtschaftliche Unternehmen bei den CSDs eine Rolle. "Gleichzeitig bemerken wir eine Tendenz der zunehmenden Kommerzialisierung der CSDs durch Privatunternehmen, die in den öffentlichen Paraden häufig eine Plattform für kommerziell motivierte Eigenwerbung und Image-Optimierung sehen. Dieses Rainbow-Washing birgt ein großes Risiko für die gesellschaftliche Wahrnehmung von CSDs und ist kontraproduktiv für eine bessere Zukunft für queere Menschen."

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Um diesen Trend zu durchbrechen, stellt der offene Brief mehrere Forderungen, etwa jedes Unternehmen, das Teil eines CSDs ist, "eine Patenschaft für eine gemeinnützige LGBTQIA+-Organisation übernehmen" soll. 20 Prozent des Pride-Budgets soll außerdem an eine ausgewählte gemeinnützige Organisation gespendet werden. Des weiteren sollten mindestens ein Drittel der verfügbaren Plätze auf dem Truck "für ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter*innen der gemeinnützigen Organisation reserviert sein". Derartige Maßnahmen sollen sicherstellen, "dass die Beteiligung von Unternehmen an den CSDs tatsächlich zur Stärkung unserer Community beiträgt und Tendenzen des Rainbow-Washings von Beginn an unterbinden".

Pavlo Stroblja, der Initiator des offenen Briefes, hatte kürzlich gegenüber dem Rundfunk Berlin-Brandenburg beklagt, dass es gerade für kleine Initiativen wie sein Projekt "Queermentor" schwierig sei, auf CSDs präsent zu sein: "Wir bekommen keine Fördergelder, und haben nicht die finanziellen Ressourcen für einen großen Truck", so Stroblja. Der rbb berichtete am Montag über den Berliner CSD "zwischen Kommerz und Protest" und darüber, dass Vereinsmitglieder kritisierten, sie würden nicht erfahren, "was mit den Einnahmen aus dem queeren Großereignis des Jahres passiert". (dk)

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