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Wolfgang Haas
Liechtenstein: Queerfeindlicher Erzbischof geht in Rente
Jahrelang machte Wolfgang Haas Stimmung gegen queere Menschen – zuletzt warnte er sogar ganz im Putin-Stil vor "LGBT-Propaganda". Jetzt tritt der Scharfmacher altersbedingt ab.

Wolfgang Haas in einem Interview des schweizerischen Fernsehens (Bild: Screenshot SRF)
- 21. September 2023, 13:25h 2 Min.
Wie am Mittwoch bekannt wurde, hat Papst Franziskus das Rücktrittsgesuch des Vaduzer Erzbischofs Wolfgang Haas angenommen, den der 75-Jährige altersbedingt eingereicht hatte. Damit endet eine Ära in einem der jüngsten und kleinsten Erzdiözesen der katholischen Kirche. Haas hatte das Erzbistum, das das Staatsgebiet des Fürstentums Liechtenstein umfasst, seit dessen Gründung 1997 geleitet. Zuvor war er sieben Jahre lang Bischof des schweizerischen Chur gewesen.
Der erzkonservative Geistliche war in Liechtenstein hochumstritten. Bei seiner Amtseinführung vor 26 Jahren boykottierte etwa die Regierung und fast das gesamte Parlament die Zeremonie. Besonders seine Abneigung gegen Homosexuelle tat Haas immer wieder kund. Schon 2007 sprach er sich in scharfen Worten gegen eingetragene Partnerschaften aus und erklärte: "Praktizierte Homosexualität ist objektiv eine schwere Sünde, deren rechtliche Anerkennung geradezu einen Skandal darstellen würde" (queer.de berichtete).
Haas: Widerstand gegen Gleichbehandlung ist "heilige Pflicht"
Zuletzt kämpfte er gegen die geplante Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben. Letztes Jahr erklärte Haas etwa, die Ehe für alle sei eine "teuflische Attacke" und Widerstand gegen die Gleichbehandlung gleichgeschlechtlicher Paare halte er für eine "heilige Pflicht".
Kurz vor Weihnachten sorgte Haas für eine neuerliche Eskalation, als er den traditionellen Gottesdienst für die liechtensteinischen Landtagsabgeordneten absagte, weil fast alle von ihnen die Ehe für alle befürworten. Weiter erklärte er, die Ehe-Öffnung würde zu einem "moralischen Dammbruch" führen, und sprach sich gegen "LGBT-Propaganda" aus (queer.de berichtete).
Landtag will Ehe öffnen, Fürst ist dagegen
Liechtenstein wird wohl trotz der katholischen Gegenwehr die Ehe öffnen wie es bereits zuvor die einzigen Nachbarländer Österreich (2019) und die Schweiz (2022) getan haben. So sprachen sich kürzlich 23 von 25 Abgeordneten im Liechtensteiner Landtag dafür aus, die Ehe für alle Menschen zu öffnen, und zwar "ungeachtet des Geschlechts und der sexuellen Orientierung", wie es vom Liechtensteiner Justizministerium hieß.
Widerstand könnte allerdings noch vom Fürstenhaus des 39.000 Einwohner*innen zählenden Landes kommen: Fürst Hans-Adam II. hat wiederholt Homosexuelle als pauschale Gefahr für Kinder bezeichnet und mit einem Veto gedroht (queer.de berichtete). Er – bzw. sein Sohn Alois, der bereits 2004 die Regierungsgeschäfte übernommen hat – könnte das Gesetz ablehnen, auch wenn es eine große Mehrheit im Parlament oder im Volk dafür geben würde. Zwar könnte das Wahlvolk das Vetorecht des Monarchen via Volksentscheid kippen – allerdings könnte das Fürstenhaus auch gegen diese Entscheidung ein Veto einlegen. (dk)
/ zdfmagazin | Liechtenstein war auch das Thema der letzten Ausgabe von "ZDF Magazin Royale"Ein deutschsprachiges Fürstentum mit einem starken Herrscher da kommen einem die Tränen. Darum wollen wir die frohe Kunde vom Power-State Liechtenstein verbreiten. #Ribelmais https://t.co/omIAzQMhL4
ZDF Magazin Royale (@zdfmagazin) September 16, 2023
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