Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?47136

Folge 40 von 53

Schwule Symbole im Film: Schlangen, Bären und Bullen

In dieser Folge geht es um verschiedene wilde Tiere und wild gewordene Männer – von verführerischen Schlangen über schwule Bären bis zu horny Männern.


Ein Schlangentanz in "Das Bildnis des Dorian Gray" (2009)

Schlangen – gefährlich und phallisch

Die Schlange ist ein christliches Urbild der Sünde und der Verführung im Paradies. Wegen der äußeren Form und weil Schlangen gerne in Erdlöcher schlüpfen, sah bereits Sigmund Freud in ihnen ein phallisches Sexualsymbol. Die weit verbreitete Angst vor diesem Reptil steht vermutlich u.a. mit dieser phallischen Bedeutung in Verbindung. Die Schlange ist zudem verschlingend und durch ihre Häutung auch ein Symbol von Unsterblichkeit. Als Symbol der Heilkunde ist sie (in Verbindung mit dem Äskulapstab) bis heute das Symboltier von Ärzt*innen und Apotheker*innen.

Die Schlange als Phallus

Die Angst vor Schlangen lässt sich auch in Komödien gut umsetzen. In der Komödie "Mel Brooks. Die verrückte Geschichte der Welt" (1981) wird einem Sklaven – in einem nicht homosexuellen Zusammenhang – als Strafe eine Schlange in seinen Anus eingeführt. Eine Szene in der Serie "Die Simpsons" (Folge 22/17) ist vom homosexuellen Aspekt her deutlich: Ein Dr. Zander möchte Homer von einer Schlange in seiner Hose befreien, greift beherzt in Homers Hose, hat aber schließlich dessen Schwanz in der Hand. Der Titel der Filmbiographie "King Cobra" (2016) über das Leben des schwulen Pornodarstellers Brent Corrigan bezieht sich offensichtlich auf sein Geschlechtsteil.


Eine Schlange als Phallus in Homer Simpsons Hose ("Die Simpsons", Folge 22/17)

In umgekehrter symbolischer Bedeutung kann nicht nur die Schlange auf den Phallus, sondern auch der Phallus auf die Schlange verweisen: In "Trouble ohne Paddel" (2004) kuscheln drei junge Männer wegen Kälte dicht aneinander geschmiegt miteinander, bis plötzlich einer von ihnen aufspringt, sich über die "Python" des hinter ihm liegenden Mannes aufregt und sich erst wieder hinlegen möchte, wenn diese "Python" "wieder im Käfig" ist. In "Another Gay Sequel" 2008) bezeichnet ein Schwuler seinen eigenen Schwanz als "Jake, the snake".

Die Schlange – ein Spiel mit dem Feuer

Der Tanz eines fast nackten Mannes mit einer Schlange im Drama "Edward II." (1991) von Derek Jarman wirkt gleichermaßen erotisch, gefährlich und ist wie ein Spiel mit dem Feuer inszeniert. In "Das Bildnis des Dorian Gray" (2009) ist ein ähnlicher erotischer Tanz zu sehen, hier jedoch eingebunden in eine Szene mit Männern, Frauen und dem bisexuellen Dorian im Mittelpunkt. Als reine Bedrohung ist die Schlange in Sebastian Castros "Theban" (2013, 0:33 Min., hier online) inszeniert und muss im Kontext weiterer Motive wie dem eines toten Vogels, von Schwertern und Blut betrachtet werden.

Mit der Python, die in "Die Morde von Snowtown" (2011) in Nahaufnahme eine Ratte verschlingt und diese langsam tötet, können sich zwei der anwesenden Personen in unterschiedlicher Form identifizieren: Jamie als Opfer sexueller Gewalt und sein Stiefvater als Serienmörder.

Die verschlingende Schlange – Vereinigung

Manche Filme zeigen das Motiv der um- und verschlingenden Schlange. In einer Folge der "Simpsons" frisst der schwule Smithers, der sich in eine sprechende Schlange verwandelt hat, den von ihm geliebten und kurz zuvor verstorbenen Mr. Burns vollständig auf, um mit ihm "für immer vereint" zu sein ("Die Simpsons", Folge 13/1). Das Verschlingen eines Liebesobjektes drückt das Gefühl aus, jemanden in sich zu spüren und körperlich mit ihm eins zu werden.


Smithers ist mit seinem Geliebten Mr. Burns für immer vereint ("Die Simpsons", Folge 13/1)

Die sich selbst verschlingende Schlange – Kreislauf des Lebens

Ein Ouroboros (wörtlich "Schwanzverzehrer") ist ein altes Bildsymbol, das eine sich in den eigenen Schwanz beißende bzw. sich aus sich selbst hervorbringende Schlange zeigt, die einen Kreis bildet. Das Motiv steht u.a. für den Kreislauf von Leben und Tod und für Ewigkeit, ist bereits im Alten Ägypten belegt und hat Bedeutungen u.a. in der Philosophie und in der analytischen Psychologie (s. Wikipedia).

Ohne diesen Hintergrund ist der Film "Ouroboros" (2013) unverständlich, mit diesem Hintergrund kann man erahnen, was einem der Regisseur mitteilen wollte. Der Film wird mit dem Satz beworben: "Wie die selbstverschlingende Schlange Ouroboros so endet der Abend zweier Männer dort, wo er begann: im Bett." Auch Friedrich Nietzsche wird mit dem Zitat bemüht: "Allem Zukünftigen beißt das Vergangene in den Schwanz" (Homochrom). Die "ewige Wiederkunft des Gleichen" ist ein zentraler Gedanke in Nietzsches Philosophie. In diesen Kurzfilm kann man diese Lebensphilosophie hineininterpretieren oder man kann in ihm einfach nur zwei Männer sehen, die sich mit ihrem gemeinsamen Leben offenbar nur um sich selbst drehen.

Schlange – Verführung und Sünde

Im Zusammenhang mit der biblischen Geschichte über "Sünde" und "Verführung" von Adam und Eva im Garten Eden steht nicht nur das oft aufgegriffene Symbol des Apfels (Folge 7), sondern auch das in schwulen Filmen eher selten verwendete Symbol der Schlange.

In "Lot in Sodom" (1933, 20:25 Min., hier online) ist eine Schlange zu sehen, als Lots Tochter den Sodomiten zur Vergewaltigung überlassen wird. In dieser Szene, die sexualisierte Gewalt vorsichtig andeutet, erscheinen auch andere symbolische Motive wie aufgehende Blüten und frei fliegende Vögel. In dem Historienfilm "Proteus" (2003), der im Jahr 1725 spielt, gibt es eine homosexuelle Szene in der Amsterdamer Taverne bzw. Herberge "Het Serpent" (= Die Schlange), die bis 1730 ein realer und bekannter Sodomiter-(Homosexuellen-)Treffpunkt war. Nähere Hintergründe zur Namensgebung sind leider nicht bekannt, es ist aber möglich, dass der Name mit Verführung in Zusammenhang steht. Der Name der Taverne erinnert ein wenig an die Schwulenbar "Le serpent muscle" (= Der Schlangenmuskel) in "Mein wahres Leben in der Provinz" (2002). Deren Leuchtreklame zeigt eine Unterhose mit Schlangenaugen, aus der eine gespaltene Schlangenzunge als eine Art Penis hervorkommt.


Die Schlange als Namensgeberin einer Schwulenbar in "Mein wahres Leben in der Provinz" (2002)

Die Arte-Kompilation "Die Schlange im Film" (hier online) zeigt die Schlange als Sinnbild für Gefahr und Tod (1:00 Min.) und es werden einzelne Filmszenen mit Schlangentänzen gezeigt (8:00 Min.). Im Rahmen der Darstellung der Schlange als Symbol von sexueller Verführung (3:10 Min.) wird auch eine Szene aus der französischen James-Bond-Parodie "OSS 117. Er ist sich selbst genug" (2009) gezeigt: Ein offenbar schwuler Mann sitzt auf einer Parkbank und bietet einem anderen Mann an, von seinem "Liebesapfel" abzubeißen. Dies wird abgelehnt und der Mann wird als "Schlange" bezeichnet, wodurch sich ein religiöser und homoerotischer Bezug regelrecht aufdrängt.

Schlange – unehrlich, falsch und kriminell


Kriminelle Schlangen in "Cut Snake" (2014)

Ebenfalls in Verbindung mit der biblischen Geschichte von Adam und Eva ist die Schlange ein Symbol der Falschheit und des Bösen. Weil sich der schwule John nicht sofort geoutet hat, wird er von Homer Simpson als "Schlange" im Sinne von unehrlich bezeichnet ("Die Simpsons", Folge 8/15).

Der Filmtitel "Cut Snake" (2014) verweist auf eine australische Bezeichnung für eine Person, die so durchgedreht ist, dass sie ohne erkennbaren rationalen Grund Menschen um sich herum angreift. Dies bezieht sich hier auf den Kriminellen Pommie, den seit seiner Knastzeit ein sexuelles Verhältnis mit seinem Zellengenossen Sparra Farrell verbindet.

Pornos zum Thema

In einigen Schwulenpornos erscheinen Schlangen in Bild und Titel des Filmcovers als Phallus-Verweis ("Die Natter", "Cobra", "Smake the Snake"). Bei schwarzen Darstellern ist dies eng mit der Vorstellung eines besonders großen Phallus verbunden ("Best of Viper", "Viper Black Mamba", "Black Mambas", "Anaconda bites back!"), dessen vermeintlich besondere Eigenschaften aufgezählt werden ("Anaconda. Big, Black and Beautiful", "Big Black Cobras"). Der Name eines schwarzen Schlangenbeschwörers ("Snake Charmers") geht in die gleiche Richtung. Einige Labels ("Anaconda Studios", "Cobra") und auch einige Darsteller benennen sich nach Schlangen – in Verbindung mit der Farbe Schwarz als Verweis auf schwarze Männer ("Black Viper", "Black Mamba") und manchmal in Verbindung mit anderen Symbolen ("Snake Stone").


Schlangenbeschwörung in "Charmed" und die Aufzählung vermeintlicher Schwanz-Eigenschaften in "Anaconda. Big, Black and Beautiful"


Bären – Bärenkräfte und Bärentypen

Der Bär hat eine sprichwörtliche "Bärenkraft". Er verkörpert Energie, Durchsetzungsfähigkeit und Gemütlichkeit bzw. Mütterlichkeit. Er ist aber auch grob, ungestüm und wird mit einer besitzergreifenden Liebe assoziiert. Weil sich ein Bär, wie ansonsten nur der Affe, gleich einem Menschen aufrichten kann, wird er leichter als andere Tiere mit menschlicher Sexualität in Verbindung gebracht. Dabei gibt es symbolische Überschneidungen mit Teddybären (Folge 21). In der Schwulenszene werden auch bestimmte Männertypen als "Bären" bezeichnet, die ein eigenes Segment der Szene bilden.

Die Subkultur der schwulen Bärentypen

Unter Bären "versteht man in den sexuellen Subkulturen Amerikas seit etwa 1900 maskulin wirkende, muskulöse bis korpulente männliche Homo­sexuelle mit ausgeprägter Körperbehaarung auf Brust und Rücken, kurzem Haupthaar und (häufig) kurzen Kinn- und Backenbärten, die ihrem Erscheinungsbild nach wie eine Mischform aus stattlichem Macho und behäbigem Familienvater aus dem Arbeitermilieu auftreten. Teddies gelten als gesellig und pflegen ein reges Vereinsleben" (Filmlexikon der Uni Kiel). Die Bärenszene hat eine eigene Fahne, die verschiedene Farben von Bärenfellen symbolisiert und in der linken oberen Ecke eine Bärentatze zeigt (Homowiki). Es gibt also recht viele Eigenschaften, die Parallelen zum Tier aufweisen: Statur, "Männlichkeit", Kraft, Behaarung und Gemütlichkeit. Auf den schwulen Bären-Typus beziehen sich u.a. Filme wie "Der Club der Bären" ("Bear Cub", 2004), "BearCity" (Teil 1-3, 2010-2016) und "Bearmania" (2014). Der schwule "Bi-Polar Bear" im Zeichentrickfilm "Queer Duck" (2006) mit seinem Faible für Leder und SM parodiert diesen schwulen Typus.


Korpulent, behaart und gemütlich: schwule Bären in "BearCity" (Teil 2, 2012)

Panda-Bären

Panda-Bären – auch ein Symbol für den Artenschutz – stehen im Gegensatz zu anderen Bären nicht für eine aggressive Sexualität, sondern für Friedfertigkeit. Sie sind sogar ausgesprochene Sexmuffel, was u.a. in "Die Simpsons" aufgegriffen wird: In einer Szene wird (jugendfrei) angedeutet, dass Homer Simpson als verkleidetes Panda-Weibchen unfreiwilligen (passiven) Sex mit einem Panda-Männchen hat (Folge 12/5). In einer anderen Folge wird darauf verwiesen, dass sich in einem Zoo zwei männliche Pandas "erfolgreich" gepaart haben (Folge 10/21). Von den "Simpsons"-Produzent*­innen stammt auch der Zeichentrickfilm "Queer Duck" (2006), in dem ein ähnlicher Panda-Witz vorkommt.


Homer als Panda-Weibchen mit hochgestrecktem Hintern ("Die Simpsons", Folge 12/5)

Schwule werden wie Bären in eine Falle gelockt

Aus dem Umstand, dass man Bären angeblich mit einem Honigtopf ablenken und in eine Falle locken kann, entstand der Begriff "honeypot", womit eine Falle oder die Ablenkung einer anderen Person gemeint ist. Der Kurzfilm "Honeypot" (2010, hier online) handelt vom Cruising auf einer öffentlichen Toilette, aber nicht davon, wie es zunächst scheint, dass ein Schwuler einen anderen Schwulen anlockt, sondern von einem Polizisten, der weiß, wie man einem Schwulen eine Falle stellt. In der US-amerikanischen Zeichentrickserie für Erwachsene "Archer" (Folge 1/5, 2010) muss sich der Agent Sterling Archer in der Folge "Der Honeypot", um an wichtige Informationen zu gelangen, nicht nur als Schwuler ausgeben, sondern er wird von seiner Chefin (und Mutter) sogar zum Sex mit einem schwulen Agenten genötigt.

"Vergewaltigungen"

Wegen seiner Nähe zur menschlichen Sexualität und seiner groben Kraft bringen Filme wie "Gas Guzzling Ghoulie" (2009) den Bären – in ironisch gebrochener Form – auch mit "Vergewaltigungen" von Männern in Verbindung. In ähnlich trashiger Form wird in "Yeti. A Love Story" (2006) ein Mann durch einen Yeti, also ein bärenähnliches menschlich-tierisches Fabelwesen, vergewaltigt. Es sind Filmszenen, die die Vermenschlichung von Bären verdeutlichen können.

In John Irvings Roman "Hotel New Hampshire" (1981) wird die Vergewaltigung eines Mannes durch einen Bären erwogen. In der Verfilmung aus dem Jahr 1984 wurde diese Passage, im Gegensatz zu anderen Szenen mit dem Bären und dem schwulen Frank, allerdings nicht berücksichtigt.


Der Bär in John Irvings Romanvorlage "Hotel New Hampshire" (1981)

Ein Bären-Witz über eine "Vergewaltigung"

Der Produzent Chuck Lorre wird regelmäßig mit Kritik an seinen Serien "Two and a Half Men" und "The Big Bang Theory" konfrontiert. Den Zuschauer*­innen, die sich über die dort vorkommenden sexuellen Witze aufregen, begegnet Lorre mit einem Witz: Ein Jäger geht in den Wald, um einen Bären zu jagen. Der Bär taucht auf, entwaffnet und vergewaltigt ihn. Der Jäger zieht sich beschämt zurück und erscheint mit einem größeren Gewehr. Er wird wieder entwaffnet, vergewaltigt und zieht sich wieder zurück. Nach der dritten Vergewaltigung nimmt der Bär ihn in seine gewaltigen Arme und fragt: "Eigentlich kommst du doch gar nicht zum Jagen her, stimmt's?" Nach Lorre lautet die Moral dieser Geschichte nicht, dass man sich vor homo­sexuellen Bären in Acht nehmen müsse (Thorsten Wortmann: "111 Gründe, 'Two And A Half Men' zu lieben", 2012, S. 296-297). Der Witz macht sich erkennbar nicht über Vergewaltigungsopfer, sondern über Moralisten lustig

Pornos – Boys and Bears

In Schwulenpornos wird recht häufig der typische schwule Bärentypus gezeigt und als Zielgruppe angesprochen ("Bear DNA", "Bear Boners", "Bear Naked", "Bear Hug"). Mit Aufnahmen im Wald als Lebensraum des Bären ("Fucker Instinct") und mit Begriffen wie Bärenhaut ("BearSkin") kommt man dem Symbol noch ein wenig näher. In seltenen Fällen ist auf dem Cover auch ein Teddybär ("Teddy Bär") oder sogar ein richtiger Bär ("Rocky Mountin' Bears") abgebildet. Ein Film ("Boys and Bears") verbindet visuell das Zubeißen eines Bären mit dem Oralverkehr zwischen Männern.

Mehrere Pornolabels wie "Cyber Bears" haben sich nach dem Bären benannt. Das Label "BearFilms.com" verbindet sein Logo mit einer Bärentatze und manchmal mit einem Eisbären (der auf ältere Männer verweist), das Label "New Bears" seines mit einem Teddybären. Ein Darsteller fand mit seinem Namen "Biscuit Bear" einen treffenden Ausdruck dafür, dass ein wildes Raubtier so süß wie ein Teddybär sein kann.


"Fucker Instinct" des Labels "New Bear" und "Bear DNA" des Labels "BearFilms.com"


Bullen – "If you fuck with the bull, you get the horn"

Stiere, d.h. geschlechtsreife männliche Rinder (im Deutschen auch Bullen genannt), und andere gehörnte Tiere stehen für Kraft, Potenz, zur Schau getragene "Männlichkeit", aber auch für Gewalt und Aggression. In vielen Sprachen ist das "Horn" eines Tieres ein Phallus-Symbol. Im Amerikanischen verweist das Adjektiv "horny" auf sexuelle Erregung. Stierkämpfe können ein Gleichnis für den Geschlechtsakt und ein Symbol für die Beherrschung der Triebe sein. Die Redensart "den Stier an den Hörnern packen" stammt aus dem Stierkampf und bedeutet, eine schwierige Aufgabe mutig anzugehen.

Stiere – aggressive Heterosexualität

Stiere und schwule Männer passen klischeehaft nicht zusammen. In "Jagdszenen aus Niederbayern" (1969) verdeutlichen die Zuchtbullen, dass man in diesem Dorf Wert auf Fortpflanzung legt. In dieses Weltbild passen Schwule nicht hinein. Der homophobe gebrüllte Satz des Militärausbilders in "Full Metal Jacket" (1987, 3:45 Min., hier Szene online) "Nur Stiere und Schwule kommen aus Texas, […] und nach 'nem Stier sehen Sie mir nicht gerade aus" funktioniert durch das Stereotyp des passiven und femininen Schwulen. Haben sich die "Simpsons"-Macher*innen von diesem Satz inspirieren lassen? Homer befürchtet in der Folge "Homer und gewisse Ängste" ("Die Simpsons", Folge 8/15), dass sein Sohn Bart schwul sein könnte, denn "es gibt nur zwei Sorten von Männern, die solche Hemden tragen: Schwuchteln und dicke, fette Partylöwen. Und Bart wirkt auf mich nicht gerade wie ein dicker, fetter Partylöwe."

Stiere – aggressive Homosexualität

Stiere können auch mit aggressiv ausgelebter Homosexualität verbunden werden, wie in "Verde verde" (2012), wo ein Mann zum Mörder wird, als er sich einem Mann passiv hingeben soll. Eingeblendet wird eine Zeichnung eines Stieres und eines Teufels, die beide vergleichbare Hörner tragen. In einer Folge der Zeichentrickserie "Family Guy", die Ausdruck des recht bizarren Humors dieser Serie ist, lernt Peter Griffin beim Rodeoreiten einen (sprechenden) Zuchtbullen kennen, der ihn zunächst anal vergewaltigt, aber auch eine Beziehung mit ihm möchte (Folge 8/11).


Ein Mann wird in "Verde verde" (2012) wütend und zum Mörder

Das Horn als Phallus

Zwei Hörner bei einem Mann können über das Animalische und "Männliche" hinaus auch mit der Vorstellung des Teufels verbunden sein, der traditionell mit zwei Hörnern dargestellt wird. Die Darstellung eines gehörnten Mannes vor einem schwarz-roten Hintergrund (der an die Hölle erinnert) auf dem Filmcover von "Fellini's Satyricon" (1969) ist hierfür ein Beispiel.

Hörner können auch phallisch inszeniert sein. Die Bedeutung des Horns im eingeblendeten Sprichwort "If you fuck with the bull, you get the horn" in Gus Van Sants "Mala Noche" (1986) wird klar, als der sexuell passive Walt den schwulen Sex mit einem Stricher als einen sehr aggressiven Akt erlebt. In dem Kurzfilm "Sunday Morning" (2001) sieht man einen Tierschädel mit zwei Hörnern, die, auch weil der Schädel im Schlafzimmer aufgestellt ist, offenbar eine phallische oder zumindest sexuelle Bedeutung haben.

Es ist wohl eher selten, dass mit der eigentlich aggressiven Phallus-Symbolik des Horns auch humorvoll und selbstironisch umgegangen wird, wie im Filmtitel "Longhorns. Biere, Stiere und ein paar Queere" (2011), der "nur" einen großen Schwanz meint.


Männer mit unterschiedlich großen Hörnern: "Fellini's Satyricon" (1969) und "Longhorns" (2011)

Exkurs: Geweihe

Bezüge zu den Geweihen von Hirschen sind symbolisch ebenfalls mit "Männlichkeit" und Potenz assoziiert. Sie sind aber trotzdem anders konnotiert, weil ein Geweih weder als phallisch noch als teuflisch gesehen wird. In "Obszönitäten" (1971) wird ein Schwuler bei einem Anmachversuch so vor einem aufgehängten Geweih gefilmt, dass dieses wohl ein wenig wie ihm zugehörig und das Geschehen damit animalisch wirken soll. Nicht ganz so deutlich sind die Geweihe, die in "Shame no more" (1999, 5:00 Min., hier online) in der Wohnung eines schwulen Paares zu sehen sind. Erinnert sei an das betont machohafte Gehabe des Polizisten in "Querelle" (1982), der den Matrosen Querelle nach dem Sex mit Nono ausfragt: "Dir muss er doch gestanden haben wie einem Hirsch." Die Jagd auf Hirsche in "Latter Days" (2003) und auf Rentiere in "Die Simpsons" (Folge 8/15) mit dem Zweck, einen Sohn von Homosexualität zu "heilen", zeigt sich als Macho-Ritual und ist im Vergleich etwa mit einer Jagd auf Kaninchen mit mehr Gefahr und mehr "Männlichkeit" verbunden.


Animalisch wirkende Triebe in "Obszönitäten" (1971)

Stierkampf

Stierkämpfe üben auf viele Menschen eine große Faszination aus. Mit den erotisch posierenden Toreros, die als Alpha-Männchen den Stier und auch ihre Bewunder*innen reizen, setzt sich Pedro Almodóvar in seinem Film "Matador" (1986) auseinander, in dem "die Stierkampfregeln auf die Beziehungen der Menschen" übertragen werden (Axel Schock / Manuela Kay: "Out im Kino", 2003, S. 245). Sexuell expliziter ist "Jamón, jamón" (1992): Zwei nackte Toreros schleichen sich nachts zu einem Stier und in einer anderen Szene hat einer der beiden in der Nähe des Stiers sogar eine Erektion. Es ist bestimmt kein Zufall, dass beide Filme aus Spanien kommen.

Auch in übertragener Bedeutung können Stierkämpfe filmisch eingesetzt werden, wie die erotischen Matador-Spielchen zwischen Männern in "Pink Narcissus" (1971) zeigen. In "Unser Weg ist der beste" (1976) passt das Stierkampf-Plakat über Marcs Bett zur Schlussszene, in der sich der schwule Philippe im roten Abendkleid auf einen Kampf mit dem heterosexuellen Macho Marc einlässt und sogar auf ihn einsticht.

Das Stierkampf-Poster in "Chaser" (2013) stellt eine Warnung dar, allerdings nicht vor gewalttätigen Menschen oder Stieren: Es hängt auf einer Bareback-Party und soll offenbar einen Bezug zum gefährlichen HI-Virus herstellen, wobei diesen Kampf schon viele Schwule verloren haben.


Der Stier als Sinnbild eines Kampfes zwischen Homo (l.) und Hetero (r.) in "Unser Weg ist der beste" (1976)

Pornos – von Longhorn bis Black Bull

Auch in Schwulenpornos kommen Bullen als Ausdruck von Mut und Männlichkeit vor ("Madrid Bulls", "Bull's Eye", Filmreihe "Trystan Bull"), wobei ihre Stärke ("Bull Ring") und Potenz ("Bull Pen", "Der Zuchtbulle") betont werden. Auf Filmcovern wird auch auf der Bildebene mit Bullen und Hörnern als Symbolen gearbeitet ("Man Ranch", "Jake Jaxson's Meeting Liam").

Auch in Pornos findet sich die Bezeichnung "Horn" als Hinweis auf die Größe des Geschlechtsteils ("Longhorn"). Wörter wie "horny" im Sinne sexueller Erregung werden offenbar nur als gängiger umgangssprachlicher Ausdruck ohne weitergehende Bedeutung verwendet ("Hung and Horny", "Always Horny"). Namen von Pornodarstellern sollen entsprechende Assoziationen hervorrufen ("Black Bull", "Red Bull", "Bull Dozier", "Damien Horne").

Zum Hirsch ("stag") mit seinem Geweih und seiner Kampfeslust gibt es symbolische Überschneidungen. Als "Stag-Filme" werden üblicherweise Pornos aus der Frühzeit des Kinos bezeichnet. Es gibt jedoch auch das neuere schwule Pornolabel "Stag Homme Studios", das Filme wie "Stag Affairs", "Stag Fight" und "The Dark Stag" veröffentlichte.

-w-