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- 25. April 2006 3 Min.
Haben Schwule und Lesben alle politischen Ziel erreicht? Die neue Doku von Jochen Hick gibt eine klare Antwort: Noch lange nicht!
Von Christian Scheuß
Europa 2005. Für die meisten Schwulen und Lesben in Frankreich und Deutschland scheinen die politischen Ziele weitgehend erreicht: Die Bürgermeister ihrer Hauptstädte bekennen sich als offen schwul, Partnerschaften und Heiraten werden von Seiten des Staats akzeptiert. Man zieht sich zurück ins Private und pflegt ein hedonistisches Leben zwischen Datinglines und Clubbesuchen. Ist Aktivismus und politischer Kampf nicht mehr notwendig?
Die Filmemacher Jochen Hick und Christian Jentzsch haben sich auf eine Reise durch Europa begeben, um zu sehen, wo es trotz Homoehe und Diskriminierungsverbot noch brennt und hakt. Die daraus entstandene Dokumentation lief bereits auf arte. Jetzt wird sie in einer neuen Version auf Filmfestivals wie zuletzt in Turin oder im Mai in Köln gezeigt. Unter der Federführung der "International Lesbian And Gay Association" sowie der Hilfe eines Sponsors soll in Kürze auch eine DVD erscheinen, um diese Bestandsaufnahme möglichst breit streuen zu können.
Der Engländer Jeremy Hooke aus Norwich versucht seinen weißrussischen Freund Vadim, der wegen seiner Verfolgung als Homosexueller in seiner Heimat Asyl in Großbritannien beantragt hat, vor der Deportation zu bewahren, was ihm misslingt. Peter Tatchell und Brett Lock von Outrage stehen Jeremy zur Seite. Währenddessen wollen Stephen Barris und ILGA Aktivisten aus der ganzen Welt in Genf vor der versammelten UN-Kommission für eine Festschreibung des Rechts auf den weltweiten Schutz Homosexueller kämpfen: der erste Versuch, dies 2004 auf Wunsch der Brasilianer in die UN-Charta aufzunehmen, wurde abgeschmettert. Eine (un-)heilige Allianz zwischen Vatikan und Pakistan gegen das Vorhaben haben die Aktivisten dokumentiert.
In Amsterdam sind Jeroen und Sander nach Übergriffen von arabischen Jugendlichen in ein anderes Viertel gezogen. Dort gehen die verbalen Beschimpfungen und körperlichen Angriffe weiter, so dass Joeron verängstigt nicht einmal mehr zum Einkaufen geht. Seit dem Tod von van Gogh hat sich die Atmosphäre im einstigen "Gay-Capital" Europas verschärft. In Krakau treffen wir wieder auf Stephen Barris, der am Festival der polnischen "Kampagne gegen Homophobie" teilnimmt. Der Marsch der Schwulen und Lesben im letzten Jahr endete in Gegengewalt. Filmausschnitte zeigen Zurufe von Polen, die die Teilnehmer am liebsten in den Verbrennungsöfen des nahe gelegenen Auschwitz sehen würden. Kurz nach dem Tod des Papstes sieht man von einem neuerlichen Marsch ab. Eine andere Organisation will trotzdem marschieren, doch die Stadt verbietet die Veranstaltung. Doch die Nazis und Schwulengegner formieren sich trotzdem.
Hick und Jentzsch schaffen es, über die konkreten Personen und deren Schicksale, die Wichtigkeit der politischen (Lobby-)Arbeit klarzustellen. Der europäische Vereinigungsprozess und die Globalisierung machen es dabei immer wichtiger, über den eigenen Tellerrand zu blicken. Wer Vorbehalte hatte gegenüber der Arbeit von Verbänden und Homo-Lobbyisten, der wird schwul-lesbische Politik am Ende der Doku geradezu sexy finden.
RAINBOW'S END läuft am 26.4. und 3.5.06 in Berlin (XENON), 3.5.06 Köln (Filmhaus-Kino).
25.04.2006
Links zum Thema:
» Weitere Infos zur Doku
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de
22:30h, rbb:
Welcome to Berlin
Alle fünf Folgen der Doku hintereinander: Begleitet werden sechs junge Menschen, die nach Berlin ziehen, darunter Evgeny und Sergej, die Russland verlassen haben um frei zu sein.
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