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"Du bist ein Geschöpf des Teufels"

Griechenland: Priester wegen transfeindlicher Hetze angeklagt

Ein Priester der orthodoxen Amtskirche wies vor einem Jahr eine 50-jährige mittellose trans Frau bei der Armenspeisung ab und beleidigte sie schwer. Nun drohen ihm bis zu drei Jahre Haft sowie eine Geldbuße von maximal 25.000 Euro.


Symbolbild: Detailaufnahme eines Bischof der griechisch-orthodoxen Kirche (Bild: IMAGO / photothek)
  • Von Wassilios Aswestopoulos
    2. Oktober 2023, 03:06h 3 Min.

Weil er eine trans Frau schwer beleidigt hat, muss sich der Pfarrer der Kirche von Agios Nikolaos in Kallithea, einem Vorort von Athen, vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen des Vorfalls, der sich wenige Tage vor dem orthodoxen Osterfest 2022 ereignet hatte. Die exakte Anklage lautet auf fortgesetzte Beleidigung mit rassistischen Merkmalen. Nach dem ehemaligen Bischof Ambrosius von Kalavryta steht in dem Aufsehen erregenden Fall erneut ein Vertreter der Amtskirche wegen Queer­feindlichkeit vor Gericht (queer.de berichtete).

Trotz der immer noch in der Verfassung verankerten Verbindung der orthodoxen Amtskirche mit dem griechischen Staat setzt die Justiz den vor Jahren novellierten Antirassismus-Paragrafen 4285/2014 gegen den Priester konsequent durch. Die damalige konservativ geführte Regierung hatte 2014 nach einer Zunahme rechtsextremer Gewalt eine Erweiterung beschlossen, die jegliche Diskriminierung wegen "Hautfarbe, Religion, Abstammung, nationaler oder ethnischer Herkunft, sexueller Orientierung, Geschlechts­identität oder Behinderung" unter Strafe stellt. Priester sind in Griechenland Beamte und werden vom Staat bezahlt. Die Macht der Kirche ist groß. Minister*­innen, die in der Vergangenheit versuchten, die verfassungsrechtliche Verankerung abzuschaffen, wurden auf Druck der Kirche abgesetzt.

Weil der Priester aus Kallithea in der Funktion eines Amtsträgers gegen den Antirassismus-Paragrafen verstoßen haben soll, droht ihm eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren sowie zusätzlich eine Geldbuße von maximal 25.000 Euro.

Hasstiraden des Pfarrers auf Video festgehalten

Die Geschädigte, eine 50 Jahre alte, mittellose trans Frau, war mit allen erforderlichen staatlichen Bestätigungen Anfang April 2022 als Bedürftige zu einer von der Kirche durchgeführten Armenspeisung gegangen. Der Priester wies sie jedoch mit heftigen Beleidigungen ab. Der damalige Dialog wurde in Videoaufnahmen festgehalten:

Priester: Hör mal, für mich und hier ist es mein Glaube, dass wir Die Homosexuellen nicht ins Meer werfen und nicht verbrennen, sondern sie akzeptieren. Du aber bist ein Mann mit Titten. Du bist ein Mann, der die Frau spielt.

Frau: Ich bin staatlich anerkannt.

Priester: Das ist mir egal.

Frau: Ich komme für die Hilfe ins Haus Gottes, nicht in Ihr Haus.

Priester: Bist Du kein Mann mit Titten? Was bist Du? Ich habe Informationen, dass Du Geld nimmst [Dich prostituierst; Anm. d. Red.].

Frau: Wenn ich Geld nehmen würde, wäre ich nicht hier.

Mit den Worten "Du bist ein Geschöpf des Teufels, Du bist kein Mensch Gottes, mach die Arbeit, die Du kennst, um Geld zu verdienen" warf der Priester die gläubige Frau raus. Er riet ihr zudem, sie solle ihre Brüste wieder abnehmen lassen und dann wieder kommen. Er verwies auf eine angebliche Entscheidung der Heiligen Synode, trans Menschen nicht in die Kirche aufzunehmen.

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Der Priester ist weiterhin in der Gemeinde tätig

Weitere Arme, die sich zunächst solidarisch mit der trans Frau zeigten, mussten unter dem Druck, auch von der Speisung ausgeschlossen zu werden, stillhalten. Trotzdem sickerte das Video des Vorfalls durch und wurde auch im staatlichen Fernsehen ERT gezeigt. Die Anwältin Aggeliki Sougle, die in Griechenland für ihr Engagement für die Rechte von queeren Menschen bekannt ist, nahm sich der Sache an. Sie wurde anonym bedroht und aufgefordert, die Sache fallen zu lassen. Sougle ließ sich jedoch nicht einschüchtern.

Seinerzeit versicherte Erzbischof Hieronymos, er würde eine Untersuchung des Falls beauftragen und die Tat des Priesters scharf verurteilen. Es geschah nichts. Der Priester ist weiterhin in der Gemeinde tätig.

-w-