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Filmkritik
"DogMan" im Kino: Queere Aneignung oder campe Superhelden-Satire?
In Luc Bessons Film "DogMan" verkörpert Caleb Landry Jones eine Dragqueen im Rollstuhl, die ein Rudel Straßenhunde kommandiert, mit so viel Spaß an der Übertreibung, dass jede Szene zu einem Fest wird. Dann outet sie sich als hetero...

Drag-Künstler Doug (Caleb Landry Jones) wird einer Reihe von Morden und einer Serie von Einbrüchen beschuldigt (Bild: capelight pictures / Shanna Besson)
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11. Oktober 2023, 04:50h 4 Min.
Ein verregneter Abend, eine düstere Stimmung liegt über der Stadt, als die Polizei einen alten Lieferwagen anhält. An dessen Steuer sitzt eine sehr zerrüttete Dragqueen. Das Make-up verschmiert, die Perücke schief, die Seidenhandschuhe zerrissen und blutbeschmiert. Die Aufforderung des Polizeibeamten, der ihr die Taschenlampe ins Gesicht hält, auszusteigen, erwidert sie nur mit einem schiefen Grinsen und der Bitte um Feuer. Sie weiß, zu fliehen lohnt sich nicht. Und doch hat sie einen Plan in der Hinterhand. Denn sie ist in Wahrheit – DogMan!!
Die Anfangsszene von Luc Bessons neuem Film fühlt sich an wie aus einem vergessenen Detective-B-Movie von vor siebzig Jahren gerissen. Und lässt direkt keinen Zweifel daran, dass der Regisseur keine Angst davor hat, sich an die Grenze zur Albernheit zu begeben. Caleb Landry Jones verkörpert den als Dragkünstler aktiven und im Rollstuhl sitzenden Douglas Munrow mit so viel Spaß an der theatralischen Übertreibung, dass jede Szene zu einem Fest wird. Es macht Spaß dabei zuzuschauen, wie hier mit extremer Ernsthaftigkeit alles durch den Kakao gezogen wird, was zu greifen ist. Der Film an sich und auch den Superheldenüberschuss im Kino der Gegenwart.
Spottkommentar auf die Superhero-Besessenheit

Poster zum Film: "DogMan" startet am 12. Oktober 2023 im Kino
Fliegende und teleportierende Übermenschen in hanebüchenen Kostümen mit magischen Fähigkeiten sind derzeit ebenso wenig aus dem Kino wegzudenken wie Luc Besson aus den 1990er Jahren. Mit fantastisch absurden Filmen wie "Léon der Profi" (1994) oder "Das fünfte Element" (1997) hat er maßgeblich zur kreativen Trash-Extravaganz des Jahrzehnts beigetragen. So richtig eingeschlagen ist in den letzten zwanzig Jahren dann aber keiner seiner Filme mehr. "DogMan" ist nun wieder ganz oben auf! Naja, nicht so wirklich. Der Film ist an vielen Stellen plump, schrottig und schrammelig. Im besten Fall erreicht er dabei Camp-Qualitäten, im schlechtesten knirscht es fast hörbar im Getriebe der Handlung.
Was Regisseur Besson, der auch das Drehbuch schrieb, ganz famos gelingt, ist ein Spottkommentar auf die Superhero-Besessenheit, die derzeit die Kinospielpläne und Streamingplattformen beherrscht. "DogMan" ersetzt die Kostüme mit flatternden Umhängen durch Drag, das Überschallfliegen durch das Universum durch einen klapprigen Rollstuhl, und Laserblick, Stahlmuskeln und Zauberkräfte durch – Hundetraining. Hauptcharakter Doug tritt nicht nur als Dragperformer auf, sondern sorgt nebenbei auch noch mit dem gigantischen Rudel an Straßenhunden, das er geradezu telepathisch zu kommandieren weiß, für ein bisschen Gerechtigkeit. Gegen brutale Kriminelle und reiche Kapitalisten gleichermaßen.
Durch diese komplett verrückten Verschiebungen zeigt "DogMan" auf sehr unterhaltsame Weise auf, wie blödsinnig die Ernsthaftigkeit ist, mit der Comicbuchgeschichten verfilmt werden. Für mehr Blödsinn, für mehr bizarren Unfug, lautet die Parole. Über die Blödsinnigkeit und den Irrwitz, die der Film dabei selbst produziert, lässt sich gut lachen, weil der Film auch nie behauptet, mehr als ein abstruses B-Movie zu sein. Einzig einen etwas fahlen Beigeschmack liefert der Umgang mit dem Thema Queerness…
Wie viel Queerness darf sich angeeignet werden?
Wäre "DogMan" 1983 ins Kino gekommen, gälte er heute vermutlich als Kultfilm des Bizarren. Der etwas merkwürdige Umgang mit Queerness wäre als Produkt der Zeit einzuordnen. Heute muss aber doch gefragt werden, ob das nicht doch ein gewisses Maß von Aneignung überschreitet, wenn eine Geschichte eine Figur ins Zentrum stellt, die auf vielen Ebenen queer-coded ist. (Für eine ausführliche Auseinandersetzung mit schwuler Symbolik, auch die aktuelle Reihe zum Thema, passend zum Film z.B. zu den Themen Hunde oder Häuser von innen.)
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Es ist dann überraschend, als der Film etwa nach der Hälfte behauptet, dass sein Protagonist angeblich heterosexuell ist. Mit strengem, moralischem Zeigefinger lässt sich Luc Besson vorwerfen, sich hier Queerness anzueignen und diese als Gimmick der Charakterzeichnung zu verwenden. Jedoch mal die Kirche im Dorf lassend, lässt sich fragen, hat er seine eigene Figur einfach nur nicht ganz verstanden? In jedem Fall: "DogMan" ist ein herrlich wahnsinniger Film, der einiges an Spaß bereiten kann, wenn mensch nichts daran ernst nimmt.
DogMan. Drama. Frankreich, USA 2023. Regie: Luc Besson. Cast: Caleb Landry Jones, Jojo T. Gibbs, Christopher Denham, Clemens Schick, John Charles Aguilar, Grace Palma, Marisa Berenson, Lincoln Powell, Alexander Settineri, Hatik. Laufzeit: 113 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 16. Verleih: capelight pictures. Kinostart: 12. Oktober 2023
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