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AfD-Wahlerfolge
Rechtsruck: Markus Barth denkt häufig ans Auswandern
Die Wahlerfolge der AfD verunsichern den schwulen Kabarettisten Markus Barth. In einem Zeitungsinterview ruft er zum Kampf gegen Rechtsextremismus auf – und lobt die CSD-Organisator*innen in seinem Heimat-Landkreis Haßberge.

Stand-up-Comedian Markus Barth 2022 bei einem Auftritt in Köln (Bild: IMAGO / Marc John)
- 14. Oktober 2023, 13:55h 3 Min.
Die Wahl- und Umfrageerfolge der AfD verunsichern auch queere Promis. "Es ist nicht selten, dass ich darüber nachdenke, ob meine Zukunft wirklich hier in Deutschland stattfindet", kommentierte der Kabarettist Markus Barth den Rechtsruck in Deutschland im Interview mit der "Main-Post" (Bezahlartikel). Die Ergebnisse der Landtagswahlen in Bayern und Hessen nannte er "wenig überraschend und trotzdem schockierend".
Als schwuler Mann mache er sich "noch mehr Gedanken" als andere Menschen, so der 46-Jährige. "Ich wohne hier in Köln im schwulen Elfenbeinturm, ich trete aber auch anderswo auf. Mir ist jetzt noch nichts passiert, aber natürlich denke ich mir, wenn ich in ein Bundesland fahre, in dem 30 Prozent die AfD wählen würden: Was mache ich hier eigentlich, bin ich hier willkommen, bin ich hier richtig?"
Barth ist "eher noch in Kämpferlaune"
Auswandern ist für Markus Barth aber auch keine Lösung. "Wo soll man denn hingehen?", fragte er im Interview. "Populismus, Rechtspopulismus oder extrem rechte Politik ist kein ur-deutsches Problem, wir haben es halt auch. Es ist ein pan-europäisches, wenn nicht sogar weltumspannendes Problem."
Er sei Optimist und da "eher noch in Kämpferlaune", so der Stand-up-Comedian weiter. "Mir wird so schnell niemand den Mund verbieten." Nach der Öffnung der Ehe habe er irrtümlich gedacht, dass das Thema Queerfeindlichkeit vom Tisch sei. "Ich merke jetzt selber, dass der Kampf für Gleichberechtigung, egal ob das für Migranten, Frauen, queere Menschen, nie aufhört und Anfeindungen in Wellen kommen. Und diese Welle müssen wir auch wieder bekämpfen."
Kritik an konservativen Medien und Politiker*innen
Großes Lob hatte Barth für die Organisator*innen des CSD Haßfurt, der in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfand – er selbst wuchs im Landkreis Haßberge auf. "Ich finde das super wichtig und war ganz stolz", sagte er gegenüber der "Main-Post" zu Pride-Veranstaltungen auf dem Land. "Ich habe großen Respekt vor jedem, der hingeht, gerade vor Leuten, die nicht aus der LGBTQ-Community kommen."
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Empört zeigte sich Markus Barth über zunehmende Gewalt gegenüber queeren Symbolen. "Wenn jemand explizit eine Regenbogenflagge abreißt oder anzündet, dann macht er das nicht ohne Grund", sagte er im Zeitungsinterview. "Ich weiß nicht, woher das kommt, aber da haben sehr konservative Medien und Politiker ihren Teil dazu beigetragen, dass seit einigen Jahren den Leuten wieder eingeredet wird, dass man schwul oder lesbisch wird, wenn man eine Regenbogenflagge sieht." Eine Pridefahne sei jedoch "kein Zeichen für Bedrohung, sondern für Akzeptanz", so der Kabarettist. "Das wird aber momentan absichtlich falsch verstanden." (mize)
Links zum Thema:
» Homepage von Markus Barth














