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Filmtipp
Wenn Flucht die einzige Lösung ist
Die Dokumentation "Out of Uganda" zeigt, wie queerfeindlich Politik und Gesellschaft in dem ostafrikanischen Land sind. Vier queere Menschen leiden unter Unterdrückung, Verfolgung und Misshandlungen – und finden Schutz in der Schweiz.

Einer der Protagonist*innen aus "Out of Uganda". Der Dokumentarfilm ist am 15. und 16. Oktober 2023 beim Human Rights Film Festival in Berlin zu sehen und kann noch bis 31. Oktober 2023 auf der Festival-Homepage gestreamt werden. Am Samstag, den 4. November läuft er beim Filmfestival Queerstreifen in Münster (Bild: Outplay Films)
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15. Oktober 2023, 11:04h 3 Min.
Der Pastor schwitzt in seinem dunkelblauen Nadelstreifenanzug, das gelbe Einstecktuch passend zur seidig-glänzenden Krawatte gewählt. Er redet sich in Rage, er schreit seine Vision zu den Gläubigen: Er bete, dass der Präsident und die Abgeordneten, dass Jesus ihnen ein Land ohne Homosexualität gebe. Die Masse spricht ihm jedes Wort nach, jubelt.
Uganda ist eines der gefährlichsten Länder für queere Menschen. Seit diesem Mai kann für homosexuelle Handlungen die Todesstrafe verhängt werden. Der Schweizer Dokumentarfilm "Out of Uganda" portraitiert vier queere Menschen aus dem ostafrikanischen Land, von denen drei in der Schweiz Asyl beantragen.
Ruhelos im sicheren Land
Philip, Lynn, Hussein und Shammy erzählen ihre Geschichten, die von Verfolgung und Misshandlung geprägt sind. Der schwule Philip wurde verhaftet, weil er eine Beziehung zu einem Mann hatte, und floh über Kenia, die Türkei und Griechenland in die Schweiz. Die lesbische Lynn und der bisexuelle Hussein befinden sich im Asylverfahren, sie können nichts tun als warten. Dass sie ihre Heimat verlassen mussten, jetzt heimatlos sind, und zum Warten gezwungen sind, frustriert sie.

Szene aus "Out of Uganda" (Bild: Outplay Films)
Es ist mutig, dass sie ihre Geschichten teilen. Im Film sprechen sie frontal in die Kamera, ihre Stimmen sind dann unterlegt mit Bildern, wie sie durch die Stadt laufen, durch die Landschaft spazieren. Sie sind Getriebene, die nicht zur Ruhe kommen können, auch wenn sie es vorerst in ein sicheres Land geschafft haben. Was, wenn ihr Asylantrag keinen Erfolg hat? Hussein hat keine Antwort darauf.
Doch in der Dokumentation der Schweizer Filmemacher Rolando Colla und Josef Burri kommen auch Menschen aus Uganda zu Wort. Verpixelt spricht Philips Mutter von den gesellschaftlichen Folgen seiner Homosexualität für die ganze Familie. Sie gibt ihrem Sohn die Schuld daran, dass die Dorfgemeinschaft sie meidet.
Kampf für die Community
Auch konfrontiert der Film einen Journalisten, der für ein Boulevardblatt über Verhaftungen schwuler Männer schreibt. Der sieht kein Problem daran, Fotos von Beschuldigten abzudrucken, sie so der gesellschaftlichen Ächtung auszusetzen, vielmehr sei dies seine Pflicht als Berichterstatter.
Die trans Frau Shammy lebt in Uganda, sie ist aus ihrem Dorf in die Stadt geflohen. Sie arbeitet als Sexarbeiterin und wohnt in einer Unterkunft von "Ice Breakers", einer queeren Menschenrechtsgruppe. Denn, auch das zeigt die Doku: Es gibt in Uganda Menschen, manche von ihnen offen queer, die sich für die Community einsetzen. Auch wenn viele versuchen, ihnen die Arbeit unmöglich zu machen, kämpfen sie.
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So schafft es "Out of Uganda", ein komplexes Bild der Lage zu zeigen: Purer politischer und gesellschaftlicher Hass einerseits, gleichzeitig aber der unbedingte Wille, die Verhältnisse ändern zu wollen. Für Philip, Lynn und Hussein war es zu gefährlich, in ihrer Heimat zu bleiben. Mit der Ankunft in der Schweiz beginnt für sie ein neues Kapitel – und neue Herausforderungen.
Out of Uganda. Dokumentarfilm. Schweiz 2023. Regie: Rolando Colla, Josef Burri. Laufzeit: 65 Minuten. Sprache: englisch-französisch-deutsche Originalfassung mit englischen Untertiteln. Der Film ist am 15. und 16. Oktober 2023 beim Human Rights Film Festival in Berlin zu sehen und kann noch bis 31. Oktober 2023 auf der Festival-Homepage gestreamt werden. Am Samstag, den 4. November läuft "Out of Uganda" beim Filmfestival Queerstreifen in Münster
Links zum Thema:
» "Out of Uganda" beim Human Rights Film Festival in Berlin
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de
22:00h, Arte:
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