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Interview
Was ist das Erfolgsrezept für eine erfolgreiche Sitcom?
Zum Reboot von "Frasier" sprachen wir mit Regisseur James "Jimmy" Burrows, der auch zu den Schöpfern von "Cheers" oder "The Big Bang Theory" gehörte und alle Folgen von "Will & Grace" inszenierte.

James Burrows im Jahr 2018 (Bild: IMAGO / APress)
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16. Oktober 2023, 06:44h 4 Min.
Wahrscheinlich gibt es kaum einen Regisseur, der fleißiger und konstanter hinter der Kamera stand und steht als James "Jimmy" Burrows. Kommendes Jahr feiert er 50-jähriges Berufsjubiläum, und obwohl er im Dezember seinen 83. Geburtstag feiert, ist der Amerikaner noch immer nicht im Ruhestand.
Dass sein Name trotzdem nicht in aller Munde ist, dürfte daran liegen, dass Burrows keine Hollywood-Filme inszeniert, sondern Sitcoms. Allerdings nicht irgendwelche: In den 1970er Jahren drehte er Folgen von "Laverne & Shirley", "Taxi", "Rhoda" oder der "Betty White Show", in den 1980er Jahren gehörte er zu den Schöpfern von "Cheers" und inszenierte dort 237 Episoden, in den 1990er Jahren verantwortete er unter anderem die Pilotfolge von "Friends" und jede Menge "Frasier", später brachte er "The Big Bang Theory" auf den Weg. Und von der bahnbrechenden Comedy-Serie "Will & Grace", die nicht nur laut Joe Biden den Weg für die Ehe für alle in den USA geebnet hat, inszenierte der Amerikaner sogar jede einzelne Folge. Inklusive des drei Staffeln umfassenden Revivals, das seit Sommer übrigens auf DVD erhältlich ist.

Erste offen schwule Hauptfigur in einer TV-Serie im frei empfangbaren US-Fernsehen: Eric McCormack und Ben Platt in "Will & Grace" (Bild: NBC)
Anlässlich des aktuellen Reboots von "Frasier", das soeben bei Paramount+ angelaufen ist, konnten wir Burrows, der auch dort wieder einige Folgen inszeniert hat, ein paar Fragen stellen.
Mr. Burrows, seit einer Folge der "Mary Tyler Moore Show" 1974 führen Sie Regie bei Sitcoms. Ist Ihr Job heute noch der gleiche wie damals?
Im Grunde ja. Ich bekomme jede Woche ein neues Skript, und meine Aufgabe ist es dann, es zu lesen, die Schauspieler in Szene zu setzen und das Skript besser zu machen. Das war damals so und ist heute nicht anders. Und wie gesagt: Ich bin überzeugt, dass das Format immer noch funktioniert. Die Frage ist nur, ob die Sender fürchten, dass die Aufmerksamkeitsspanne des Publikums nicht mehr reicht für diese mit einer Kamera gedrehten Sitcoms.
Macht das klassische Drehen vor Live-Publikum eine Comedy-Serie automatisch besser?
Auf jeden Fall schwieriger. Und ich finde, dass es eine große Kunst ist. Denn man muss nicht einfach nur einen Raum voller Autor*innen zum Lachen bringen, sondern 250 Fremde. Da müssen die Gags noch ein bisschen stärker sein. Und man merkt sofort, wenn sie nicht funktionieren und man sie ändern muss. Für mich gibt es im Fernsehen nichts Besseres, und ich hoffe sehr, dass diese klassische Form der Sitcom nicht vom Aussterben bedroht ist.
Die Sehnsucht nach den goldenen Sitcom-Neunzigern scheint in jedem Fall riesig zu sein. Allerdings funktioniert nicht jedes Reboot. Worauf kommt es Ihrer Meinung nach an?
Schwierig wird es, wenn die Schauspieler*innen nichts mehr mit ihren Figuren von früher gemein haben. Bei "Will & Grace" war unser Glück, dass nur gut zehn Jahre zwischen dem Ende des Originals und der Fortsetzung lagen. Unser Quartett – also Eric McCormack, Debra Messing, Sean Hayes und Megan Mullally – war ein wenig älter geworden, hatte sich aber nicht allzu viel verändert. Entscheidend ist ja, dass man daran anknüpfen möchte, was damals den Erfolg ausmachte. Da ist immer eine feine Balance nötig, wenn Neues ausprobiert werden soll. Bei "Frasier" funktionierte das jetzt nur, weil Kelsey Grammer selbst in der Titelrolle wirklich noch genau der gleiche war.
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Es dürfte wenig Regisseur*innen geben, die an so vielen so unglaublich erfolgreichen Sitcoms beteiligt waren wie Sie. Können Sie erklären, warum manche dieser Serien ikonisch werden und andere nicht?
Leider nein. Ich habe das Geheimrezept auch nicht. Vermutlich gibt es auch keines, denn der Hauptfaktor dürfte schlicht und einfach Glück sein. Es war einfach Glück, dass Ted Danson und Shelley Long damals gerade verfügbar waren, als wir die Hauptrollen in "Cheers" besetzt haben. Und dass wir auf Kelsey Grammer stießen, als wir uns die Figur des Dr. Frasier Crane ausdachten. 1993 drehte ich die Pilotfolgen für vier neue Sitcoms. Von den meisten hat man nie wieder gehört, aber die letzte war "Friends".
Haben Sie da schon beim Drehen gemerkt, dass das ein Hit wird?
Zumindest haben wir gemerkt, dass die sechs Schauspieler*innen, die da zusammen vor der Kamera standen, etwas Besonderes waren. Was ja auch wieder nur Glück war, schließlich waren für die Rollen diverse andere im Gespräch. Genau wie später auch bei "Will & Grace". Aber auch ein hervorragendes Ensemble ist kein Garant. Man muss auch beim richtigen Sender gelandet sein und einen guten Sendeplatz haben. Und vor allem braucht man dauerhaft exquisite Drehbücher. Was nützt einem eine hervorragende Pilotfolge, wenn sich die Qualität in den nächsten Folgen nicht aufrechterhalten lässt.
Und wenn man ganz viel Glück hat, dann schreibt man sogar – siehe "Will & Grace" – Geschichte weit übers Fernsehen hinaus…
Daran haben wir damals natürlich kein bisschen gedacht. Aber die Zeit war wohl einfach reif. Für "Will & Grace". Und für alles, was dann in unserer Gesellschaft passiert ist.
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