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Itzehoe
Nach queerfeindlicher Zündelei: Waldorfschule äußert "Bedauern"
Die Waldorfschule äußert "Bedauern" darüber, dass es von "Außenstehenden" Kritik an der Verbrennung eines offensichtlich queeren Drachen vor Kindern gab.

Die Drachenverbrennung führte zu viel Kritik nicht nur in sozialen Medien (Bild: Instagram / Robin.Entdeckt)
- 16. Oktober 2023, 11:03h 3 Min.
Die vergangene Woche bekannt gewordene Drachenverbrennung an der Waldorfschule Itzehoe ist auf scharfe Kritik gestoßen. Die private Bildungseinrichtung veröffentlichte am Freitagabend eine weiche Entschuldigung für die Aktion, ging aber nicht darauf ein, warum bei der Feuer-Aktion insbesondere Symbole gegen queere Menschen verwendet worden waren. Hintergrund ist die Verbrennung eines von Schüler*innen und einer Kunstlehrerin gestalteten Drachen bei einem Herbstfest am 29. September. Auf dem "Bösewicht" stand unter anderem das Wort "Gaydidas" in Anspielung auf die deutsche Firma Adidas (queer.de berichtete).
"Mit großem Bedauern nehmen wir zur Kenntnis, dass Außenstehende sich von dem Inhalt des St. Michaelis-Festes und dem Festverlauf getroffen fühlen", erklärte die Schule auf ihrer Website. "Es lag und liegt nicht im Interesse der Freien Waldorfschule Itzehoe irgendeine Person oder Gruppe in ihren Gefühlen zu verletzen. Sollte das trotzdem geschehen sein, bedauern wir das und bitten an dieser Stelle aufrichtig um Entschuldigung." Man werde nun "mit Schülerinnen, Schülern, Lehrerinnen, Lehrern sowie Eltern über den Inhalt des Festes, seine Bedeutung, seine Tradition in unserem Schulleben und den Ablauf zukünftiger Feste" diskutieren.
"Weder 'woke' noch 'queer' dürfen Kindern als Böse vermittelt werden"
In den letzten Tagen hatte es viel Kritik auch aus der Politik gegeben. Neben Politiker*innen der Grünen kritisierte etwa Birgit Herdejürgen, die langjährige SPD-Landtagsabgeordnete aus Itzehoe, die Schule scharf: "Das Bildungsministerium muss den Vorfällen nachgehen", fordert sie in einer Pressemitteilung. "Weder 'woke' noch 'queer' dürfen Kindern als Böse vermittelt werden, was auch immer von archaischen Ritualen sonst zu halten ist." Der Bildungsausschuss des Landtages solle sich daher bei der nächsten Sitzung am 2. November mit dem Thema befassen.
/ AnthroBloggerAuch die SPD-Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein fordert das Bildungsministerium zum Handeln auf.
Oliver Rautenberg | @anthroblogger.bsky.social (@AnthroBlogger) October 13, 2023
Birgit Herdejürgen: "Weder woke noch queer dürfen Kindern als Böse vermittelt werden, was auch immer von archaischen Ritualen sonst zu halten ist."https://t.co/cxcT0gILW5
Das CDU-geführte Ministerium bestätigte unterdessen gegenüber "sh:z" (Bezahlartikel), dass in dem Fall ermittelt werde: "Wir sind in der Sachverhaltsermittlung und haben die Schulaufsicht mit der Prüfung beauftragt", so Ministeriumssprecher David Ermes. Da die Waldorfschule alle Online-Einträge zu der Verbrennung inzwischen gelöscht hat, müsse sich das Ministerium "auf das beziehen, was wir auf Screenshots sehen".
Am 29.9.23 ist es zu einem queerfeindlichen Vorfall an einer privaten Bildungseinrichtung gekommen. ? Im Zuge der sog. ...
Posted by LSVD Schleswig-Holstein e.V. on Friday, October 13, 2023
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queer.de erreichten auch viele Rückmeldungen von Anhänger*innen der anthroposophischen Schulform, in denen sie von positiven Erfahrungen mit der Waldorfschule erzählten und sich wegen der Berichterstattung diskriminiert fühlten: "Hier sind viele non straight persons auf der Schule. Warum werden Waldorfschulen immer in ein so negatives Licht gerückt?", schrieb etwa ein Leser aus Bayern. Ein lesbische Waldorflehrerin berichtete davon, dass ihr seit ihrer Anstellung vor gut einem Jahrzehnt "keinerlei queerfeindliche Strömungen und Bewegungen" begegnet seien.
Auch Rassismus-Kritik wegen letztjähriger Drachenverbrennung
Unterdessen gab es in sozialen Medien auch Kritik an dem Drachen, der im letzten Jahr von der Waldorfschule Itzehoe verbrannt worden war – und rassistische Elemente enthalte. "2022 verbrennen weiße 'Waldorf-rich-kids' einen Drachen, der die Karikatur eines männlichen Migra [Einwanderers] ist. Die ganze Schulgemeinschaft bejubelt das und trinkt danach sein Blut (Traubensaft als Drachenblut)", heißt es etwa auf dem Instagram-Profil von Robin.Entdeckt.
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