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Generalversammlung in Kigali

Weltärztebund bekräftigt: "Konversions­therapien" sind gefährlich

Erneut appelliert der Weltärztebund an Mediziner*innen in aller Welt, sich von unwissenschaftlichen "Konversionstherapien" zu verabschieden.


Im amerikanischen Filmdrama "Latter Days" wird gezeigt, wie die Mormonensekte versucht, ein schwules Mitglied mit "Konversions"-Foltermethoden in einem Heterosexuellen zu verwandeln (Bild: TLA Releasing)

  • 17. Oktober 2023, 09:59h 2 Min.

Der Weltärztebund hat bei seiner Generalversammlung Anfang Oktober im ruandischen Kigali einstimmig eine überarbeitete Stellungnahme zur "natürlichen Variation menschlicher Sexualität" verabschiedet und bekräftigt, dass "Konversions­therapien" zur "Heilung" von Homosexualität oder Trans­geschlechtlich­keit gefährlich und unethisch seien. Derartige Methoden seien eine "Bedrohung für die Gesundheit und die Menschenrechte derjenigen, die der Praxis unterworfen werden", heißt es darin. "Sie können zu Angstzuständen, Depression, einem geringen Selbstwertgefühl, Drogenmissbrauch, Problemen mit Intimität und Suizid führen."

Bereits bei der Generalversammlung vor zehn Jahren im brasilianischen Fortaleza hatte der Weltärztebund "Konversions­therapien" verurteilt (queer.de berichtete). Im neuen Text wurde die Kritik konkretisiert.

"Konversionstherapien" schaden der Gesundheitsversorgung queerer Menschen

Als negative Folgen von "Konversionstherapien" führte der Weltärztebund aus, dass Lesben, Schwule und Bisexuelle dadurch weniger zu Ärzt*innen gehen würden und somit schlechter vor Krankheiten geschützt seien. Homosexuelle Mediziner*innen seien dadurch Diskriminierung und Mobbing ausgesetzt, was zu einer schlechteren psychischen Verfassung führe.

/ RadissonKigali

Als Reaktion fordert der Weltärztebund unter anderem "einen sicheren, respektvollen und inklusiven Gesundheitsbereich für lesbische, schwule und bisexuelle Patienten". Die Empfehlungen enthalten aber keine direkten Hinweise für trans Personen. Allerdings verurteilt der Text ausdrücklich aufgezwungene "Konversions"-Methoden, "deren Ziel ist, die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität einer Person zu unterdrücken oder zu ändern".

Der Weltärztebund ist ein Zusammenschluss nationaler Ärzteverbände. 112 Berufsvereinigungen aus aller Welt sind Mitglied – Deutschland wird vertreten von der Bundesärztekammer, die auch die Arbeitsgruppe zur Überarbeitung der Stellungnahme zu "Konversionstherapien" leitete.

Deutschland hat 2020 ein Teilverbot von "Konversionstherapien" erlassen (queer.de berichtete). Trotzdem sind sogenannte "Homo-Heiler" hierzulande weiter aktiv. Kürzlich erschien etwa ein Buch des langjährigen "Ex-Gay"-Aktivisten Markus Hoffmann, der seit den Neunzigerjahren bei der evangelikalen Organisation Wüstenstrom aktiv ist. Dieser Verein, der inzwischen in "Institut für dialogische und identitätsstiftende Seelsorge und Beratung" umbenannt wurde, sieht Homosexualität nicht als integralen Bestandteil der Persönlichkeit an, sondern als therapierbares Symptom. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) beklagte erst im Juni, dass noch immer "Konversionstherapien" in Deutschland angeboten würden (queer.de berichtete).

Letztes und dieses Jahr beschlossen mehrere Länder (Teil-)-Verbote von "Konversionstherapien", darunter Spanien, die Schweiz, Griechenland, Neuseeland und Israel. Mehrere internationale Organisationen – etwa vertreten durch die Menschenrechtskommissarin des Europarats und den UN-Sonderermittler für LGBTI-Fragen – übten Kritik an der Praxis, queere Menschen "heilen" zu wollen. (dk)

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