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"Keine Bühne für ihre problematischen Aussagen"
Kritik an Auftritt von "transfeindlicher" Alice Schwarzer in Leipzig
Gleich 33 Autor*innen fordern die Absage einer Veranstaltung mit Alice Schwarzer in Leipzig. Hintergrund sind ihre Aussagen zu trans Menschen. Die Frauenrechtlerin selbst reagiert empört – und spricht von "Cancel Culture".

Frauenrechtlerin Alice Schwarzer wirft trans Personen praktisch vor, durch ihre schiere Existenz andere Menschen zur Transidentität zu verführen (Bild: IMAGO / epd)
- 17. Oktober 2023, 13:32h 3 Min.
Eine Woche vor Beginn des Literarischen Herbstes in Leipzig haben 33 Autor*innen die Absage einer Veranstaltung mit Alice Schwarzer gefordert. Schwarzer falle immer wieder durch "transfeindliche, rassistische und misogyne Aussagen und Publikationen" auf, hieß es in einem offenen Brief, den die Künstler*innen am Dienstag veröffentlichten. "Deshalb fordern wir den Literarischen Herbst auf, Alice Schwarzer keine Bühne für ihre problematischen Aussagen zu geben und die Veranstaltung aus dem Programm zu nehmen."
Die Autor*innen des offenen Briefes stammen aus einer jüngeren Generation als die 80-jährige Feministin. Initiiert wurde das Dokument von Tobias Siebert und Cécil Joyce Röski. Unterschrieben haben unter anderem Hengameh Yaghoobifarah, Rebekka Endler, Bettina Wilpert, Verena Güntner und Franziska Gänsler.
Schwarzer stellt laut Veranstaltenden in der kommenden Woche in der Stadtbibliothek Leipzig ihre Autobiografie "Mein Leben" vor. Bereits im Vorfeld hatten sich einige Kooperationspartner vom Literarischen Herbst wegen der Veranstaltung zurückgezogen. Anfang Oktober teilten die Veranstaltenden daher mit, dass man sich bewusst sei, dass mit Schwarzer eine "umstrittene, durch provokante, manchmal auch für uns problematische Äußerungen, polarisierende Autorin", ein Podium erhalte. Dennoch stünden die Errungenschaften einer Publizistin außer Frage, die sich seit Jahrzehnten für Feminismus weltweit eingesetzt habe.
Schwarzer hält sich für eine Trans-Aktivistin – und schimpft auf "Transideologie"
Alice Schwarzer wies die Vorwürfe zurück. "Diese Behauptungen sind diffamierend und geradezu absurd", sagte die Frauenrechtlerin am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Köln. "Ich habe mich nachweislich schon vor 40 Jahren mit als erste öffentliche Person für die Rechte von trans Menschen eingesetzt und gegen ihre damalige Diskriminierung Stellung bezogen." Noch nie habe sie Transsexuelle angegriffen. "Was ich allerdings kritisch sehe, ist die neue Transideologie, die das Recht auf den Personenstandswechsel ab dem 14. Lebensjahr und auf gefährliche Hormonbehandlungen und Operationen für alle fordert." Es müsse doch wohl möglich sein, diese Meinung zu vertreten, ohne gleich aus dem öffentlichen Diskurs ausgeschlossen zu werden. Alles andere sei "Cancel Culture in Reinform".
Die Kritik Schwarzers bezieht sich insbesondere auf das geplante Selbstbestimmungsgesetz. Anders als oft behauptet enthält das Gesetz allerdings keinerlei Vorgaben für Hormonbehandlungen oder "Operation für alle" – dafür gelten weiter die einschlägigen medizinischen Leitlinien, die von der Bundesregierung nicht angetastet werden sollen.
Schwarzer hatte in den letzten Monaten immer wieder Stimmung gegen das Gesetz gemacht und behauptet, dass Selbstbestimmung für trans Menschen Jugendliche dazu verführen werde, selbst trans zu werden (queer.de berichtete). Das gleiche Argument wurde in der Vergangenheit auch von Personen verwendet, die Schwule und Lesben hassen: Viele Konservative lehnten etwa die Öffnung der Ehe ab, weil dadurch angeblich Jugendliche zur Homosexualität verführt würden. (dpa/dk)

















