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Folge 43 von 53

Schwule Symbole im Film: Einzelne Blumenarten

Zum Abschluss der Beiträge über die Flora geht es in dieser Folge um einzelne Blumenarten, wobei rote Rosen, weiße Lilien, grüne Nelken und Stiefmütterchen eine besondere Bedeutung haben.


Symbolüberfrachteter Rosen-Kitsch: Werner Schroeters "Der Rosenkönig" (1986)

Rote Rosen – mit Dornen für den Schmerz und einer Knospe für den Anus

Seit Jahrhunderten ist die Rose wegen ihrer Schönheit und ihres Duftes vor allem eine Blume der Liebe. Besonders die rote Rose kann darüber hinaus für sexuelle Leidenschaften, Begierden und Verführung stehen. Mit ihrem Lied "Für mich soll's rote Rosen regnen" schuf Hildegard Knef einen Evergreen. Die Dornen der Rose verweisen in Filmen auf Liebesschmerz. Die Nähe zwischen den verletzenden Dornen und der Zartheit der Blütenblätter verbindet bereits in Märchen wie "Dornröschen" die Liebe mit Schmerzen.

Rote Rosen – Liebe und Zuneigung

Am präsentesten sind rote Rosen, wenn sie wie in "Der Kuss" (2007), "Sombrero" (2008) und "Eating Out 5" (Teil 5, 2011) verschenkt werden und damit die Liebe oder die Zuneigung eines Mannes für einen anderen Mann verdeutlichen. In "Queer as Folk" bekommt Justin sie von seinem Freund Ethan geschenkt und freut sich darüber (Folge 3/1, 3/5). Rote Rosen sind als Eyecatcher auf den Covern mehrerer schwuler Filme zu sehen, wie auf denen von "Taxi zum Klo" (1980), "Going down in La-La Land" (2011), "The Perfect Wedding" (2012) und "The 10 Year Plan" (2014). Und natürlich auch bei den Filmen, die die Rose schon im Titel tragen wie "Der Rosenkönig" (1986) und "Für dich soll's ewig Rosen geben" (2017). Auf einigen Filmcovern sind die Rosen so erotisch inszeniert, dass sie nicht nur als Symbol für das Gefühl der Liebe, sondern leicht erkennbar auch für Begierde und sexuelle Leidenschaft stehen.


Rosen-Erotik: die Filmcover von "Going down in La-La Land" (2011) und "The 10 Year Plan" (2014)

Rote Rosen – Liebe und Bürgerlichkeit

In "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" (1971) stehen rote Rosen als nette Dekoration auf dem Tisch und können als Ausdruck der Liebe zwischen Daniel und Clemens gesehen werden. Im Kontext des Films sind diese Rosen jedoch eher in kritischem Sinn als Zeichen zu verstehen, wie Schwule die bürgerliche Ehe und ihre Rituale imitieren. Das ist der gleiche Grund, warum Brian in "Queer as Folk", der ebenfalls alles Bürgerliche ablehnt, sich ausdrücklich dagegen entscheidet, seinem geliebten Justin rote Rosen zu schenken (Folge 2/16). Eine andere Form der Inszenierung einer roten Rose bietet der Kurzfilm "For the Day I've Met Erik" (2008): In Eriks Leben gibt es keine zweite Person, wodurch sein genaues Beobachten seiner Umwelt und einer roten Rose als Ausdruck des Wunsches nach Liebe verstanden werden kann.


Ausdruck von Liebe oder von blödem Spießertum? Die Rosen in "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" (1971)

Der Rosenkönig

Eine Überdosis von Rote-Rosen-Kitsch-Symbolik bietet Werner Schroeters homoerotischer und symbolüberfrachteter Film "Der Rosenkönig" (1986): Anna (D: Magdalena Montezuma) besitzt eine Rosenfarm und lebt hier zusammen mit ihrem Sohn Albert, der sich in den jungen Italiener Arnold verliebt hat. Albert liebt ihn, wie er auch Rosen liebt, entführt ihn und sperrt ihn ein. Wie bei der Suche nach einer idealen Rose versucht Albert auch in dieser Liebe ein Traumbild zu erreichen, wobei Arnold für ihn zunächst einem wilden Rosenstock gleicht. Nach Arnolds Tod schneidet Albert ihm die Adern auf und pflanzt Rosen in seine Wunden. Der Film beginnt mit einer aufblühenden Rose (als Zeichen des Erwachens des Lebens und der Sexualität) und endet mit viel Feuer. Hermann J. Huber schreibt ("Gewalt und Leidenschaft", 1989, S. 154), dass eine rote Rose "oft mit der Idee des Schmerzes, ja des Todes verbunden wird. Die Rose als Symbol der Leidenschaft, die sich selbst verzehrt. Diese Gedanken sind Ausgangspunkt" für diesen Film.

Eine Rose im Hintern – Analverkehr

Blumen im Hintern eines Mannes werden manchmal so inszeniert, dass sie mit Analverkehr assoziiert werden sollen. Um zu zeigen, wie alt diese Vorstellung ist, verweise ich auf ein Beispiel aus der bildenden Kunst: Das Triptychon von Hieronymus Bosch "Garten der Lüste" (um 1500) zeigt eine solche Szene und wird heute auch in diesem Sinne interpretiert.

Zu einer Rose im Hintern gibt es mehrere Filmbeispiele: In "Pfahl in meinem Fleisch" (1969) kann das Motiv in Verbindung mit dem Filmtitel als Verbindung des Liebes- und Sex-Motivs mit Analverkehr verstanden werden. In "Caligula" (1979) steckt Caligula als zynische Geste eine Blume in den Hintern des Mannes, den er zuvor gewaltsam gefistet hat. Der Film "Wambo" (2001) wurde frei nach dem Leben des bayerischen Volksschauspielers Walter Sedlmayr gedreht. Hier lässt sich der Protagonist von seinem Geliebten eine rote Rose mit Dornen in den Hintern stecken, wodurch ihre Liebe mit Sedlmayrs angeblicher masochistischer analer Lust verbunden wird.


Eine Rose im Hintern von Walter Sedlmayr: "Wambo" (2001)

Das Motiv der Blume im Hintern lässt aufgrund nationaler Unterschiede jedoch auch einige Fragen offen. Es gibt eine Äußerung von Mehdi in dem französischen Film "Die Zeugen" (2007), die schlecht zu verstehen ist: "Ich bin nicht mit 'nem Blumenstrauß im Arsch geboren worden." Es gibt eine spanische Redensart, wonach "Blume im Arsch" Glück zum Ausdruck bringt. Vermutlich wird in diesem Film auf eine solche Redensart Bezug genommen. Es erinnert an die deutsche Redensart "mit einem goldenen Löffel im Arsch geboren" zu sein, was zum Ausdruck bringt, in privilegierte Verhältnisse hineingeboren zu sein.

Dornen – von Liebesschmerz bis zum Tod

In der US-Serie "Queer as Folk" (Folge 3/7, 2003) bekommt der Musiker Ethan von einem Fan rote Rosen geschenkt, woraufhin sein Freund Justin eifersüchtig reagiert und die Blumen mit seinen Händen zerpflückt, die danach von den Dornen anfangen zu bluten. Ein ähnliches Motiv findet sich in dem Film "Something must break" (2014), der mit dem Motiv einer sich öffnenden Rosenblüte beginnt (das auch auf einem Filmcover aufgegriffen wird) und danach in einer langen Einstellung Rosendornen in Nahaufnahme und einen Finger zeigt, der sich gleich daran verletzen wird. Es sind typische Inszenierungen von Eifersucht und Liebesschmerz.

Es gibt auch andere Möglichkeiten, dem Bild der Rose als Zeichen der Liebe eine entgegengesetzte Bedeutung zu geben: In "Formula 17" (2004) wirft ein Schwuler als Zeichen seiner Unfähigkeit, sich zu verlieben, eine rote Rose weg und in der "Tatort"-Folge "Das Glockenbachgeheimnis" (Folge 423, 1999) kommen in einem schwulen Kontext verwelkte Rosen vor, was Frieda Helnwein (D: Iris Berben) zu der Äußerung veranlasst: "Verwelkte Rosen erinnern mich immer an den Tod." In der späteren "Tatort"-Folge "Liebeswirren" (Folge 705, 2008) führen Schwule einen "Rosenkrieg". Um Mord geht es auch in der schwulen Horror-Komödie "The Gay Bed and Breakfast of Terror" (2007), in der jeder der (später ermordeten) Gäste eine Rose in sein Zimmer gestellt bekommt. Wegen des blutigen Rot in anderen Szenen hätten rote Rosen gepasst, sie sind aber hier in der schwulen Signalfarbe Pink gehalten.


Verwelkte Rosen, die an den Tod erinnern, im "Tatort" (Folge 423, 1999)

Die Rose als Metapher

Filme sind vor allem ein visuelles Medium und Rosen leicht ins Bild zu setzen. Bei zwei Filmen möchte ich auf die darin enthaltenen Rosenmetaphern eingehen: In "Brokeback Mountain" (2005) ist der Aufseher verärgert, weil Ennis und Jack lieber Zärtlichkeiten austauschen als sich um die Schafe zu kümmern. Zu seinem Vorwurf "You stemmed the rose" (Originalfassung) gibt es unterschiedliche Erklärungen, die sich meistens auf Analverkehr beziehen, wie diese: "To have anal sex; to insert one's penis (stem) into another's anus (rose)" (Wikipedia).

Ich gehe davon aus, dass der Filmtitel "Für dich soll's ewig Rosen geben" (2017) eine Referenz auf das oft gecoverte Chanson von Hildegard Knef "Für mich soll's rote Rosen regnen" (1968) darstellt. Dieses Chanson war kommerziell erfolgreich und ist zu Knefs authentischem Markenzeichen geworden. Der Germanist Wolfgang Popp schreibt, Knefs Rosen-Lied sei schon früh bei Schwulen Kult gewesen, weil sich schwule Männer – 1968 noch strafrechtlich bedroht – damit hätten identifizieren können. Dazu komme ein "Camouflage"-Charakter, weil das Lied einen für Schwule verständlichen Subtext vermittele (Wikipedia). Damit gibt es Parallelen zur Bedeutung von Judy Garlands Song "Over the Rainbow" für Schwule in den USA.


Rosen als Referenz auf ein wichtiges Lied: "Für dich soll's ewig Rosen geben" (2017)

Pornos – von Rosendornen bis Rosebud

Mehrere Pornos verwenden Rosen in Text und Bild in einem romantischen Sinne, etwa wenn von einem Bett aus Rosen(blättern) die Rede ist ("Bareback Bed of Roses"), Rosen mit Liebhabern gleichgesetzt werden ("Roses are red. Emos in bed") oder einfach rote Rosen verschenkt werden ("Johan's Journal 2"). Der Porno "The Bachelor" – als Referenz auf die gleichnamige Junggesellenserie – wirbt mit einer Rose. Die Gefühle Liebe und Eifersucht verbindet der Regisseur Jean Daniel Cadinot in "Love and Jealousy" passend mit dem Bild einer Rose mit Dornen.

Das englische Wort "Rosebud" (= Rosenknospe) hat in den USA sehr unterschiedliche Bedeutungen. Es geht hier nicht um das wichtige Schlüsselwort in Orson Welles' berühmtem Film "Citizen Kane", aber eventuell um den Namen eines Sexspielzeugs, ähnlich dem Butt-Plug, und um einen umgangssprachlichen Euphemismus für eine Erkrankung des Anus ("rectal prolapse"), die durch exzessiven passiven Analverkehr hervorgerufen werden kann (urbandictionary). Der Film "Rosebud" wird mit zwei verschiedenen Motiven beworben, wobei auf einem Cover die Tätowierung einer Rose auf dem Hintern eines Mannes zu sehen ist. Es gibt zwei Pornolabels (u. a. "Rosebud"), die sich nach Rosen benannt haben. Bei den Namen zweier Pornodarsteller ist eine gewollte Nähe zu "Rosebud" erkennbar ("Bud Rose", "Buddy Rose"). Ob und in welcher Form diese Pornos "rectal prolapse" als Fetisch zeigen, kann ich ohne Sichtung der Filme nicht beurteilen. Die englische Wikipedia geht wohl auch aus Gründen der Gesundheitsprävention ausdrücklich auf Pornos ein, die als "rosebud pornography" bzw. "rosebudding" bekannt sein sollen.


Die Rose und die Rosenknospe in "Love and Jealousy" und "Rosebud"


Weiße Lilien – Unschuld

Konträr zur verführerischen roten Rose wird manchmal die weiße Lilie als Symbol für Unschuld inszeniert. In vielen Darstellungen der Verkündigung an Maria hält der Erzengel Gabriel eine weiße Lilie als Symbol für Marias Jungfräulichkeit in seiner Hand. Die Lilie steht auch für Anfang und Ende (Geburt und Tod) und kann den Prozess der Bewusstwerdung symbolisieren. Sie ist außerdem das Wappenzeichen der Bourbonen.

Die Lilie – "Unschuld" im religiösen Sinn

Die weiße Lilie ist in den Filmen zu sehen, die in homoerotischer Lesart das Leben des römischen Märtyrers Sebastian aufgreifen, der in der katholischen Kirche als Heiliger verehrt wird, wie in "Das Martyrium des Heiligen Sebastian" (1984), "Lilies" (= Lilien, 1996) und im Kurzfilm "Der Heilige" (1996). Am prägnantesten erscheint die Lilie in einem schwulen Zusammenhang wohl in "Lilies" (1996), wo sie nicht nur den Titel prägt, sondern worin der feminine Vallier als "Lilienblüte" bezeichnet wird. Lilien sind in diesem Film Theaterdekoration für die Darstellung der Geschichte des Heiligen Sebastian und ein Geschenk, dessen vielfältige symbolische Bedeutung im Film sogar erklärt wird: "Ein Symbol für Jungfräulichkeit und Unschuld. Ein Symbol der französischen Monarchie."


Viele verschiedene Lilienbezüge in "Lilies" (1996)

Die Lilie – "Unschuld" im sexuellen Sinn

Lilien werden in "Wild Tigers I Have Known" (2006) variiert. Sie werden vom 13-jährigen Logan gepflückt, der noch keine sexuellen Erfahrungen hat und sich Sex mit einem anderen Jugendlichen wünscht. Sie sind jedoch nicht weiß, sondern haben die schwulenpolitische Signalfarbe Pink. Auf diese Weise werden die Aspekte "Unschuld" und "Schwulsein" miteinander verbunden.


Pinke Lilien in "Wild Tigers I Have Known" (2006)

In "The Danish Girl" (2015) unterzieht sich die als Einar Wegener geborene Protagonistin Anfang der Dreißigerjahre einer geschlechtsangleichenden Operation. Die weißen Lilien, die mehrfach deutlich ins Bild gerückt sind, beziehen sich wohl auf die lautmalerische Nähe der Blumen zum Vornamen von Lili Elbe, wie sich die Protagonistin später nannte. "Lili" war zunächst nur ein scherzhafter Name, den eine Freundin ihr gegeben hatte. Das Filmdrama basiert auf dem gleichnamigen Roman von David Ebershoff, in dem es, abweichend zum Film, auch um rote Lilien geht.

Am Rande möchte ich hier auch die Calla erwähnen, die zwar manchmal auch "Calla-Lilie" genannt wird, was botanisch gesehen jedoch falsch ist. Ein prägnantes Beispiel möchte ich anführen, auch wenn es nichts mit Filmen zu tun hat: Gemeint ist das 2017 in Berlin eingeweihte "Denkmal für die erste homosexuelle Emanzipationsbewegung", das aus sechs jeweils vier Meter hohen verschiedenfarbigen Calla-Blumen besteht. Der Berliner LSVD schreibt über die Auswahl und Bedeutung dieser Pflanze: "Die Calla-Lilie besitzt weibliche und männliche Blüten auf einer Pflanze. Somit ist sie ein Symbol für die Normalität der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt in der Natur."


Grüne Nelken – ein schwules Erkennungszeichen seit Oscar Wilde

Die grüne Nelke war zunächst nur ein Markenzeichen von Oscar Wilde, der sie bei öffentlichen Anlässen trug. Nach seiner Verurteilung wegen Homosexualität im Jahre 1895 wurde sie zu einem Erkennungszeichen für Homosexuelle. So wurde Grün – aus homophober Sicht – zur "Fetischfarbe der sexuellen Inversion" und die grüne Nelke zum eigentlichen "Symbol der Inversion" (Jean Boullet: "Die Erotik im 20. Jahrhundert", 1967, S. 369). Zu den positiven literarischen Bezügen auf Wildes Nelke gehört der Titel der schwulen Anthologie "Grüne Nelken" (1996).

Die grüne Nelke bei Oscar Wilde

Bisher wurden drei Biopics über Oscar Wilde gedreht. Im Jahre 1960 kämpften zwei von ihnen gleichzeitig um die Gunst der Zuschauer*innen, die beide die grüne Nelke präsent als Wildes Markenzeichen aufgreifen: "Oscar Wilde" (1960) und "Der Mann mit der grünen Nelke" (1960; Originalfassung: "The green carnation"), der die Nelke sogar im Filmtitel aufgreift. Jahrzehnte später – in "Oscar Wilde" (1997) – trägt erstmals nicht nur Wilde diese Nelke, sondern auch einige seiner Bewunderer übernehmen im Film diese Geste. Der schwule Schauspieler Stephen Fry trug eine grüne Nelke nicht nur in diesem Film, in dem er die Hauptrolle verkörperte, sondern auch, als er 2015 seinen Lebenspartner heiratete.

In "Ein Mann ohne Bedeutung" (1994) wird das Leben eines einfachen schwulen Mannes beleuchtet, wobei aber viele Bezüge zu Oscar Wildes Leben hergestellt werden, was auch schon der Titel andeutet, der auf Wildes Stück "Eine Frau ohne Bedeutung" anspielt. In welcher Form dies bei der grünen Nelke geschieht, macht bereits der Trailer (0:30, 1:45; 2:30 Min., hier online) an einigen Stellen deutlich.


Die grüne Nelke in dem Film "Der Mann mit der grünen Nelke" (1960)

Die grüne Nelke bei anderen Schwulen

Die grüne Nelke im Knopfloch als homosexuelles Erkennungszeichen greifen auch einige Filme auf, die keinen direkten Bezug zu Oscar Wilde haben. Weil es sich bei den ersten beiden Filmen, die ich nenne, um Schwarz-Weiß-Filme handelt, kann in diesen Fällen die Farbe der Nelke leider nicht bestimmt werden. Zum einen handelt es sich um die Nelke im Knopfloch der Sissy-Figur in "Our Betters" (1933), zum anderen um den Film "Laura" (1944): Hier verkörpert der Schauspieler Clifton Webb, dessen Homosexualität ein offenes Geheimnis war, den Journalisten Waldo Lydecker mit einer Nelke im Revers.

Der offen schwule Modedesigner Emilio Gavin in "Lange Beine – lange Finger" (1966) ist für einen Film der Sechzigerjahre erstaunlich selbstbewusst. Zwischen dem Selbstbewusstsein dieser Figur, ihrem Tragen der grünen Nelke, das wie eine insiderhafte Anspielung inszeniert ist, und der Homosexualität des Regisseurs Alfred Vohrer kann hier ein Zusammenhang gesehen werden.


Der schwule Modedesigner Emilio in "Lange Beine – lange Finger" (1966)

Auch wenn Jahrzehnte später in der Dokumentation "Do I sound gay?" (2014) auf die Nelke in "Laura" (1944) kurz eingegangen wird: Gerade in neueren Filmen scheint es nur noch wenige Hinweise auf die grüne Nelke zu geben. Als schwules Symbol ist sie weitgehend ausgestorben. Das hat auch etwas damit zu tun, dass geheime und nicht für alle verständlichen Codes in den meisten westlichen Ländern nicht mehr als nötig angesehen werden.


Stiefmütterchen – weichlich und schwul

Unter den Veilchengewächsen haben vor allem Stiefmütterchen (englisch: "pansys") eine besondere Bedeutung. Von "pansy" sind die Wörter "Ponce" (= Zuhälter) und das Adjektiv "poncey" (= weichlich) abgeleitet (s. englische Wikipedia). Im Englischen werden mit "pansy" seit der viktorianischen Zeit in meist abfälligem Sinn "weichliche" bzw. schwule Männer bezeichnet. "Pansy" wird dabei meistens synonym mit anderen abwertenden Bezeichnungen wie "fairy" und "faggot" verwendet und entspricht damit der deutschen Beleidigung als "Schwuchtel".

Exkurs: Veilchen als lesbisches Symbol

Auch wenn lesbische Geschichte nicht Thema dieser Reihe ist, möchte ich erwähnen, dass Veilchen mit ihrer meistens violett-blauen Farbe ein Symbol von Lesben waren. Das geht wohl u.a. auf mehrere Gedicht-Fragmente von Sappho zurück, in denen sie eine Liebhaberin beschreibt, die eine Girlande oder eine Krone mit Veilchen trägt. Hier kann man auch Édouard Bourdets Theaterstück "La Prisonnière" (1926) nennen, in dem die lesbische Liebe mit einem Strauß Veilchen angedeutet wird. Als das Stück zensiert wurde, sollen viele Menschen Veilchen getragen haben, um ihre Solidarität mit dem lesbischen Inhalt zu symbolisieren (Wikipedia).

In Folge 34 dieser Serie über Farben bin ich bereits auf die Farben Lavendel, Violett und Flieder eingegangen. Verweisen möchte ich auch auf den Abschnitt "Veilchen und Violett" in Heike Schraders Buch "Virile, Vamps und wilde Veilchen" (2004, S. 170-172). Ich gehe allerding davon aus, dass es zwischen der lesbischen Veilchen-Symbolik und der queeren Pansy-Symbolik keinen direkten Zusammenhang gibt.

Der "pansy craze" in den Dreißigerjahren

Als sogenannter "pansy craze" (zu deutsch etwa "Stiefmütterchen-Wahn") wird heute die Epoche von 1930 bis 1933 bezeichnet, als "Stiefmütterchen-Darsteller" – im heutigen Sinne wohl Dragqueens – insbesondere in Los Angeles, New York, Chicago und San Francisco als Underground-Stars sehr populär wurden. Die britische Zeitung "The Guardian" sieht hier eine parallele Entwicklung zur aufblühenden queeren Szene im Berlin dieser Zeit. Zum Thema "Homosexuality 'Pansy Clubs'" gibt es einen kurzen Filmbeitrag auf Youtube (hier online). Der Kurzfilm "Pansy Craze" (2022) handelt von der Liebe zweier Männer, die im New York der Dreißigerjahre die dortige Underground-Kultur erkunden.


Der Stiefmütterchen-Kurzfilm "Pansy Craze" (2022)

"Pansy" in den Dreißigerjahren

Wie der Filmhistoriker Vito Russo schreibt, war "pansy" in einigen frühen Filmen ein schwules Schlüsselwort, wie in "Palmy Days" (1931), "Just Imagine" (1930), "The Warrior's Husband" (1933) und "International House" (1933). Ende 1933 wurde die Nennung des Wortes "pansy" durch die Filmzensur in den USA (Hays Code) jedoch verboten und aus diesem Grunde – so Russo weiter – ist in dem später erschienenen Film "Sailor's Luck" (1933) nur von "ansypay" die Rede. Erst ab 1961 – nach der Revidierung des Hays Code – durfte das Wort "pansy" in US-Filmen wieder verwendet werden.


Stereotyper schwuler Mann mit Schnurrbart und "pansy" am Revers in "Palmy Days" (1931)

Die Verwendung und das Verbot ab den Dreißigerjahren ist wohl in engem Zusammenhang mit dem "pansy craze" zu sehen ("Die schwule Traumfabrik", 1990, S. 38-39, 44). Hier kann noch ergänzt werden, dass der von Russo beschriebene Mann in "Palmy Days" (1931, hier Szene online) nicht nur ein Stiefmütterchen an seinem Revers, sondern auch einen für Schwule stereotypen dünnen Oberlippenbart (s.a. Folge 2 dieser Serie) trägt.

"Pansy" in Filmen seit den Neunzigerjahren


Paul mit "pansy" in seinem Film "Pansy!" (2015)

In dem Spielfilm "Pansy" (2001) erzählt der Autor und Filmemacher Peter Wells von seiner schwulen Kindheit in den Fünfzigerjahren, dem Aids-Tod seines Bruders und seinem Weg zur Selbstakzeptanz. In der Dokumentation "Do I sound gay?" (2014) wird das Wort "pansy" im Kontext des US-Stereotyps "Sissy" reflektiert. In der Dokumentation "Pansy!" bzw. "Les pensées de Paul" (2015, der französische Titel bedeutet "Pauls Gedanken", hier Trailer online) soll der französische Originaltitel offenbar eine lautmalerische Nähe zu Pansy zum Ausdruck bringen. In diesem Film pflanzt der in London lebende Künstler Paul Harfleet Stiefmütterchen an Orten homophober Gewalt. Damit hat nicht nur die Blume, sondern auch der Akt des Pflanzens eine symbolische Bedeutung und steht hier im Kontext von Versöhnung. Durch Fundraising wurde 2016 auf ein Filmprojekt mit dem Titel "Don't Feed The Pansies! A Gay Farcical Romp with a Happy Ending!" aufmerksam gemacht, das einen Blick auf das Leben von über 40 Schwulen werfen sollte (s. Biggaypictureshow), für das aber die dafür benötigte finanzielle Unterstützung offenbar nicht zustande kam.

"Pansy Division" – Rückeroberung einer Beleidigung

"Pansy Division" ist eine US-amerikanische Rockband, die 1991 in San Francisco gegründet wurde. Als erste offen schwule Rockband mit überwiegend schwulen Musikern konzentriert sie sich hauptsächlich auf LGBT-Themen, die oft humorvoll präsentiert werden. In dem Dokumentarfilm "Pansy Division: Life in a Gay Rock Band" (2008) wird die Band vorgestellt. In dem Film "Queercore. Liberation Is My Lover" (2017) wird sie als Teil der Queercore-Bewegung erfahrbar. Weil die schwule Band den Begriff "pansy" für sich gewählt hat, ist hier eine Bedeutungsveränderung offensichtlich, die man auch anhand der Berliner Dragqueen "Pansy" und der kanadischen Porzellan-Manufaktur "Pansy Ass Ceramics" aufzeigen kann. Ähnlich wie bei dem Wort "schwul" oder dem Symbol des Rosa Winkels wurde auch hier ein ursprünglich negativ besetzter Begriff von Schwulen selbstbewusst neu besetzt.


Weitere Blumenarten

Manche Blumen haben spezielle Bedeutungen, die mit ihrer Geschichte, ihrem Duft und ihrer Form in Verbindung stehen. In der griechischen Antike war die Lotos-Blume bei gleich­geschlechtlichen sexuellen Kontakten ein Potenzsymbol: Ihre Blüte wurde zum Teil als Rosette, ihre Knospe in Hodenform und ihre Ranke als Phallus dargestellt. Einige Sexstellungen aus dem Kamasutra sind von Pflanzen abgeleitet. In antiken Verwandlungsmythen verwandeln sich Menschen in Blumen, wobei die Mythen zu Hyazinthen und Narzissen homo­sexuelle Hintergründe haben.

Calamus – phallischer Kolben

Bei der Sumpfpflanze Kalmus (Acorus calamus), englisch: "calamus", wirkt die Form des Blütenstandes, der auch als "Kolben" bezeichnet wird, phallisch. Das Hauptwerk des US-amerikanischen Lyrikers Walt Whitman "Leaves of Grass" (= Grashalme) beinhaltet 51 von ihm so genannte "Calamus"-Gedichte. Einige Interpretationen gehen davon aus, dass Whitman mit der Kalmus-Pflanze Homoerotik zum Ausdruck bringen wollte (Wikipedia). In der schwulen Literaturgeschichte lässt sich eine Rezeption dieser Pflanze belegen, zum Beispiel im Titel der Anthologie "Calamus. Männliche Homosexualität in der Literatur des 20. Jahrhunderts" (1985), der sich auf Whitmans Hauptwerk bezieht. Ich habe jedoch keine Filme gefunden, die sich auf Whitman und die Kalmus-Pflanze beziehen. Auch in dem Whitman-Biopic "Beautiful Dreamers" (1990) wird zwar aus "Leaves of Grass" zitiert, aber nicht auf den "Calamus"-Abschnitt oder die Pflanze eingegangen. Gleiches gilt für die zitierten Verse in "Whitman in the Woods" (2021, hier online), die in Drag vorgetragen werden.

Flamingoblumen – phallischer Kolben

Auch die Flamingoblumen, bzw. Anthurien, haben einen phallisch wirkenden Blütenkolben, den einzelne Filme gezielt aufgreifen. Zwei Filme werden mit einer knallroten Flamingoblume beworben und haben auf unterschiedliche Weise mit "Männlichkeit" zu tun. Im Kurzfilm "Climax" (2016) freut sich Larry auf eine gemeinsame Nacht mit einer Frau. Aufgrund seiner dabei gemachten Erfahrungen mit Trans­geschlechtlich­keit reflektiert Larry über verschiedene sexuelle und geschlechtliche Identitäten. Der Film "Penis Power. Penis Massagen für jeden Mann" (2017) ist eine Massageanleitung von Ingo Ehrhardt mit seinem Massagepartner. Auf dem Filmcover ist nicht nur eine Flamingoblume zu sehen, sondern der Blütenkolben wird von einem nackten Mann mit der Zunge "stimuliert".


Flamingoblume mit phallischem Kolben in "Penis Power" (2017)

Gardenien – geheime Liebe

Die Gardenie kann Reinheit, Güte oder auch geheime Liebe symbolisieren (s. u. a. verdissimo),. In "Die Spur des Falken" (1941, 19:20 Min., hier innerhalb der Dokumentation "The Celluloid Closet" online) riecht Sam Spade (D: Humphrey Bogart) an der Visitenkarte eines schwulen Mannes, die laut der Originalfassung nach Gardenia duftet.


Der Geruch von Gardenien ist in "Die Spur des Falken" (1941) ein dezenter Hinweis auf Homosexualität

Einen vollkommen anderen, nämlich emanzipatorischen Zugang zu dieser Pflanze stellt der Dokumentarfilm "Gardenia. Bevor der letzte Vorhang fällt" dar, in dem der Regisseur Thomas Wallner sechs reife Dragqueens vorstellt, die in einem fiktiven Cabaret ihre letzte Performance geben (s. queer.de). Die Bedeutung von Gardenien lässt sich insgesamt aber schlechter erfassen als die anderer Blumen. In der US-Serie "Queer as Folk" werden für die Hochzeit von Brian und Justin goldene Gardenien als passend empfunden, weil sie Liebe für immer bedeuten (Folge 5/12).

Hibiskus – Weiblichkeit und Exotik

Die Hibiskus-Blüte steht für zarte, zerbrechliche Schönheit, außerdem für Weiblichkeit, Fernweh und Exotik. "Hibiscus Films" ist eine Produktionsfirma, die einen Hibiskus im Logo trägt und mindestens zwölf Filme produziert hat, u.a. die queeren Filme "My first suite" (1985) und "Drei Herzen" (2004). In "Franswar Sharl" (2009) nehmen drei Jungen auf den Fidschi-Inseln an einem Schönheitswettbewerb als Frauen verkleidet teil. Einer von ihnen gewinnt und wird mit einer Hibiskus-Blüte im Haar gezeigt. Mit diesem Motiv wird der Kurzfilm auch beworben.

Als typische Begrüßungspflanze in Hawaii ist gelber, roter und rosa Hibiskus auf den Filmcovern von Pornos abgebildet, die neben Männern auch noch mit Hawaii als exotischer Kulisse Interesse wecken möchten ("Hawaii", "Damian Ford in Hawaii", "Hawaiian Illustrated Hawaiian Lei").


Hibiskus in "Franswar Sharl" (2009) und im Porno "Damian Ford in Hawaii"

Hyazinthen – früheres polnisches Schimpfwort

Der Titel des Films "Operation Hyakinthos" (OF "Hiacynt", 2021) bezieht sich auf die in den Achtzigerjahren von den polnischen Sicherheitsdiensten organisierte Operation "Hiacinth", die sich gegen die schwule Community des Landes richtete. "Hyazinthe" war zu dieser Zeit in Polen eine abwertende Bezeichnung für Schwule, vergleichbar mit dem Wort "pansy" (= "Stiefmütterchen", s.o.) in den USA (Wikipedia).

Lotosblume – Sex und Exotik


Porno "Lotus", der sich auf das Kamasutra bezieht

Die Lotosblume, auch kurz Lotos oder Lotus genannt, ist sexuell konnotiert und steht – ähnlich wie die Hibiskus-Blüte – auch für Exotik. Ein Beispiel dafür ist die Serie "The White Lotus" (ab 2021), die den Urlaub in der fiktiven Resortkette "White Lotus" in Hawaii (1. Staffel) und auf Sizilien (2. Staffel) beschreibt und auch schwule und lesbische Handlungsstränge bietet (s. queer.de).

Von der Pflanze Lotos ist die Lotos-Stellung beim Sex abgeleitet, die aus dem Kamasutra, dem indischen Lehrwerk der Erotik, bekannt ist. Seit 2010 gibt es das schwule Pornolabel "Blue Lotus Entertainment", ein Ableger des heterosexuellen Pornolabels "Pink Lotus Entertainment". Von einem anderen Label wurde bereits vorher der Porno "Lotus" veröffentlicht, der laut Werbetext in der Tradition des Kamasutra verstanden werden möchte. Die Pornos können damit an klassische Symbolik anknüpfen und einen Assoziationsraum für Urlaubsgefühle bieten.

Narzissen – narzisstische Liebe

Narzissen – auch Osterglocken genannt – beziehen ihren Namen aus der griechischen Mythologie, aus einer Sage, die in Ovids "Metamorphosen" niedergeschrieben wurde: Ein schöner Jüngling mit dem Namen Narziss konnte sich weder in Männer noch in Frauen verlieben. Eines Tages setzte er sich an einen See, um sich seines Spiegelbildes zu erfreuen. Bei dem Versuch, sich näher zu kommen, ertrank er und wurde nach seinem Tode in eine Narzisse verwandelt. Später wurde Narziss zum Namensgeber der narzisstischen Liebe zu sich selbst. Es gibt viele Filme über schwule Narzissten wie "Pink Narcissus" (1971), die immer mit dem Motiv des Spiegels (Folge 14) arbeiten. Selten wird dabei auch auf die griechische Mythologie Bezug genommen, wie in "Seeing Heaven" (2010) und in Bruce LaBruces Komödie "Saint-Narcisse" (2020). Ich kenne jedoch keinen Film, der im Kontext der Mythologie (oder einem anderen Zusammenhang) auf die Pflanze Bezug nimmt.

Orchideen – Männlichkeit, Fruchtbarkeit und Inter­geschlechtlich­keit

Es gibt viele unterschiedliche Erklärungen zur symbolischen Bedeutung von Orchideen. Nach einigen ist sie ein Zeichen für Männlichkeit und Fruchtbarkeit, wegen der Form der Wurzelknollen, die an Hoden erinnert. Als "blühende Orchidee" ist auch eine Sexstellung im Kamasutra bekannt, die mit der oben genannten Lotosstellung identisch ist. Nach Wolfram Eberhard ("Lexikon chinesischer Symbole", S. 215) wird in der chinesischen Symbolik mit "Bund der goldenen Orchidee" der Bund zweier Schwuler bezeichnet.

Auch zu Orchideen habe ich nur wenige Filmbeispiele gefunden, die zudem kein einheitliches Bild abgeben. Der schwule Brandon betont am Ende von "Zack and Miri make a porno" (2008), dass sich seine Einstellung zum Hintern seines Pornofilm- und Lebenspartners geändert habe: "Eine Orchidee war das, was sein Arsch für mich wurde." In "For the Day I've Met Erik" (2008) pflückt Erik nach dem Sex eine fliederfarbene Orchidee. Vor dem Sex hat er sich für eine rote Rose und eine Pusteblume interessiert.

In der Doku "Orchids: My Intersex Adventure" (2010, 1:30 Min., hier online) geht es um die inter* Person Phoebe Hart und um andere inter­geschlechtliche Menschen bzw. um "Orchideen, wie wir uns manchmal nennen". Die fliederfarbene Orchidee, die so wichtig war, dass sie auch für den Filmtitel übernommen wurde, scheint daher zumindest in Australien eine positive Selbstbezeichnung für inter­geschlechtliche Menschen zu sein.


Orchidee als Inter*-Selbstbezeichnung in "Orchids: My Intersex Adventure" (2010)

Pusteblumen – Oralverkehr

Als Pusteblume wird ein Löwenzahn nach Ausbildung der Flugsamen bezeichnet, wodurch die Pflanze einen kugelähnlichen Fruchtstand erhält. Umgangssprachlich wird mit "blowball" ("Pusteblume) in den USA auch ein Schwuler oder Stricher bezeichnet, der mit seinem Mund die Hoden eines anderen stimuliert (s. urbandictionary). Vor diesem Hintergrund und aufgrund des jeweiligen Filmkontextes ist das unscheinbar wirkende Blasen gegen eine Pusteblume in "Wild Tigers I Have Known" (2006), "For the Day I've Met Erik" (2008) und "Gypsy" (2014) in einem homo­sexuellen Zusammenhang zu verstehen.


Erik beim Blasen in "For the Day I've Met Erik" (2008)

Sonnenblumen – Sinnbild des Sommers und der Sonne

Die Sonnenblume ist ein Sinnbild des Sommers. Mit ihrem runden "Gesicht" und den leuchtend gelben Blütenblättern erinnert sie an Sonnenstrahlen und hat eine große Kraft, Menschen Freude zu bereiten. In dem Film "Erdbeer und Schokolade" (1994) bekommt der schwule Diego Sonnenblumen geschenkt. Es ist imposant, wie in "Der Mann meines Herzens" (1997) ein großes Sonnenblumenfeld in Szene gesetzt wird. Der Mann, der sich in "Madre amadísima" (2009) halbnackt und sehr sinnlich durch ein großes Sonnenblumenfeld bewegt, trägt den Namen "La Girasol" (= Die Sonnenblume). Im modernen Vampirfilm "Vampire Boys" (2011) werden viele Sonnenblumen gezeigt, die jedoch die Sonne nicht gut vertragen. Als zum Teil verwelkte Blumen verweisen sie zum einen auf den Tod durch Vampire. Zum anderen ist dies – ähnlich wie die Sonnenbrillen der "Boys" – eine ironische Referenz auf das klassische Vampirgenre, wo Vampire sogar sterben, weil sie die Sonne ebenfalls nicht vertragen. In "Saltwater" (2012) sind Sonnenblumen Teil des Gedenkens an einen Verstorbenen.


"La Girasol" in "Madre amadísima" (2009)

Die Sonnenblume bzw. "sunflower" hat umgangssprachlich unterschiedliche sexuelle Bedeutungen. Wegen der dunklen Mitte und den gelben Blättern des Blütenstandes kann als "sunflower" der Sex zwischen Menschen mit unterschiedlichen Hautfarben bezeichnet werden und mit "sunflower whore" ist eine große, dünne männliche Schlampe gemeint (urbandictionary). Die Filmcover dreier Pornos sind mit Sonnenblumen arrangiert ("Callic Sex God", "Erec's Little Shop of Flowers"), wobei man in einem Fall ("Collection 39") mit viel Phantasie in dem großen Stengel der Blume einen Phallus erkennen kann. Der Filmtitel "Erec's Little Shop of Flowers" ist offenbar zusätzlich eine Anspielung auf das Musical bzw. den Film "Little Shop of Horrors", in dem es um eine fleischfressende Pflanze geht.

Welche Blume entspricht welcher Persönlichkeit?

Am Ende sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Blumen nicht nur allgemeingültige Bedeutungen haben, sondern auch als Ausdruck der individuellen Persönlichkeit angesehen werden können. Damit können nicht nur Tierarten (Folgen 36-40 dieser Serie), sondern auch Pflanzenarten einzelnen Persönlichkeiten zugeordnet werden. Ein seltenes filmisches Beispiel dafür bietet der offen schwule Regisseur François Ozon im Vorspann seines Films "8 Frauen" (2002), worin er diese Frauen charakterisiert und ihnen Blumen als Ausdruck ihrer Persönlichkeit zuordnet: der betagten Schwiegermutter Mamy (Stiefmütterchen), der glamourösen Gaby (Orchidee), der alten Jungfer Augustine (geschlossene Frucht eines Orleanstrauchs), der jugendlichen Louise (weiße Orchidee), der sinnlichen Pierrette (rote Rose), der aufblühenden Suzon (rosa Rose), der unschuldigen Catherine (Gänseblümchen) und der warmherzigen Madame Chanel (Sonnenblume), s. Wikipedia.

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