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Interview
Wie queer ist dein "Mutterland", Tarik Tesfu?
Moderator, Podcaster, Stilikone, Sänger – Tarik Tesfu ist ein echtes Allround-Talent. Am Freitag erscheint nun seine EP "Mutterland" über die er u.a. im Interview mit queer.de spricht.

Tarik Tesfu hüpft seit 2015 "als Gender-Messias durchs Netz" (Bild: Joanna Legid)
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24. Oktober 2023, 07:57h 4 Min.
Tarik Tesfu zählt in Deutschland sicherlich zu den bekanntesten Persönlichkeiten aus der LGBTI-Community. Schließlich ist er mittlerweile auf fast allen Kanälen vertreten: Ob als Host im Podcast "Tratsch & Tacheles", als Moderator bei "deep und deutlich" (NDR) oder als Fashion-Vorbild auf seinem eigenen Instagram-Account – um den gebürtigen Ruhrgebietler kommt man kaum herum.
Am kommenden Freitag veröffentlicht er nun seine EP "Mutterland" (Amazon-Affiliate-Link ), die er am Donnerstag um 19 Uhr bei einem exklusiven Gig in Berlin vorstellen wird (Tickets gibt es hier). Vorab sprach er bereits mit unserem Autor Fabian Girschick über das Event, die Songs, das Patriarchat und queere Repräsentanz in der Medienbranche.
Tarik, am 26. Oktober präsentierst du deine brandneue EP "Mutterland " live in Berlin. Was können die Zuschauer*innen an diesem Abend erwarten?

Tarik Tesfus EP "Mutterland" erscheint am Freitag, den 27. Oktober 2023
Einen Abend voller musikalischer Highlights. Ich präsentiere ja meine EP nicht alleine, sondern meine liebe Freundin Brenda Blitz wird auch ihre EP "Pain" vorstellen. On top gibt es noch einen Support-Act, und zwar Eveline, und dann findet das Ganze auch noch in einer mega Location statt, und zwar im Säälchen beim Holzmarkt.
Wie viele Songs werden auf der EP vertreten sein – und wie würdest du die Stilrichtung beschreiben?
Mit einem Intro werden auf der EP sechs Tracks vertreten sein. Als Pop-Princess mache ich natürlich Pop, der aber am Mainstream rüttelt.
Lass uns über den Titel sprechen: In einem Interview mit der "Vogue" hast du verraten, dass die EP eine Liebeserklärung an deine verstorbene Mutter sei. Steckt dahinter aber vielleicht auch die bewusste Umwandlung vom "Vaterland" ins "Mutterland", um ein antipatriarchales Zeichen zu setzen?
Die Tatsache, dass wir immer von einem Vaterland sprechen, hat auf jeden Fall einen patriarchalen Moment, den wir alle mal hinterfragen sollten. Ich habe mir einfach gedacht, wenn das jetzige Vaterland ein Ort ist, der von Rassismus, Sexismus, Queerfeindlichkeit und anderen Diskriminierungen geprägt ist, wie würde dann das Mutterland ausschauen? Und genau darüber singe ich.
Meine Bundeskanzlerin heißt Aminata Touré
Die Nationalhymne singt nur noch Beyoncé
Vorm Reichstag wird die Regenbogenflagge gehisst
und die Berliner Bärin macht ne Black Power Fist
In der Schule liest man Kübra und May Ayim
Auf Plakaten ist Lizzo die neue Beauty-Queen
Und alte, weiße Männer hören einfach mal zu und sind still
Warum? Weil Mama das so will
In deinen Songs nimmst du allgemein einen kritischen Blick auf die Gesellschaft ein. Wie wichtig findest du es, dass deine Musik tatsächlich auch Botschaften sendet?
Für meine EP war es mir super wichtig, dass jeder Song auch eine politische Botschaft hat. Jetzt muss man aber auch sagen, dass ich vor zwei Jahren angefangen habe, an den Tracks zu arbeiten, und das ja dann auch immer eine Momentaufnahme ist. Würde ich heute andere Songs schreiben? Auf jeden Fall, weil ich mich einfach auch verändert habe. Werden meine neuen Songs alle eine politische Botschaft haben? Wahrscheinlich nicht.
Zu deinen Lieblings-Popsongs zählen aber gleichzeitig auch Chart-Erfolge wie "Umbrella" von Rihanna, die nicht unbedingt eine politische Message haben. Darf Musik also manchmal auch einfach unterhalten – gerade in diesen Zeiten?
Musik muss immer unterhalten. Politik und Unterhaltung schließt sich für mich aber gar nicht aus. Das Schöne an Musik ist ja, dass jede Person auch immer ihre eigene Geschichte in die Songs packt. Ein Song, der für mich total politisch ist, ist für eine andere Person einfach eine Dance-Nummer und umgekehrt.
Vor einiger Zeit hat queer.de den Schauspieler Manuel Denninger interviewt. Er meinte, dass es queere Personen in der Schauspielbranche noch immer schwerer hätten. Trifft dies auch in der Musikbranche zu?
Ich glaube, dass man ganz allgemein sagen kann, dass queere Menschen in der gesamten Medienbranche immer noch unterrepräsentiert sind, das gilt vor und hinter der Kamera. Wenn man schaut, wer im Radio gespielt wird, wer in den Charts landet, wer die großen Festivals spielt, dann hat das mit Diversität nicht wirklich viel zu tun.
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Du machst ja extrem viel – von Podcasts, Moderationsjobs bis hin zur Musik. Gibt es denn etwas, das dir hier am meisten Freude bereitet – und etwas, das du gerne noch zusätzlich tun würdest?
Ich mag es einfach, kreativ zu sein, und das kann ich bei all den Dingen, die ich momentan mache. Da ich mich aber auch sehr schnell langweile und meistens tatsächlich von mir selbst, liebe ich die Abwechslung total und träume davon, bald meine eigene Fashion-Kollektion rausbringen zu können.
Mit deinem Podcast bist du dieses Jahr auch beim "Superbloom"-Festival aufgetreten. Wie betrachtest du Festival-Line-ups in Deutschland denn aus FLINTA- und queerfreundlicher Perspektive?
Da ist noch sehr viel Luft nach oben…
Wäre das ein Traum von dir, nächstes Jahr nicht mit deinem Podcast, sondern mit deiner Musik auf Festivals dabei zu sein?
Das wäre natürlich der Knaller. Im April 2024 spiele ich übrigens auch mein erstes Festival. Wo genau, verrate ich ganz bald.
Links zum Thema:
» Die EP "Mutterland" bei amazon music
» Release-Konzert am 26. Oktober 2023 im Berliner Säälchen
» Tarik Tesfu auf Instagram
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