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Folge 44 von 53

Schwule Symbole im Film: Feuer

In den nächsten sieben Folgen unserer Serie geht es um die sogenannte unbelebte Natur, die u.a. aus den vier Grundelementen besteht. Den Anfang macht das Feuer.


Wenn sich zwei heterosexuelle Feuerwehrmänner verpartnern: Kevin James und Adam Sandler in der Komödie "Chuck und Larry – Wie Feuer und Flamme" (Bild: Universal Pictures)

Feuer der Vernichtung – Menschen und das Andenken an sie werden ausgelöscht

Feuer ist gefährlich und kann eine gewaltige zerstörerische Wirkung entfalten. Die Kultur christlich geprägter Länder beinhaltet die Vorstellung eines Höllenfeuers und des Feuers, mit dem Gott nach der Bibel Sodom und Gomorrha vernichtete. Vermutlich haben sich Christ*innen im Mittelalter an Sodom und Gomorrha orientiert, als sie Homosexuelle auf Scheiterhaufen verbrannten. Später haben Nazis u. a. mit Bücherverbrennungen bewusst die Feuersymbolik für ihre Propaganda eingesetzt. Mit gezielt eingesetztem Feuer werden Menschen bis heute ermordet und das Andenken an sie wird getilgt.

Menschen brennen – wie in Sodom und Gomorrha

In "Lot in Sodom" (1933, 25:40 Min., hier online) ist das Feuer zu sehen, mit dem nach der biblischen Geschichte die Sodomiten von Gott vernichtet worden sein sollen. Vermutlich wollten sich kirchliche und weltliche Obrigkeiten an diesem Feuer bzw. der biblischen Geschichte ein Vorbild nehmen und ließen über mehrere Jahrhunderte Schwule auf Scheiterhaufen verbrennen. Der Film "Pasolinis tolldreiste Geschichten" (1972) von Pier Paolo Pasolini behandelt das Mittelalter und zeigt einen brennenden Scheiterhaufen, auf dem zwei Homosexuelle verbrannt werden. Im Kontext der jahrhundertelangen christlichen Verfolgungsgeschichte gehört beides zusammen: die biblische Geschichte und der Vernichtungswille der christlichen Kirchen. Manchmal drängt sich der religiös motivierte Vernichtungswille nicht so auf, wie in "Lilies" (1996), wo durch den Kommentar des Brandstifters "Dann fahrt doch beide hinab zur Hölle" ein religiöser Bezug hergestellt wird.


Sodomiten, wie sie nach der biblischen Überlieferung von Gott verbrannt wurden: "Lot in Sodom" (1933)

Das Verbrennen von Schwulen muss übrigens weder religiös motiviert sein noch eine symbolische Bedeutungsebene haben – selbst wenn die Filmtitel indirekt auf das Feuer anspielen. In "The Heat" (2013, 19:15 Min., hier online) wird Michael zuerst vergewaltigt und sein Vergewaltiger plant sogar, ihn zu verbrennen. Der Titel des homoerotischen Kurzfilms "The Burning Boy" (2001, ab 8:00 Min., hier online) bezieht sich darauf, dass ein junger Mann bei einem Unfall verbrennt.

Homophobe Christ*innen – sind immer noch Feuer und Flamme, wenn es gegen Schwule geht

Heute zeigt sich der religiöse Vernichtungswille zurückhaltender. Was bleibt, sind jedoch Filme über Christentum und Homosexualität, die mit symbolischen Bildern rund ums Feuer beworben werden, auch wenn in dem Film Feuer-Szenen gar nicht vorkommen. So wird der Film "Der Priester" (1994) in unterschiedlicher Form mit dem Motiv Feuer beworben, das sich weniger auf die brennende Leidenschaft des Priesters für einen anderen Mann bezieht, sondern vor allem als Wunsch nach Vernichtung interpretiert werden kann. Auf einem Motiv ist der Hintergrund in die Himmel-und-Hölle-Polarität geteilt.

In ähnlicher Form wird auf dem Cover des Films "Die Stadt, deren König ein Kind ist" (1997 – OF: "The Fire Burns") mit Flammen gearbeitet, die in früheren Zeiten eine reale Form der Todesstrafe bedeuteten und heute meistens symbolisch zu verstehen sind.

An eine nur symbolische und übertragene Bedeutung kann ich allerdings nicht wirklich glauben, wenn homophobe Christ*innen "Turn or burn" ("Kehrt um oder brennt") skandieren. Ein homophobes Plakat mit dieser Aufschrift – in Anlehnung an die Bibelstelle Lukas 13,5 – ist in der Doku "American Marriage" (2012) zu sehen. Der Film "AIDS: the Judgement of God" (2014) warnt mit Bezug auf Aids vor einem modernen Sodom und Gomorrha und wird mit einem Feuermotiv vermarktet. Zu nennen sind auch noch der Kurzfilm "Faggots are for burning" (1997, frei übersetzt "Schwuchteln sollen brennen") und die Doku "Abomination. Homosexuality and the Ex-Gay Movement" (2007), die ebenfalls Feuer auf dem Cover zeigt. Die Macher*innen dieser Filme verdienen übrigens keine Kritik, weil sich die Filme positiv mit Homosexualität und kritisch mit der Kirche auseinandersetzen und über Text und Bild nur provozieren möchten.


Rote Flammen der Hölle versus blauer Himmel: der Hintergrund eines Posters zu "Der Priester" (1994) und Aids als eine Strafe Gottes – "AIDS: the judgement of God" (2014)

Das gilt auch für eine Szene bei den "Simpsons" (Folge 16/8), die die Zeitung "Springfield Shopper" mit der Schlagzeile "Massachusetts okays gay marriage" ("Massachusetts sagt ja zur Homo-Ehe") zeigt. Im Hintergrund ist Feuer zu sehen, das wohl an das Höllenfeuer erinnern soll. Vor dem sehr ernsten Hintergrund ist es eine gut gemachte und unterhaltsame Satire zur Homo-Ehe.


Die Ehe für alle, die uns geradewegs in die Hölle führt: eine Satire aus den "Simpsons" (Folge 16/8)

Fackeln – Waffe

In einigen Religionen und in der griechischen Mythologie ist die Fackel ein Attribut einzelner Gottheiten. Ab dem 17. Jahrhundert war die Fackel Symbol für die geistige Aufklärung und in ihrer positiven Symbolik ist sie (unabhängig von Homosexualität) ein Attribut der US-Freiheitsstatue und wichtiger Teil des Rituals bei den Olympischen Spielen. Der Film "Take the Flame!" (2005) über die Gay Games bezieht sich im Titel auf die Olympischen Spiele.

Derek Jarman greift in seinem Film "The Garden" (1990, hier online), der wohl zum Teil seine Vorstellung von einem Garten Eden wiedergeben soll, mehrfach auf das Motiv der Fackel zurück. Dabei handelt es sich meistens um religiös inspirierte surrealistische Szenen, wobei die Fackeln als romantisch (8:05 Min.), angsteinflößend (36:00 Min.) und manchmal als Teil eines Gotteskultes (36:50 Min.) wahrgenommen werden können. In allen Fällen sind sie gute Eyecatcher, die emotionalisieren und die Blicke auf sich lenken. Erinnert sei auch an die Angst einflößenden Fackeln ein Jahr später in Derek Jarmans "Edward II." (1991).


Derek Jarmans surrealistische Fackel-Szenen aus "The Garden" (1990)

Leichter verständlich sind die Fackeln, mit denen in "Same Blood" (2004, 4:00 Min., hier online) Schwule in der Nacht von einem Cruising-Platz vertrieben werden, wobei einer von ihnen fast verbrennt. Auch sie erinnern an Strafe und die Vernichtung von "Sodom und Gomorrha". Die Fackeln in dem Musikvideo bzw. Kurzfilm "Sebastian Castro: Theban" (2013, 0:40 Min., hier online) stehen zwar auch für Homoerotik und Gewalt, wobei die Umstände hier andersherum liegen: Es handelt sich um eine angebliche antike homosexuelle Armee und damit um von Schwulen ausgehende Gewalt.

Bilder und Briefe brennen – Andenken wird ausgelöscht

Verbrannt werden auch wichtige Gegenstände wie Fotos, Briefe und Dokumente. In "Oscar Wilde" (1960) sind es Erpresserbriefe, in "Oscar Wilde" (1997) sind es Briefe und Fotos und es fällt Wildes Äußerung: "Ich fürchte, Bosie wird ihn [den "De profundis"-Brief] den Flammen überantworten." Solche Verbrennungen sind nicht nur sicherer als das Wegwerfen in eine Mülltonne, sondern haben vor allem auch visuell eine große emotionale Ausdruckskraft.

In "The Fluffer" (2001) werden durch Parallelschnitt zwei Handlungen miteinander verbunden: Sean verbrennt das Foto des von ihm geliebten Mikey, während Mikeys Freundin ihr noch ungeborenes Kind von Mikey abtreiben lässt. Beides ist im weiteren Sinne das Auslöschen eines "Andenkens". Pedro Almodóvar greift in seinem Film "Schlechte Erziehung" (2004) mehrfach auf die Feuersymbolik zurück: "Juan hat alles verbrannt, Ignacios Hefte, seine Kleidung", und auch die selbstgedrehten Super-8-Sexfilmchen sollen verbrannt werden. Verbrennen von Fotos als eine legitime Form der Vergangenheitsbewältigung lässt sich auch in "Eulogy for a Vampire" (2009), "A single Man" (2009), "Mismatched" (2009) und "Después del invierno" (2013) beobachten, in "Westler" (1985) werden DDR-Papiere verbrannt.


Sean verbrennt in "The Fluffer" (2001) das Foto von Mikey

Feuer in Sprichwörtern – die Flammen der Ignoranz

Das Motiv Feuer ist auch in seiner übertragenen bzw. sprichwörtlichen Bedeutung ein starkes Mittel, um seine Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Im Animationsfilm "Fish out of Water" (2009) werden homophobe Reden zu vernichtenden Flammen. In "Howl" (2010) wird davor gewarnt, das (zum Teil schwule) Gedicht "Howl" von Allen Ginsberg als unsittlich zu verurteilen, weil eine Verurteilung "die Flammen der Ignoranz anfachen" würde.


Homophobe Reden, die in "Fish out of Water" (2009) zu vernichtenden Flammen werden

Zu einer möglichen und dabei recht abstrakten symbolischen Bedeutung von Feuer habe ich im Zusammenhang mit dem homoerotischen Film "Interview mit einem Vampir" (1994) folgende Erklärung gefunden: "Das Feuer steht ebenso für Zerstörung wie für Übergang und Veränderung. Im Film brennt Louis (D: Brad Pitt) drei Gebäude nieder, die wiederum symbolisch für das 'Alte' und nicht mehr Tragbare stehen" – wie u. a. seine Beziehung zu Lestat (D: Tom Cruise) (Wikipedia).

Pornos – mit dem Feuer spielen bis zum Burn-out

Einige Titel von Pornofilmen greifen auf sprichwörtliche Redensarten zurück, wie Männer, die mit dem Feuer spielen ("Playing with Fire" 1-3), die sich innerlich ausgebrannt vorkommen ("Burning Out"), die Angst haben, gefeuert im Sinne von gekündigt zu werden ("Fired on the set!"), sich die Finger verbrennen ("Got me Burning") und in der Hölle brennen ("Chris Burns in Hell").

Diese Titel zeigen, dass sich ein Feuer der Vernichtung oft nur schlecht von einem Feuer der Leidenschaft trennen lässt. Der Titel des Pornos "La main au feu" von Jean Daniel Cadinot spielt auf die Redensart an, das jemand für eine andere Person "die Hand ins Feuer legt", was heute nur noch entfernt an das Mittelalter erinnert, als Menschen tatsächlich ihre Hände ins Feuer legen mussten, um ihre Unschuld zu beweisen.


Das Spielen mit dem Feuer in "Playing with Fire" und die Hand ins Feuer legen in Cadinots Porno "La main au feu"

Auf die zerstörerische Kraft des Feuers wird durch Vorstellungen von der Hölle angespielt ("Bareback Inferno", "Inferno"). Das Porno-Label "Club Inferno" verbindet mit seinem Filmtitel "Arm-Ageddon" Anspielungen aufs Fisten und auf Harmageddon als Ort der endzeitlichen Entscheidungsschlacht. Das Wort "Inferno" in diesen Titeln soll wohl auch die Vorstellung von Hemmungslosigkeit und Grenzüberschreitung im Sinne von wildem, ekstatischem Sex hervorgerufen werden.

Im Zusammenhang mit bedrohlichem Feuer sind auch die vielen Feuerwehr-Pornos zu nennen, in denen das Feuer zwar gelöscht, aber auch erotisch eingebunden wird. Feuerwehrmänner werden als starke, geile Helden in uniformähnlichen Schutzanzügen inszeniert ("Fire Fighters", "Fireman", "Czech Firemen"), deren erotische Ausstrahlungskraft omnipräsent ist ("Black Firemen Orgy", "Feel the Fire"). Bei Feuerwehrmännern mit phallischen Wasserschläuchen ("Black Firehouse") gibt es symbolische Überschneidungen mit Wasser. Der Feuerwehrmann, der in dem Porno "Light My Fire" will, dass sein inneres Feuer entzündet wird, ist wohl auch eine Anspielung auf den berühmten gleichnamigen Song von "The Doors" von 1967 – wo es allerdings um Hetero-Sex geht.


Feuer der Leidenschaft – wie "Feuer und Flamme"

Ein einziger Funke kann ein Feuer der Leidenschaft entzünden. In Redewendungen wie "Feuer und Flamme" oder "Sex brennt" wird deutlich, wie Feuer ein Inbegriff von Energie und Sexualität sein kann und in positiver Bedeutung Leidenschaft zum Ausdruck bringt. Ein Kaminfeuer kann einen fast hypnotischen Reiz auslösen und Menschen atmosphärisch miteinander verbinden. Von einem Lagerfeuer geht eine ähnliche Faszination aus, wobei das Feuer ursprünglicher wirkt und mit einer herben Form scheinbar ursprünglicher "Männlichkeit" assoziiert werden kann.

Feuer der Leidenschaft – das zu sehen ist

Feuer in einem nicht nur übertragenen Sinne kann sehr unterhaltsam visualisiert werden: In "Das Flüstern des Mondes" (2006) brennt der Wohnwagen beim Sex und in "Howl" (2010) brennt die Schreibmaschine beim Schreiben und das Saxophon beim Spielen. "Das Bildnis des Dorian Gray" (2009) zeigt, wie nah die positive und die negative Feuersymbolik miteinander in Verbindung stehen. Dem bisexuellen Dorian wird mit Bezug auf seine sinnliche Leidenschaft geraten: "Lassen Sie es immer brennen. Auf höchster Flamme." Es ist jedoch genau diese Form von Leidenschaft und Energie (Dorian: "Ich bin die Flamme"), die andere psychisch verletzt und physisch vernichtet.


"Das Flüstern des Mondes" (2006)

Feuer der Leidenschaft – im übertragenen Sinne

Die Filme "Flames of Passion" (1989), "Paris is burning" (1990) und "Take the Flame!" (2005) greifen schon im Titel die Feuersymbolik in einem übertragenen positiv-leidenschaftlichen Sinne auf. Auch "Chuck und Larry. Wie Feuer und Flamme" (2007) arbeitet mit der emotionalisierenden Wirkung von Feuer, wobei sich die beiden Feuerwehrmänner, die hier heiraten wollen, auch durch gemeinsame Feuerwehreinsätze nahe stehen. Wenn der schwule Smithers bei den "Simpsons" in Flammen steht und dem von ihm geliebten Burns zuruft: "I'm flaming" ("Simpsons", Folge18/12), wird über das Feuer auch auf Smithers' Leidenschaft für Burns Bezug genommen, weil in der Originalfassung das mehrdeutige Wort "flaming" u. a. einen klischeehaft auftretenden schwulen Mann bezeichnet (Urbandictionary).


"Paris is burning" (1990) und zwei Heteros, die auf schwul machen in "Chuck und Larry. Wie Feuer und Flamme" (2007)

Der Name der Insel "Fire Island" vor der Küste von New York, eines bei Schwulen beliebten Urlaubsziels, wird erkennbar als Signalwort für heiße schwule Sexszenen verwendet. So verweist Hermann J. Huber ("Gewalt und Leidenschaft", 1989, S. 34, 219, 236) bei den Filmen "A very natural thing" (1973) sowie den Pornos "Boys in the Sand" (1971) und "Dune Buddies" (1978) auf die Szenen, die auf dieser Insel spielen. Auch Andy Warhols Film "My hustler" (USA, 1965) wurde hier gedreht und der experimentelle Film "Dirty Baby Does Fire Island" (1998; 4:05 Min., hier online) handelt vom schwulen Sex auf dieser Insel.

Kaminfeuer – romantische Szenen

Ein offenes Kaminfeuer bildet den Hintergrund für die oben zitierten Äußerungen über die innere Flamme von Dorian Gray in "Das Bildnis des Dorian Gray" (2009), wodurch auch das Kaminfeuer eine symbolische Bedeutungsebene bekommt. Der Reiz eines solchen Kaminfeuers für homoerotische Situationen ist aber wohl noch nie so leidenschaftlich wie beim nackt ausgetragenen Ringkampf von Rupert und Gerald in "Liebende Frauen" (1969, 52:55 Min., hier online, s. a. meine queer.de-Rezension) aufgegriffen worden.


Eine fast legendäre Szene: Gay Wrestling in "Liebende Frauen" (1969)

Es gibt aber auch mehrere schwule Filme, in denen das Kaminfeuer romantisch in Szene gesetzt wurde. Erotik und Nähe am offenen Kaminfeuer sind in "A Very Natural Thing" (1974, 13:10 Min., hier online) und in einer Szene mit Morton und Tim in "Wellen" (1998; 3:30 Min., hier online) zu sehen. In "A Siren in the Dark" (2009) und dem Kurzfilm "306" (2010) gibt es Sexszenen zwischen Männern am offenen Kaminfeuer zu sehen. Dazu gehört auch die Szene in "Harry und Max" (2004, 34:20 Min., hier online), in der der schwule Harry am offenen Kaminfeuer onaniert. Die Schlussszene in "We think the world of you" (1988) zeigt eine andere Form der Liebe: Der schwule Frank hat sich getrennt und ist vor dem offenen Kamin mit seinem Hund zu sehen, wobei der Eindruck eines warmen Zuhauses auch durch das Kaminfeuer geprägt wird.

Lagerfeuer – ursprüngliche Form der "Männlichkeit"

Auch ein Lagerfeuer schafft eine ruhige, vertraute Atmosphäre und verbindet schwule Männer miteinander, kann darüber hinaus aber auch gut als Naturerlebnis inszeniert werden. Im Kurzfilm "Am Lagerfeuer" (1999) führt es zwei Jungen zurück zur Natur und in "Bacchanal" (2006, ab 3:00 Min., hier online) zurück in die Geschichte, wobei sich die theatralische Darstellung des Dionysos zum Katalysator der verborgenen homoerotischen Wünsche entwickelt. In "Cover Boy" (2006, ab 36:20 Min., hier online) sind es das Meer und ein Lagerfeuer, die zwei Männer miteinander verbinden. Eine Szene in "Das Herz will, was es will" (2004) zeigt zwei befreundete Jungen an einem Lagerfeuer, die immer zusammen sein wollen.

Es gibt einige Filme, die in besonderem Maße Aspekte von "Männlichkeit" ansprechen, wie die Lagerfeuerszene mit den beiden maskulin inszenierten und blutverschmierten Männern Eros und Samuel in "The Brides of Sodom" (2013), die mit einem blutigen Vampirkuss endet. Einige Filme verbinden das Lagerfeuer mit dem Cowboy-Mythos. In "Der Schuh des Manitu" (2001) werden zwei Schwule am Lagerfeuer beim Anblick einer Sternschnuppe sentimental: "Sie spielen unser Lied." Als Persiflage auf Karl-May-Verfilmungen ist die Szene ironisch gebrochen, aber auch diese Persiflage funktioniert nur, weil ein Lagerfeuer Verbundenheit schafft und mit dem landläufigen Klischee vom naturnahen Leben der Cowboys in Verbindung steht. Ähnlich ironisch gebrochen ist das Lagerfeuer in "Kreuz und Queer" (1998, 42:40 Min., hier online), wo sich Männer zu einem "Wilde-Kerle-Wochenende" treffen, jagen und das Überleben in der freien Natur lernen. Es gibt auch Filme, in denen eine schwule Lagerfeuerszene ganz ohne Ironie funktioniert: Neben "Brokeback Mountain" (2006) gehört dazu das fiktive Doku-Drama "Cowboy forever" (2006, ab 2:35 Min., hier online), worin es nicht nur um Schwule am Lagerfeuer, sondern auch um Cowboys und Krokodile geht.


Ein Lagerfeuer, eine Sternschnuppe und zwei verliebte Männer in "Der Schuh des Manitu" (2001)

Pornos – Feuer der Leidenschaften

In den Titeln von Schwulenpornos geht es um Feuer im Sinne der sexuellen Leidenschaft eines Mannes für einen anderen Mann. Das bezieht sich sowohl auf der Textebene ("Fire of Love", "Burning Love") als auch auf der Bildebene ("Rascal. A Toy Story", "Wild Attraction Part I"). Manchmal wird besonders betont, dass es sich um "heiße" Typen handle ("Too hot to handle!").

Als Bildsymbol arbeiten mehrere Pornos mit einem Kaminfeuer ("The other side of Aspen VI", "Butt Heads"). Wenn Titel von Pornofilmen sprichwörtliche Redensarten aufgreifen, geht es in positiven Zusammenhängen um Männer, die gerne ordentlich "abfeuern" ("On Fire!") oder um solche, die angefeuert werden möchten ("Fire me up").

Einige Filme arbeiten mit der Feuer-Wasser-Dualistik in Textform ("Fire & Ice") und in der Bildsymbolik ("Pool on Fire", "Knock Out"). "Feuern" kann auch im Sinne des "Abfeuerns" von Sperma gemeint sein ("Bareback Fire", "Friendly Fire 7").

Brennen im Sinne von Schmerzen bei oder nach dem Analverkehr kann umgangssprachlich als "Ring of Fire" bezeichnet werden (s. die Erklärung "A medical condition occurring around the anus" in Urbandictionary). Darauf beziehen sich Filmtitel wie "Ring of Fire" und wohl auch "Fire in the Hole" und "Fire in the Foxhole". Auch die Namen von Labels ("Fire Power") und Darstellern ("Wilde Fire", Red Fire") basieren auf der Symbolik von Kraft, Gefahr und Wildheit.


Assoziationen mit Leidenschaft in "Wild Attraction" und mit Tod und Teufel in "Rascal. A Toy Story"


Feuerwerk und Wunderkerzen – Enthusiasmus und Orgasmus

Das Feuerwerk ist symbolisch eine Art Freude am Feuer des Lebens. Mit der explosionsartigen Energiefreisetzung kann das Feuerwerk nicht nur ein Symbol für die sprühende Begeisterungsfähigkeit, sondern auch für einen intensiven Orgasmus sein. Wunderkerzen haben als kleinste Form von Feuerwerkskörpern eine ähnliche Symbolik, die zudem ebenfalls sehr stark an die Symbolik von Sternen erinnert und sich in der Bedeutung mit der von Feuer und von Licht überschneidet. Dort wird auch noch die Bedeutung von Kerzen aufgegriffen.

Feuerwerk – Enthusiasmus

In mehreren schwulen Filmen korrespondiert das abgeschossene Feuerwerk mit Momenten großer Emotionen. Der Film "Coming Out" (1989) beginnt mit einem Feuerwerk und einem Freitodversuch und in "Brokeback Mountain" (2005) wird ein Feuerwerk in Verbindung mit einem Wutanfall gezeigt. Als Sprachmetapher erscheint das Feuerwerk in einer Szene in "Queer as Folk" (USA, Folge 3/1): Es wird vor einer Enttäuschung beim Sex gewarnt – wenn es diesmal kein "Feuerwerk" gebe, was emotional und körperlich gemeint sein kann. Einen eher assoziativen Zusammenhang stellt "Beginners" (2010) her, wo es mehrfach um ein Feuerwerk und darum geht, dass der Lebenspartner Pyrotechniker werden möchte. Der Film "Ein Kuss" (2017) wird mit auf Amazon dem Satz beworben, dass ein Kuss "ein emotionales Feuerwerk (entzündet), das es schafft, auch die dunkelsten Momente der jugendlichen Helden hell zu erleuchten".

Feuerwerk – Orgasmus

In der Anfangsszene von "Jeffrey" (1995) ist durch die Schnittfolge das Feuerwerk leicht als eine Orgasmus-Metapher zu erkennen, weil es eine direkte Überleitung vom Feuerwerk zu einem geplatzten Kondom gibt. In "Ich, Tomek" (2009) steht ein Feuerwerk mit Tomeks erstem Freier und in "Howl" (2010) mit der bekannten Gedichtzeile über Analverkehr in Verbindung. In "Norwegian Salmon" (2013) wird parallel zum Feuerwerk ein onanierender Mann gezeigt. In "Das Flüstern des Mondes" (2006) sehen die Zuschauer*innen nicht nur ein Feuerwerk als Orgasmus, sondern dazu passend den schon oben beschriebenen brennenden Wohnwagen.


In "Jeffrey" (1995) wird vom Feuerwerk zum Orgasmus übergeleitet

Wunderkerzen und kleine Flammenwerfer – Orgasmus

In Kenneth Angers Film "Fireworks" (1947, 10:55 Min., hier online) werden Wunderkerzen so vor dem Reißverschluss einer Hose angezündet, dass sie leicht mit einem Orgasmus assoziiert werden können. Hermann J. Huber ("Gewalt und Leidenschaft", 1989, S. 61) beschreibt die Szene so: "Auf dem Höhepunkt […] schießt statt eines Samenergusses ein Feuerwerk aus dem Penis des Matrosen."

Von gleicher Symbolik – und möglicherweise von "Fireworks" inspiriert – ist der Kurzfilm "Fire!" (2011), worin ein kleiner Flammenwerfer aus der Hose nicht nur einem anderen Mann Feuer gibt, sondern offenbar auch verdeutlicht, dass dieser in Liebe entbrannt ist. Die Szene ähnelt jener in "Queer as Folk" (USA, Folge 3/3), in der sich Brian vor einem Mann hinkniet und sich von ihm ebenfalls mit einem kleinen Flammenwerfer aus dessen Hose Feuer geben lässt.


"Fire!" (2011) – wohl inspiriert von Kenneth Angers "Fireworks" (1947)

Wunderkerzen – Hoffnung

Am Ende des Films "Bitterer Honig" (1961) zündet sich Jo (Josephine) eine Wunderkerze an. Als Zeichen der Hoffnung auf ein besseres Leben macht dies indirekt auch eine Aussage über den mit ihr befreundeten schwulen Geoffrey. In "Alkali, Iowa" (1995, hier online) werden Wunderkerzen als Zeichen von Hoffnung aufgegriffen: Zunächst wird bei einem Angriff auf einen Schwulen seine Wunderkerze ausgetreten (9:45 Min.). Dies kontrastiert mit der Schlussszene des Films, in der sich der schwule Protagonist in seinem Wohnzimmer eine Wunderkerze anzündet (15:40 Min.), was als Zeichen der Hoffnung auf ein baldiges Coming-out in der Familie interpretierbar ist.


Wunderkerzen in "Alkali, Iowa" (1995) als Zeichen der Hoffnung

Feuerzeug – ein Funke, der überspringt, und das Spiel mit dem Feuer

Auch mit kleinen Gesten lassen sich manchmal große Gefühle visualisieren: Den Funken, der in "Diffidence" (2010, 0:40 Min., hier online) ganz kurz zu sehen ist, kann ich nur als Symbol für den (schwierig visualisierbaren) Funken ansehen, der hier zwischen zwei Männern überspringt. Dagegen spielt ein Junge in "Fishbelly White" (1998, 2:25 Min., hier online) mit seinem Feuerzeug, was aufgrund seiner sexuellen Spiele mit anderen Jungs und aufgrund einzelner Filmszenen mit etwas Phantasie als sprichwörtliches Spiel mit dem Feuer wahrnehmbar ist.

Pornos – Feuerwerk der Gefühle

Wenn auf dem Cover eines Pornofilms ein Feuerwerk zu sehen ist, ist meistens auch eine Erektion zu sehen, wodurch das gezeigte Feuerwerk meistens recht einfach als Orgasmus dechiffrierbar ist ("Bareback Fireworks", "Prime Cut", "Ready to pop"). Das Cover des Films "Rockets 4" zeigt statt eines erigierten Penis neben einem großen Feuerwerk passenderweise auch eine Rakete (= Phallus), was symbolisch eine gute Ergänzung ist.


In den Pornos "Prime Cut" und "When Sparks Fly" springen Funken über

Dagegen dezent ist die Darstellung auf dem DVD-Cover von "French Kiss", das zwei kuschelnde Männer vor einem großen Feuerwerk und dem Eiffelturm zeigt. Eher sprichwörtlich wird durch den Filmtitel "When Sparks Fly" die Vorstellung aufgegriffen, dass zwischen zwei Männern ein Funke überspringen kann, was auch optisch umgesetzt wurde.

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