Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?47448

Interview

Zeigt "Nyad" eine dezidiert queere Erfolgsgeschichte?

Im Biopic "Nyad" wird Bonnie Stoll, die Trainerin und frühere Geliebte der prominenten Schwimmerin Diana Nyad, von Jodie Foster gespielt. Wir sprachen mit dem ehemaligen Racquetball-Star über den Film und eine ganz besondere Freundschaft.


Bonnie Stoll am 13. Oktober 2023 bei einem Screening von "Nyad" beim Mill Valley Film Festival (Bild: Kimberley French / Netflix)

Im Zentrum des auf wahren Ereignissen basierenden Spielfilms "Nyad" (ab 3. November 2023 bei Netflix) steht – der Titel deutet es an – die prominente Langstreckenschwimmerin Diana Nyad, verkörpert von Annette Bening. Doch die dramatische Geschichte handelt nicht nur von der bemerkenswerten sportlichen Leistung der lesbischen Protagonistin, sondern auch von der engen, unerschütterlichen Freundschaft zu ihrer Trainerin und früheren Geliebten Bonnie Stoll, gespielt von Jodie Foster.

Auch Stoll ist eine reale Person – und wir trafen die Amerikanerin anlässlich der Londoner Premiere von "Nyad" zum Interview.

Ms. Stoll, im Film berichtet Diana Bonnie bei einer Partie Tischtennis von ihren Plänen, über 30 Jahre nach ihrem ersten Versuch doch noch einmal das Schwimmen von Kuba nach Florida zu wagen. War das in der Realität auch so?


Poster zum Film: "Nyad" kann seit 3. November 2023 bei Netflix gestreamt werden

Ich würde mich sehr wundern, wenn wir damals wirklich Tischtennis gespielt hätten. Aber ehrlich gesagt erinnere ich mich an die konkrete Situation gar nicht mehr. Als sie mich fragte, ob ich sie trainieren könne, war meine erste Reaktion, dass ich mir das erst einmal ansehen müsse. Also flog ich mit in ihr zum Trainingslager in Mexiko und guckte vom Beckenrand aus zu. Wenn man jemandem dabei zusieht, was er oder sie am besten kann, ist das wirklich ein Vergnügen. Ganz besonders, wenn es die allerbeste Freundin ist.

Sie sind selbst auch Sportlerin. Haben Sie dieses Übermaß an Ehrgeiz mit Ihrer Freundin gemein?

Seit meiner Kindheit hatte ich den unbedingten Willen, Profisportlerin zu werden. Das ist mir gelungen: Ich habe zehn Jahre lang professionell Racquetball gespielt. Das war ein großes Glück und die Erfüllung meines Traums. Es war übrigens auch in jener Zeit, dass ich Diana kennenlernte. Ich lebte damals als eine der wenigen Racquetball-Spielerinnen an der Ostküste, in Connecticut, und sie in New York. Sie spielte damals Squash in der Profiliga und brauchte Hilfe beim Training, also setzte sie sich in den Zug, und wir trafen uns bei mir. Damals wurde sie dann meine Fitnesstrainerin und brachte mich ordentlich in Form. Als ich dann später ihr Coach wurde, schloss sich auf wunderbare Weise ein Kreis.

Wie würden Sie Ihre Freundschaft eigentlich beschreiben?

Wir haben auf jeden Fall eine sehr besondere Freundschaft, die von einem großen Maß an Vertrauen lebt. Was nicht heißt, dass wir uns nicht auch mal streiten. Aber wir kennen uns einfach so gut und harmonieren als Persönlichkeiten so sehr, dass wir schlicht ein gutes Team sind. Ganz gleich, ob wir zusammen Sport machen oder gemeinsam in den Urlaub fahren. Wir sehen uns jeden Tag, das heißt ja einiges, oder?


Jodie Foster als Bonnie Stoll (li.) und Annette Bening als Diana Nyad in "Nyad" (Bild: Kimberley French / Netflix)

So wie man sie ihm Film sieht, wirkt Nyad ehrlich gesagt oft ziemlich anstrengend…

Oh ja, sie kann wahnsinnig anstrengend sein. Oft erschöpft sie mich, auch weil sie – wenn sie mich nicht gerade als ihre Trainerin braucht – ungern die Kontrolle angibt. Aber ich glaube, letztlich findet sie mich kaum weniger anstrengend.

Hatten Sie eigentlich Bedenken, als klar war, dass jemand einen Film über diesen Teil Ihres Lebens drehen würde?

Ach, da hatte ich keine Bedenken. Wer würde denn etwas dagegen haben, von Jodie Foster gespielt zu werden.

Wie eng war denn am Ende Ihr persönlicher Kontakt mit Foster?

Wenn man sieht, wie exakt sie wirklich jeden einzelnen Tick von mir übernommen hat, ahnt man vielleicht, dass wir tatsächlich ziemlich viel Zeit miteinander verbracht haben. Und jedes einzelne Mal war eine einzige Freude. Beim ersten Mal saßen wir drei Stunden bei mir im Garten, die Zeit verging wie im Flug. Danach kamen noch viele weitere Treffen dazu, oft auch zusammen mit Annette Bening und Diana, mal zum Essen, mal zum Kartenspielen.

Direktlink | Englischer Originaltrailer zum Film
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Am Ende des Films, im Moment von Nyads Triumph, sieht man im Publikum viele Menschen mit Pride-Flaggen. Würden Sie sagen, dass Nyads Erfolgsgeschichte nicht nur eine der Exzellenz, sondern dezidiert der queeren Exzellenz ist?

Dazu kann ich eigentlich gar nichts sagen. Ich selbst mache mir nicht viel Gedanken um Queerness. Ich identifiziere mich weder als heterosexuell noch als lesbisch, mit diesen Kategorien kann ich nicht viel anfangen. Mir ist nur wichtig, dass ich ich selbst sein kann. Und ich denke, dass es Diana ähnlich geht. Entsprechend weiß ich wirklich nicht, was ihre phänomenale Leistung für die Community bedeutet. Aber ich hoffe natürlich, dass es dem einen oder der anderen geholfen hat, ihre Leistung zu sehen.

Infos zum Film

Nyad. Sportdrama, Biopic. USA 2023. Regie: Elizabeth Chai Vasarhelyi, Jimmy Chin. Cast: Annette Bening, Jodie Foster, Rhys Ifans, Karly Rothenberg, Jeena Yi, Luke Cosgrove, Eric T. Miller, Garland Scott. Sprache: englische Originalfassung, deutsche Synchronfassung. Untertitel: Deutsch (optional). Laufzeit: 120 Minuten. FSK 12. Seit 3. November 2023 bei Netflix
-w-

Queere TV-Tipps
-w-

11.07.26 | Beim Wimbledon-Finale der Damen
Jodie Foster: Seltener Auftritt mit Ehefrau Alexandra Hedison
08.01.26 | Narben zeugen bis heute davon
Albtraum am Set: Jodie Foster erinnert sich an Löwenattacke
06.01.25 | 82. Golden-Globes-Verleihung in Los Angeles
"Emilia Pérez" wird Favoritenrolle gerecht
16.09.24 | Gala in Los Angeles
Jodie Foster gewinnt ihren ersten Emmy Award
-w-