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Folge 45 von 53

Schwule Symbole im Film: Wasser

Das Wasser hat vielfältige Bedeutungen. Einige Filmszenen lassen sich einfach dechiffrieren – wie den Sprung ins kalte Wasser als Parallele zum Coming-out oder die Lust schwuler Männer, sich mit Schläuchen gegenseitig nass zu spritzen.


Ein Sprung ins kalte Wasser im Coming-out-Film "Sommersturm" (2004) von Marco Kreuzpaintner (Bild: X Verleih)

Wasser – reinigt von Sünden, kühlt bei Begierden

Weil es ohne Wasser kein Leben gibt und alles Leben im Wasser seinen Ursprung hat, ist dieses Element ein Symbol des Lebens. In fast allen Religionen kommt dem Bad die Bedeutung eines Reinigungsrituals zu, wie im Christentum der Taufe. Auch Redewendungen wie "die Hände in Unschuld waschen" oder "eine Hand wäscht die andere" verweisen auf den Zusammenhang mit Reinigung. Weitere Bedeutungen ergeben sich über Ausdrücke wie "kalte Dusche" (Ernüchterung) oder "Sprung ins kalte Wasser" (Mut und Entscheidungswillen).

Waschen – reinigt von Sünden

In vielen Religionen wird Wasser zur Reinigung eingesetzt, im Christentum beispielsweise in Form der Handwaschung und der Taufe. Dass sich in "Querelle" (1982) der gleichnamige Protagonist nach einem Mord seine Hände wäscht, gehört vermutlich zu den vielen auch religiös interpretierbaren Szenen des Films. In "And Thou Shalt Love" (2007) wird einem schwulen Juden das Wasser zur rituellen Reinigung der Hände verwehrt. Deutlich als symbolische Handlung im Rahmen einer buddhistischen Segnungszeremonie ist eine Szene in "Down the river" (2004) angelegt, wo es dazu heißt: "Pour this water as an act of dedication of merit."


Jüdisches Reinigungsritual in "And Thou Shalt Love" (2007)

Reinigungsmetaphern müssen nicht immer religiös motiviert sein. Ein Beispiel dafür ist die Äußerung des schwulen Schauspielers Dirk Bogarde, der nach einigem Zögern die schwule Hauptrolle in "Victim" (1961) annahm, jedoch darauf hinwies, dass er sich habe die Hände waschen wollen, als er zum ersten Mal das Drehbuch las (Vito Russo: "Die schwule Traumfabrik", 1990, S. 108).

Wasser – kühlt bei Begierden

Mit einer "kalten Dusche" ist manchmal umgangssprachlich die Unterdrückung sexueller Erregung gemeint. Das lässt sich auch filmisch umsetzen. Wenn Aaron in "Latter Days" (2003) in kaltes Wasser gedrückt wird, ist dies als "Therapie" zur "Heilung" seiner Homosexualität vergleichbar mit den Elektroschocks, die er ebenfalls bekommt. Ein Geistlicher, der in "Im Namen des …" (2013) zwei Jungen beim Sex beobachtet, nimmt danach erst einmal ein kaltes Bad, um sich abzukühlen. Auch in "Pool Days" (1993) soll eine Dusche die sexuelle Erregung kühlen und in "Meeresfrüchte" (2004) ist eine kalte Dusche als Strafe gedacht. Die Beispiele zeigen reale körperliche Abkühlungen, die ja tatsächlich geeignet ist, eine sexuelle Erregung vorübergehend zu unterdrücken. Als Bild funktionieren sie jedoch auch in einem übertragenen Sinn und so wurde das Foto von Aaron in der Badewanne schon mehrfach von queer.de eingesetzt, weil sich damit die Qualen einer Konversionstherapie gut ausdrücken lassen.


Eisiges Wasser als "Therapie" in "Latter Days" (2003)

Der Sprung ins kalte Wasser – Mut und Tod

Mit dem bekannten "Sprung ins kalte Wasser" kann ebenfalls aus einer Redewendung eine Filmszene werden. In "Agua" (= Wasser, 2014) wird ein Kuss parallel zu einem Sprung ins kalte Wasser dargestellt. In "Wild Tigers I Have Known" (2006) springt Logan ins kalte Wasser, weil er Angst davor hat, langweilig zu sein. Es ist der sprichwörtliche "Sprung ins kalte Wasser", der in "Unser Weg ist der beste" (1976) und in "När bromsvajern släpper" (2008, 10:00 Min., hier online) vermutlich ebenfalls angedeutet wird. In Wieland Specks "Zimmer 303" (1991) und in "Styx" (2004) bedeutet der Sprung ins Wasser gleichzeitig den Sprung in den Tod.


Ein Sprung ins kalte Wasser in "Agua" (2014)

Weitere Metaphern: Wechselbad der Gefühle, feuchte Träume und Wassersport

Zu den weiteren übertragenen Bedeutungen von Wasser gehört die Redewendung, dass schwule Männer wie in "Das Gesetz der Begierde" ein "Wechselbad der Empfindungen" erleben (Hermann J. Huber: "Gewalt und Leidenschaft", 1987, S. 76-77). Der Titel des FSK-16-Films "Wet Dreams. Feuchte Träume aus Ungarn" (2009) bezieht sich auf einen unbewussten Orgasmus während des Schlafes und und ist ein Beispiel für eine Redewendung, die im Deutschen und im Englischen gleichermaßen bekannt ist.

An dieser Stelle kann man auch auf "Wassersport" verweisen, eine Bezeichnung für Urin als Fetisch, wie er in "Another Gay Movie" (2006) und "Another Gay Sequel" (2008) aufgegriffen wird. Natürlich hat dies nichts mit den vielen Filmen über Wassersportler zu tun, die frei von symbolischer Bedeutung fast nackte Sportler bieten, wie in "Waterboys" (2001), "Water Boys" (2015), "Watercolors" (2008) und "Der Schwimmer. Wasser, Sport und Speedo Sex" (2021).

Pornos – Lebenselixier und Wassersport

Mehrere Pornotitel greifen Wasser als Lebenselixier auf ("Aqua", "Aqua Club", "Pin Ups Swimmers" und "Absolute Aqua"). Die Begriffe "Wassersport" und "Wasserspiele" werden als umgangssprachliche Ausdrücke für Urinspiele ("Water Sports" und "Water Games") aufgegriffen, auch wenn auf dem Filmcover eine Dusche zu sehen ist ("The Watering Game"). Mit "Deep Water" wird eine andere Redensart aufgegriffen, die der deutschen Formulierung, dass einem das "Wasser bis zum Halse" steht, entspricht. Das Label "White Water Production" bezieht sich wegen der Farbe offensichtlich auf Sperma. Das "Wet" im Titel von "Wet and Wild" mit einer Szene am Swimmingpool kann für Wasser, Sperma und/oder Urin stehen. Auch Pornodarsteller benennen sich unter Rückgriff auf metaphorische Bedeutungen von Wasser ("Walt Waters", "Stormy Waters", "Blake Waters") nach Wasser oder lehnen sich sprachlich an das Parfüm "Cool Water" an ("Cole Waters").


Feuchte Träume in "Wet Dreams" und "Aqua"


Meere, Seen und Flüsse – stille Wasser sind tief und schmutzig

Das Meer ist aufgrund seiner beeindruckenden Weite und Tiefe ein Ort der Sehnsucht und des Geheimnisses. Die Ambivalenz des Meeres, das beruhigend und gefährlich sein kann, macht es zu einem beliebten filmischen Motiv. Der Fluss steht vor allem für den "Strom des Lebens" und wird mit einer pulsierenden Lebensader assoziiert. Wer "gegen den Strom schwimmt", verhält sich anders als die Masse und muss Nachteile befürchten. Beim Fluss gibt es symbolische Überschneidungen mit dem Motiv der Fähre (Folge 32) und dem Mythos von Narziss.

Das Meer – Lebensfreude und Melancholie


Das Meer in "Zurück auf Los!" (2000)

Ein Blick auf das weite Meer lässt kaum einen Menschen unberührt. Nicht nur die Wasserfläche des Meeres ist in schwulen Filmen omnipräsent, sondern auch Strände gibt es hier "wie Sand am Meer". Dabei geht es nicht nur um die Erotik nackter oder fast nackter Männer, sondern auch um symbolische Bedeutungen. Viele Filme vermitteln durch das Zeigen erotischen Herumtollens auch ein positives Lebensgefühl, wie "Krámpack – Nico und Dani" (2000), "North Sea Texas" (2011), "La dérade" (2011), "Saltwater" (2012) und "A casa ao lado" (2015). Dabei kann die Erotik durch Nacktschwimmen noch gesteigert werden, wie in "Zurück auf Los!" (2000) und "Watch over me" (2010, 8:15 Min., hier online). Das Nacktschwimmen in einem See in "Late Summer" (2001, 15:55 Min., hier online) hat eine ähnliche Wirkung.

Ein Wassersteg ins Meer lässt sich wie in "I Am Gay and Muslim" (2012) stimmungsvoll mit einer untergehenden Sonne verbinden und, wie in "Prora" (2012), sogar mit einem Lebensweg assoziieren. Dagegen ist der Steg in "Kinky Boots" (2005) eher wie ein Laufsteg inszeniert.


Der Wassersteg in "Prora" (2012)

Aber auch Einsamkeit und Melancholie sind Stimmungen, die zum Meer passen. In "The Best Friend" (2013) guckt ein Mann in der Abenddämmerung auf das offene Meer und in "The last letter (2016) wird im Winter am Meer ein letzter Liebesbrief geschrieben.

Das Meer und seine Tiefe

Die Dokumentation "Deep Water. The real story" (2016) handelt von realen Hass­verbrechen an schwulen Männern. Im Trailer ist von einer "Welle der Gewalt" gegen Schwule die Rede und auf dem Filmcover ist eine Regenbogen­fahne zu sehen, die in einem Orkan unterzugehen droht. Der Titel greift auf die englische Entsprechung der deutschen Redewendung, dass einem das "Wasser bis zum Halse" steht, zurück.

Der Filmtitel "Tiefe Wasser" (2013) wirkt auf den ersten Blick ähnlich, ist aber ein Beispiel für eine andere Bedeutung einer ähnlich klingenden deutschen Redewendung. Mit "tiefe Wasser" wird es z. B. umschrieben, wenn ein Mensch anders ist als erwartet. Das passt zu dem Inhalt des Films, der die Geschichte eines jungen Schwimmers erzählt, der eine Freundin hat und merkt, dass er eigentlich schwul ist.


Die untergehende Fahne als Symbol für bedrohte schwule Männer in der Doku "Deep Water" (2016)

Der Meeresstrand bei François Ozon – befreite Ufer

Gleich drei Arte-Kompilationen gehen auf François Ozons Verhältnis zum Wasser ein, wobei vor allem dem Meeresstrand in vielen seiner Filme eine besondere Bedeutung zukommt. In "François Ozon aus musikalischer Sicht" (3:30-4:05 Min., hier online) heißt es, dass der Strand sein "Lieblingsort" sei – was in "Die Zeit, die bleibt" (2005) und "Ein Sommerkleid" (1996) zum Ausdruck komme. In "Die Vor- und Abspänne bei François Ozon" (2:30 Min., hier online) heißt es: "Die vorherrschenden Strände zu Beginn seiner Erzählungen sind wie Säume, beraubte Gewänder, befreite Ufer, vergängliche Zustände, Zwischenraumsymboliken", wobei als ein Beispiel wiederum "Die Zeit, die bleibt" (2005) genannt wird. Auch die Arte-Kompilation "Der Strand im Film" (4:50-6:05 Min., hier online) geht auf mehrere Filme Ozons ein.

Die Gischt – ein stoßweiser Orgasmus

Eine stürmische Brandung kann eine stürmische Lebensphase veranschaulichen, meistens unter Einbeziehung von Klippen, die in der nächsten Folge behandelt werden.

Eine Brandung besteht aus stoßweise auf Land treffenden Wellen, die dabei eine Gischt, also ein durch Wasseraufwühlung entstehendes weißlich schäumendes Wasser-Luft-Gemisch, erzeugen. Diese Gischt kann in Filmen wie ein Orgasmus inszeniert werden oder zumindest so wirken, wie auf den Covern der Dokumentation "Man 2 Man. A gay man's guide to finding love" (2013) und des Spielfilms "Off Shore" (2011). In dem Kurzfilm "Ronny & I" (2013, hier online) wirkt die nach dem Sex eingeblendete Gischt eher unscheinbar (18:00 Min.), aber beachtenswert ist, dass kurz zuvor ein Orgasmus akustisch mit der Meeresbrandung untermalt ist (16:30 Min.). Am deutlichsten sind die Szenen, die mit einem Parallelschnitt den direkten Zusammenhang von Gischt und Sex veranschaulichen. In "Der junge James Dean" (2012) gibt es einen Parallelschnitt zwischen Visualisierungen von Brandung und Analverkehr und in Antonio da Silvas pornographischem Kurzfilm "Penis Poetry" (2017, Trailer auf der Homepage des Regisseurs ansehbar) wird auf die gleiche Art ein Zusammenhang zwischen Gischt und Orgasmus hergestellt.


Die Gischt in der Dokumentation "Man 2 Man. A gay man's guide to finding love" (2013)

Das Meer in "Der Tod in Venedig"

Wilhelm Großes "Textanalyse und Interpretation zu Thomas Mann 'Der Tod in Venedig'' (1912) habe ich die nachfolgenden Hinweise zur Bedeutung des Meeres entnommen, die meiner Meinung nach Luchino Visconti in seiner Verfilmung "Tod in Venedig" (1972) kongenial umgesetzt hat: Mit dem Meer hängt ein neues Lebensgefühl zusammen. Es steht für das Ewige und für das Vollkommene und wird als Motiv Tadzio zugeordnet (S. 33). Das zeigt sich auch am Matrosenanzug, durch den Tadzio als mit dem Meer verbunden erscheint und der "auf das Entgrenzende, Ausschweifende und Maßlose" verweist (S. 92). "Bezeichnenderweise ist es am Ende der Novelle auch wieder Tadzio, der im Meer vor dem Nebelhaft-Grenzenlosen wandelt, als wolle er Aschenbach in diesen Bereich hineinziehen bzw. mit diesem Bereich vermitteln. Tadzio ist also auch eine Vermittlerfigur. Wie Tadzio aus dem Meer zu kommen scheint, taucht er auch am Ende der Erzählung in diesem Element wieder unter" (S. 34). Das Meer gehört bei Thomas Mann "zum Bereich des Fremden, Unberechenbaren und Grenzenlosen" und es ist daher auch kein Zufall, dass Aschenbach am Meer stirbt (S. 63-64).


Tadzio und das Meer am Ende von Luchino Viscontis "Tod in Venedig" (1972, Ausschnitt)

Der See – die unbekannte Tiefe und ein Steg ins Unbekannte

Der schwule Erotikfilm "Song of the Loon" (= Gesang des Seetauchers, 1970, hier Auszug online), der in der amerikanischen Wildnis spielt, basiert auf dem gleichnamigen 1966 erschienenen Roman von Richard Amory. Der Film entstand jedoch ohne Zustimmung des Autors. Der Roman, in Deutschland als "Rote Männer auf grünen Matten" verlegt, war sehr erfolgreich und zeigt Seen und Wälder als Teil ursprünglicher Wildnis. Wegen seiner unbekannten Tiefe und seiner Gefährlichkeit ist der See ein passender Schauplatz für einen Mord in "Der Fremde am See" (2013), dessen Titel gleich in doppelter Weise auf etwas Unbekanntes verweist.

Wenn in einem Film ein Steg zu sehen ist, der in einen See führt, wirkt dies manchmal wie ein Verweis auf einen Lebensweg in eine unklare Zukunft. Zu den Filmen, die solche Szenen mit einem Steg enthalten, gehört "That Thing We Do" (2003), "Bennys Jacke" (2007, 15:25 Min., hier online), Jan Krügers "Rückenwind" (2009), "Your Every Day and Night" (2014) und vor allem der in Nebel getauchte Steg in "När bromsvajern släpper" (2008, 8:50 Min., hier online). Romantische Szenen an einem Wassersteg sind auch in dem erfolgreichen Coming-out-Film "Sommersturm" (2004) zu sehen, wobei hier der Fokus wohl eher auf dem gut gefilmten Sprung ins kalte Wasser liegt, der – als Parallele zum Coming-out – befreiend und mutig wirkt und ein bisschen wie Fliegen inszeniert ist.

Der Fluss – alles fließt

Die philosophische Metapher "panta rhei" (= griechisch: alles fließt) bringt zum Ausdruck, dass alles in Bewegung ist und nichts (gleich) bleibt. Sie basiert auf der menschlichen Erfahrung, dass die Zeit und das Leben ohne einen festen Halt sind. Das wichtigste symbolische Bild hierfür ist der Fluss.

Die Aufmerksamkeit möchte ich zunächst auf fünf schwule Filme lenken, die schon im Titel das Fluss-Motiv aufgreifen und sich inhaltlich nicht nur auf das Fließende beziehen, sondern Flusslandschaften auch als bedrohte Natur und entrücktes Naturerlebnis schildern. In "Der Fluss" (aka "The River", 1997) lässt sich Xiao Kang überreden, für einen Film eine im verseuchten Fluss treibende Leiche darzustellen, wobei sich Parallelen zwischen der desolaten Umwelt und den "desolaten sozialen Bindungen" der Menschen (filmdesMonats.de) erkennen lassen. Eine richtige Wasserleiche treibt im Fluss in "Downriver" (2015), wobei das australische "von dichten Eukalyptuswäldern und strömenden Flüssen geprägte Land" wie eine "im Angesicht des Todes gleichgültige Gewalt" erscheint (sissymag.de).


Von Flussleiche bis Liebesnest: Flüsse in "The River" (1997) und "The Delta" (1996)

Im Film "Down the river" (2004, 18:25 Min., hier online) steht der Fluss für ein mystisches Naturerlebnis. Er reißt u. a. ein wichtiges Buch eines Mannes fort und nimmt es für immer mit sich mit. In zwei Filmen bietet eine Flusslandschaft auch den Ort homo­erotischer Begegnungen: Da sind Lincoln und Minh, die in Ira Sachs' Film "The Delta" (1996) auf einem Boot den Mississippi herunterfahren und nur hier ihre Sexualität ausleben können, weil die Welt "traditionell keinen physischen oder emotionalen Raum dafür" bietet (criterion.com). Eine Art archaisches schwules Heldenepos wird in "At the River" (2006) erzählt, worin die einsame entrückte Flusslandschaft für zwei Männer wie ein zeitloser Raum wirkt.

Weitere Flussszenen – ein Fluss voller Tränen

Der weiße Kittel, der in "Schwarz und Weiß" (1986) einen Fluss entlangtreibt, ist eine Art Vorverweis auf den späteren Tod eines der beiden Protagonisten. Der Idee des Fließenden verhaftet ist auch der Kurzfilm "El aprendiz de rimas" (2003, 4:10 Min., hier online), in dem der Fluss dem dichtenden Yuniel positive Energie verleiht. Auf Zettel schreibt er Gedichte für den von ihm geliebten Cristobal, knüllt sie zusammen und wirft sie in den Fluss, von dem sie langsam weggetragen werden. Surrealistische Szenen am Fluss in Verbindung mit esoterischer Musik bietet der Kurzfilm "La clave" (2013, 12:35 Min., hier online). Einer homo­erotischen Szene am Fluss kommt in "Ein Kuss" (2016) eine besondere Bedeutung zu und das Happy End am Ende des Films besteht aus einem gemeinsamen Schwimmen im Fluss.


Surrealistische Szenen am Fluss im Kurzfilm "La clave" (2013)

Auch im gemeinsamen Pinkeln zweier Männer in einen Fluss, wie in "Speechless" (2012), kann man das Prinzip von "alles fließt" erkennen und es gleichzeitig als Zeichen von Vertrautheit werten. In "Sleepless Knight" (2012) wird dieses Motiv in erotischer Form variiert: Carlos beobachtet, wie Juan in einen Fluss pinkelt, zieht sich aus und springt nackt in diesen Fluss, was Nähe und Verbundenheit ausdrückt.

In einigen Filmen ist ein Fluss zwar nicht zu sehen, er wird aber besprochen bzw. besungen. In Pedro Almodóvars "Schlechte Erziehung" (2004) singt ein Junge am Wasser das Lied "Moon River" mit der Zeile: "Ich lasse mich nicht forttreiben von dem Wasser. […] der leise plätschernd dahinfließt." In "Chanson der Liebe" (2007) heißt es nicht weniger melancholisch: "ein Fluss voller Tränen für mich".

Metaphern: "vom anderen Ufer" und "gegen den Strom"

Die Zeiten, als man Schwule – meist abwertend – als Männer "vom anderen Ufer" bezeichnete, scheinen vorbei zu sein. Geblieben sind aber einige naheliegende und nicht unbedingt homophobe Redewendungen. So schreibt Hermann J. Huber ("Gewalt und Leidenschaft", 1989, S. 97) mit Bezug auf "Ein Käfig voller Narren" (1978) von einem "Seitensprung aufs andere (heterosexuelle) Ufer". Ähnlich ironisch ist die Bemerkung in "Out im Kino" von Axel Schock und Manuela Kay (2003, S. 56), dass Albert in "Beziehungsweise andersrum" (1978) doch noch das "rettende heterosexuelle Ufer" erreiche. Der Hinweis in der Folge "Liebe und Wut" der Krimi-Serie "Der Staatsanwalt" (Folge 12/5, 2017), ein Mann sei ans "andere Ufer" gewechselt, erscheint freilich im Kontext der Folge als eine etwas verkrampfte Formulierung. Von zwei Ufern eines Flusses bzw. von schwulen und heterosexuellen Flamingos handelt der Animationsfilm "Flamingo Pride" (2011, hier online), der ebenso unterhaltsam wie emanzipatorisch mit Klischees spielt, ohne sie zu reproduzieren: Von dem einen Ufer hört man Western-Musik (hetero), von dem anderen Ufer Disco-Musik (homo).

Sowohl der italienische Titel als auch der ergänzte deutsche Untertitel von "Contracorriente. Gegen den Strom" (2009) verweisen als Redewendungen darauf, dass sich in diesem Film zwei Schwule in einem streng religiösen Dorf anders als die anderen Einwohner*­innen verhalten und deshalb Ausgrenzung erfahren

Pornos zum Thema Meere, Seen und Flüsse

Schwulenpornos, die am Meer spielen, greifen in Bild und Text die Motive Sonne, Sommer und Sex am Strand auf ("California Blue", "Beach Candies", "Men at Sea", "Boys at Sea") und lassen ein Faible für Alliterationen erkennen ("Beach Bums", "Bitch Boys", "Cock Cruisers"). Filmtitel mit "beach" lassen sich mit Anspielungen auf die Namen von Cocktails ("Sex on the Beach") oder auch mit symbolischen Bezügen verbinden ("Paradise Beach", "Deep Water. Beach Control"). Hinweise auf ein tiefes Meer bzw. Titel mit "deep" sind offenbar Wortspiele mit Verweis auf Analverkehr ("Deep Sea Fantasy", "Deep Sea Drillin'"). Pornos verweisen auf Seemänner ("Hot Young Seaman") und enthalten Wortspiele mit Sperma bzw. Samen ("Deep Semen"). In "L.A. Zombie" (2010) erzählt Bruce LaBruce die Geschichte eines außerirdischen Zombies, der aus dem Meer auftaucht und sich auf den Weg nach Los Angeles macht. Dies erscheint passend, weil das Meer der Ursprung des Lebens ist.


Das Meer und das Flussufer in den Pornos "Boys at Sea" und "Riverside Pals"

Schwulenpornos, deren Schauplatz ein See ist, zeigen das Gewässer und den Himmel als Urlaubsparadies und manchmal als Teil der unberührten Natur ("Big Bear Lake"). Die Atmosphäre an einem Fluss zu zeigen, wie bei den idyllischen Uferlandschaften des Sacramento Rivers als Kulisse für "The Rivermen" (1984), beinhaltet nicht unbedingt eine symbolische Bedeutung. Einige Filmcover verbinden Flüsse mit symbolhaft anmutenden Bildern von Sonnenuntergängen und nächtlichen Schauplätzen ("Riverside Pals"). In einem sprichwörtlichen Sinne können Flüsse auf schmutziges Wasser verweisen ("Dirty Waters. An Adventure in Sex") und vom Fließen der Zeit ("The River through Time") handeln. Als "Fluss" lässt sich auch fließender Urin ("Yellow River") bzw. fließendes Sperma ("Bareback Cumparty Special 1. Rivers of Cum") bezeichnen und ein "großer Fluss" ("Big River") kann durch die Bildgestaltung auf einen großen Penis verweisen.


Regen – Tropfen als Tränen

Regentropfen werden oft mit Tränen assoziiert und so zu Zeichen von Traurigkeit und Depression, wie in dem Ausdruck "der Himmel weint". Durch Redensarten wie die, dass eine Person "nahe am Wasser gebaut" sei, werden ähnliche Bezüge hergestellt. Die durch Regen bedingte melancholische Stimmung führt manchmal in Filmen dazu, dass Männer Gefühle zulassen können. Die symbolische Bedeutung von Regen überschneidet sich mit der des Regenschirms (Folge 17) und des Regenbogens (Folge 35).

Regen – Tränen und Traurigkeit

Die bekannteste symbolische Bedeutung von Regen wohl sein Bezug zu Depression und Traurigkeit. In "Es war …" (1926) regnet es, als der Freund für einige Jahre die Stadt verlassen muss. In "Latter Days" (2003) steht der Regen in Bezug zu einem Aids-Kranken, in "Die Unbeugsame" (2008) und "Strapped" (2010) regnet es, als sich ein Mann prostituieren muss, und in "Porn Punk Poetry" (2014) ist ein Stricherleben so traurig wie das regnerische Wetter. In "The Kiss on the Cliff" (1993, 10:10 Min., hier online) und "Drift" (2000) steht der Regen für Liebesschmerz. Es regnet auch, als Diego in "Erdbeer und Schokolade" (1994) sein Heimatland Kuba verlassen muss. Im Regen steht die trans* Person Maria in "Dear Dad, Love Maria" (2009), womit ihre familiären Konflikte visualisiert werden. Szenen im Regen vermitteln eine melancholisch-depressive Grundstimmung auch in so unterschiedlichen Filmen wie "Unter der Treppe" (1969), "Priscilla – Königin der Wüste" (1994), "Howl" (2010) und "Spooners" (2013). In "Time to Shine, Mr Walter" (2011) steht Sonnenschein für die Jugend und der Regen für das Alter.


Traurigkeit in "Spooners" (2013)

Regen – Tränen und Tod

Regen steht für Trauer und heftiger Regen steht manchmal sogar für den Tod. In "Last Call" (2009) stehen die Tränen für den Tod des Alkoholikers Gavin. Es regnet, als sich in "Zurück in die Vergangenheit" (Folge 4/12) Phillip Ashcroft erhängen möchte, und ebenso im Abspann von "A Clouded Sky" (= Ein getrübter Himmel, 2009), der den Freitod des jungen Siddarth behandelt. Es regnet, als in "Der Heilige" (1996) St. Sebastian seinen Märtyrertod erleidet. In "Bent" (1997) regnet es im Konzentrationslager Dachau und in "Pink Triangle" (2010, 2:20 Min., hier online), als ein schwuler Nazi-Informant einen Schwulen tötet, den er persönlich kennt. Nach dem Tod seiner Mutter ist Alfredo in "Madre amadísima" (2009) verzweifelt und läuft durch den strömenden Regen zum Altar in einer Kirche.

Es regnet, als in der "Tatort"-Folge "Mord in der Akademie" (Folge 290, 1994) der Mord am schwulen Till Bornemann gestanden wird. In der Folge "Trauma" der Serie "Law & Order UK" (Folge 1/5, 2009) regnet es ebenfalls nach dem Geständnis eines Mordes.

Regen – Gefühle zulassen

Es kann zu den positiven Wirkungen von Regen gehören, dass Männer Gefühle zulassen und sich emotional öffnen. Thomas in "Westler" (1985) betont: "Ich mag den Regen, wenn er so auf die Erde fällt" und es regnet, als in "Chef's letter" (2008) ein Liebesbrief geschrieben wird. Manchmal kommt es gerade durch den Regen zu einer körperlichen Annäherung und zu Sex, wie in "A Very Natural Thing" (1974), "Gegen die Schwerkraft" (1997), "Freunde" (2001) und "Einbruch der Dunkelheit" (2012, hier online). Im Regen sind auch eher Aussprachen über persönliche Themen möglich, wie die Familienaussprache in "Sitcom" (1998) und die Gespräche der Mütter mit ihren schwulen Söhnen in "Edge of Seventeen" (1998), "Right by me" (2005) und "Wäre die Welt mein" (2008). Auch die persönlichen Aussprachen in "Anders als die Andern" (1956), "Kreuz und Queer" (1998) und "Männer al dente" (2010) wirken nicht zuletzt deshalb, weil es draußen regnet.

Intensiver Regen – intensive Gefühle

Vom strömenden Regen bzw. einem Platzregen vollständig durchnässt zu werden deutet in Filmen auf sehr starke Gefühlsregungen hin. Hier geht es nicht nur um einen kleinen Schauer oder um eine kurze depressive Phase, sondern um Wetterextreme und – damit verbunden – um Menschen am Limit. Es geht manchmal um eine veränderte Zukunft, in der nichts mehr so ist, wie es vorher war. In "Die Katze auf dem heißen Blechdach" (1958) nach Tennessee Williams ist es das Verhältnis zwischen Brick und Skipper, das in einem sehr lebhaften Gespräch zwischen Brick (D: Paul Newman) und seinem Vater zum Ausdruck kommt. Hier "entlädt sich nicht nur in der Natur ein Gewitter, sondern auch all der über Jahre hinweg entstandene Frust" und alle Spannungen (Wikipedia).


Der durchnässte Brick (D: Paul Newman) in "Die Katze auf dem heißen Blechdach" (1958)

Situationen, bei denen es im strömenden Regen um intensive homo­erotische Gefühle und Spannungen zwischen Männern geht, sind in "Burnt Money" (2000), "Red Dirt" (2000), "Enduring Love" (2004), "Candy Boy" (2007), "Raging Sun, Raging Sky" (2009), "A Single Man" (2009), "Sex, Party und Lügen" (2009) und "Freier Fall" (2013) zu sehen.

Mit strömendem Regen lässt sich auch eine besondere Form von Traurigkeit und Depression darstellen: In "Brille mit Goldrand" (1987) verweist der starke Regen auf die aussichtslos erscheinende Situation von Schwulen unter dem Faschismus. In Derek Jarmans "Edward II." (1991) ist in strömendem Regen Piers Gaveston zu sehen, als er von seinem Liebhaber, dem englischen König Edward II., in die Verbannung geschickt wird, wobei seine Verzweiflung auch durch Schreie verdeutlicht wird. In "Einsam, Zweisam, Dreisam" (1994) und "Schlechte Erziehung" (2004) geht es um eine Verabschiedung für eine lange Zeit und vielleicht für immer.

Auch in der Arte-Kompilation "Der Regen im Film" (hier online) wird betont: "Intensiver Regen verdeutlicht oft intensive Gefühle" (1:20 Min). Als Beispiel wird eine Szene aus einem (nicht genannten) Film gezeigt, in der ein Mann im strömenden Regen sein Coming-out versucht (1:35 Min.). Starker Regen wird auch als "Vorbote von Gewalt" bezeichnet (2:00 Min.).

Tropfen aus der Wasserleitung – Tränen


Traurigkeit unter der Dusche in "Fantabulous" (2009)

Auch Leitungswasser kann je nach Inszenierung Traurigkeit und Depression vermitteln, beispielsweise wenn ein schwuler Mann unter der Dusche steht, traurig ist und manchmal auch weint, wie in "Brüder" (2005), "Fantabulous" (2009), "306" (2010), "Beautiful Love" (2013), "Después del invierno" (2013) und "Ein Kuss" (2016). Die Inszenierung von Männern vor einem nassen Spiegel hat in "A First Time for Everything" (2010) und "Diffidence" (2010) dieselbe symbolische Bedeutung und eine annähernd gleiche Wirkung. Meistens sind es ruhige und melancholische Momente, die aus Nahaufnahmen der Protagonisten bestehen, die das Persönliche der Situation verdeutlichen.

"Golden Shower" – Spiele mit Urin


Regen, der in "Another Gay Sequel" (2008) für "Golden Shower" steht

Von einer Wasserdusche abgeleitet ist der Begriff "Golden Shower", der das sexuelle Stimulieren durch Urin bezeichnet. Wegen einer doppeldeutigen Verwendung des Ausdrucks "golden showers" wurden die "Simpsons" (12/2) kritisiert – allerdings nicht in Deutschland, wo durch die Übersetzung als "Goldregen" in der Synchronisation jede Doppeldeutigkeit verloren ging. In "Another Gay Sequel" (2008) steht Regen für Urin und um sich zu schützen, wird auf einen Regenschirm (= Kondom) verwiesen.

Pornos – "It's Raining Men"


"It's Raining Men"

Auch in Pornos geht es manchmal um durchnässte Männer, wobei sich das Durchnässen allerdings meistens auf Körperflüssigkeiten bezieht ("Am Tag als der Regen kam"). Das gilt auch dann, wenn auf der Bildebene ein Bezug zu einem Wasserfall hergestellt wird ("Drenched Part 2"). Der Pornotitel "It's Raining Men" ist eine offensichtliche Referenz auf das gleichnamige Lied der "Weather Girls" (1982), das in der Schwulenszene bis heute Kultstatus genießt. Der Pornotitel "Tanz im Regen" erinnert wohl nicht zufällig an Gene Kellys "Singin' in the Rain" und damit an eine der berühmtesten Szenen der Filmgeschichte.


Springbrunnen und Wasserschlauch – an- und abspritzen

Ein Springbrunnen kann Ausdruck für einen Orgasmus sein. "Die Analogie zu dem männlichen Gliede ist naheliegend, da bei der Ejakulation der Samen ebenfalls eruptiv hervorspringt. Und der männliche Same ist, ebenso wie der Wasserstrahl, eine Quelle des Lebens" ("Taschenbuch der Sexualsymbole", 1971, S. 40). Sprudelndes Wasser lässt sich als Ausdruck unbeschwerten (Sexual-)Lebens verstehen. Noch deutlicher ist hier der Wasserschlauch, wobei sich die Freude am Herumspritzen auch mit dem Wettpinkeln von Jungen vergleichen lässt.

Springbrunnen als Orgasmus

Ein Springbrunnen mit seinem herausspritzenden Wasser wird in einigen schwulen Filmen im direkten Kontext der jeweiligen Szene oder durch Schnitt zu einer anderen Szene zu einer Metapher für Ejakulation. In "Zwei irre Typen auf heißer Spur" (1982) geht es direkt vor einer Springbrunnen-Szene um den heterosexuellen Benson, der keine Erektion bekommt. Dieses Erektionsproblem ist im Film Ausdruck seines Kontaktes mit seinem schwulen Kollegen Kerwin und hat damit einen indirekten homo­sexuellen Bezug. Die Springbrunnen-Szene in "The Living End" (1992) bietet einen Interpretationsspielraum, weil sie sich zwischen zwei Szenen befindet, in denen der schwule Luke ejakuliert und uriniert. In "Zack and Miri make porno" (2008) bilden rund 15 Fontänen aus einem Springbrunnen – im Rahmen einer Überpräsenz des Sexuellen – den Hintergrund für eine schwule Pornofilmproduktion.


Zwischen Ejakulieren und Urinieren: ein Springbrunnen in "The Living End" (1992)

Auch in anderen Filmen sind Szenen mit einem Springbrunnen unscheinbar wirkend mit Homoerotik verbunden. In "Textual @traction" (2005) und in "Creo que te amo" (2011) sind Springbrunnen bei einem Date und in "La mirada de las fotos" (2010) vor einer Sexszene zu sehen. Unklar bleibt die Schlussszene des brasilianischen Kurzfilms "Sargento Garcia" (2000, 16:20 Min., hier online), worin sich ein junger Mann im Kontext von sexuellem Missbrauch von einem Springbrunnen nassspritzen lässt und dabei zufrieden lächelt.

Strahl aus dem Wasserschlauch als Orgasmus

Eine größere filmische Bedeutung hat das Spritzen mit einem Wasserschlauch, wobei neben dem Wasser (= Ejakulation) auch der Schlauch (= Phallus) sexualisiert werden kann. Es ist erstaunlich, dass "A Very Natural Thing" (1974) gleich drei derartige Szenen bietet: Im direkten Anschluss an eine Sexszene werden Gartenpflanzen mit einem Wasserschlauch bespritzt und eine Parkszene mit einem Springbrunnen wird auch durch eine nackte Statue sexualisiert. Später versucht das schwule Paar an einem Kirmes-Stand mit einer Art Wasserspritzpistole möglichst genau in einen Plastikmund zu spritzen, was an Oralverkehr erinnert. In "Get your stuff" (2000) und "Shut up & kiss me" (2010) wurden die Wasserschlauch-Szenen sogar auf den Filmcovern verwendet, was die angenommene Zugkraft des Motivs verdeutlicht.


Die Filmcover von "Get your stuff" (2000) und "Shut up & kiss me" (2010)

Es gibt recht viele Filmszenen, in denen zwischen zwei Männern, die sich mit einem Wasserschlauch anspritzen, eine mindestens einseitige homo­erotische Spannung besteht oder wo das Spritzen auf Blumen mit einem Wasserschlauch in direktem Zusammenhang mit einer Sexszene steht. Damit meine ich Szenen in "Das Paradies der flotten Sünder" (1968), "Schwarz und Weiß" (1986), "Bent" (1997), "Get Real – Von Mann zu Mann" (1998), "Soda Pop" (2001), "Das Herz will, was es will" (2004 mit Duschbrause) und "The Conrad Boys" (2006). In "Another Gay Movie" (2006) und in der Fortsetzung "Another Gay Sequel" (2008) stehen Szenen mit einer Duschbrause und einem Wasserschlauch in deutlich sexuellem Zusammenhang.

In "Die Simpsons" gibt es eine Szene, in der Waylon Smithers seinen geliebten Mr. Burns mit einem Wasserschlauch anspritzt (Schlussszene von Folge 17/1). Diese Szene wirkt auch deshalb sexuell anspielungsreich, weil im Hintergrund die Filmmusik von "Carwash" (1976) zu hören ist. Wegen der Trans*-Nebenrolle von Lindy (D: Antonio Fargas) gehört "Carwash" zur queeren Filmgeschichte.


Waylon Smithers spritzt seinen geliebten Mr. Burns an ("Die Simpsons", Folge 17/1)

Es sind humorvolle und spielerische Szenen, die ähnlich wie geöffnete Sektflaschen einen Orgasmus und die pure Lust am Leben verkörpern. Auch der Film "The Fluffer" (2001) gehört in diesen Kontext, weil er eine Wasserschlauch-Szene erkennbar sexualisiert. Weil es hier jedoch um den sexuellen Missbrauch eines Jugendlichen geht, unterscheidet sich die über den Wasserschlauch angedeutete Sexualität in ihrer moralischen Bewertung von den bisher genannten Beispielen.

Pornos zum Thema

In Schwulenpornos werden Wasserschläuche deutlicher als in Spielfilmen phallisch inszeniert. Meistens werden junge Männer mit einem Gartenschlauch gezeigt, die sich selber anspritzen ("City Boyz. Puppies in Paradise", "French Kiss"). Eine anspielungsreiche Wasserschlauchszene ist auch in Jean Daniel Cadinots Porno "Portes du désir" (2006) zu sehen. Die Assoziation mit Leidenschaft lässt sich verstärken, indem auf dem Filmcover im Hintergrund rote Autos zu sehen sind ("Mercury Rising", "The Staff").


Unterschiedlich große Schläuche in "Mercury Rising" und "Black Firehouse"

Die Titel der beiden Pornos "Hosed" und "Hosed 2" beziehen sich zwar auf das Abspritzen mit einem Wasserschlauch, zeigen als Bildmotiv aber keinen Schlauch, sondern eine Erektion. Auch die großen Feuerwehrschläuche lassen sich phallisch inszenieren, wobei ein solch übertrieben großer Phallus auf mich dabei nicht machohaft, sondern ironisch gebrochen, was den Motiven eine eher humoristische Note verleiht ("Black Firehouse", "Playing with Fire" 1-3, "Feel the Fire", "Hot Fireman"). Etwas weniger deutlich phallisch lassen sich Duschbrausen inszenieren ("It's showertime!", "Wet Stories", "College Cock"). Es wurde nur ein Porno mit einem Springbrunnen auf dem Filmcover gefunden ("Extreme Measures").

-w-