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Wien
"Aus Sicherheitsgründen": Lesung von Buch über lesbische Jüdin abgesagt
Erschreckende Entwicklungen in Wien: Eine Lesung über eine jüdische Frau, die sich in Wien jahrelang vor den Nazis versteckte, musste wegen des wiedererstarkten Antisemitismus abgesagt werden.
- 6. November 2023, 14:51h 2 Min.
Die geplante Lesung des österreichischen Autors Roman Pettinger über die lesbische Schauspielerin Dorothea Neff (1903-1986) in der österreichischen Bundeshauptstadt Wien wurde abgesagt. Grund ist, dass es in dem Buch "Dorothea" darum geht, wie Neff ihre jüdische Freundin Lilli Wolff (1896-1983) zwischen 1941 und 1945 vor den Nazis versteckte.
"Begründung: die Veranstalter wollen 'aus Sicherheitsgründen derzeit keine Veranstaltungen mit jüdischem Konnex' haben", schrieb der Autor am Sonntag im Social-Media-Portal X. "Das macht mich sehr betroffen!" Weiter schrieb er: "Die Veranstalter (selbst jüdisch) haben aus Angst vor antisemitischen Übergriffen abgesagt." Zwar erscheine die Absage einer Buchlesung als nicht so wichtig, so Pettinger, das Problem sei jedoch, "dass Menschen in Österreich Angst haben". In sozialen Medien gab es nach der Absage entsetzte Reaktionen.
Die geplante Veranstaltung sei noch nicht angekündigt worden, erklärte Pettinger. Weitere angekündigte Lesungen würden nach derzeitigen Stand jedoch stattfinden.
/ JurgenPettingerDass ich fast 80 Jahre später, die Geschichte von Dorothea und Lilli nicht erzählen kann, ist gelinde gesagt
Jürgen Pettinger (@JurgenPettinger) November 5, 2023
Neff hatte ab 1940 Wolff in ihrer Wiener Wohnung aufgenommen und versteckt. Problematisch wurde die Lage 1944, als Wolff mit einem Tumor in der Brust ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Wolff überlebte die Naziherrschaft und emigrierte nach dem Zweiten Weltkrieg in die USA. 1993 starb sie in ihrer neuen Heimatstadt Dallas.
Auch in Deutschland sind aus Angst vor antisemitischen Reaktionen mehrere Veranstaltungen mit jüdischer Thematik abgesagt worden – etwa das jüdische Food-Festival "Gefilte Fest" in Dresden oder eine Gala des American Jewish Committee (AJC) in Berlin. Zuletzt beobachtete das Bundeskriminalamt (BKA) laut SWR einen Anstieg der Übergriffe auf jüdische Ziele durch Islamist*innen und Linksextremist*innen. (cw)
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