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Staatshomophobie

Museumsdirektor in Ungarn wegen "Homo-Propaganda"-Gesetz entlassen

Dass beim World Press Photo Award auch Bilder von queeren Menschen gezeigt wurden, hat ein Nachspiel: Die rechtspopulistische Regierung hat nun den Museumsdirektor entlassen.


Nach dem Willen der Orbán-Regierung dürfen im ungarischen Nationalmuseum keine Homo­sexuellen oder trans Personen gezeigt werden (Bild: Alan B / flickr)

  • 6. November 2023, 16:30h 2 Min.

Wegen der angeblich zu laschen Anwendung des "Homo-Propaganda"-Gesetzes hat der ungarische Kultusminister János Csák den Direktor des Nationalmuseums, der 51-jährige László L. Simon, entlassen. Dieser habe Gesetzeswidrigkeiten in seinem Haus geduldet und könne deshalb nicht weiter im Amt bleiben, teilte das Kultusministerium in einer Erklärung am Montag mit.

Stein des Anstoßes war eine Ausstellung der internationalen Stiftung World Press Photo, die auf dem Gelände des Nationalmuseums weltweit preisgekrönte Pressefotos zeigte. Auf einigen Fotos waren die Bewohner*innen eines Altenheimes auf den Philippinen dargestellt, in dem Homosexuelle und andere queere Menschen leben.

Das vom rechtspopulistischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán kontrollierte Parlament hatte 2021 ein sogenanntes Kinderschutzgesetz geschaffen. Es verbietet, dass Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren Inhalte zugänglich gemacht werden, die queere Menschen darstellen (queer.de berichtete).

Über die LGBTI-Darstellungen von den Philippinen hatte sich die rechtsradikale Parlamentsabgeordnete Dóra Dúró beschwert. Das Kultusministerium wies daraufhin Direktor Simon an, Unter-18-Jährigen den Zugang zum Museum zu verwehren (queer.de berichtete). Das Museum meinte jedoch, dass es über keine Befugnis zu Ausweiskontrollen verfüge.

Abgesetzter Funktionär will Entlassung nicht akzeptieren

Nach seiner Entlassung am Montag hielt Simon in einer Erklärung fest, dass er die Entscheidung nicht akzeptieren könne. "Mit der World-Press-Photo-Ausstellung hat sich das Museum keines absichtlichen Gesetzesverstoßes schuldig gemacht", fügte er hinzu. Er weise die "Idee zurück, dass unsere Kinder vor mir oder der Einrichtung, der ich vorstehe, beschützt werden müssen."

Simon ist kein Widerstandskämpfer, sondern war selbst ein Abgeordneter der rechtspopulistischen und queerfeindlichen Regierungspartei Fidesz; er stimmte vor rund zweieinhalb Jahren auch für das "Homo-Propaganda"-Gesetz. Als langjähriger Kulturfunktionär war er dann zum Direktor des Nationalmuseums ernannt worden.

Zuletzt hatten ungarische Behörden unter Berufung auf das "Homo-Propaganda-Gesetz" Buchhandlungen bestraft, wenn diese Jugendbücher zu LGBTI-Themen nicht in eine Folie eingeschweißt hatten. Die EU-Kommission strengte gegen das Gesetz ein Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) an (queer.de berichtete). (dpa/AFP/cw)

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