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Folge 46 von 53
Schwule Symbole im Film: Erde
Sie werden meistens als sogenannte unbelebte Natur bezeichnet, aber die Erde, die Wüste wie auch Inseln, Klippen und Höhlen können in Filmen sehr lebendig schwule Geschichten erzählen.

Gegenbilder: Wüste, Wasser und zwei Männer in Jarmans "The Garden" (1990)
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12. November 2023, 05:41h 24 Min. - Diese Artikelserie wurde gefördert von der Homosexuellen Selbsthilfe e.V., www.hs-verein.de.
Erde – Symbol für Fruchtbarkeit
Die Erde ist ein Symbol für Fruchtbarkeit, weil sie neues Leben hervorbringt, und wird mit Mütterlichkeit assoziiert. Das "Pflügen", also die Vorbereitung der Befruchtung des Ackerbodens, um Samen einzubringen, ist eine sehr alte Sex-Metapher. Dass die Erdfurche, in die der Pflug (= Phallus) eindringt, nicht nur die Vagina, sondern in homosexuellem Zusammenhang auch der Anus sein kann, ist nicht neu, sondern lässt sich als Metapher ebenfalls schon für die Antike belegen. Schlamm und Morast können mit Kot assoziiert werden und auf als "unsauber" empfundene Begierden und Leidenschaften verweisen.
Erde – Urmaterie und Heimatplanet
Wasser und Erde gehören in den unterschiedlichsten Schöpfungsmythen zur Urmaterie. Nach dem christlichen Glauben entstand Adam aus Erde und Wasser und wir kommen nicht nur aus der Erde, sondern werden auch wieder in sie zurückverwandelt. Filmszenen mit Beerdigungen, wie sie auch in schwulen Filmen zu sehen sind, machen dies deutlich, wie in "No Ordinary Love" (1994) der Hinweis auf die "Erde, aus der er entstanden ist". Erde ist auch die Bezeichnung für unseren Heimatplaneten, wie es in Julián Hernández' Filmtitel "Ich bin das Glück dieser Erde" (2013; spanische Originalfassung: "Yo soy la felicidad de este mundo") zum Ausdruck kommt.
"Pflügen" – Metapher für Analverkehr
In verschiedenen Filmen ist "pflügen" eine sehr deutliche Metapher für schwulen Analverkehr. In "The Big Gay Musical" (2009) singt Paul auf der Bühne: "Ich muss mich endlich mal durchpflügen lassen!" Brian sagt in "Queer as Folk" (Folge 3/12) zu Justin: "Hast du Lust und durchpflügst meinen schmutzigen engen Arsch?" Brian ist direkt, das merkt man auch an seiner Antwort auf die Frage, wer im Haushalt eigentlich der Gärtner sei: "Spritze meinen Samen gerne in alle möglichen Löcher – in die Erde" (Folge 5/4). Die gleiche Bedeutung haben die Äußerungen in "The Fluffer" (2001), dass sich die Darsteller bei einer schwulen Pornoproduktion erst mal "umpflügen" lassen müssten, und in "Eating Out 2" (2006), ein Schwuler habe die Chance, "seinen Acker durchzupflügen". Fast dezent wirkt dagegen der Satz in "Another Gay Sequel" (2008) "Für meinen Arsch ist das Neuland", mit dem die Angst vor dem ersten passiven Analverkehr zum Ausdruck gebracht wird.
Das Stechen in Erde – Analverkehr?
Ob das Stechen in Erde für Analverkehr steht oder damit assoziierbar ist, hängt vom jeweiligen filmischen Kontext ab, es ist aber bei weitem nicht so deutlich wie wenn über das "Pflügen" von Männern gesprochen wird. In "A Very Natural Thing" (1974) sieht man direkt nach einer Sexszene einen Wasserschlauch in einem Garten und ein Hineinstechen in die Erde und in "The Journey of Jared Price" (2000) nach einem Gespräch über den Liebhaber, wie Jared in Erde hineinsticht. Ähnliche Szenen mit Stechen in die Erde sind auch in in "Leo's Room" (2009) und in der US-Serie "Queer as Folk" (Folge 2/8) zu sehen. In "Judas Kiss" (2011, nur im DVD-Bonusmaterial) kann das gemeinsame Pflanzen von Vater und Sohn auch ein Zeichen von Verständigung sein.

Hineinstechen in die Erde in "The Journey of Jared Price" (2000)
Schlamm als Kot
In "Hotel New Hampshire" (1984, 14:45 Min., hier online) wird dem schwulen "Arschficker" Frank von anderen Männern sein Geschlechtsteil mehrfach mit Gewalt in den Schlamm gestoßen, was im Film nur als eine Form homophober Gewalt und als Demütigung zu erkennen ist. Der zugrundeliegende Roman verdeutlicht die symbolische Bedeutung im Sinne einer spiegelnden Strafe: Den Penis anderen "Jungs in den Arsch zu stecken […] ist, wie wenn man ihn in ein Schlammloch steckt" (John Irving: "The Hotel New Hampshire", 2004, S. 111). Der Schlamm in dieser Filmszene steht daher für Kot und im Zusammenhang mit abwertenden Vorstellungen von Analverkehr. Zwei weitere Filme sind hier weniger deutlich: In "Amphetamin" (2010) beginnt die Vergewaltigung eines Mannes in Schlamm bzw. Morast und wird in einem engen runden Tunnel (= Anus) durchgeführt. Auch in dem Schlamm und Morast des italienischen Flusses Po, in dem die Leiche des schwulen Arztes Athos Fadigati in "Brille mit Goldrand" (1987) gefunden wird, kann dieser Bezug gesehen werden.
Anders verhält es sich, wenn in einem übertragenen Sinne von einem "Sumpf" die Rede ist. Der Begriff wird verwendet, wenn die Gefahr besteht, den Boden unter den Füßen zu verlieren und in eine gefährliche Tiefe gezogen zu werden. In dieser Bedeutung wird in der "Tatort"-Folge "Mauer des Schweigens" (Folge 455, 2000) die Schwulenszene als angeblicher "Sumpf" bezeichnet.

Schlamm als Kot in "Hotel New Hampshire" (1984)
Pornos – das "Pflügen" von Ärschen
In Pornos wird das "Pflügen" in Form des englischen Verbs "to plow" in Verbindung mit der Bildgestaltung deutlich auf Analverkehr bezogen ("Plow My Ass", "Plowing Eric Pryor", "The Plowboys", "Plow me", "Plowing Session", "Ass Plow", "Plowed!"). Pflügen und Säen sind sich symbolisch sehr nahe ("Plowing & Seeding"). Das Schneepflügen ("Tahoe. Snow Plow") wird in sexueller Bedeutung vor allem als Bezeichnung für die sogenannte Hundeposition verwendet (s. Urbandictionary). Ein Pornodarsteller nennt sich "David Plow".

Pflügen als Symbol fürs Ficken: "Plow My Ass" und "Tahoe. Snow Plow"
Wüste – Symbol für Unfruchtbarkeit
Im Gegensatz zum fruchtbaren Erdboden ist die trockene Wüste ein Symbol der Unfruchtbarkeit und Verlassenheit und steht als eine Art psychischer Landschaft vor allem für Leere, Tod und Verzweiflung. Die Wüste ist "Schauplatz und Motiv, dessen (…) symbolische Reize (…) sich im Spannungsfeld von atemberaubender Schönheit und todbringender Leere bewegen" (Filmlexikon der Uni Kiel). Weil die Wüste auch Oasen umfasst, ist sie in ihrer Bedeutung recht ambivalent und kann daher auch ein Symbol des Lebens sein.
Wüste – Einsamkeit, Gewalt und Tod
Die Visionen von der Wüste und die realen Szenen in der Wüste in "Total Eclipse. Die Affäre von Rimbaud und Verlaine" (1995) können auf Einsamkeit bezogen werden. Weite Teile des Films "Twentynine Palms" (2003), der von innerer Leere handelt, sind in der Wüste angesiedelt – wo die karge Landschaft mit einem wortkargen Liebespaar korrespondiert und sich David über die an ihm in der Wüste begangene Vergewaltigung mit niemandem austauschen kann. Seit den Achtzigerjahren gibt es eine besondere Form schwuler Einsamkeit, nämlich die durch die Todesfälle infolge von Aids. In "Undetectable" (2015) und "Desert Migration. A Documentary about Life after Aids" (2015) werden diese Leere, die Einsamkeit und die zu beklagenden Toten optisch eindrucksvoll mit dem Bild der Wüste vermittelt.

Die Wüste, Aids und die große Leere in "Undetectable" (2015)
Es gibt auch Schwule, die in der Wüste einen einsamen Tod sterben. In "Im Auftrag des Drachen" (1975) wird der schwule Miles Mellough von Jonathan Hemlock (D: Clint Eastwood) zwar nicht direkt getötet, aber ohne Wasser und Transportmittel in der Wüste ausgesetzt, wo er qualvoll verdurstet. Der Handlungsort Wüste im Animationsfilm "Cruise Patrol" (2013, hier online) ist gut gewählt, weil er das Gefühl von Hilflosigkeit angesichts einer Entführung und einer Schießerei gekonnt verstärkt.
Die Wüste in Pasolinis "Teorema" – Ursprung und Einsamkeit
In Pier Paolo Pasolinis "Teorema" (1968) kommt ein Fremder in eine bürgerliche Familie und verdreht allen den Kopf, auch der Familienvater Paolo lässt sich sexuell auf ihn ein. Als der Fremde die Familie wieder verlässt, ist Paolo verzweifelt, zieht sich nackt aus und wandert durch die Wüste. Schon vor fünf Jahren habe ich hier auf queer.de auf die Wüste als Symbol in diesem Film verwiesen, das auch hier als klassischer Topos zur Veranschaulichung der inneren Leere der Protagonisten aufgegriffen wird. Ein Rezensent des Films sieht in der Wüste hier sogar eine Allegorie für Homosexualität, denn dort scheint kein Leben zu existieren, was sich als Parallele zu dem Umstand deuten lässt, dass Homosexualität zu dieser Zeit totgeschwiegen wurde und nicht zu existieren schien. Mit dem Hinweis im Film, dass Gott sein Volk Israel durch die Wüste führte, wird auch die religiöse Bedeutung dieser Symbolik deutlich. Die Darstellung der Wüste in Pasolinis Filmen ist ein guter Schlüssel zum Verständnis seiner pessimistischen Weltsicht und religiösen Weltanschauung. Zum Verständnis beitragen kann auch der gleichzeitig veröffentlichte Roman "Teorema" von Pasolini, wonach die Wüste "zugleich das Nichts und das Prinzip des Anfangs und der Einheit" bedeutet. Die Bedeutung der Wüste in Pasolinis Filmen beschreibt auch die Arte-Kompilation "Filmgeschichte: Pasolini" (3:15 Min., hier online): Die Wüste sei "wie ein Ursprungsort, an dem die Menschheit begann".

Einsam und nackt in der Wüste: Existentialismus in Pasolinis "Teorema" (1968)
Die metaphorische Wüste – Verlorenheit und Einsamkeit
Auf sprachlicher Ebene hat die Wüste eine annähernd gleiche übertragene Bedeutung. Um etwas Positives über die beiden Filme "Fireworks" (1947) und "Un chant d'amour" (1950) zu sagen, verwendet der Filmhistoriker Vito Russo ("Die schwule Traumfabrik", 1990, S. 83) die Formulierung, die "Wüste war jedoch groß", womit die beiden Film zu einer Art "Oase" werden. Mit "Die Liebeswüste" (1986) hat der offen schwule Filmemacher Lothar Lambert nach eigener Selbsteinschätzung einen Film über die Unfähigkeit zu lieben gedreht, er wolle damit aufzeigen, "wohin die Einsamkeit 'nen Menschen treibt" (Homepage von Lothar Lambert).
Die Wüste lebt – bei Derek Jarman und in "Priscilla"
Ich kenne zwei schwule Filme, die die Wüste nicht als austauschbare exotische Kulisse oder als Ort von Einsamkeit darstellen, sondern sie klischeekonträr mit besonders viel Leben verbinden. Zum einen ist da "The Garden" (1990) des britischen Filmemachers Derek Jarman, eine zusammenhanglos wirkende experimentelle Collage. Offenbar ging es ihm dabei um eine Art Garten Eden, den er sich fernab von den Errungenschaften der Moderne wünschte. Unter den surrealistischen Szenen ist eine mit einem schwulen Paar, das sich gemeinsam in einer Badewanne voll Wasser vergnügt, die sich mitten in einer steinigen Wüste befindet.
Zum anderen ist die Tragikomödie "Priscilla – Königin der Wüste" (1994) zu nennen, die gerade wegen der grotesken und deutlichen Gegensätze zwischen den aufgedrehten, lebensfrohen Dragqueens und der toten Landschaft, die sie zum Leben erblühen lassen, funktioniert. Der Film schafft es gekonnt, "aus seinen schillernden Protagonisten und der fremdartigen Szenerie der Wüste eine exotische Wirkung" zu gewinnen ("Zweitausendeins").

Gegenbilder: "Priscilla" (1994) bringt die Wüste zum Blühen
Erwähnen möchte ich auch noch "Peyote" (2013), worin sich Pablo und Marco auf einem Roadtrip in der mexikanischen Wüste kennen und lieben lernen. Die Männer brauchen zum Ausleben ihrer Gefühle die Abgeschiedenheit der Wüste, wie Ennis und Jack in "Brokeback Mountain" (2005) die Abgeschiedenheit der Berge.
Pornos – heißer Sex in der Wüste
Auch Pornos greifen das Motiv Wüste auf, indem sie von den heißen Temperaturen zu einer heißen sexuellen Stimmung überleiten ("Hot Desert Twinks", "Desert Heat", "Desert Getaway", "Arabian desert camp", "Kansas City Trucking Co."). Jean Daniel Cadinot drehte mit "Chaleurs" (1987) und "Plaisirs d'Orient" (2005) gleich zwei Pornos mit dem Schauplatz Wüste. Mit der Weite der Landschaft inszenieren einige Filmcover die Wüste auch als optisch reizvollen Ort ("The Naor Tal Collection", "Arabian Desert Camp", "Desert Getaway", "Mojave Heat", "Mojave Run"), der auch mit Freiheit und Ungebundenheit assoziiert werden kann. Ein Label heißt "Hot Desert Knights".
Einige Pornos bauen durch die Filmcover Bezüge zur Wüste auf: Ein Porno mit dem Motiv der Dürre zeigt einen Wüstenboden ("Absolute arid") und ein Film, in dem das Desertieren von der Armee eine Rolle spielt, zeigt einen Mann in der Wüste ("Desertion"). Als Gegenpart zur Wüste wird manchmal das Motiv der Oase aufgegriffen ("Will Perker's Oasis", "Desert Oasis", "Bear Oasis", "Chaleurs Sex Oasis").

Die Wüste und das Wasser einer Oase: "Mojave Run" und "Desert Oasis"
Inseln – die Ambivalenz eines stress- und manchmal rechtsfreien Ortes
Die Insel ist ein ambivalentes Symbol: Einerseits ist sie wie die Urlaubsinsel ein Ort der Wünsche und Phantasien, die Verkörperung eines paradiesischen Ortes und die Möglichkeit, fernab vom Alltagsstress die Abgeschiedenheit zu genießen. Andererseits ist genau diese Abgeschiedenheit der Grund, warum es Gefängnisinseln wie Alcatraz gibt, wo Menschen isoliert werden. Inseln stehen deshalb auch für Einsamkeit, Isolation und Gewalt. Aus diesen Gründen lassen sich Inseln wahlweise als stress- und rechtsfreie Räume inszenieren.
"Böse" Inseln – Gefangenschaft und Isolation
In den meisten Filmen sind Inseln negativ besetzt und es dominieren Angst, Verfolgung und Gefangenschaft. Die Filme "Island of Lost Souls" (1974), "Die Teuflischen von Mykonos" (aka "Island of Death", 1976) und "Die Insel der blutigen Plantage" (1983) zeigen gleichgeschlechtliche Liebe bzw. homophobe Gewalt und greifen die Insel-Thematik bereits im Titel auf, was ihre symbolische bzw. emotionale Zugkraft deutlich verstärkt. Der bekannte Film "Papillon" (1975) handelt von einer Gefangeneninsel und bietet eine schwule Nebenhandlung. Die sogenannte "Teufelsinsel", auf die in diesem Film Bezug genommen wird, befindet sich in Französisch-Guayana in Südamerika und wurde von 1852 bis 1946 als Strafkolonie für verurteilte Schwerkriminelle genutzt.
Im Rahmen schwulenpolitischer Satire lässt Rosa von Praunheim in seinem Film "Ein Virus kennt keine Moral" (1985) Aids-Kranke auftreten, die, bevor sie auf die "Insel Hell-Gay-Land" deportiert werden, von einem schwulen Revolutionskommando befreit werden. Diese Handlung knüpft an die Vorstellung einer Gefangeneninsel an und ist für die "Berliner Zeitung" (26.09.2013) "bizarr, aber wirkungsvoll".
Auch aus diesem Jahrtausend gibt es einige erwähnenswerte Filme. Eine Gefängnisinsel im 18. Jahrhundert, auf der auch schwule Strafgefangene inhaftiert sind (das reale Robben Island vor der Küste Südafrikas), ist Schauplatz von "Proteus" (2003). Dass die Insel in "No night is too long" (2002) Unheil verheißt, wird schon anfangs durch Nebel und eine karge Landschaft deutlich, die einen Vorverweis auf die spätere versuchte Tötung des Lebenspartners bilden. "Zombies of Mass Destruction" (2009) ist ein zum Teil schwuler Zombiefilm, der auf einer Insel in der Bucht von Port Gamble angesiedelt ist, und der Horrorfilm "Unhappy Birthday" (aka "Amen Island", 2011) spielt auf der abgelegenen Gezeiteninsel Amen und ist die Geschichte einer ménage à trois zweier Männer und einer Frau.

Die Insel in "No Night is too long" (2002), die Unheil verheißt
"Ambivalente" Inseln – Liebe und Tod
Die ambivalente Symbolik von Inseln wird in "Es war ..." (1926) deutlich, worin die Insel der Ort ist, an dem eine homoerotische und gesegnete Blutsbrüderschaft geschlossen wird, aber auch der Ort, an dem sich diese beiden Männer später duellieren. Auch das Duell auf der "Herreninsel" in "Alle Kätzchen naschen gern" (1969) findet zwischen zwei Männern statt, die sich kurz zuvor noch nahestanden und die Nacht gemeinsam miteinander verbracht haben. Anknüpfend an eine berühmte morgenländische Erzählung geht es in Pier Paolo Pasolinis "Erotische Geschichten aus 1001 Nacht" (1974) um einen Königssohn, der sich auf einer Insel in einen Jüngling verliebt, ihn dort aber unabsichtlich tötet, womit sich eine Weissagung erfüllt. Richard Kwietniowskis Film "Love and Death on Long Island" (1997) nach einer gleichnamigen Romanvorlage soll eine Art komödiantische Variation von Thomas Manns "Der Tod in Venedig" sein und behandelt die Liebe und den Tod.

Liebe und Tod bzw. "Love and Death on Long Island" (1997)
Eine "nur" metaphorische Insel behandelt die Folge "Die Insel" der Krimi-Serie "SOKO 5113" (Folge 38/18), hier bezieht sich der Filmtitel auf eine besonders gut bewachte gleichnamige Wohnanlage. Für den dort lebenden Architekten ist sie ein Traum, während sich sein Lebensgefährte – nach einem homophoben Überfall mit irreversiblen Schäden – dort "eingemauert" hat. Am Ende wird betont, dass Menschen durch Mauern und Stacheldraht (bzw. auf einer "Insel") nicht sicherer, sondern letztendlich nur einsamer seien.
"Gute" Inseln – Zuflucht und Paradies
Nur in wenigen Filmszenen sind Inseln ausschließlich positiv besetzt. Mit britischem Humor sucht in "Beautiful Thing" (1996) Jamies Mutter nach den passenden Worten, um Ste, den Freund ihres Sohnes, zu trösten: "Es gibt 'ne Insel im Mittelmeer, die heißt lesbisch und ihre Bewohner sind alle so wie ihr." Sie meint damit die griechische Insel Lesbos, die über die Dichterin Sappho zur Namensgeberin der lesbischen Liebe wurde und die hier zum Trost im Coming-out und zu einem schwul-lesbischen Paradies verklärt wird.
Eine Insel in "Wellen" (1998) wird seit vielen Jahren von zwei jungen Männern besucht, die eine tiefe Freundschaft und Liebe miteinander verbindet und deren persönliche Gespräche am Kaminfeuer nur durch die Abschirmung von der Zivilisation möglich zu sein scheinen. Einer von ihnen betont: "Es ist etwas Besonderes an dieser Insel" und meint damit wohl auch die durch sie bestimmte Beziehung. Von der Liebe zweier Männer handelt auch der thailändische Film "Reincarnate" (2010), in dem die Protagonisten eine Urlaubsreise auf eine Insel unternehmen. Im Gegensatz zu diesen Filmen scheint der Regisseur Kareem Mortimer in seinen schwulen Bahamas-Filmen "Float" (2007) und "Children of God" (2010) die Insel nicht als Symbol aufzugreifen.

Eine Insel, die zwei Männer verbindet, in "Wellen" (1998)
Fire Island – Cruising und Sex
Eine symbolische Überschneidung mit dem Motiv des Feuers (Folge 44) gibt es bei Filmen, in denen die Insel Fire Island eine Rolle spielt, die in den USA als Cruising-Gebiet bekannt ist. Schon auf der 1977 veröffentlichten Debütplatte der Village People bezieht sich hierauf eine Zeile in ihrem Lied "Fire Island" ("Don't go in the bushes, someone might grab ya" = "Geh nicht in die Büsche, jemand könnte nach dir grapschen").
Andy Warhol drehte seinen Film "My hustler" (1965) auf dieser Insel und auch einzelne Szenen in "A Very Natural Thing" (1974), "Abschiedsblicke" (1986) und "Last Ferry" (2019) beziehen sich auf sie. Der Filmhistoriker Vito Russo erwähnt, dass Harvey Fierstein in "Garbo Talks" (1984) eine "leise Szene als schwuler Mann" auf Fire Island hat ("Die schwule Traumfabrik", 1990, S. 227-228). Zu nennen ist auch noch der recht bizarre Kurzfilm "Dirty Baby Does Fire Island" (1998, 4:30 Min., hier online), worin eine blonde Puppe diese Insel erkundet und dabei schwulen Männern beim Sex zusieht. In "Fire Island 79" (2013) geht es um den schwulen Filmemacher Chase Hook. Nach seinem Freitod 1979 zerstörte seine konservative Familie fast alle seine Filme. Todd Verow verarbeitete Filme aus Hooks letztem Urlaub auf Fire Island zu dieser Dokumentation.
Pornos – Inseln als Orte körperlicher Entspannung und von Gefahr
Die ambivalente symbolische Bedeutung des Insel-Motivs ist auch in Pornos präsent. In ihnen werden Inseln meistens als Urlaubsorte ("Lost on Sex Island", "Sex Island") und nur selten auch als Orte der Gefahr und des Abenteuers ("Dangerous Island", "Adventure Island") inszeniert. Mit Inseln ist auch die Vorstellung von (auch sexuellen) Abenteuern verbunden. Die Ambivalenz wird in "The Last Day" deutlich: Hier wird die wunderschöne Mittelmeerinsel Ibiza genauso in Szene gesetzt wie die Männer, die dort in einer apokalyptischen Situation ums Überleben kämpfen.
Fire Island ist Namensgeber von vier Pornoreihen (u.a. "Return to Fire Island", "Fire Island Cruising"), was neben der Bedeutung als Cruising-Platz auch mit dem Namen der Insel in Verbindung stehen kann, der gleich aus zwei dynamischen und emotionalisierenden Begriffen besteht. Ein Label heißt "Treasure Island" – was aus attraktiven Männern einen "Inselschatz" macht. Vor allem aber ist es eine Referenz auf den gleichnamigen Titel des (nicht schwulen) Jugendromans "Treasure Island" (deutsch: "Die Schatzinsel"), einem der berühmtesten Abenteuerromane überhaupt und der hauptsächlich auf einer fiktiven exotischen Insel spielt.

Sex and crime in "Sex Island" und "Dangerous Island"
Klippen und Steine – Widrigkeiten auf dem Lebensweg
In der Schifffahrt bilden aus dem Wasser herausragende Klippen vor allem im Nebel ein großes Gefahrenpotenzial. Daher sind sie ein leicht nachvollziehbares Symbol für die Widrigkeiten und Hindernisse auf dem Lebensweg (Folge 28), die man nur mühsam und unter Überwindung von Ängsten überwinden kann. Klippen können zum einen drohende Probleme und Gefahren aufzeigen. Sie können zum anderen aber auch anstehende notwendige, riskante und schwerwiegende Entscheidungen verdeutlichen.
Klippen bei ruhigem Wasser – Widrigkeiten und Hindernisse
Ein steiniger Weg ist als Symbol schon aus der griechischen Mythologie bekannt. Einen steinigen Weg entlang zu gehen wirkt als Bild bis heute und wird in Filmen wie "Priscilla – Königin der Wüste" (1994), "Edge of Seventeen" (1998) und "Lovely Faggot" (2013) verwendet, um Probleme auf dem Lebensweg zu verdeutlichen. Wenn Filmszenen, die an Klippen spielen, Probleme des Coming-outs oder Liebeskummer thematisieren, sind es meistens melancholische und ruhige Momente wie in "Drift" (2000), "Sommer wie Winter" (2000) und "Le fil. Die Spur unserer Sehnsucht" (2009). Der Versuch eines Coming-outs in "Mi amigo Jaime" (2013, 2:05 Min., hier online) findet auf Klippen bei leicht unruhiger See statt. Gelungen finde ich auch den Kurzfilm "Will You Love Me Tomorrow?" (2013, hier online), der mit Aufnahmen von Klippen und einer aus dem Off erzählten lyrischen Problemschilderung beginnt.

Steine an einem Strand in "Edge of Seventeen" (1998)
Das Besteigen von Klippen wie in "The Tears of Aids" (1996, 5:20 Min., hier online) und "Lloyd Neck" (2008, 8:55 Min., hier online) kann neben den Problemen selbst auch ihre Bewältigung veranschaulichen. Das Besteigen von Betonteilen, die am Strand aufgestellt wurden, um die Wellen zu brechen, haben in dem Kurzfilm "Orange/Milk" (2010) wohl die gleiche Bedeutung. Eine besondere Form der Inszenierung bietet "Pensionat Oskar" (1995), worin der Zauberer Petrus, der einen Familienvater verzaubert und ihn vor familiäre Probleme stellt, selbst zu einem Teil der Klippen wird. Der Name ist bestimmt nicht zufällig gewählt: "Petrus" bedeutet "Fels" und hat in der christlichen Tradition eine große Bedeutung.

Männer besteigen Klippen in "Lloyd Neck" (2008)
Frank Mosvold und die Klippen
Den norwegischen Produzenten, Regisseur und Drehbuchschreiber Frank Mosvold kennen Cineast*innen u.a. von rund zehn schwulen und lesbischen Kurzfilmen. Dazu gehört "Entsagung" (aka "Forsaken", 1994, 2:35 Min., hier online), der mit dem Motiv zweier Männer auf Klippen bei leicht unruhigem Wasser auch beworben wird und in dem ein junger Mann glaubt, sich zwischen seiner Liebe zu einem Mann und der Religion entscheiden zu müssen. Mit Aufnahmen von Klippen bei leicht bewegtem Wasser beginnt sein Film "Wellen" (1998, 0:20 Min., hier online), der von der Liebe zweier Jungen auf einer Insel handelt. Sehr gelungen finde ich das klärende Gespräch zwischen Mads und Kristian über ihr Verhältnis, das in "Summer Blues" (2002, 13:45 Min., hier online) auf Klippen stattfindet.

Ein klärendes Gespräch in "Summer Blues" (2002)
Klippen bei tobendem Wasser – Bedrohung und Tod
Mit der Dramatik einer erzählten Geschichte nimmt, wenn sie am Wasser spielt, meistens auch der Wellengang zu. Wenn sich das tobende Meer an den Klippen bricht, geht es nicht nur um ein wenig Liebesschmerz, sondern um größere und zum Teil existenziellere Probleme. Ein Beispiel ist Paul Schraders Biopic "Mishima" (1985), in dem der japanische Autor Yukio Mishima auf Klippen bei rauer See gezeigt wird, was eine Entsprechung in seinem sehr bewegten Leben findet, das mit traditionellem Seppuku (auch als Harakiri bekannt) endet. In Pedro Almodóvars "Das Gesetz der Begierde" (1986) muss Antonio erkennen, dass Pablos Herz nur Juan gehört. Um Pablo für sich allein zu haben, stößt er Juan von einer hohen Klippe, wonach dieser bei sehr rauer See unten tot liegen bleibt.
Das tobende Meer, das sich in den Kurzfilmen "Después del invierno" (2012) und "Thermopylae" (2005) an den Klippen bricht, steht im Kontext des Verlassenwerdens bzw. von Freitod. Ein stürmischer Seegang und viele Klippen passen bildlich gut zu dem Film "The Burning Boy" (2001, 9:20 Min., hier online), in dem kurz zuvor ein Mann in den Flammen eines Hauses ums Leben gekommen ist. Der indonesische Kurzfilm "Still" (2005) mit seinen Szenen mit Klippen und starkem Wellengang wird als "Reise durch innere und äußere Landschaften zur Entdeckung des Selbst" (Amazon) beworben.

Hohe Wellen und tiefe Trauer in "Después del invierno" (2012)
Die Emotionen, die über solche Bilder transportiert werden, lassen sich etwas weniger ausdrucksstark auch durch entsprechende sprachliche Metaphern zum Ausdruck bringen. Das zeigt sich in der US-Serie "Queer as Folk". Hier wird in einer Folge betont, dass Brian seinem Freund Michael nicht einen notwendigen kleinen Schubser gegeben, sondern ihn mit seinen Äußerungen in übertragener Bedeutung "von der Klippe gestoßen" habe (Folge 1/11).
Pornos – Klippen und Steine, die groß und unzerstörbar wirken
Klippen am Strand mit jungen Männern gehören auch zur Szenerie von Pornos ("Sex on the rocks", "Cock Hungry Twinks"), wobei sich die eruptiven Wellen, die auf Klippen treffen, über den Filmtitel und die bildliche Gestaltung mit Orgasmen verbinden lassen ("Eruption").

Sex rockt in "Sex on the rocks" und "Eruption"
Ein Typ wie aus Stein ("Stiff as Stone") wirkt sprichwörtlich und ist im Bildkontext offenbar auf die Härte seiner Erektion bezogen. Zwei weitere Pornos zitieren klassische Redensarten, wie u.a. den bereits oben erwähnten "steinigen Weg" ("Stony Way"). Andere Männer wirken, als seien sie in Stein gemeißelt bzw. gehauen ("Set in Stone"). Mit der Benennung nach Steinen bzw. Felsen wird stets auf etwas Männlich-Markantes und Hartes verwiesen. Das ist auch an den Namen von Pornolabeln ("Rock Hard Entertainment", "Red Rock Hard") und Pornodarstellern ("Damien Stone", "Hunter Stone", "Blake Stone", "Snake Stone") ablesbar. Einige Darstellernamen in Verbindung mit "Stone", "Cliff" und "Rock" wurden auch für die Pornotitel übernommen ("Best of Chris Stone", "Best of Cliff Parker", "Rock Solid"), was auf die angenommene Zugkraft dieser Namen verweist.
Die Benennung von Pornodarstellern erinnert mich an einen Schauspieler, der keine Pornos drehte, sondern mit klassischen Hollywood-Filmen sehr erfolgreich war: Roy Harold Scherer, der von großer Statur war und männlich-markant wirkte. Seine Karriere begann vor allem ab dem Zeitpunkt, als er sich einen Künstlernamen zulegte, unter dem ihn bis heute sehr viele Menschen kennen: Rock Hudson.
Höhlen – Liebesnest und Anus
Die Höhle ist ein ambivalentes Symbol, weil sie gleichermaßen auf die "Urfunktion der Mutter Erde als Schoß wie auch als Grab" verweisen kann ("Das Buch der Symbole", 2011, S. 112). Ähnliches gilt für die Grotte, die "dunkel, moosig, feucht und glitschig" mit der Vagina assoziiert werden kann (Friedrich W. Doucet: "Taschenlexikon der Sexualsymbolik", 1971, S. 44). Auch die Bezeichnungen von Bergleuten als "Geburtshelfer" und die von Gynäkologen als "Höhlenforscher" fußen auf der Höhle als vaginalem Symbol. In Analogie dazu kann eine Höhle aber auch ein Symbol für den Anus sein.
Die Höhle als Liebesnest
Die Höhle kann wie ein geheimer Rückzugsort und als eine Art Liebesnest inszeniert sein. So verliebt sich in Pier Paolo Pasolinis Episodenfilm "Erotische Geschichten aus 1001 Nacht" (1974) ein Prinz in einer Höhle (auf einer einsamen Insel) in einen Jüngling. In "Wild Tigers I Have Known" (2006) ist eine Höhle der Ort, an dem sich zwei Jugendliche zum Sex verabreden. In "Sleepless Knights" (2012, hier Trailer) ist das, was man zunächst für eine Höhle hält, wie sich in nachfolgenden Szenen herausstellt, wohl nur ein Teil einer Burganlage, die von "schlaflosen Rittern" erobert wird. Auch sie ist aber als erotischer Rückzugsort inszeniert.

Ein höhlenartiger Rückzugsort in "Sleepless Knights" (2012)
Eine ähnliche Bedeutung ergibt sich, wenn Höhlen, wenn auch weniger anschaulich, als metaphorisch erwähnt werden. So wünscht sich Emmet in der US-Serie "Queer as Folk" ein Haus, das zur "Kuschelhöhle" wird (Folge 3/5), und in dem Kurzfilm "Bed Buddies" (2015) erinnern sich drei Freunde an die letzte Nacht, die sie in der schwulen Lederbar "Man Cave" (= Männerhöhle) verbracht haben.
Die Höhle als Anus?
Wie eine Höhle als symbolischer Anus wahrgenommen werden kann, lässt sich gut an einem breit rezipierten Beispiel aufzeigen, auch wenn ich diesen spekulativen Interpretationen nicht zustimme: Damit meine ich Arno Schmidts Studie "Sitara und der Weg dorthin" (1963), worin der Autor versucht, unbewusste Hinweise auf Homosexualität in Karl Mays Reiseerzählungen nachzuweisen. Schmidt verweist dafür auf viele angeblich phallische Motive sowie auf trans* Romanfiguren wie "Tante Droll" und sieht in jedem "Kanal" eine Anspielung auf "anal". Mit seinen Beschreibungen von Schluchten und Höhlen präsentiere May – so Arno Schmidt – eine am Anus orientierte homoerotische Landschaftswahrnehmung. Schmidts Studie soll einen großen Einfluss auf Filme wie Michael Herbigs "Der Schuh des Manitu" (2001) gehabt haben (s.a. Wikipedia). Ich kenne einige von Mays Romanen und einige der Verfilmungen wie "Old Surehand" (1965), worin eine Höhle sehr präsent inszeniert wird, gehöre aber zu den vielen, die Schmidt mit seiner Studie nicht überzeugen kann.

Manchmal ist eine Höhle nur eine Höhle wie in "Old Surehand" (1965)
Der Anus als Höhle
Leichter lässt sich in umgekehrter symbolischer Richtung belegen, dass der Anus mit einer Höhle assoziiert werden kann. Der Anglist Jody Skinner ("Bezeichnungen für das Homosexuelle im Deutschen", 1999, 2. Bd., S. 135) verweist darauf, dass Schwule spöttisch als "Höhlenforscher" und "Grubenbaron" bezeichnet wurden. Filmische Beispiele sind allerdings recht selten: In der Animationsserie für Erwachsene "Drawn Together" (Folge 3/2) heißt es in einem schwulen Kontext: "Schnupper an meinem höhlenreichen Popo-Loch." Der Film "Der vierte Mann" (1983) basiert auf Gerard Reves gleichnamigem Roman, der an einigen Stellen etwas deutlicher als der Film auf Gerard und seinen Sexpartner eingeht, der sexuell erregt auf dem Bauch liegt und "wollüstig seine Höhle" anhebt (Ausgabe Suhrkamp, 1993, S. 112).
Eine thematische Nähe gibt es hier zu der Frage, ob der Anus auch als Symbol für ein Grab angesehen werden kann. Im Musical "Zero Patience. Null Geduld" (1993), das von Aids handelt, wird deutlich betont: "Dein Rectum ist kein Grab." Das ist die Antwort auf die Frage "Is the rectum a grave?", die von dem US-Literaturwissenschaftler Leo Bersani gestellt wurde ("Is the Rectum a Grave? And other Essays", 2010) und die sich auf den Zusammenhang von Analverkehr mit der früher tödlich verlaufenden Krankheit Aids bezieht.

Ist ein Rectum ein Grab? Zwei Betroffene unterhalten sich in "Zero Patience" (1993)
Platons Höhlengleichnis in schwulen Filmen
Im berühmten Höhlengleichnis des antiken Philosophen Platon symbolisiert die Höhle den begrenzten und verdunkelten Wahrnehmungsbereich von dort gefangenen Menschen, denen die Schattenbilder an einer Höhlenwand als Realität erscheinen. Die Umsetzung von Platons Höhlengleichnis gilt als Hauptmotiv von Bernardo Bertoluccis Film "Der Konformist" (1970), der von einem homosexuellen Konformisten handelt, der sich aus einem übertriebenen Anpassungsbedürfnis heraus dem italienischen Faschismus anschließt. Dabei geht Bertolucci mehrfach auf Platons Höhlengleichnis ein und stellt auch in der Schlussszene eine Verbindung zwischen Platons Lehre und dem Verhalten eines Strichers her. "Fehlende Erkenntnisfähigkeit und politische Blindheit treten allegorisch in der physischen Blindheit einiger Figuren auf", die auf diese Weise "den Zustand der italienischen Nation darstellt" (s. Wikipedia-Kapitel "Platons Höhlengleichnis als kinematografische Metapher").

Die Schlussszene in "Der Konformist" (1970) mit dem Thema Licht, Schatten und Erkenntnis
Weniger Aufmerksamkeit bekam eine kurze Szene in der US-Serie "Queer as Folk". Hier werden die Männer, die man nur aus dem Internet kennt, als "Schatten" bezeichnet, die von vielen Usern als Realität angesehen würden, es aber in der realen Welt in dieser Form gar nicht seien (Folge 1/22).
Pornos – das Fuchsloch als Anus
In Schwulenpornos gehören Begriffe wie "Höhle" ("Sex-Höhle") und "lair" (Höhle eines Tieres; "Sex Lair", "Night Lair") zu den sexualisierbaren animalischen Rückzugsorten. In "Fox's Lair" werden drei Männer mit dem Nachnamen Fox vor ihrem Haus gezeigt, das für sie offenbar eine Art Fuchshöhle darstellt.
Im Englischen enthält die Bezeichnung "foxhole" (= Fuchsloch) schon das Wort für Loch und ist daher ein nachvollziehbarer umgangssprachliche Ausdruck für den Anus – manchmal auch speziell für den eines Schwulen ("a homosexual male's anus" in Urbandictionary). In dieser Bedeutung wird das Wort auch im Porno "Fire in the Foxhole" aufgegriffen, der zwei Männer beim Fisten zeigt. Zwei Pornos die im Titel auf "Fuchslöcher" Bezug nehmen ("Foxhole", "Tales from the Foxhole"), zeigen nackte Männer mit Waffen, womit über Bild und Text die mehrschichtige und nicht nur sexuelle Bedeutung von Fuchslöchern aufgegriffen wird – nämlich auch die als Schützengräben (Urbandictionary).
Das englische Wort "cave" für "Höhle" verweist neben Sex auch auf Elemente von Dunkelheit und Gefahr, sie wird in Pornofilmen als Versteck ohne Sonnenlicht inszeniert. In einem Film sieht man zwei Männer in einer Höhle ("The Cave") und in einem anderen zwei Männer im Schlafzimmer ("Man Caves"), was beides symbolisch zusammenpasst, weil sich auch das Schlafzimmer als "Höhle" im Sinne eines intimen, verborgenen Rückzugsorts inszenieren lässt.

Höhlen in dem Porno "Fox's Lair" und beim Pornolabel "Pitman"
Der Pornotitel "The Miners" (= Die Bergarbeiter), der Name des Pornolabels "Pitman" (= "Bergarbeiter" bzw. "Treibstange") und das schwule Pornolabel "Goldmine" erinnern an die oben erwähnten Bezeichnungen "Höhlenforscher" und "Grubenbaron" für Schwule, nur dass sie hier keine Beleidigungen, sondern ironisch-witzige Selbstbezeichnungen sind, die niemandem weh tun. Was bleibt, ist die symbolische Bedeutung des Berginneren bzw. der Mine als Anus.

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