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Antisemitismus-Vorwurf
"Gender Trouble"-Autorin Judith Butler fühlt sich in Deutschland bedroht
Judith Butler will das "antisemitische" Deutschland meiden. Dabei wird der lesbischen Uniprofessorin selbst immer wieder vorgeworfen, Antisemitismus zu verbreiten.

Judith Butler 2018 bei einem Auftritt in Barcelona (Bild: IMAGO / ZUMA Wire)
- 15. November 2023, 10:40h 3 Min.
Die lesbische US-Philosophin Judith Butler (67) will derzeit nicht für öffentliche Veranstaltungen nach Deutschland kommen. Sie sei "in Deutschland immer wieder verächtlich behandelt und grob karikiert worden", so Butler in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung "Die Zeit". Die Kritik an ihrer Person bezeichnet sie als "aggressiv, sogar antisemitisch". Sie empfinde ein "unterschwelliges Gefühl der Bedrohung".
Zuletzt sei sie 2020 bei einer Veranstaltung an der TU Berlin gewesen. "Aber die Sicherheitskosten für solche Events sind zu hoch. Diese Last möchte ich meinen Gastgebern nicht aufbürden. Und ich möchte auch nicht dort sprechen, wo vor jeder Tür lauter Sicherheitsbeamte stehen müssen", so Butler.
Kritik wegen Unterstützung von "Philosophy for Palestine"
Die Philosophin nimmt auch Stellung zu dem Offenen Brief "Philosophy for Palestine", den sie unterschrieben hat. Er wurde vielfach für seine einseitige Haltung kritisiert, weil er die Terrorattacke der Hamas und die Gewalt gegen Jüdinnen und Juden ausklammere. Der "Zeit" sagte Judith Butler, dass sie – gemeinsam mit dem französischen Philosophen Étienne Balibar – die Verfasser*innen des Briefes gebeten hatte, die israelischen Opfer anzuerkennen. "Die Verfasser des Briefes waren lediglich bereit zu erwähnen, dass diese Gewalt stattgefunden hat. Wir waren damit nicht einverstanden", so Butler. Da sie die Hamas an anderer Stelle scharf verurteilt habe, hätten sie der Unterschrift letztlich zugestimmt.
Judith Butler gehört zu den einflussreichsten Philosophinnen der Gegenwart. Weltweite Bekanntheit erreichte sie in den Neunzigerjahren mit ihrer Studie "Das Unbehagen der Geschlechter" (englischer Titel: "Gender Trouble"). Die nichtbinäre Wissenschaftlerin, die im Englischen die Personalpronomen "she" und "they" benutzt, lehrt Komparatistik und Kritische Theorie an der University of California in Berkeley.
Butler ist auch wegen ihrer medienwirksamen Aktionen bekannt: 2010 verweigerte sie etwa auf der CSD-Bühne in Berlin die Annahme des Zivilcouragepreises, unter anderem weil der Hauptstadt-Pride ihrer Meinung nach nicht genug gegen Rassismus tue (siehe queer.de-Interview).
Butler unterstützt antisemitische Bewegung
Immer wieder wird sie des Antisemitismus beschuldigt. Das führt auch zu Verwirrung, weil sie selbst als Jüdin aufgewachsen ist. Beispielsweise behauptete sie, die Terrororganisationen Hamas und Hisbollah seien "progressiv" und "soziale Bewegungen". Zudem unterstützt sie die sogenannte BDS-Bewegung. BDS steht für Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen und strebt einen Komplettboykott von Israel an – in der Realität führt das etwa zu Boykotts jüdischer Läden, außerdem verkehren viele Anhänger*innen privat oder geschäftlich nicht mit Menschen, die einen israelischen Pass besitzen, unabhängig davon, wer diese Israelis sind; mit Staatsbürger*innen von grausamen Diktaturen haben BDS-Anhänger*innen indes meist kein Problem.
Die BDS-Bewegung gilt unter demokratischen Fraktionen als antisemitisch. Der Bundestag kritisierte sie deshalb in einem 2019 beschlossenen Antrag von Union, SPD, FDP und Grünen (PDF). In dem Dokument heißt es: "Die Aufrufe der Kampagne zum Boykott israelischer Künstlerinnen und Künstler sowie Aufkleber auf israelischen Handelsgütern, die vom Kauf abhalten sollen, erinnern [...] an die schrecklichste Phase der deutschen Geschichte. 'Don't Buy'-Aufkleber der BDS-Bewegung auf israelischen Produkten wecken unweigerlich Assoziationen zu der NS-Parole 'Kauft nicht bei Juden!' und entsprechenden Schmierereien an Fassaden und Schaufenstern." Immerhin: Butler gehört nicht zu den radikalsten BDS-Anhägerinnen und arbeitete in der Vergangenheit mit Menschen israelischer Nationalität zusammen. (pm/dk)














