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TV-Kritik
Regenbogenkekse zur Primetime: ZDF zeigt queeren Weihnachtsfilm
Der Liebesfilm "Ein Regenbogen zu Weihnachten", in dem sich eine 13-Jährige in das Nachbarmädchen verliebt, wird am 17. Dezember im ZDF ausgestrahlt. Schon jetzt kann er in der Mediathek gestreamt werden.

Bunte Regenbogenkekse im ZDF-Familienfilm "Ein Regenbogen zu Weihnachten" (Bild: ZDF / Stanislav Honzik)
- Von Leon Frank
16. November 2023, 10:27h 4 Min.
Vorweihnachtszeit: Der alleinerziehende Familienvater Martin (Maximilian Brückner) erleidet einen Schwächeanfall in der Bahn, da er mit dem Beruf und seinen zwei Kindern völlig überfordert ist. Für ihn ist es Liebe auf den ersten Blick, als ihm die Tierärztin Nicole (Jasmin Gerat) zur Hilfe kommt. Sie führen für ein Jahr eine Beziehung, die nur wenig über das Körperliche hinausgeht. Jedoch wird Nicole das auf Dauer zu einseitig, und sie beschließt trotz Bedenken, den Versuch zu wagen, einen Platz in Martins Familie zu finden. Das erste gemeinsame Essen geht jedoch gehörig schief, denn die 13-jährige Juli (Sophie Paasch) und der 17-jährige Kris (Louis Eitner) haben wenig Interesse an der neuen Freundin ihres Vaters.

Obwohl Dr. Nicole Golding (Jasmin Gerat) normalerweise für tierische Patienten zuständig ist, kümmert sie sich um Martin Kupfer (Maximilian Brückner), der im Zug einen Schwächeanfall erlitten hat (Bild: ZDF / Stanislav Honzik)
Nicole nimmt sich nach dem misslungenen Abend etwas Zeit für sich, während die Familie über die Weihnachtstage in den jährlichen Skiurlaub fährt. Während des Urlaubs taucht Nicole plötzlich mit ihrem Hund und einer Dose voller Regenbogenkekse vor der Tür auf und möchte einen neuen Versuch wagen. Sie versteht sich auf Anhieb besser mit Juli und Kris und erfährt, dass sich Juli in das Mädchen aus dem Nachbarshaus verliebt hat. Doch auch das zweite Zusammentreffen zwischen Nicole und Martins Familie bleibt nicht ohne Turbulenzen.
Eine Pride-Party mit Regenbogenkeksen
Der Film "Ein Regenbogen zu Weihnachten", der am 17. Dezember 2023 zur Primetime im ZDF ausgestrahlt wird und bereits jetzt in der ZDF-Mediathek verfügbar ist, basiert auf wahren Begebenheiten. Der Drehbuchautor Christoph "Chris" Silber erlitt mit dem Tod seiner ersten Ehefrau, Joleita Reed, 2013 einen schweren Schicksalsschlag. Silber selbst ist ein bekannter Name in der Filmindustrie, denn er schrieb mit "Good Bye Lenin!" einen der populärsten Filme über den Mauerfall und konnte mit der ZDF-Produktion "Das Wunder von Kärnten" einen "International Emmy" gewinnen.
Maximilian Brückner, bekannt aus dem schwulen Film "Männer wie wir", spielt Martin, einen pragmatischen, heterosexuellen Mann. Das Auftauchen von Nicole wirft zwei Welten zusammen – die einer vernarbten Familie und die einer Frau, die sich bisher immer allein durchs Leben kämpfte. Dieser Konflikt ist das Kernstück des Films. Langsam nähern sich beide Parteien an, nur um sich wieder sprungartig zu entfernen und es dann doch wieder zu versuchen.

Nicole (Jasmin Gerat, r.) ermuntert Juli (Sophie Paasch, l.), zu sich und ihren Gefühlen für das Nachbarmädchen Yella zu stehen (Bild: ZDF / Zuzana Panská)
Als Nicole sich entscheidet, Martins Familie in das tschechische Skigebiet zu folgen, nimmt sie eine Dose voller Regenbogenkekse mit, die ihre Mutter Diana (Sabine Vitua) gebacken hat. Nicole bemerkt, dass Juli oft draußen sitzt. Sie setzt sich zu ihr und findet heraus, dass Juli Gefühle für die 14-jährige Yella (Maisie Anna Navina Tipango) aus dem Nachbarshaus hat. Um das Eis zu brechen, schlägt Nicole vor, Yella ein paar Kekse zu schenken und ihr zu erzählen, dass ihre Familie eine Pride-Party gefeiert hat. Doch Yella lenkt immer wieder vom Thema ab, als Juli die Feier anspricht. Dennoch lädt sie Juli ein, mit ihr und ihrer Mutter den Tag zu verbringen. Es bahnt sich allerdings ein großes Missverständnis an, denn als Juli ihre Liebe zu Yella gesteht, reagiert diese schockiert und verlässt fluchtartig die Szene.
Alles passiert auf einmal, aber irgendwie passiert auch nichts
Es ist immer schön, wenn man im Öffentlich-Rechtlichen queere Repräsentation sehen kann – vor allem, wenn sie ehrlich und vollkommen normalisiert ist. Julis Gefühle sind sehr aufrichtig; ihre Sorgen beziehen sich nicht auf das Lesbischsein selbst, sondern darauf, wie sie Yella von ihrer Liebe erzählen kann.

Juli (Sophie Paasch, l.) nimmt all ihren Mut zusammen und offenbart Yella (Maisie Anna Navina Tipango, r.), dass sie sich in sie verliebt hat (Bild: ZDF / Zuzana Panská)
Julis Gefühlen wird im 90-minütigen Fernsehfilm aber leider nur wenig Platz geboten, denn der Film ist durchgehend turbulent. Zu jeder Zeit muss etwas passieren – mal in der Beziehung zwischen Martin und Nicole, mal ein Snowboardunfall, mal ein entlaufener Hund. Es gibt keinen einzigen Moment, in dem ein Charakter dazu kommt, über Geschehenes zu reflektieren. Ständig bewegen sich die Figuren zwischen Entscheidungen und Konversationen und sind nur im Off-Screen bei sich selbst.
Das ist schade, denn ein bis zwei Storylines weniger hätten den Raum geschaffen, sich zum Beispiel tiefer und intensiver mit Julis Gefühlen zu beschäftigen. Der Film versucht, seine Figuren besonders realitätsnah zu zeichnen, doch der ambitionierte Versuch schwingt etwas zu sehr in Stereotype über. Und so bleibt "Ein Regenbogen zu Weihnachten" ein Film, der zwar vieles anspricht, aber das meiste nicht weiter behandelt.
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» "Ein Regenbogen zu Weihnachten" in der ZDF-Mediathek
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