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Offener Brief
Russische Ärzt*innen fordern Freilassung von Sascha
In einem offenen Brief an Präsident Wladimir Putin fordern über hundert Ärzt*innen die Freilassung der lesbischen Anti-Kriegs-Aktivistin Alexandra "Sascha" Skotschilenko.

Alexandra "Sascha" Skotschilenko wurde am Donnerstag zu sieben Jahren Straflager verurteilt (Bild: IMAGO / ITAR-TASS)
- 19. November 2023, 07:43h 3 Min.
Mehr als hundert Ärzt*innen in Russland haben einen offenen Brief an Präsident Wladimir Putin veröffentlicht, in dem sie zur Freilassung der inhaftierten lesbischen Künstlerin Alexandra "Sascha" Skotschilenko aufrufen. "Als Ärztegemeinschaft sind wir in großer Sorge um Saschas Gesundheit", heißt es in dem Brief, der am Samstag in Onlinenetzwerken und von unabhängigen russischen Nachrichtenportalen veröffentlicht wurde.
Die 33-jährige Künstlerin war am Donnerstag wegen ihrer Kritik an Russlands Militäroffensive in der Ukraine zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden (queer.de berichtete). Sie sei der "Verbreitung von Falschinfomationen über die Armee" für schuldig befunden worden, hieß es in der Urteilsbegründung.
Reihe "schwerer chronischer Erkrankungen"
Die Ärz*innen verwiesen in ihrem offenen Brief auf zahlreiche gesundheitliche Probleme der Künstlerin, die unter anderem einen angeborenen Herzfehler hat und unter Zöliakie leidet, einer durch Glutenunverträglichkeit verursachten Krankheit.
Bei Skotschilenko seien eine Reihe "schwerer chronischer Erkrankungen" diagnostiziert worden, die eine angemessene medizinische Behandlung sowie eine spezielle Diät erforderten, schrieben die Ärzte. Wenn sie im Gefängnis bleibe, könne dies zu einer erheblichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes führen.
Initiiert wurde der Brief von dem Chirurgen Alexander Wanjukow, der in diesem Jahr bereits einen ähnlichen Appell organisiert hatte, in dem um eine angemessene medizinische Versorgung für den inhaftierten Kremlkritiker Alexej Nawalny gebeten wurde.
Skotschilenko hatte im März vergangenen Jahres Preisschilder im Supermarkt gegen Slogans ausgetauscht, auf denen sie Russlands Ukraine-Offensive kritisierte. Auf den Schildern standen Sätze wie "Der Preis dieses Krieges ist das Leben unserer Kinder". Die offen homosexuell lebende Künstlerin war daraufhin im April festgenommen worden.
"Ich verkörpere alles, was für Putins Regime unerträglich ist"
Vor allem ihre Lebenspartnerin hatte immer wieder auf das Schicksal der politisch verfolgten Künstlerin aufmerksam gemacht. In einem ihrer Briefe schrieb Skotschilenko aus der Haft: "Wie sich herausstellt, verkörpere ich alles, was für Putins Regime unerträglich ist: Kreativität, Pazifismus, LGBT, psychologische Aufklärung, Feminismus, Humanismus und Liebe zu allem Hellen, Uneindeutigem und Ungewöhnlichem."
Seit dem Beginn der Offensive in der Ukraine im Februar 2022 haben die russischen Behörden ihr Vorgehen gegen die Opposition erheblich verschärft. Kritik an der Offensive wurde gesetzlich verboten. Tausende Menschen wurden wegen ihrer kritischen Äußerungen inhaftiert.
Bereits seit Jahren geht die russische Regierung gegen die Sichtbarkeit von queeren Menschen vor. Im Dezember vergangenen Jahres hatte Staatschef Wladimir Putin etwa eine Gesetzesverschärfung des seit 2013 geltenden Verbots der "Förderung nicht-traditioneller sexueller Beziehungen" gegenüber Minderjährigen unterzeichnet. Die jetzt geltende Regelung ist eine erweiterte Version, die dieses Verbot auf Erwachsene ausweitet. Auch Informationen, die "zum Wunsch einer Geschlechtsänderung" führen, sind nun untersagt (queer.de berichtete). Im Juli unterzeichnete Putin zudem ein pauschales Verbot von Geschlechtsangleichungen (queer.de berichtete).
Erst am Freitag reichte das russische Innenministerium beim Obersten Gericht der Russischen Föderation eine Verwaltungsklage ein, um "die internationale LGBT-Bewegung als extremistisch anzuerkennen und ihre Aktivitäten in Russland zu verbieten" (queer.de berichtete). (cw/AFP)














