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EKD-Chefin Kurschus tritt nach zurück

"Ich habe allein die Homosexualität und die eheliche Untreue des Beschuldigten wahrgenommen"

Die Chefin der evangelischen Kirche verkündet ihren Rückzug. Ihr war vorgeworfen worden, sexuellen Missbrauch in der Kirche vertuscht zu haben.


Annette Kurschus ist nicht mehr Chefin der evangelischen Kirche in Deutschland (Bild: EKvW / Jörg Dieckmann / wikipedia)

  • 20. November 2023, 11:13h 3 Min.

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, ist nach Vertuschungsvorwürfen von ihrem Amt zurückgetreten. Sie gebe auch ihre Aufgabe als Präses der evangelischen Kirche in Westfalen auf, sagte Kurschus am Montag in Bielefeld. In der Sache sei sie aber mit sich im Reinen.

Kurschus soll einem Bericht der "Siegener Zeitung" zufolge bereits früh über Missbrauchsvorwürfe gegen einen nun unter dem Verdacht von Straftaten stehenden ehemaligen Kollegen im Kirchenkreis Siegen informiert worden sein. Sie soll demnach allerdings nichts unternommen haben.

Mit Familie des Beschuldigten befreundet

Die Theologin sagte, sie sei mit der Familie des Manns befreundet. "Ich wünschte, ich wäre vor 25 Jahren bereits so aufmerksam, geschult und sensibel für Verhaltensmunster gewesen, die mich heute alarmieren würden. Ich habe allein die Homosexualität und die eheliche Untreue des Beschuldigten wahrgenommen", sagte sie. Es sei ihr niemals darum gegangen, einen Beschuldigten zu decken.

In der Berichterstattung sei aber eine "absurde und schädliche Verschiebung" eingetreten, weil es nur noch um ihre Glaubwürdigkeit und nicht um die Betroffenen von Missbrauch gegangen sei. Deshalb gebe sie ihre Ämter auf. "Die Enttäuschten wissen: Ich kann meinen Dienst nicht wirksam tun, wenn meine Aufrichtigkeit öffentlich angezweifelt und infrage gestellt wird", erklärte Kurschus. "Mit Gott und mir selbst bin ich im Reinen, und so gehe ich sehr traurig, aber getrost und aufrecht."

Die 60 Jahre alte Kurschus war zwei Jahre lang Ratsvorsitzende der EKD (queer.de berichtete). Nach Margot Käßmann war sie die zweite Frau an der Spitze der deutschen Protestant*innen.

Den Rücktritt von Kurschus nahm Anna-Nicole Heinrich, Präses der Synode der EKD, entgegen. "Ich habe Respekt vor dem Schritt, von allen Ämtern zurückzutreten, mit dem Annette Kurschus zeigt, welchen Stellenwert konsequentes Handeln beim Thema sexualisierte Gewalt – gerade im Interesse der Betroffenen – für die evangelische Kirche hat." Sie hoffe, dass es nun den notwendigen Raum für die weitere Aufarbeitung des Falls und des Umgangs damit gebe. Hier stehe die Landeskirche von Westfalen in der Verantwortung.

Fehrs übernimmt nach den Regularien der EKD als bisherige stellvertretende Ratsvorsitzende kommissarisch die Führung der EKD. Die 62-Jährige erklärte, für den Rat verbinde sich mit dem Rücktritt von Kurschus die Verpflichtung, den eingeschlagenen Weg bei Aufarbeitung und Prävention sexualisierter Gewalt konsequent weiter zu gehen. Heinrich und Fehrs kündigten gemeinsam an, die unabhängige Aufarbeitung sexualisierter Gewalt und die Unterstützung der Betroffenen fortsetzen zu wollen.

Dem Rat der EKD gehören für eine Amtsperiode von sechs Jahren 15 Mitglieder an, von denen 14 gemeinsam von Synode und Kirchenkonferenz gewählt werden. Die oder der Präses der Synode ist 15. Mitglied kraft Amtes. Die aktuelle Amtszeit des Rats läuft noch bis 2027. Scheidet ein Mitglied aus dem Rat aus, erfolgt eine Neuwahl für den Rest der Amtsperiode. Da die Synode erst in der vergangenen Woche tagte, findet die nächste Synode mit Neuwahl erst in einem Jahr statt.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, äußerte großes Bedauern über den Rücktritt von Kurschus. Die Gründe könne und werde er nicht beurteilen, erklärte der Limburger Bischof und fügte hinzu: "Mit dem Rücktritt von Annette Kurschus verliert der ökumenische Motor in unserem Land einen wesentlichen Antrieb." (AFP/cw)

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