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Marcus Urban

Fußball: "Es wird ein Gruppen-Coming-out geben, wenn die Zeit dafür reif ist"

Der schwule Ex-Profi Marcus Urban berichtet darüber, dass schwule Fußballprofis noch immer große Angst vor einem Coming-out hätten.


Marcus Urban setzt sich seit Jahren für eine vielfältigere Bundesliga ein (Bild: Heinrich-Böll-Stiftung / flickr)

  • 20. November 2023, 14:35h 3 Min.

Der 52-jährige frühere deutsche Fußballprofi Marcus Urban hat in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung (Bezahlartikel) ein Coming-out von mehreren schwulen Fußballprofis in Aussicht gestellt. "Ich bin mit einigen über Informanten in Kontakt. Wir sind viele. Es wird ein Gruppen-Coming-out geben, wenn die Zeit dafür reif ist", sagte der Mitbegründer des Expertennetzwerkes "Fußball für Vielfalt".

Urban hatte in den Achtzigern und Neunzigern bei Rot-Weiß Erfurt gespielt und galt als einer der größten deutschen Talente, zog sich aber wegen der homophoben Atmosphäre aus dem Profigeschäft zurück. 2007 outete er sich als schwul (queer.de berichtete). Ein Jahr später erschien seine Autobiografie "Versteckspieler. Die Geschichte des schwulen Fußballers Marcus Urban" (queer.de berichtete). In dem Buch schildert er die seelische Zerrissenheit, die er als versteckt lebender schwuler Spieler im Fußballgeschäft ertragen musste.

"Das Versteckspiel ging irgendwann nicht mehr"

In dem Interview erzählte Urban auch, wie schwierig für ihn damals das Leben als versteckt lebender schwuler Profi gewesen sei: "Der Fußball war alles für mich. Ich war richtig gut und unglaublich ehrgeizig. Ganz ehrlich: Ich hätte so lange trainiert, bis ich Weltmeister werde. Ich habe da auch fest dran geglaubt, war überzeugt: Es ist nur eine Frage der Zeit. Aber: Das Versteckspiel ging irgendwann nicht mehr. Ich war nicht frei."

Heute hätten schwule Profis ähnliche Gedanken wie er vor mehreren Jahrzehnten. Urban: "Kein Athlet sollte im Verborgenen leben müssen. Wir müssen uns auch fragen: In welcher Sportwelt wollen wir leben? Wollen wir Profifußballer mit Doppelleben oder wollen wir authentische Menschen?" Gleichzeitig attestierte er: "Es ist Wahnsinn, was für eine Angst herrscht. Die Männer haben Sorge, dass direkt in den Medien und den Vereinen über ihre sexuelle Orientierung spekuliert wird."

Fundraising-Kampagne "SportsFree" gestartet

Urban startete auch die Fundraising-Kampagne "SportsFree", mit der Coming-outs von Profis unterstützt werden sollen. "Setze ein kraftvolles Zeichen und revolutioniere mit uns die Sportwelt. Deine Spende macht den Unterschied. Mach mit!", heißt es darin. Als Spendenziel wurden 500.000 Euro angegeben.

In der Herren-Bundesliga gab es bislang kein einziges Coming-out eines aktiven Profis. Der offen schwule tschechische Fußballer Jakub Jankto, derzeit beim italienischen Erstligisten Cagliari Calcio unter Vertrag, beschrieb Anfang des Jahres die Situation so: "Die Jungs haben einfach Angst vor dem Coming-out und fürchten sich vor den Reaktionen in der Öffentlichkeit." Er hoffe jedoch, er könne sie zu einem offenen Umgang mit der sexuellen Orientierung bewegen (queer.de berichtete).

In den letzten Jahren gab es bereits mehrfach die Hoffnung darauf, dass sich mehrere Bundesligaspieler outen. So tauchte 2019 das Profil "gay_Bundesligaspieler" auf Twitter auf, hinter dem ein schwuler Profi stecken soll (queer.de berichtete). Mehrere Spieler kündigten damals anonym ein gemeinsames Coming-out an (queer.de berichtete). Danach folgte allerdings nichts. (dk)

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