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Folge 48 von 53
Schwule Symbole im Film: Sonne, Mond und Sterne
Dieser Teil beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Bedeutungen der Gestirne Sonne, Mond und Sterne. Mit dem Uranus ist auch ein "schwuler Planet" dabei

Schwule und der Mond in "4 Moons" (2014)
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25. November 2023, 23:15h 27 Min. - Diese Artikelserie wurde gefördert von der Homosexuellen Selbsthilfe e.V., www.hs-verein.de.
Die Sonne – vom Auf- und Untergang der Gefühle
Die Sonne steht für Glück und Energie. Sie erinnert auch an die Autorität von Herrschern und Königen, wie z.B. die Ludwigs XIV. von Frankreich, des sogenannten "Sonnenkönigs". Nur in seltenen Fällen ist die Sonne negativ konnotiert, wenn z.B. jemand die Bodenhaftung verliert, der oder die der Sonne zu nahe kommt. Viele Menschen verstehen den Tag als Zeitraum zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Der Sonnenuntergang findet auch in Filmen besondere Beachtung und kann an die Glut eines ersterbenden Feuers und die Vollendung eines Lebenskreislaufs erinnern.
Die Sonne und das Glück
In schwulen Filmen steht die Sonne vor allem für die Liebe und das Glück. Als sich in "Coming Out" (1989) die Blicke von Philipp und Matthias zum ersten Mal treffen, ist im Hintergrund die Liedzeile "Heut' scheint die Sonne heller" zu hören. Der Filmtitel "Ein Sonnenstrahl trifft das Auge" (2009) bezieht sich auf die Liebe zweier Männer und lässt darüber hinaus einen Bezug zur symbolischen Nähe zwischen dem Sonnen- und dem Augenlicht erkennen. In der US-Serie "Queer as Folk" spricht Debbie Novotny Justin Taylor oft mit dem Kosenamen "Sonnenschein" an. Der Filmtitel "Sunkissed" (2006) ist in der US-Umgangssprache mehrdeutig und verweist nicht nur auf eine warme Berührung durch Sonnenstrahlen, sondern auch auf die angenehmen Gefühle beim passiven Rimming (urbandictionary). In Kalifornien – so heißt es zu Beginn der Dokumentation "Desert Migration" (2015) – scheint (angeblich) immer die Sonne; dies ist der Grund, warum der Protagonist als Kind unbedingt dorthin wollte. Auch die Inszenierung der Sonne in dem Film "Confessions" (2015) scheint dem Glück eines schwulen Paares zu entsprechen.

Von der Sonne geküsst und vom Partner gerimmt: "Sunkissed" (2006)
Die Sonne in "Teorema" – Erkenntnisgewinn durch eine Lichtgestalt
In seinem Film "Teorema" (1968) verbindet Pier Paolo Pasolini die Themen Religiosität und Sexualität. In einer Szene schützt sich Paolo mit einer Hand theatralisch-übertrieben gegen hereineinbrechende Sonnenstrahlen. Thema des Films ist ein fremder Gast, der allen den Kopf verdreht und auch bei Paolo sexuelles Begehren weckt. Der fremde Gast wirkt dabei wie eine religiöse Lichtgestalt, die bei allen Menschen sexuelle Gefühle auslöst und deren Erscheinung (nach seiner Abreise) zu einer Wandlung, Offenbarung bzw. einem Erkenntnisgewinn führt. Die Offenbarung, die Paolo zuteilwird, wird "von einem Lichtmysterium initiiert" (Katrin Holthaus: "Im Spiegel des Dionysos. Pier Paolo Pasolinis 'Teorema'", 2001, S. 127, hier z.T. online). In Pasolinis zeitgleich erschienenem Roman "Teorema" (Ausgabe von 2022 hier online) trägt das 17. Kapitel die Überschrift: "Alles ein Wunder wie das noch nie gesehene Morgenlicht". Holthaus beschreibt die Szene, als Paolo den fremden Gast beobachtet, der gemeinsam mit seinem Sohn in einem Bett schläft, und wie das Tageslicht dabei ihre Körper "modelliert".

Der fremde Gast als Lichtgestalt in "Teorema" (1968)
Die Sonne und der Liebesschmerz
Liebe und Liebesschmerz sind nicht weit voneinander entfernt. Der Titel des Films "Wo die Sonne brennt" (1989), der im hochsommerlichen Portugal spielt, ist im Sinne von "wo die Liebe schmerzt" zu verstehen. Auch der Sonnenbrand in "Sommersturm" (2004) verweist weniger auf eine physische als auf eine emotionale Verletzung. "Sunshine Secret" (2011) zeigt die frühere glückliche Beziehung zweier Männer im Sonnenschein und die gegenwärtige unglückliche Situation vor dem Hintergrund grauer Betonbauten. In "Brennende Sonne" (Originaltitel: "Golpe de sol" = Sonnenstich) (2018) verbringen in der Hitze eines schwülen portugiesischen Sommers der Autor Simão, der schwule Vasco, der bisexuelle Francisco und Joana ein gemeinsames Wochenende.
Die Sonne und der Tod
Die Sonne wird meistens mit dem Leben in Verbindung gebracht. Davon abweichend gibt es in der US-Serie "Queer as Folk" einen etwas bösen Kommentar von Ted zum jungen Justin, es werde die Zeit kommen, wenn Justin älter werde und "die Sonne in deinem endlosen Sommer untergeht" (Folge 5/3). Schwule →Vampire (Folge 53) sterben durch Sonneneinstrahlung, wie in dem trashigen Kurzfilm "Disco Beaver from Outer Space" (1978, 48:30, hier online).
Die auf- und untergehende Sonne – der Kreislauf des Lebens
Die auf- bzw. untergehende Sonne – beides ist nicht immer unterscheidbar – über dem Meer lässt sich romantisch mit zwei Männern in Szene setzen, wie in "Sunset Trail" (2016), wo es im romantischen Abendrot des Himmels zur Annäherung zwischen zwei Freunden kommt. Ähnliche Szenen mit einer wohl untergehenden Sonne sind in "Querelle" (1982), "Lilies" (1996), "Harry und Max" (2004) und in "Die Simpsons" (Folge 16/10) zu sehen. Die Filme "Die Summe der Gefühle" (1994), "In Bloom" (2013) und "Newcastle" (2008) werden mit dem Motiv einer wohl untergehenden Sonne auf dem Cover beworben, was die angenommene emotionale Zugkraft des Motivs verdeutlicht.

Die untergehende Sonne in "Querelle" (1982)
Die untergehende Sonne kann auch für den Tod stehen. In dieser Bedeutung ist sie in "Buddies" (1985) zu sehen – kurz bevor Robert an den Folgen von Aids stirbt. In der Schlussszene des Aids-Dramas "The living end" (1992) ist die untergehende Sonne (in Verbindung mit dem blutroten Himmel) ebenfalls ein Vorverweis auf den drohenden Tod von Jon und Luke an den Folgen von Aids. Damit endet nicht nur der Film und ein Tag, sondern auch ihr Leben.

Die Sonne geht unter und Robert stirbt: "Buddies" (1985)
Die Sonne am Anfang und am Ende eines Films
Es wirkt stimmig, wenn zu Beginn eines Films die Sonne aufgeht, wie in "Bed Buddies" (2015). In "Arrival" (2016) verweist eine Szene mit Sonnenaufgang auf den positiven Neuanfang des Protagonisten in New York. Und es wirkt genauso stimmig, wenn am Ende eines Films die Sonne untergeht, wie in "Beneath the Skin" (2015, 1:19:55 Min., hier online), weil damit der Tag und der Film gleichermaßen enden.
Ähnlich symbolisch sind Schlussszenen, in denen sich ein schwules Paar in Richtung Sonnenaufgang bzw. -untergang auf den Weg (= Lebensweg) macht. In "Thank You, Mask Man" (1971, 6:48 Min., hier online, hier Rezension) besteht das Paar aus einem Cowboy und einem "Indianer", in Walter Bockmayers "Gay West" (1974) aus zwei Cowboys und in "Cruise Patrol" (2013, 6:20 Min., hier online) aus einem Polizisten und seinem Liebhaber. Im Animationsfilm "Dear Dad, Love Maria" (2009, 3:50 Min., hier online) fliegt die trans Frau Maria in der Schlussszene als Vogel der Sonne entgegen, woran sie am Anfang des Films noch gehindert wurde.

Ein schwules Paar geht in "Cruise Patrol" (2013) der Sonne entgegen
Die Sonnenfinsternis – Sex und Mystik
In dem frühen Stummfilm "Die Sonnenfinsternis bei Vollmond" (1907, ab 3:20 Min., hier online) von Georges Méliès schiebt sich in einer unterhaltsamen Animation die "ältere" Sonne in homosexueller lüsterner Absicht hinter den "jüngeren" Mond. In der europäischen Kulturgeschichte wird der Mond meistens als weiblich wahrgenommen. In diesem Film hat jedoch nicht nur die Sonne, sondern auch der Mond ein männliches Gesicht. Dass die Sonne im Gegensatz zum Mond ein älteres Gesicht trägt und sich dem Jüngeren von hinten nähert, entspricht einem früher gängigen Klischee über männlich-homosexuelle Beziehungen. Der Film wird u.a. in der Doku "The silver screen. Color me lavender" (1997) homosexuell rezipiert und wurde von mir auf queer.de bereits ausführlich vorgestellt.

Sex zwischen Sonne und Mond in "Die Sonnenfinsternis bei Vollmond" (1907)
Erinnern möchte ich noch an zwei weitere Filme mit dem Motiv der Sonnenfinsternis. Als sich in "Eclipse. Begegnungen" (1994) die Stadt Toronto auf eine totale Sonnenfinsternis vorbereitet, finden sich zehn Menschen zusammen. "Mit apokalyptischer Erhabenheit verdunkelt sich zuletzt die Sonne und verleiht diesem Reigen im Ausklang ein mystisches Element" (Axel Schock / Manuela Kay: "Out im Kino", 2003, S. 102). Der Film erschien auch unter dem deutschen Verleihtitel "Unter schwarzer Sonne". Die "schwarze Sonne" wird hier, wie üblich, negativ konnotiert, aber nicht (wie häufig) mit dem Nationalsozialismus assoziiert.
Der Film "Total Eclipse" (1995) behandelt die homosexuelle Beziehung der französischen Lyriker Arthur Rimbaud (D: Leonardo DiCaprio) und Paul Verlaine. Eine totale Sonnenfinsternis kommt im Film nicht vor, auch wenn die Sonne in einigen Szenen eine besondere Rolle spielt. Nachdem Paul Verlaine in Freiheit regelrecht von der Sonne geblendet wurde, sieht man ihn später, wie er im Gefängnis sehnsüchtig hoch zur Sonne guckt, deren Lichtstrahlen von oben in seine Zelle fallen. Am Ende des Films ist das Zitat von Rimbaud zu hören: "Die Ewigkeit; es ist die Sonne, die sich mit dem Meer vermischt." Vielleicht ist mit "eclipse" in übertragenem Sinn der Schatten auf dem Glück der beiden Männer gemeint.

"Total Eclipse" (1995) mit Leonardo DiCaprio als Arthur Rimbaud
Pornos – vom Sonnengott und von der Sonne geküsst
In Schwulenpornos wird oft die untergehende Sonne gezeigt, die den Himmel rot erscheinen lässt ("Sun Soaked", "Scorched"). Eine vergleichbare Bedeutung hat die Mitternachtssonne ("Midnight Sun"). Im Gegensatz dazu wird die pralle Mittagssonne in Szenen inszeniert, die in einem doppelten Sinne heiß sind ("Afternoon Heat 2", "Liquid Heat"). Manchmal wird die Sonne explizit in Verbindung mit dem heißen Süden aufgegriffen ("Out of Athens", "Spanish Sun"; s.a. Porno-Label "Pacific Sun"). Ein französischer Porno ("D'or et de lumière") bringt Sonnenschein mit Gold und Licht in Verbindung.
Auch im Kontext von Redensarten und umgangssprachlichen Redewendungen wird die Sonne eingesetzt. Mit der Bezeichnung als "Sonnengott" werden schöne Menschen beschrieben ("Sun Gods"), während im Englischen ein Sonnenstich ("Sunstroke") auf Onanieren am Strand verweisen kann (s. urbandictionary). Ähnlich wie mit der deutschen Formulierung "wo die Sonne nicht scheint" lässt sich auch im Englischen ("Where the sun don't shine") auf den Anus bzw. Analverkehr verweisen, was auf dem Cover nicht nur mit einem Dildo, sondern auch mit der Sonne zum Ausdruck gebracht wird. Auch der oben erwähnte Begriff "sunkissed" für passives Rimming findet sich in Pornotiteln wieder ("Sunkissed", "Sun Kissed", "Sun Kissed Studs").

Die Sonne in den Pornos "Scorched" und "Out of Athens"
Der Mond – ein rosa Mond als Zufluchtsort
Der Mond wird als "Auge der Nacht" bezeichnet und beeinflusst die Psyche der Menschen. Er ist die "Schwester" der Sonne und steht u.a. für Sehnsucht, Intuition und eine dunkle unbekannte Seite. Faszinierend ist der Vollmond, der Auslöser der Metamorphosen von Vampiren und Werwölfen sein kann. Dem Klischee nach wird der Mond von Wölfen angeheult. Der Mond ist auch ein Symbol für den Hintern, worauf sich der Ausdruck "mooning" für das öffentliche Zeigen des Hinterns bezieht. In China gilt der Ausdruck "bewundern des Mondes" sogar explizit dem Hintern eines Schwulen.
Die andere Seite des Mondes und des Mannes
Zunächst bietet es sich an, auf die schwulen Filme einzugehen, die den Mond mit seinen recht unterschiedlichen Bedeutungen schon im Titel aufgreifen. Der Film "Die andere Seite des Mondes" (2003) behandelt das eher schwierige Verhältnis zwischen Philippe und seinem schwulen Zwillingsbruder André. André ist bodenständig und Wetteransager im Fernsehen. Dagegen flüchtet Philippe aus seiner tristen Realität oft in eine Fantasiewelt der Raumfahrt. Er interessiert sich vor allem für die erdabgewandte Seite des Mondes, zu der es im Film heißt, sie sei der "ideale Zufluchtsort für diejenigen, die ein schweres Leben führen", womit der Mond zu einer Projektionsfläche für Träumereien wird. Ein Rezensent dieses Films wies im Deutschlandfunk (2006) zu Recht darauf hin, dass "mit der anderen Seite des Mondes auch das Unbekannte gemeint [ist], das wir in uns selbst suchen", was sich bei diesem Film auf die Zwillingsbrüder und "das Motiv der Spiegelung" beziehe, da seit Jahrhunderten die "Rückseite als die Entsprechung der dunklen, verborgenen Seite der menschlichen Seele" angesehen werde.
Mondzyklen, die Jahreszeiten und Lebensabschnitten entsprechen
In vier Geschichten über schwule Liebe eingepackt, behandelt der Film "4 Moons" (2014) vier Mondzyklen, vier Jahreszeiten und vier Lebensabschnitte. In einer Rezension des Films mit dem Titel "Der Mondzyklus der Liebe" auf kino-zeit.de wird betont: Das "ewige Spiel der Liebe beherrscht den Menschen in seinem Tun und Denken, wie der Mond die Gezeiten". Der Film verbinde so "die verschiedenen Lebensabschnitte mit vier unterschiedlichen Beziehungsphasen und zeichnet (…) einen emotional aufgeladenen Zyklus der Liebesfreuden und Liebesleiden".

Schwule und der Mond in "Die andere Seite des Mondes" (2003)
Der Oktobermond und die Jagd auf Menschen
"October Moon" (2005) ist ein Independent-Horrorfilm, zu dem auch ein Making-of erschien ("Well Isn't That Queer? The Making of 'October Moon'") und dessen Titel sich auf einen Vollmond im Oktober bezieht. Von einem solchen Vollmond wird angenommen, dass er die perfekte Zeit für die Jagd auf Tiere ist, er wird deshalb auch als "Jägermond" bezeichnet. Im Film wird die Jagd auf Tiere mit der Jagd auf Menschen parallelisiert. In anderen Kulturen ist der "Jägermond" auch als "Blutmond" bzw. als "Rosa Mond" bekannt.
Die Personifizierung des Mondes
Der Film "Das Flüstern des Mondes" (2006, 1:20 Min., hier Trailer) hat einen recht eigenwilligen Erzählstil, was sich auch beim titelprägenden Mond bemerkbar macht. Weil der Mond auf einigen Filmcovern ein Gesicht trägt, geht es offenbar um die Vorstellung von einem "Mann im Mond" bzw. um die damit einhergehende Personifizierung des Mondes. So lässt sich auch der Spruch auf den Filmcovern deuten: "Was kümmert es den Mond, wenn ihn der Hund anbellt?" In einer optisch einprägsamen Szene wichst Jannis auf dem Dach seines Wohnwagens vor dem Hintergrund eines übergroßen und wirkungsvollen Vollmondes.

Wichsen im Angesicht des Mondes in "Das Flüstern des Mondes" (2006)
Die normative Kraft des Mondes und die Hautfarbe
Im Kurzfilm "Pink Moon" (2015, 14:15 Min., hier online) ist aus einer heteronormativen eine homonormative Gesellschaft geworden, in der heterosexuelle Menschen verfolgt werden. Der Mond ist dementsprechend in der schwulenpolitischen Signalfarbe Pink zu sehen, wobei sich eine gewisse Nähe zur Metapher von der "rosaroten Brille" erkennen lässt, die einen anderen Blick auf diese Gesellschaft zulässt.
Als weiterer schwuler Film, der den Mond bereits im Titel trägt, sei auf "Moonlight" (2016) verwiesen, der vom Erwachsenwerden eines schwulen Afroamerikaners erzählt und dabei eindrucksvolle Bilder vom Mondlicht zeigt. Ein inhaltlicher Bezug lässt sich in dieser Filmszene erkennen: Juan, der für Chiron eine Art Ersatzvater geworden ist, versucht Chirons Selbstbewusstsein mit einem "metaphorischen Bild zu stärken, nach dem schwarze Jungen im Mondlicht blau aussehen" (Wikipedia).

Schwule und der Mond in "Pink Moon" (2015) und "Moonlight" (2016)
Vollmond – Liebesfilme und Dramen
Der nächtliche Mond wird häufig verwendet, um Szenen in Liebesfilmen und Dramen atmosphärisch zu untermalen. Dabei geht es fast immer um den Vollmond wie in "Abschiedsblicke" (1986), "Der bewegte Mann" (1994) und "Priscilla, Königin der Wüste" (1994).
Der Vollmond wird häufig mit einer nächtlichen Sexszene verbunden wie in "Clapham Junction" (2007), "Cowboy" (2008, 16:10 Min., hier online), "Eating Out" (Teil 3, 2009) und "You can't curry love" (2009, 4:05 Min., hier online). Zum letztgenannten Kurzfilm ist erwähnenswert, dass die beiden verliebten Männer (21:45 Min.) in einem Hotel später die "Honeymoon-Suite" anmieten möchten. "Honeymoon" (wörtlich "Honigmond") ist die englischsprachige Bezeichnung für die Flitterwochen. Der Vollmond wird manchmal mit Nacktschwimmen bei Mondlicht verbunden wie in "Zwei irre Typen" (1982), "Brüder" (2005, 47:00 Min., hier online) und "Cover Boy" (2006, 37:25 Min., s.a. 56:25 Min., hier online). In "Brokeback Mountain" (2005) wird beides geboten: Ennis und Jack haben ihren ersten Sex bei Vollmond und schwimmen später nackt bei Vollmond.

Der Mond in "You can't curry love" (2009)
Manchmal sind die Kontexte von Vollmond-Szenen auch ernster. Dann geht es um Einsamkeit und Melancholie wie in "Contact" (2002) und "Silver Road" (2006, 11:15 Min., hier online), um Geister, die jemanden in einer Vollmondnacht besuchen, wie in "One Voice" (2011, 7:10 Min., hier online) oder um eine mystische Nacht wie in "Allone" (2008, 6:05 Min., hier online).
Der Mond ist in Dramen und Liebesfilmen auch Gesprächsthema zwischen Männern, wie in "Eine Liebe wie andere auch" (1983) und in "Red Dirt" (2000), worin sich zwei Männer die Frage stellen, ob die Amerikaner tatsächlich mal auf dem Mond waren. Es gehört zu den typischen seit Anfang dieses Jahrhunderts wieder verstärkt in Erscheinung tretenden Verschwörungstheorien, die Mondlandung in Frage zu stellen.
Der verkitschte Vollmond
Die meisten Filme zeigen den Mond realistisch und damit so, dass er als Symbol nicht unbedingt erkannt wird. In einigen schwulen Filmen wird der Vollmond jedoch fernab seiner realen Erscheinung verkitscht und verkünstelt dargestellt, wie ich es bei keinem anderen Motiv mit symbolischer Bedeutung kenne und wodurch der Mond noch interessanter und ausdrucksstärker wird. Damit meine ich vor allem die bonbonfarbenen Mond-Kulissen in "The Bobsy Boys" (2004) und "Gentle Probing" (2013). In "Wäre die Welt mein" (2008) taucht der Vollmond zwar auch am Himmel auf, mit Kitsch meine ich hier aber den Vollmond als Theaterdekoration für William Shakespeares "Ein Sommernachtstraum". In "Remington and the Curse of the Zombadings" (2011) ist ein Schal, der in den Himmel fliegt und sich wie ein Kopftuch um den Mond legt, die Manifestation des (ironisch gebrochenen) Fluches einer Dragqueen,. Übergroß, mächtig und kitschig erscheint der Mond in "Judas Kiss" (2011). In "Bullyparade. Der Film" (2017) singt Mr. Spuck (D: Bully Herbig) vor einem kitschigen blauen Vollmond eine Opernarie.

Der verkitschte Mond in "Gentle Probing" (2013)
Der Hintern, das "mooning" und das Anheulen des Mondes
Das respektlose Zeigen des nackten Hinterns wird als "mooning" bezeichnet. Es wird nach dem Mond benannt, weil dieser manchmal auch als Umschreibung für den Hintern dient. "Mooning" ist gezielte Provokation und wird meistens als unanständiger bzw. frecher Akt bewertet. Filmszenen mit "mooning" sind in den Kurzfilmen "Inside Out" (1997, 5:10 Min., hier online) und "Twoyoungmen" (2008) zu sehen, außerdem in den Spielfilmen "Leben und Tod auf New Island" (1997), "Hellbent" (2004), "Simon" (2004), "Small Town Gay Bar" (2006) und "Die glitzernden Garnelen" (2019).
In der US-Serie "Die Simpsons" provoziert der freche Bart gerne mal damit, dass er anderen seinen nackten Hintern zeigt. Bei einem Mann führt dieser Anblick dazu, dass er lächelt und sich in einen jaulenden Wolf verwandelt (Folge 22/21). Diese Mooning-Szene nimmt auf den Irrglauben bzw. den Mythos Bezug, dass Wölfe gerne den Mond anheulen, was in einigen Filmen in variierter Form aufgegriffen wird. Sehr unterhaltsam geschieht dies in der US-Serie "Queer as Folk" (Folge 4/4), in der Emmett seinen Sexpartner bittet, leise zu sein. Dieser heult jedoch laut wie ein Wolf, die ganze Gegend wird wach und im Parallelschnitt wird ein Hund gezeigt, der den Vollmond anbellt. Später entschuldigt sich Emmett für den Lärm dieses "Werwolfs". In den animierten Szenen in "Howl" (2010) wird der Mond und später auch die Sonne von Menschen angeheult.

Ironische Brechung eines Wolfs-Mythos: Ein Hund bellt den Vollmond an ("Queer as Folk", Folge 4/4)
Die menschliche Psyche in einem Jahr mit 13 Monden
Was sich Rainer Werner Fassbinder mit dem Titel seines Films "In einem Jahr mit 13 Monden" (1978) gedacht hat, wird aus dem Vorspann ersichtlich: "Jedes 7. Jahr ist ein Jahr des Mondes. Besonders Menschen, deren Dasein hauptsächlich von ihren Gefühlen bestimmt ist, haben in diesen Mondjahren verstärkt unter Depressionen zu leiden, was gleichermaßen (…) auch für Jahre mit 13 Neumonden gilt. Und wenn ein Mondjahr gleichzeitig ein Jahr mit 13 Neumonden ist, kommt es oft zu unabwendbaren persönlichen Katastrophen" (s. Wikipedia). 1978 war eines dieser Jahre. Der Film spielt im Juli 1978 und erzählt die letzten fünf Tage im Leben von Elvira Weishaupt, die sich nur aus Liebe zu einem Mann einer Geschlechtsoperation unterzogen hat.

Psychische Probleme in Fassbinders Film "In einem Jahr mit 13 Monden" (1978)
Vollmond – Mörder und Vampire
Auch für Szenen in Verbindung mit Mord und Tod eignet sich der Vollmond. In "Bent" (1997) verdunkelt sich der Vollmond im Zusammenhang mit nationalsozialistischer Verfolgung und in "Howl" (2010) ist der Vollmond im Kontext von Freitod zu sehen.
Insbesondere innerhalb des Genres der Vampirfilme spielt der Vollmond eine bedeutende Rolle, so im homoerotischen Film "Interview mit einem Vampir" (1994) mit Louis (D: Brad Pitt) und Lestat (Tom Cruise), in "Scab" (2005), "Vampire Boys" (2011), "The Brides of Sodom" (2013), "Kissing Darkness" (2014) und "Drink me" (2015). In "Watch over me" (2010, 7:25 Min., hier online) vermitteln zwei Männer, die nackt im Licht des Vollmondes schwimmen, zunächst den Eindruck einer romantischen Szene, bis der Geliebte vom Vampir mit einem Biss getötet wird und der Vollmond sich verdunkelt.

Der Vollmond in "The Brides of Sodom" (2013)
Im Film "Beautiful Love" (aka "Monster Pies", 2013) ist der romantische Vollmond zu sehen, als sich zwei Männer unter einem Baum lieben. Näher gekommen sind sie sich über Werwolf- und Vampirfilme, in denen der Vollmond ebenfalls gezeigt wird. Seit Jahrtausenden gibt es in Mythen und Sagen die Vorstellung, dass sich Männer bei Vollmond in Werwölfe verwandeln, was in einer modernen Form auch "Curse of the Queerwolf" (1988) aufgreift. Die problematische Verwandlung des Lebenspartners in einen Werwolf bei jedem Vollmond ist in dem Animationsfilm "Dirty Paws" (2015, hier online) das alleinige Thema. Auch in Filmen ähnlich blutiger Genres wie "Gangsters vs. Aliens" (2002), "Hellbent" (2004) und "Cannibal" (2006) wurden Filmszenen atmosphärisch mit einem Vollmond untermalt. Im Rahmen von →Mythen und Märchen (Folge 53) werde ich Werwölfe und Vampire später noch ausführlicher behandeln.
Pornos – die romantische und die kitschige Seite des Mondes
Auch in Schwulenpornos wird der Mond verkitscht dargestellt ("Hammer Boys 2"). Sogar ein Mann im Mond kommt vor ("Cool Moon"). Im Intro der neu veröffentlichten Pornos von Fred Halsted wie "The Sex Garage" ist ein kitschiger nächtlicher Vollmond zu sehen. Dieser ist hier das Markenzeichen von "Altered Innocence", einem US-Filmverleiher, der sich u.a. auf queere Filme spezialisiert hat. Romantisch angelegte Pornos können das Motiv des "Blue Moon" – Bezeichnung für einen zweiten Vollmond innerhalb eines Monats – verwenden ("Return to the Blue Moon", "Romance at the Blue Moon Resort", "Once in a blue moon").
Die Mondsichel entwickelte sich während der vorigen zwei Jahrhunderte zu einem der bedeutendsten muslimischen Symbole. Daran anknüpfend ist der Halbmond auch auf den Filmcovern von Pornos zu sehen, die vermeintlich arabische Sexgeschichten präsentieren ("Arabian Fever", "Arabian Cocks").
Das Porno-Label "Red Moon" hat sich auf Spanking-Videos ("Butt Spankers", "Military Ass Spankers") spezialisiert und seinen Namen passend gewählt – weil der Hintern mit dem Mond gleichgesetzt wird und die gezeigten Hintern von den Schlägen rot sind. Einige Darstellernamen beziehen sich auf den Mond und bewegen sich dabei zwischen sexuellen Anspielungen ("Jack Moon", "Grant Moon") und Alliterationen ("Mark Moon", "Michael Moon").
Pornos – die dunkle Seite des Mondes
Ein Porno greift die sprichwörtliche "dunkle Seite" des Mondes auf ("Dark Side of the Moon"). Dies ist zwar im eigentlichen Wortsinn falsch, funktioniert aber als metaphorische Umschreibung für eine unbekannte Seite. Weil der Mond für den Hintern steht, ist die Formulierung heute auch ein Ausdruck für den Anus als dunkelsten Teil des Hinterns (s. urbandictionary).
Auch auf den Filmcovern von Schwulenpornos ist der Vollmond Ausdruck der wilden Triebe und des abenteuerlichen Nachtlebens ("Phantom of Lust", Cadinots "Touch and Tender", "Policemen's Night", "Moon Light Spunk Catchers", Night Breeders"). Einzelne Pornos deuten auch die durch den Vollmond ausgelösten Metamorphosen von Menschen zu Tieren an: Statt eines Wolfs scheinen Lederkerle den abgebildeten Mond anzuheulen ("Leather Wolf") und auf einem Cover ("Howl") sieht man Männer beim Sex in der Hundeposition, deren Darstellung an Wölfe erinnert.

Die verschiedenen Seiten des Mondes: die kitschige in "Cool Moon" und die dunkle in "Dark Side of the Moon"
Die Sterne – unter demselben Stern geboren
Seit Urzeiten rühren Sterne an unser tiefstes Inneres. Sie bieten Orientierung und wirken wie Augen in der Nacht. In Sternen sehen viele das "Aufleuchten unseres psychischen Firmaments". Sie "erzählen uns vom Unendlichen, vom Visionären, von etwas in uns, das sternengleich ist". Man spricht davon, dass etwas unter einem "guten oder schlechten Stern steht" oder davon, dass etwas "in den Sternen steht". Sternschnuppen entfachen bei vielen den Glauben an Wunder und sind "wirkungsmächtige Anlässe für psychische Projektionen" ("Das Buch der Symbole", 2011, S. 18, 20, 34).
Sternenhimmel – Romantik, Melancholie und Träumereien
Ein Sternenhimmel erscheint manchmal als Element schwulen Kitsches – ähnlich wie der Mond. Der Hang des Regisseurs Bavo Defurne zum schwulen Kitsch wird u.a. beim Sternenhimmel in "Matrosen" (1998) deutlich. Der künstlich wirkende und romantisch verklärte Sternenhimmel in "Far West" (2003, 4:30, 8:50 Min., hier online), "Das Flüstern des Mondes" (2006) und "Holiday Camp" (2010) bewegt die Schwulen, die diese Filme anschauen. Im Animationsfilm "Candy Boy" (2007) fliegen zwei verliebte junge Männer nackt in den sternenreichen Himmel hinauf, was auch an Christi Himmelfahrt erinnert.

Schwuler Sternen-Kitsch in Bavo Defurnes "Matrosen" (1998)
Sternenhimmel – Reflexionen über die Liebe und das Leben
Manchmal reflektieren Schwule angesichts des Sternenhimmels über ihre persönliche Situation. Auch dafür liefert der Regisseur Bavo Defurne ein gutes Beispiel, wenn sich in seinem Film "Am Lagerfeuer" (1999) die Protagonisten Gedanken darüber machen, dass die Sterne, die man heute sehen kann, gar nicht mehr existieren. In "Kreuz und Queer" (1998) kommt sich ein Mann angesichts der Sterne ungemein winzig vor und in dem schon erwähnten Kurzfilm "Watch over me" (2010, 7:30 Min., hier online) vergessen zwei Männer beim Anblick der Sterne alles um sich herum.
In der US-Serie "Queer as Folk" geht es nicht nur um geilen Sex unter dem Sternenhimmel (Folge 3/2, 4/13), sondern auch um Emmetts sentimentale Antwort auf die Frage, welchen Mann Michael wohl verdient habe: "Jemanden, für den er die goldene Sonne, der helle Mond und die Sterne ist" (Folge 1/18). Es sind typische Reflexionen über die Zeit, die Größe und die Unendlichkeit angesichts der Weite des Himmels.
Schwule Zwillingssterne
Der Film "Gemini. Die Zwillingssterne" (1988) erzählt die Dreiecksgeschichte von Matthew, Thomas und Maria-Helena. Am Ende des Films träumt Matthew von sich und Thomas. Dabei werden die beiden "zu den griechischen Zwillingen Castor und Pollux, die als Zwiegestirn am Sternenhimmel in die Ewigkeit eingehen" (Hermann J. Huber: "Gewalt und Leidenschaft", 1989, S. 74). Auf diese Weise verbindet der homoerotische Film die Geschichte zweier Männer mit dem Sternzeichen Zwilling, den beiden Zwillingssternen Castor und Pollux und der mythologischen Geschichte rund um die (auch homosexuell rezipierte) Freundschaft der beiden gleichnamigen Zwillingsbrüder.

Matthew und Thomas bzw. Castor und Pollux in "Gemini. Die Zwillingssterne" (1988)
Sternschnuppen – Glück und Wünsche
Sternschnuppen, die am Himmel verglühen, bewegten schon immer die Menschen. Während sie im frühen Aberglauben Angst und Schrecken verbreiteten, haben sie heute nur noch die Bedeutung von Glücksbringern und sind als solche in diversen Filmszenen zu finden. Passend zu der Sternschnuppe, die der schwule Waylon Smithers in der "Nacht über Springfield" ("Die Simpsons", Folge 14/16, 2003) in Gegenwart seines geliebten Mr. Burns sieht, hören die Zuschauenden den Song "Starry, Starry Night".

Eine Sternschnuppe und das (einseitige) Glück von Waylon Smithers ("Die Simpsons", Folge 14/16)
In "Machulenco" (2005) kommt Victor neben seinem Freund angesichts einer Sternschnuppe ins Träumen über ein Märchen, wonach jemand befreit wird, der in einer einzigen Nacht alle Sterne am Himmel zählen kann. Der Traum nimmt Bezug auf Victors Verfolgung als Schriftsteller durch die argentinische Militärdiktatur und verweist so auf den harten Gegensatz zur Realität. In der US-Serie "Queer as Folk" gehört es für Ethan zur Vorstellung von Glück, aufs Land zu fahren, unter Sternen zu parken und Sternschnuppen zu beobachten (Folge 2/20). Kitschige Szenen mit Sternschnuppen und glücklichen Schwulen sind auch in "Der Schuh des Manitu" (2001) und in "Another Gay Sequel" (2008) im Rahmen einer Tanznummer zu sehen. In "Be Mine" (aka "Seja meu", 2009, 33:35 Min., hier online) ist eine Sternschnuppen-Szene mit einem geheim gehaltenen Wunsch verbunden. Dies entspricht einem in vielen Ländern bekannten volkstümlichen Aberglauben, dass ein Mensch, der eine Sternschnuppe am nächtlichen Himmel sieht, einen Wunsch frei hat, der danach in Erfüllung geht. Der Kurzfilm "Gorilla" (2013) endet damit, dass sich eine schwierige ménage à trois aus zwei Männern und einer Frau einen Sternenhimmel mit vier Sternschnuppen anschaut, was offenbar suggerieren soll, dass für jede*n von ihnen der Wunsch nach Liebe in Erfüllung gehen kann.
Sternschnuppen – als Sperma?
In dem oben erwähnten Film "Die Sonnenfinsternis bei Vollmond" (1907, 6:45 Min., hier online) gibt es nicht nur eine lustige Sexszene mit Sonne und Mond, sondern die danach herunterprasselnden Sternschnuppen werden u.a. von Christine Cornea ("Science Fiction Cinema. Between Fantasy and Reality", 2007, S. 14-15 über "orgasmic meteor shower") als Andeutung eines Orgasmus gesehen. Unter der Überschrift "Und der Himmel explodiert in einer Orgie spermienartiger Sterne" habe ich den Film auch mit Bezug auf die Sternschnuppen hier auf queer.de bereits besprochen.

Sternschnuppen, die an Sperma erinnern, in "Die Sonnenfinsternis bei Vollmond" (1907)
Teleskope – Sterne und Gefühle unter die Lupe nehmen
Filme, in denen Teleskope eine Rolle spielen, vereinen Kopf und Bauch, Gefühl und Verstand. Sie handeln von Visionen und Träumen, aber auch von Jugendlichen, die in ihrer Phase der sexuellen Identitätsfindung mit einer schier grenzenlosen Neugierde auf das eigene und das andere Geschlecht ihre Gefühle und Gedanken näher unter die Lupe nehmen. "If …" (1968, 1:24;30 Min., hier online) zeigt einen jungen Mann mit Teleskop, der von den Millionen von Sternen fasziniert ist, kurz danach wird das Gerät von einem anderen zum Spannen verwendet. In "Krámpack" (2000) hat nur Dany ein Interesse an einem Teleskop und daran, seine sexuelle Orientierung zu reflektieren, während sein Freund Nico sich weder für die Sterne noch dafür interessiert, seinen Sex mit Dany zu hinterfragen. Tomek in "Ich, Tomek" (2009) interessiert sich für Astronomie. Er würde gerne einen bisher unbekannten Stern entdecken und diesen nach einem Mädchen benennen. Aber Tomek landet nicht bei dem Mädchen, sondern auf dem Strich, und seine Schule kauft sich nicht, wie von ihm gewünscht, ein Teleskop, sondern neue Fenster, die einen ganz anderen Blick auf die Umwelt öffnen. Auch Tomeks Leben wird im weiteren Verlauf nicht von seinen Träumen, sondern von der Realität bestimmt. Ähnlich ist es wohl zu verstehen, wenn in "Wild Tigers I Have Known" (2006) der junge Logan in seinem Zimmer mit einem Teleskop gezeigt wird.
Filmstars und Kommunismus

Von den Sternen am Himmel abgeleitet: "Billy's Hollywood Screen Kiss" (1998)
Sterne begegnen uns im Film in den unterschiedlichsten Zusammenhängen. Auch die Stars und Sternchen aus Hollywood haben ihr Vorbild in der Natur, dort können "shooting stars" (dt. Sternschnuppen) fast genauso schnell wieder verschwinden wie die am Himmel. Insofern können hier auch die Sterne aufgeführt werden, mit denen "Billy's Hollywood Screen Kiss" (1998) wirbt, auch wenn es darin um die Sterne auf dem "Walk of Fame" in Los Angeles geht.
Der Film "Clandestinos. Die Rebellion beginnt jetzt!" (2007) wird mit einem in Rot gehaltenen Cover und einem fünfzackigen roten Stern beworben. Ein solcher Stern ist häufig – wie auch hier – ein Symbol für eine sozialistische bzw. kommunistische Weltanschauung und ein internationales Symbol der Arbeiter*innenbewegung, wobei die fünf Zacken fünf Kontinente darstellen.
Sterne als Metapher – Sterne als Schicksal
Der Stern als Metapher wird in den unterschiedlichsten Zusammenhängen verwendet. Was sie vereint, ist, dass ein Stern etwas besonders Schönes und Positives ist und manchmal der Orientierung dient. Ein Beispiel ist das Lied "Stern des Südens" von Vicky Leandros ("Rein wie der Stern des Südens, tief und klar wie das Meer. Schön wie ein Abendhimmel, doch du sagtest 'adieu'"), das in dem Film "Westler" (1985) zu hören ist, aber auch der Titel des japanischen Films "Funkelnder Stern" (1992), der von einer ménage à trois aus zwei Männern und einer Frau handelt.
Mit der Formulierung, dass alle Homosexuellen unter dem "gleichen Stern geboren" seien, versucht Boris Winkler in "Anders als du und ich" (1957), von einem schwulen Rechtsanwalt Solidarität einzufordern, was ihm jedoch nicht gelingt (geschnittene Szene aus dem Bonusmaterial der im Handel erhältlichen DVD).
In "Starcrossed" (2005) verweist der Titel darauf, dass das Verhältnis der beiden sich liebenden Brüder Darren und Connor, die wegen ihres Verhältnisses von der Polizei gesucht werden, "unter einem schlechten Stern" steht. Sie schauen sich eine Sternschnuppe an und begehen dann gemeinschaftlichen Suizid. Sie sind sogenannte "star-crossed lover", deren Liebe durch ein unheilvolles Schicksal vereitelt wird. Die Bezeichnung basiert auf der Annahme, dass Sterne bestimmend für das Schicksal der Menschen seien, und ist vor allem aus Shakespeares "Romeo und Julia" bekannt. Das Schlagwort "star-crossed lovers" wurde in der IMDB bei rund 300 Filmen vergeben, u.a. bei den schwulen Filmen "Private Romeo" (2011), "Burning Blue" (2013) und "Let me go" (2015).

Die Liebe steht in "Starcrossed" (2005) unter einem schlechten Stern
Pornos – Sterne und Träume
In Pornos wird ein Blick in die Sterne manchmal mit Träumen verbunden ("Gay Dreams", "Twinks Fantasy"). Einige Filmtitel greifen auch sprichwörtliche Redensarten auf ("Nighteyes", "The Night Has Eyes", "Star Crossed"). Bei einem Film sind auf dem Cover Sternkreiszeichen im Hintergrund zu sehen ("Playing Games Italian Style").
Die Stars und Sternchen auf der Erde sind von den Sternen im Himmel abgeleitet und sind auf Filmcovern zu sehen: Das fängt mit den zwölf Sternen als Symbol für Europa an ("Euro Locker Loads") und endet mit den vielen Stars und Sternchen, die eine Schauspielkarriere anstreben ("Fantasies of Pornstar", "Black Star"), worunter auch der Name des Porno-Labels "Berlinstar Film" und aufsteigende Sterne ("Rising Stars", "A rising star") zu fassen sind. Am Rande seien hier die in manchen Filmtiteln aufgegriffenen "Stars" im Sinne prominenter Persönlichkeiten erwähnt ("Porn Stars", "Pop Star", "Rock Star").

Sterne in "Gay Dreams" und "Star Crossed"
Der Uranus – das Anderssein und das Ungewöhnliche
Die Verbindung dieses Planeten mit Homosexualität geht auf Platons Schrift "Symposion" (416 v.u.Z.) zurück. Nach einer darin erzählten Legende entstand die Liebesgöttin Aphrodite aus den Körperteilen ihres Vaters Uranos, der damit eine Liebe repräsentiert, an der die Frau keinen Anteil hat, was im "Symposion" mit dem Konzept einer edlen Liebe von Männern zu männlichen Jugendlichen verbunden wird. Mit Berufung auf Platons Schrift steht Uranus für das Anderssein und das Ungewöhnliche. Uranus wird daher in Horoskopen als Hinweis auf eine sexuelle Identität verstanden, die außerhalb der Norm liegt.
Zur Vorgeschichte der homosexuellen Rezeption
Schon der frühe Homosexuellenaktivist Karl Heinrich Ulrichs bezog sich in seinen zwölf Schriften über die "mann-männliche Liebe" vor mehr als 150 Jahren mit seiner Bezeichnung "Urning" für gleichgeschlechtlich liebende Männer auf den Planeten Uranus und benannte nach diesem auch das erste (und letzte) Heft seiner geplanten Homosexuellenzeitschrift "Uranus" (1870). Eine zweite Homosexuellenzeitschrift mit dem Titel "Uranos" erschien ab März 1921. Zum 100. Jubiläum habe ich auf queer.de die Artikel "Der Gott Uranus und der Uranismus" und "Wie queer ist der Uranus?" veröffentlicht.
Uranus – ein schwuler Planet
Der Planet und der Gott Uranus sind in Filmen kein großes oder bedeutendes Thema. Zu den Ausnahmen gehört "Priscilla, Königin der Wüste" (1994), worin drei Personen in Drag auf die Landbevölkerung wie Außerirdische wirken und die Frage geäußert wird, ob sie vom Uranus kämen, was sich gleichermaßen auf Außerirdische wie auf Sexualität beziehen lässt.
Mir ist nur ein Spielfilm bekannt, der vom Planeten Uranus handelt. In "Don't Ask, Don't Tell" (2002, Szene auf dem Uranus 41:40-55:20 Min., hier online) erfahren schwule Aliens vom Uranus, dass die Militärführung auf der Erde eine Waffe gegen Homosexualität entwickelt. Sie entführen daraufhin einen US-Piloten, "machen ihn schwul" und schicken ihn zurück auf die Erde, wo er alle Menschen "schwul machen" soll. Die Aliens vom Uranus bezeichnen sich als "Urschleim, auf dem die schwule Idee entstanden ist". Es handelt sich um eine trashige Zweitverwertung von Originalszenen aus dem nicht weniger trashigen Science-Fiction-Film "Killers from Space" (1954), der nachträglich mit einer schwulen Uranus-Storyline aufgepimpt wurde. Der Film ist Satire und die Meinungen über ihn werden dementsprechend auseinandergehen.

Aliens aus einem Science-Fiction-Film von 1954 werden in "Don't Ask, Don't Tell" (2002) zu schwulen Aliens "umgeschrieben"
Uranus – Kastration und Mythologie
Daniel Nolascos Kurzfilm "Urano" (aka "Uranus", 2013, 7 Min.) ist Teil einer Trilogie und bietet mit Bezug auf den Uranus assoziative Bilder, durch die der Regisseur die Gegenwart mit der Vergangenheit und männliche Erotik mit mythologischen Elementen zu verbinden versucht. Diego Santos Vieira de Jesus geht in seinem Aufsatz "Beyond Venus and Mars" (= "Jenseits von Venus und Mars", in: "Psychology Research", 2020, Nr. 11, S. 459-463) auf diese homoerotische Trilogie ein, zu der auch "Neptun" und "Pluto" gehören. Er betont, dass in dem "Uranus"-Film die Idee einer Kastration, wie sie zum Mythos des Gottes Uranus gehört, zwar noch vorhanden sei, allerdings nicht im engeren Sinne einer Entfernung des Geschlechtsteils, sondern in dem weiteren Sinne, dass einem Mann die Macht, Vitalität und Begierde entzogen würden.

Daniel Nolascos Kurzfilm "Urano" als Teil einer Planeten-Trilogie
Planeten-Pornos und der Uranus
Mindestens vier schwule Pornos beziehen sich mit ihren Titeln bzw. Untertiteln auf den Planeten Uranus. Der Porno "Invaders from Uranus. Aliens have landed and your butt's in danger" (1997) ist offenbar der einzige dieser Filme, den es (auf "xhamster") online gibt. Er enthält viele witzige Szenen mit Außerirdischen, die telekinetische und andere Kräfte haben – schwuler Sci-Fi-Trash, der Sex mit Humor präsentiert.
Der Porno "Butt Boys in Space. Blasting off to Uranus" (2001) handelt, wie in einem Trailer zu sehen ist, von einer harten Invasion, bei der zu den Eyecatchern nicht nur die Männer, sondern auch die Designs gehören, die an die Sci-Fi-Serie "Star Trek" angelehnt erscheinen.

Die Uranus-Planeten-Pornos "Invaders from Uranus" und "Blasting off to Uranus"
In den Trailern bzw. den Inhaltsbeschreibungen zu "Planet Penis. Your Destination … Uranus!!" (2007) und "Uranus needs Dads" (2011) deutet nichts darauf hin, dass die Filme inhaltlich mehr als die erwartbaren sexuellen Aktivitäten bieten. Die Filmcover sind allerdings – bis auf den letzten Film – nicht nur ansprechend, sondern auch humorvoll und selbstironisch gestaltet.

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