Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?47709

Berlin

"Tagesspiegel" schränkt Gendern ein

Beim "Tagesspiegel" gibt es bald weniger Gendersternchen. Die Chefredaktion stellte aber klar, dass man keinen "Anti-Gender-Befehl" erteilt habe.


Der "Tagesspiegel" ändert seine Leitlinie zu geschlechter­gerechter Sprache nach drei Jahren (Bild: Jochen Teufel / wikipedia)

  • 28. November 2023, 15:14h 2 Min.

Der Berliner "Tagesspiegel" will künftig weniger gendern. "Wir verzichten [...] bis auf Weiteres und weitgehend auf die Verwendung von Gendersternen und Doppelpunkten zum Gendern in der gedruckten Zeitung und dem E-Paper", erklärten die Chefredakteure Lorenz Maroldt und Christian Tretbar laut einem Bericht des Mediendienstes "kress" vom Dienstag. In Gastbeiträgen oder Interviews dürfe – sollten die Autor*innen oder Interviewten dies wünschen – aber weiter Gendersprache verwendet werden dürfen.

Die Chefredaktion dementierte allerdings Berichte, wonach geschlechtergerechte Sprache ab sofort ganz verboten sein soll. Die "Bild"-Zeitung hatte zuvor mit der Überschrift "Anti-Gender-Befehl beim 'Tagesspiegel'" berichtet, dass das Konkurrenzblatt die Gendersprache wieder einkassiere.

"Tagesspiegel" geht auf Wunsch von Abonnentinnen und Abonnenten ein

Der "Tagesspiegel" hatte sich Anfang 2021 eine neue Leitlinie zu geschlechtergerechter Sprache gegeben – und dabei den Autor*innen freigestellt, Gendersternchen und Co. zu benutzen. "Wir hatten vor drei Jahren als einzige der großen deutschen Tageszeitungen die Verwendung von Doppelpunkten und in Ausnahmefällen wie persönlichen Texten die Verwendung von Gendersternen freigegeben, die Diskussion darüber aber nicht für beendet erklärt. Das ist sie auch heute nicht", stellten die Chefredakteure fest. "Es hat sich aber gezeigt, dass sich eine stringente und für unsere Leserinnen und Leser nachvollziehbare Verwendung nicht herausgebildet hat. Vor allem aus dem Kreis der Abonnentinnen und Abonnenten unserer gedruckten Zeitung und dem E-Paper wurden wir sehr deutlich darum gebeten, andere Formen der genderneutralen Sprache zu verwenden als den Genderstern oder den Doppelpunkt. Dem kommen wir mit der angepassten Richtlinie für die genannten journalistischen Produkte nach."

Derzeit gibt es in Deutschland einen regelrechten Kulturkampf um geschlechtergerechte Sprache. Ziel dieses Vorgehens ist es insbesondere, Frauen sprachlich sichtbar zu machen. Auch nichtbinäre Menschen sollen so in die Sprache integriert werden. Gegner*innen argumentieren hingegen, dass Gendern die Sprache komplizierter mache und nicht den augenblicklichen Duden-Regeln entspreche.

Selbst aus demokratischen Parteien kommen Forderungen nach einem Gender-Verbot an Schulen oder Universitäten oder sogar für eigentlich von der Politik unabhängige Nachrichtenredaktionen: Schwarz-Rot plant etwa in Hessen, öffentlich-rechtlichen Journalist*innen das Gendern zu verbieten (queer.de berichtete). Der Deutsche Journalistenverband bezeichnete dies als verfassungswidrigen Eingriff in die redaktionelle Freiheit (queer.de berichtete). (dk)

-w-