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"Ein Faustschlag kann auch tödlich sein"
Haßfurt: Homophober CSD-Schläger erhält Bewährungsstrafe
Bei einer brutalen Attacke schlug ein 22-Jähriger einen CSD-Besucher bewusstlos. Der bereits mehrfach verurteilte Schläger kam auf Bewährung davon.

Das Amtsgericht Haßfurt hat einen homophoben 22-Jährigen verurteilt
- 30. November 2023, 15:09h 2 Min.
Ein 22-jähriger Mann, der vergangenes Jahr am Rande des CSD in Bamberg offenbar aus Hass drei CSD-Teilnehmende blutig schlug, ist am Dienstag vom Amtsgericht Haßfurt wegen Körperverletzung zu einer Jugendbewährungsstrafe von 18 Monaten verurteilt worden. Wie die Tageszeitung "Fränkischer Tag" (Bezahlartikel) berichtet, ist im Urteil auch eine andere Verurteilung aus dem vergangenen Jahr inbegriffen – es hatte sich damals wegen Betrugs und Wucher verantworten müssen und erhielt eine einjährige Bewährungsstrafe.
Die Attacke hatte sich am 10. Juli 2022 zugetragen: Nach Mitternacht hatte der aus dem Maintal stammende jetzt 22-Jährige drei auf der anderen Straßenseite laufende CSD-Teilnehmende – zwei Männer und eine Frau – mit Worten wie "Schwuchteln" und "dreckige Lesbe" beleidigt. Als die drei den damals 20-Jährigen zur Rede stellen wollten, kam es zu einem Handgemenge. Der Angeklagte schlug einen 29-Jährigen zu Boden, der dann mit dem Hinterkopf auf dem Asphalt aufschlug und mehrere Minuten bewusstlos war und eine Platzwunde am Hinterkopf erlitt. Auch die anderen beiden Beteiligten attackierte der Schläger, wodurch auch sie teilweise blutende Wunden davontrugen.
Angeklagter bereits polizeibekannt
Der Angeklagte ist in Justizkreisen kein Unbekannter: Er hat bereits fünf Einträge im Strafregister, meistens wegen Körperverletzung. Außerdem wurde er bereits wegen Bedrohung, Nötigung, Betrug und Wucher verurteilt. Trotzdem sah es das Gericht als ausreichend an, dem Angeklagten nur eine Bewährungsstrafe zu geben – und ihn damit wieder in die Gesellschaft zu entlassen. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.
Der Richter hat den Angeklagten im Prozess mit den Worten "Ein Faustschlag kann auch tödlich sein" vor weiteren Attacken gewarnt. Der Fall ereignete sich nur rund anderthalb Monate, bevor der Russe Nuradi K. beim CSD Münster den trans Mann Malte C. durch einen Faustschlag tötete (queer.de berichtete). Auch er kam relativ milde davon: K. erhielt eine fünfjährige Jugendstrafe (queer.de berichtete).
Kurioser Freispruch
In einem ebenfalls vor dem Amtsgericht gegen den 22-Jährigen verhandelten Fall kam es hingegen zu einem kuriosen Freispruch: Der Angeklagte war beschuldigt worden, einer Witwe versprochen zu haben, für insgesamt 10.000 Euro einen Gastank zu entsorgen und den Garten zu entrümpeln. Die Arbeiten verrichtete er nur "rudimentär", wie der "Fränkische Tag" meldet. In der Verhandlung kam aber heraus, dass der wahre Betrüger der Vater des Angeklagten sein soll. Dass der Angeklagte das Gericht auf seinen Vater hinwies und damit Ermittlungen ermöglicht habe, wirkte offenbar strafmildernd. (cw)












