https://queer.de/?47750
Russland
Moskau: Razzien in queeren Clubs
Einen Tag nach dem Verbot der queeren Bewegung als "extremistisch" hat die Polizei mehrere Szeneeinrichtungen durchsucht und Personalien festgestellt.

Screenshot aus einem Telegram-Video, das eine der Razzien zeigen soll
- 2. Dezember 2023, 13:02h 2 Min.
Die Moskauer Polizei hat am Freitagabend mehrere Razzien in queeren Clubs und Bars sowie in einer schwulen Sauna durchgeführt. Die offenbar koordinierten Razzien fanden einen Tag nach dem wohl auf die gesamte Community zielenden Verbots der "internationalen LGBT-Bewegung" als extremistische Organisation statt.
Wie Augenzeugen in sozialen Netzwerken schilderten, hätten Beamte unter dem Vorwand einer Kontrolle auf Drogen unter anderem eine Fetischparty mit 300 Besuchern in der Moskauer Innenstadt gestürmt. "Mitten in der Party hat die Musik aufgehört", so ein Augenzeuge. Dabei seien die Anwesenden zeitweilig festgehalten und am Ausgang ihre Ausweisdokumente fotografiert worden. Einem Augenzeugen zufolge hatten die Gäste mit Angst reagiert: "Sie verstanden nicht, was mit ihnen passieren würde, und auf dem Weg nach draußen musste jeder Dokumente vorzeigen." Die Behörden könnten somit – gegenüber vielen nur heimlich homosexuell lebenden Personen – auch auf Einschüchterung gezielt haben.
Auch zwei weitere Clubs, "Secret" und "Mono", ein Striplokal sowie eine schwule Sauna seien entsprechend durchsucht worden, heißt es in Medienberichten. Derweil berichtete der älteste queere Club in St. Petersburg, "Central Station", ab sofort geschlossen zu sein: Der Vermieter habe aufgrund der neuen Rechtslage die Zusammenarbeit beendet.
Am Donnerstag hatte das Oberste Gericht der Russischen Föderation die "internationale LGBT-Bewegung" als extremistisch eingestuft und ein Verbot erlassen. Die Entscheidung des Richters Oleg Nefedow, der einem Antrag des Innenministeriums folgte, trat mit sofortiger Wirkung in Kraft (queer.de berichtete).
Mit der Entscheidung zu einer vage definierten Gruppierung könnte jeglicher queerer Aktivismus künftig mit Gefängnis geahndet werden. Mit Gesetzen gegen Homo- und Trans-"Propaganda" oder zum Verbot der Durchführung und rechtlichen Anerkennung von Geschlechtsangleichungen hatte Russland die Daumenschrauben gegen queere Menschen zuletzt unter einem Propaganda-Dauerfeuer zunehmend angezogen. (nb)














