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Interview

Benni Bauerdick, gibt es Unterschiede zwischen queerem und nicht-queerem Tod?

Benni Bauerdick arbeitet nicht nur als Podcaster und Moderator, sondern auch als Trauerbegleiter. Wir sprachen mit ihm über den täglichen Kontakt mit dem Thema Tod und den Umgang der LGBTI-Community mit dem Sterben.


Benni Bauerdick ist selbstständiger Trauerbegleiter, Moderator und Podcaster (Bild: Christoph Kronseder)

Regelmäßige Radio- und Podcast-Hörer*innen sind in letzter Zeit wohl kaum an Benni Bauerdick (35) vorbeigekommen, denn der gebürtige Lennestäder war bereits für große Radiosender wie 1LIVE tätig und führt als Host durch seine eigenen Podcasts wie "Fenster oder Gang?". Für letzteren lädt er sich auch immer wieder spannende Gäste wie Lars Tönsfeuerborn oder Jochen Schropp ein.

Allerdings ist Benni nicht nur vor dem Mikrofon aktiv – sondern auch als selbstständiger Trauerbegleiter. Im Rahmen dessen spricht er auch immer wieder über den Tod – so wie jetzt im Interview mit queer.de. Herausgekommen ist dabei ein interessantes Gespräch übers Sterben und die (Nicht-)Unterschiede im Umgang mit dem Tod bei queeren und nicht-queeren Menschen.

Benni, als Trauerbegleiter bist du vermutlich fast täglich mit dem Tod konfrontiert. Kann es nicht auch manchmal erdrückend sein, ständig "den Tod vor Augen zu haben"?

Auch wenn wir mit trauernden Menschen und dem Thema Tod arbeiten, geht es in unserer Arbeit auch viel um das Leben, Lachen und das Erinnern an schöne Momente mit Verstorbenen. Das bedeutet, die Arbeit als Trauerbegleiter ist nicht nur traurig.

Was gehört deiner Meinung nach dazu, sich auf gesunde Art und Weise mit dem Tod auseinanderzusetzen?

Der wichtigste Punkt, um Trauer zu bewältigen, ist es, Gefühle und Emotionen zuzulassen. Das fällt vielen Menschen schwer, weil sie stark sein wollen und im Alltag funktionieren müssen. Dann verschleppt sich eine Trauer oft und kann auch Jahre später noch aufploppen.

Wie kamst du überhaupt auf die Idee, Trauerbegleiter zu werden?

Nach meinem Abitur im Sauerland habe ich meinen Zivildienst im Kinderhospiz gemacht. Ich habe damals gemerkt, dass ich keine Berührungsängste mit trauernden Menschen und dem Tod habe. Als dann vor sieben Jahren erst mein Vater und meine Oma innerhalb von nur drei Tagen verstorben sind, habe ich viel getrauert. Im Rahmen meiner eigenen Psychotherapie habe ich diese Trauer beleuchtet und danach entschieden: Jetzt möchte ich trauernde Menschen in diesem schwierigen Prozess unterstützen.

Und was fällt alles unter deine Aufgaben als Trauerbegleiter?


Benni Bauerdick plädiert für einen lockereren Umgang mit dem Tod (Bild: Christoph Kronseder)

Wir können die Verstorbenen nicht zurückbringen, aber wir können zuhören, wir sind wertfrei, können eine Schulter zum Anlehnen bieten und Taschentücher reichen. Und wir versuchen, die Erinnerung an die Verstorbenen aufrecht zu erhalten. Darüber hinaus begleiten wir Familien kurz vor dem Tod oder auch danach, wenn es um Unsicherheiten und Probleme bei der Beerdigung geht.

Als queeres Medium sind wir natürlich besonders interessiert daran, ob es Unterschiede zwischen dem Tod queerer und nicht-queerer Menschen gibt. Fällt dir hier etwas ein?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass alle Menschen gleich trauern und die sexuelle Identität oder Orientierung da eigentlich keine Rolle spielt.

Hast du denn das Gefühl, dass sich in erster Linie queere "Kund*­innen" bzgl. einer Trauerbegleitung an dich wenden – oder ist dein "Kund*­innen-Stamm" breit gemischt?

Bisher sind zu mir ganz unterschiedliche Menschen gekommen. Aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten und unterschiedlichen Alters. Von 20 bis 70 Jahren war da schon alles dabei.

Kannst du aktuell irgendwelche Trends rund um das Thema Tod beobachten – vor allem innerhalb der queeren Community?

Ich glaube, queere Menschen machen sich viel häufiger von kirchlichen Konventionen im Kontext Trauer und Tod frei und denken Beerdigung und Abschiedsfeste daher oft anders, bunter und offener.

In der queeren Popkultur spielt der Tod auch immer wieder eine Rolle – sei es in Musikvideos von Lady Gaga (etwa "Telephone") oder auf der Bühne (zum Beispiel bei Lil Nas X). Häufig wird dieser dabei mit einem Augenzwinkern behandelt. Ist dies despektierlich – oder genau der richtige Weg, damit umzugehen?

Ich finde es ist genau der richtige Weg, wenn es um das Thema Tod und Trauer geht, nicht nur ernst zu sein. In meinen Trauergruppen, die ich in Köln anbiete, wird auch immer viel gelacht. Natürlich auch geweint. Aber oft betrachten wir Themen mit einem lächelnden Auge oder auch mit Sarkasmus, wenn es den Trauernden hilft, besser mit der neuen Situation umzugehen. In anderen Kulturen wird der Tod oft viel lockerer behandelt und ist ein viel größerer Bestandteil des Lebens als bei uns.

Neben deinem Job als Trauerbegleiter bist du auch als Moderator und Podcaster aktiv. Helfen dir diese Tätigkeiten zwischendurch auch Abstand vom Tod zu gewinnen?

Für mich ist es ein großes Privileg, als Selbständiger so viele unterschiedliche Sachen machen zu können. Denn ja, es hilft, sich nicht nur mit den Themen Tod und Trauer zu beschäftigen. Ich merke, dass es alle meine Jobs und Tätigkeiten bereichert, wenn ich zwischendurch noch mal andere Dinge tue.

Wenn du heute einen spannenden Gast zum Thema Tod/Trauerbegleitung in deinen Podcast "Fenster oder Gang?" einladen könntest, wen würdest du hier wählen?

Ich habe ja einen neuen Podcast "Todesmutig", den ich zusammen mit meiner Ausbilderin und Chefin Mechthild Schroeter-Rupieper zusammen mache. Sie ist die Gründerin der Familientrauerarbeit in Deutschland und arbeitet seit fast 30 Jahren in diesem Bereich. Mechthild ist für mich immer eine gute Gesprächspartnerin, wenn es um das Thema Tod und Trauerbegleitung geht.

-w-