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Sachbuch

Queere Fakire in Pakistan

Für sein Buch "Queer Companions" erhält der Berliner FU-Dozent Omar Kasmani den renommierten Ruth-Benedict-Preis 2023 der amerikanischen Association for Queer Anthropology.


Omar Kasmani ist seit Oktober 2023 Gastdozent am Institut für Sozial- und Kulturanthropologie der Freien Universität Berlin (Bild: privat)
  • 8. Dezember 2023, 06:08h 2 Min.

Omar Kasmani, Gastdozent am Institut für Sozial- und Kulturanthropologie der Freien Universität Berlin, wird für sein Buch "Queer Companions: Religion, Public Intimacy, and Saintly Affects in Pakistan" (Amazon-Affiliate-Link ) mit dem renommierten Ruth-Benedict-Preis 2023 ausgezeichnet.

Die Auszeichnung ist nach der US-amerikanischen Kulturanthropologin Ruth Benedict (1887-1948) benannt und wird seit 1986 durch die Association for Queer Anthropology – einer Untergruppe des US-amerikanischen Fachverbands für Anthropologie – vergeben. Mit dem Preis werden herausragende wissenschaftliche Bücher gewürdigt, die LGBTI-Personen und/oder verschiedene geschlechtliche bzw. sexuelle Formationen in den Mittelpunkt stellen und das Feld der Queer Anthropology entscheidend voranbringen. Mit Omar Kasmani wurde erstmals ein an einer Universität in Deutschland tätiger und promovierter Sozial- und Kulturanthropologe ausgezeichnet.

"Anders als alles, was wir bisher gelesen haben"


"Queer Companions" ist 2022 bei Duke University Press erschienen

In seinem Buch "Queer Companions" beleuchtet Omar Kasmani die affektiven Beziehungen zwischen Fakiren und islamischen Heiligen an Pakistans wichtigstem Sufi-Pilgerort in Sehwan Sharif. Er zeigt, wie Männer, Frauen und khwaja-sara (trans- und nicht-binäre Personen) diese Beziehungen außerhalb der geschlechtsspezifischen Normen ihrer Gesellschaft etablieren und sich damit von den für sie vorgesehenen Rollen als Vater oder Mutter, Ehemann oder Ehefrau, Sohn oder Tochter distanzieren.

Auf der Grundlage von ethnographischer Langzeitforschung und Erkenntnissen aus den Queer Studies und der Affekttheorie zeigt Omar Kasmani, dass diese Beziehungen ein Weg sind, mit den Heiligen eine intime Bindung zu entwickeln, und darüber hinaus zu einer Form "queerer" Weltgestaltung werden.

Im nationalen Kontext Pakistans, in dem Heiligtümer und religiöse Orte stets in die staatliche Infrastruktur des Regierens eingebunden sind, bedeutet die von Omar Kasmani beschriebene Annäherung an Heilige eine Auseinandersetzung mit inoffizieller Geschichte und öffentlichen Formen des Affekts. Das Auswahlkomitee zur Preisvergabe schreibt: "Dieses Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite fesselnd und anders als alles, was wir bisher gelesen haben."

Gastdozent am Institut für Sozial- und Kulturanthropologie

Omar Kasmani hat 2016 an der Berlin Graduate School Muslim Cultures and Societies im Fach Sozial- und Kulturanthropologie promoviert. Anschließend arbeitete er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Sonderforschungsbereich SFB 1171 "Affective Societies: Dynamiken des Zusammenlebens in bewegten Welten" in Projekten zu verkörperten Emotionen und affektiver Zugehörigkeit in Migrationskontexten sowie zum Regieren religiöser Vielfalt in Berlin. Seit Oktober 2023 ist er Gastdozent am Institut für Sozial- und Kulturanthropologie der Freien Universität Berlin. (cw/pm)

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