https://queer.de/?47816
Folge 50 von 53
Schwule Symbole im Film: Licht und Dunkelheit
Auch Homosexualität hat ihre Licht- und Schattenseiten, wobei Schwule aber kein Leben mehr im Schatten führen müssen. Geblieben sind bis heute viele Symbole rund um Licht und Dunkelheit

Erotische Schatten auf dem Poster der Serie "Shadowlands" (2018)
- Von
10. Dezember 2023, 08:12h 15 Min. - Diese Artikelserie wurde gefördert von der Homosexuellen Selbsthilfe e.V., www.hs-verein.de.
Licht – Spotlight auf ein erhellendes Symbol
Licht ist der Gegenpart zur Dunkelheit und steht für den Tag, das Leben, das Positive und für Lebensfreude. Licht steht zudem auch für Erkenntnis, bringt Helligkeit in verschiedene Situationen und beseitigt Unwissenheit und Zweifel. Formulierungen wie "im Rampenlicht stehen" (stark beachtet werden), "Flashback" (Rückblende) und "Blitzlicht" (kurzes Feedback zu einer Meinung) deuten ähnliche symbolische Bedeutungen an. In diesen Bereichen ergeben sich Überschneidungen mit den Symbolen Leuchtturm (Folge 24), der Farbe Weiß (Folge 33) und der Sonne (Folge 48).
Licht – Religion und Spiritualität
Licht wird in Filmen unter anderem als religiöse Energiequelle eingesetzt. Der Film "Lot in Sodom" (1933, 11:20 Min., hier online) behandelt die Vernichtung der Sodomiter, darin erscheint der ankündigende Engel in einem blendenden Lichtstrahl. In "Save me" (2007) gehen "Menschen beim Sterben ins Licht", aber auch Gott erscheint als Licht und es wird betont, dass der schwule Mark das Licht in sich trage. In "Latter Days" (2003) gibt es diverse Gespräche im Schnee: "Was ist, wenn du das gleißende Licht wärst, das mich mitten auf der Straße von hinten trifft?" In "Eating Out 2" (2006) sagt Marc über einen anderen Mann, dass da "etwas in seiner Seele wie ein Licht" sei, was zwar nicht religiös, aber spirituell zu verstehen ist.
In der US-Serie "Queer as Folk" ist Licht einige Folgen lang (Folgen 1/12-14) die zentrale Metapher eines Handlungsstrangs: Emmett ist verzweifelt und schließt sich einer religiösen Gruppe an, um durch eine "Konversionstherapie" heterosexuell zu werden. Ein "ehemaliger" Schwuler aus der Gruppe behauptet, er habe früher in der Dunkelheit gelebt, nun aber habe er das Licht gesehen. Auch Emmett möchte nun "das Licht" sehen. Die Religionsgemeinschaft heißt "Kirche des Lichts", bei ihr ist das Banner "See the Lights!" stets präsent. Aber zum Glück hat Emmett weiterhin Freunde und Freundinnen, die bei ihrer Einschätzung dieser religiösen Gruppe recht deutlich werden (Emmett habe wohl "zu lange in der Sonne gesessen"). Am Ende sagt sich Emmett von der Gruppe los und wendet sich wieder seinen Freund*innen zu: "Mein Feuer wurde wieder neu entfacht und brennt jetzt heller als je zuvor."

Emmett und das "See the Lights!"-Transparent im Hintergrund ("Queer as Folk", Folge 1/14)
Licht – Erkenntnis
In einigen schwulen Filmen wird Licht offenbar in einem weiteren – nicht religiösen – Sinne in seiner erkenntnisspendenden Bedeutung auch im Filmtitel verwendet. Zack und John entdecken in "In the Light" (2011, 5;55 Min., hier online) erst nach einem leidenschaftlichen One-Night-Stand, wie sie ehrlich miteinander umgehen können. In der Schlussszene geht John dem Licht entgegen und es wird zu einem weißen Bildschirm übergeblendet. Der Film "Keep the lights on" (2012) basiert auf der Beziehung des Regisseurs Ira Sachs zu seinem Crack-süchtigen Freund Bill Clegg, wobei der Titel (= "Lass die Lichter an") im Kontext des Themas Sucht offenbar im Sinne von "Behalte die Kontrolle" bzw. "Bleib bei Besinnung" gemeint ist. Einfacher ist die Dechiffrierung des Filmtitels "Spotlight" (2015), dieser Film dokumentiert die journalistische Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche in Boston.

Das Licht in "Keep the lights on" (2012)
In manchen Filmszenen beziehen sich die Begriffe Licht und Dunkelheit auf ein Coming-out. Mehrmals ist in "Juste un peu de réconfort" (2004) ein Lied mit der Zeile zu hören: "I try to see things in a bright light, but a dark veil covers it" (= "Ich versuche, die Dinge in einem hellen Licht zu sehen, aber ein dunkler Schleier bedeckt es"). In "Curtains" (2012) wird das Coming-out als eine "journey from darkness to light" bezeichnet und in "Ein Kuss" (2016) fällt in einem Traum die Äußerung: "Du hast uns Licht gebracht."
Die Formulierung "möge es Licht geben" in einem Plädoyer auf Freispruch in "Howl" (2010) hat sowohl eine Nähe zu der philosophisch zu verstehenden Forderung nach "mehr Licht" als auch zu dem Satz aus der biblischen Schöpfungsgeschichte "Es werde Licht!"
Das Licht – Fokus und Aufmerksamkeit

Marc Hall im Lichtkegel in "Prom Queen" (2004)
In "Prom Queen" (2004) wird dem offen schwulen Abiturienten Marc Hall verboten, zum Abschlussball seinen Freund Jason mitzubringen, was eine Online-Kampagne und das Einschalten eines Rechtsanwaltes nach sich zieht. Das Cover des Films zeigt Marc im Lichtkegel eines Scheinwerfers. Er ist Ausdruck der Aufmerksamkeit und des Rampenlichtes, die Marc durch den Medienwirbel erreicht hat.
Auch zwei Coming-out-Filme arbeiten mit der Wirkung von Scheinwerferlicht. Ben arbeitet in "Dare" (2005, 0:55 Min., hier online) als Beleuchter ("light boy") und es gehört zu seinen Aufgaben, dafür zu sorgen, dass Johnny und andere Personen auf der Bühne in einem guten Licht erscheinen, während er im Vergleich zu ihnen eher im Schatten steht. Die heimliche Liebe Bens zu Johnny ist Thema des Films. In "40 Minutes" (2014, 4:45, 6:10 Min., hier online) geht es um eine 40-minütige Therapie-Sitzung und darum, dass Joey unter Hypnose die Vorstellung hat, dass mehrere Scheinwerfer auf ihn gerichtet seien – als Ausdruck dafür, dass seine Homosexualität von anderen wahrgenommen und beurteilt wird.
Wenn Licht in Filmen als Metapher vorkommt, kann es sich um einfache Sprichwörter und Redensarten im Kontext von Bewunderung und Anerkennung handeln. Albin redet in "Noch ein Käfig voller Narren" (2. Teil, 1980) von Männern, die wie "Motten das Licht" umschwirren. In "J. Edgar" (2011) wird geäußert, dass Tyler im Gegensatz zu seinem Lebenspartner Hoover nicht im "Rampenlicht" stehen wolle, und in "The Versace Murder" (1997) wird betont, Versace sei aus Rache ermordet worden, weil der Täter "nicht im Rampenlicht stehen durfte" (Axel Schock / Manuela Kay: "Out im Kino", 2003, S. 363).
Kerzen – Romantik, Religion und Tod
Kerzen lassen sich, wie andere Lichtquellen, breit einsetzen. Wenn August Redl in "Spionage" (1955) im Morgenmantel Kerzen anzündet, um eine romantische Atmosphäre zu erzeugen, und von Zeno von Baumgarten besucht wird, ist dies ein dezenter Hinweis auf ihr homoerotisches Verhältnis. In "Ein irrer Typ" (1977) wird ein Versöhnungsdinner bei Kerzenlicht erwähnt und das Auspusten einer Kerze deutet in "Kuss der Spinnenfrau" (1985) anschließenden Sex an. Ähnlich positiv besetzt ist das Auspusten von Kerzen als ein mit Wünschen verbundenes Geburtstagsritual, wie in "$ 30" (1999, 12:30 Min., hier online) und "Queer as Folk" (Folge 5/13).
Die Kerze ist auch ein religiöses Symbol der Erleuchtung. Das Anzünden und Ausblasen einer Kerze in "Safe Journey" (2002, 5:40 Min., hier online) ist in einem religiösen Sinne und in Verbindung mit der Gottheit Guanyin zu verstehen, die im Buddhismus als Erleuchtungswesen verehrt wird. In "Full Speed" (1996) und in "Howl" (2010) sieht man Kerzen als Teil eines Aufbaus, der wie ein Altar wirkt.
Weil eine Kerzenflamme leicht erlöschen kann, kann eine Kerze als Lebenslicht auf Tod und Vergänglichkeit verweisen. Die Kerze, die in Derek Jarmans "Sebastiane" (1976) erlischt, ist ein Vorverweis auf St. Sebastians anschließenden Märtyrertod. Brennende Kerzen können auch für die Trauer um Verstorbene stehen, z. B. für die um den ermordeten Harvey Milk in "The Times of Harvey Milk" (1984), den ermordeten schwulen Polizisten in der "Tatort"-Folge "Kaputt" (Folge 1098, 2019) und die Anschlagsopfer in "Queer as Folk" (Folge 5/11).

Max Ballauf und Freddy Schenk trauern um einen toten Kollegen ("Tatort", Folge 1098, 2019)
Pornos – Licht und Religion
Auf einigen DVD-Covern von Schwulenpornos werden Männer durch eine natürlich wirkende Lichtquelle von hinten beleuchtet, was wie eine Anspielung auf Religiöses wirken kann ("Dreams of Rafael", "Real Boy Dates", "Bang", "Frenky's cumming to get you", "Bombas de Brazil"). Bezüge zu religiöser Lichtsymbolik können auch durch den Titel ("Holy Twinks") bzw. Licht durch ein Kirchenfenster ("Choir Boy") hergestellt werden. Pornotitel, die sich auf das Ausschalten von Licht beziehen ("Lights out!", "After Lights Out"), machen in erster Linie eine Aussage über den Beginn sexueller Handlungen und nicht über das Licht.

Religiöse Anspielungen in "Dreams of Rafael" und "Holy Twinks"
Scheinwerferlicht, das auf eine Theater- oder Filmproduktion verweist ("Breathing Betrayal", "Idol Thoughts", "Limelight"), rückt etwas in den Vordergrund und koppelt dies häufig mit Voyeurismus. Ein kleines Kellerfenster als minimalistische Lichtquelle ("Limited Entry", "Jailhouse") kann auf Gefahr und soziale Isolation verweisen. Farbsymbolisch steht rotes Licht ("Red Light") – wie man es von "Rotlichtbezirken" kennt – für Prostitution und Risiko. Das Wort "Highlight" ist dann ein erkennbar beabsichtigtes Symbol, wenn es zusammen mit einem entsprechendem Bildmotiv, wie einer Lichtquelle, eingesetzt wird ("Highlight", Filmreihe "Highlights"). Der Titel des Porno-Labels "Gay Lights" ist vermutlich ein Kofferwort aus den Wörtern "gay" und "highlights".
Dunkelheit und Nacht – die dunkle Seite der Begierde
Dunkelheit ist geheimnisvoll und wird häufig mit Lust, Sexualität und Sünde assoziiert. Ähnlich ist die Nacht symbolisch besetzt: Sie ist die Zeit der heimlichen Handlungen ("bei Nacht und Nebel"), der bedrohlichen Wesen, der Triebe und der Sexualität ("Nachtleben", "One Night Stand"), wobei sich Überschneidungen mit der Symbolik der Farbe Schwarz (Folge 33) ergeben. Der in vielen Mythen und Religionen zentrale Kampf zwischen Gut und Böse ist auch ein Kampf zwischen Hell und Dunkel bzw. zwischen Licht und Schatten.
Die Dunkelheit und der Sex
Die Inszenierung von Dunkelheit ist ein spannungssteigerndes Element, wie beispielsweise in dem erotischen Thriller "A Siren in the Dark" (2009). Es gibt viele schwule Sexszenen, die wie in "Krámpack. Nico und Dani" (2000), "Keel" (2004) oder "A Lesson in Biology" (2007, 3:40 Min., hier online) in der Dunkelheit stattfinden. Dunkelheit beim Sex zwischen zwei Männern kann auf eine verheimlichte und damit spannende Leidenschaft verweisen, muss damit aber nicht unbedingt symbolisch gemeint sein, was auch auf alle Filmszenen zutrifft, die in Darkrooms spielen. Im Kurzfilm "Hier und da" (2011) ist die symbolische Bedeutung der Dunkelheit allerdings deutlich, weil über sie ausdrücklich gesungen und gesprochen wird. Sie bietet die Möglichkeit von Sex (Lied: "Lieben wir uns, bis der Morgen dämmert"), wird aber auch je nach Ort recht unterschiedlich bewertet: "In Paris ist die Dämmerung ein Tor zu tausend Möglichkeiten. Hier (in der Provinz) ist sie ein Tor zum Grab."

In "Krámpack. Nico und Dani" (2000) wird mit Licht und Dunkelheit gearbeitet
Die Dunkelheit, das Böse und das Schlechte
Die Dunkelheit wird als emotionalisierender Begriff in Titeln von Filmen verwendet, um das Böse, Schlechte oder Unheimliche auszudrücken: Der Film "Nach der Finsternis" (aka "After Darkness", 1984) handelt von der Hilfe des Bruders des Protagonisten nach Freitodversuchen infolge von Schizophrenie. Verweisen lässt sich auch auf das Drama "The Dark Side of Love" (2012), die Thriller "Out in the Dark" (2012) und "The Dark Place" (2014) sowie den Vampirfilm "Kissing Darkness" (2014). Mit "Die dunkle Gabe" (2006) sind die Visionen des schwulen Cassidy gemeint, mit denen er ein tödliches Unheil vorhersehen kann.
In einer Szene in Gregg Arakis "Nowhere" (1997) wird darauf hingewiesen, dass der Vorname "Dark" bewusst gewählt wurde – im Sinne von Dunkelheit als Gegenteil von Helligkeit. In der Dunkelheit werden Schwule überfallen, wie in "O Beautiful" (2002). In "Schlechte Erziehung" (2004) ist der Gesang eines kleinen Jungen ("Ich möchte wissen, was sich verbirgt in der Dunkelheit") als erkennbarer Verweis auf den späteren sexuellen Missbrauch inszeniert. In der Dokumentation "American Vagabond" (2013) finden viele Szenen im Dunkeln statt, sie passen atmosphärisch zur schlechten sozialen Situation und zur Perspektivlosigkeit zweier obdachloser schwuler Jugendlicher in San Francisco.

Was "Dunkelheit" bedeuten kann: "Die dunkle Gabe" (2006) und "The Dark Side of Love" (2012)
Sprichwörtliches zur Dunkelheit
In sprichwörtlicher Bedeutung wird Dunkelheit vor allem dazu verwendet, um das Böse und Schlechte zu kennzeichnen. In diesem Sinne wird der homosexuelle Dr. Winkler in "Anders als du und ich" (1957) als eine "dunkle Gestalt" bezeichnet. Oscar Wildes Mutter ist in "Der Mann mit der grünen Nelke" (1960) entsetzt, dass ihr Sohn wegen der ihm vorgeworfenen Homosexualität flüchten muss und sich nun "im Dunkeln verkriecht wie ein Tier". In der Doku "The Celluloid Closet" (1995, 52:30 Min., hier online) ist eine Szene aus "Sturm über Washington" (1962) zu sehen, die erstmals in einem Hollywood-Film eine schwule Kneipe von innen zeigt – diese ist in einem dunklen Keller verortet, die trotz konkreter Realität auch symbolisch wirkt. Interessant ist, wie in der Doku der schwule Schriftsteller Armistead Maupin diese Filmszene kommentiert, der den Film sah, als er noch jung war: Er habe damals Angst gehabt, dass ihn ein solches Leben erwarten würde und er selbst, wie die Leute in dieser Schwulenbar, im "Dunkeln" bleiben müsse. Erst Jahrzehnte später änderte sich langsam die gesellschaftliche Einstellung zu Schwulen und das Selbstbewusstsein von Schwulen wuchs. In "The Closet" (2011, 3:35 Min., hier online) ist ein eingeblendeter Zeitungsartikel zu sehen mit der Überschrift: "Homosexuality – The Bright und Dark Side".
Die Nacht in schwulen Filmen
Es ist schwierig zu bestimmen, wann die Nacht in Filmen eine beliebige Zeit ist oder ab wann ihr auch eine symbolische Bedeutung zukommt. Bei mindestens 15 schwulen Filmen wird die Nacht bereits im Titel aufgegriffen. Beispiele sind Lothar Lamberts "Nachtvorstellungen" (1977), "Night Warning" (1982), worin Alpträume ("night mares") eine Rolle spielen, und "Mala noche" (= "Schlechte Nacht", 1985), welcher Titel auf schlechten Sex verweist. Der Film "Die Nacht aus Blei" (1985, hier online) von Petr Weigl nach einem Roman von Hans Henny Jahnn beschreibt eine nächtliche alptraumhafte Wanderung des Protagonisten. Der Filmtitel "No night is too long" (2002) bezieht sich darauf, dass Tim keine Nacht mit Ivo zu lang ist, eine Referenz auf die Oper "Der Rosenkavalier".
In diesen Filmtiteln erscheint die Nacht wie ein Signalwort und soll wohl wilden Sex, One-Night-Stands, wüste Alpträume oder brutale Gewalt in Aussicht stellen, wobei die eigentlichen Filmszenen aber gar nicht so wild sind, wie man es von den Titeln her annehmen könnte. Ein Filmtitel geht in eine gänzlich andere Richtung: Die "Heilige Nacht", in der nach christlichem Glauben Jesus Christus geboren wurde, genauer: das bekannte Weihnachtslied "Stille Nacht, heilige Nacht", gab dem Film "Schrille Nacht" (2022) mit einer schwulen Episode seinen Titel.
Bei den Kurzfilmen ergibt sich ein ähnliches Bild von dem, was eine Nacht im Titel andeuten kann: Homoerotik wie in "The First Night" (2011, hier online), "Nightfall" (2012, hier online) oder Prostitution wie in "Cold Night" (2008), "At night I was beautiful" (2010) und Stephen Frys "Nightstand" (2015). Nächtliches Nacktschwimmen wie in "Night Swimming" (1996, 2005) und "Nightswimming" (2010) ist homoerotisch aufgeladen. In "Bucket List Night" (2009, hier online) besprechen zwei Freunde, was sie vor ihrem Tod noch unbedingt erledigen möchten.

Die Nacht und das Begehren in "No night is too long" (2002) und "Midnight Dancers" (1994)
Die Mitternacht in schwulen Filmen
Im Zusammenhang mit Uhren und der Uhrzeit (Folge 17) bin ich bereits auf die besondere Zeit der Mitternacht eingegangen, wobei das Besondere nicht die Nacht ist, sondern dass es sich dabei um die Schwelle zu einem neuen Tag, einem neuen Jahr oder einem neuen Lebensjahr handelt. Außerdem greifen viele Filme die Vorstellung auf, dass es um Mitternacht zu Verwandlungen kommt, wie z. B. bei Werwölfen (Folge 48).
Die Hervorhebung der Mitternacht in Filmtiteln verdeutlicht die emotionale Zugkraft dieser Uhrzeit, wobei in manchen Fällen – wie "Midnight Dancers" (1994) oder "Midnights with Adam" (2013) – auffällt, dass in den Filmen selbst die Mitternacht gar nicht als besonderes Thema aufgegriffen wird. Das lässt sich auch bei den erfolgreichen Filmen "Midnight Cowboys" (1969, aka "Asphalt-Cowboy") und "Midnight Express" (1978, aka "12 Uhr Nachts. Midnight Express") mit ihren schwulen Nebenhandlungen beobachten. Handlungen um Mitternacht spielen in Filmen meistens auf Geburtstags- oder Silvesterfeiern: So ist es Silvester, als in "Coming Out" (DDR, 1989) Matthias versucht, sich das Leben zu nehmen, und es ist Mitternacht, als er Philipp in einer Schwulenkneipe kennen und später lieben lernt.
"bildres">
Auch Schatten sind in der Natur
Ein Schatten ist der unbeleuchtete Bereich hinter einem Körper, der sich im Bereich einer Lichtquelle befindet. Symbolisch drückt der Schatten, ähnlich wie die Dunkelheit und die Nacht, meistens – aber nicht immer – etwas Negatives aus. Symbolisch inszenierte Schatten beziehen sich manchmal auf das, worauf das Licht fällt, und stellen eine Art Gegenstück dazu dar.
Obwohl "Anders als du und ich" (1957, 36:10 Min., hier online) ein grundsätzlich homophober Film ist, lässt sich der in einer Kneipe geäußerten philosophischen Äußerung über Homosexualität "Die Welt ist voller Schatten, aber auch die Schatten sind in der Natur" eine auch emanzipatorische Absicht nicht absprechen. Meistens ist der Schatten jedoch etwas eindeutig Negatives, was deutlich wird, wenn er konträr zu Sonne, Licht und Liebe dargestellt wird, wie in Derek Jarmans "In the Shadow of the Sun" (1971-1981), der Soap "Licht und Schatten" (1991-1993), Todd Verows "Licht und Schatten" (2008) und "No Regret. Im Schatten der Liebe" (2006). Der Hinweis, dass Schwule früher "ein Leben im Schatten" führten (s. "Der Detektiv", 1968; "Papa, Papi, Kind", 2016), bedeutet, dass die homosexuelle Liebe im Gegensatz zur heterosexuellen lange Zeit das Tageslicht scheuen musste, d. h. nur heimlich gelebt werden konnte. Erinnert sei auch an die visualisierten Schattenmonster in "The Last Time I Saw Richard" (2014) und an Filme, die homophobe Gewalt thematisieren, wie "Lipton Cockton in the Shadows of Sodoma" (1995) und "The Shadows" (2007).
Manchmal ist der Schatten in schwulen Filmen nicht unbedingt etwas Negatives, sondern wirkt wie ein "Blick hinter die Kulissen", mit dem das fokussiert wird, was außerhalb der üblichen Wahrnehmung liegt. So erzählt der Film "Shadow of the Vampire" (2000) die Geschichte hinter der Geschichte von Friedrich Wilhelm Murnaus Klassiker "Nosferatu" und geht dabei auch auf Murnaus Homosexualität ein. In diesem Sinne sind wohl auch die Titel der Mini-Serie "Shadowlands" (2018) und der Folge "Im Schatten von Feng Shui" in der Krimi-Serie "Der letzte Bulle" (Folge 1/5, 2010) zu verstehen.
Die visuelle Inszenierung von Schatten in einem Film ist ein stilistisches Mittel und kann auch einen symbolischen Hintergrund haben: In "Außerirdische" (1993) ist mehrfach Zenon zu sehen, wie er aus dem Schatten ins Licht tritt und damit, obwohl verstorben, wieder in den Bereich der Aufmerksamkeit seines Freundes gelangt. In "Der Mann meines Herzens" (1997) ist das französische Wort "rève" (= Traum) an der Wand zu lesen, allerdings ganz bewusst nur als ein von der Sonne projizierter Schatten. Je nach Sonnenstrahl sieht man das Wort "rève" daher nur flüchtig und vorübergehend, was der Bedeutung des Wortes entspricht. Das "r" ist dabei spiegelverkehrt geschrieben.

Schatten in Todd Verows Spielfilm "Licht und Schatten" (2008)
Pornos – die Nacht der Leidenschaft
In Schwulenpornos verweist Nacht – oft in Verbindung mit den Silhouetten einer Großstadt – auf deren sexuelles Nachtleben ("Nightfall", "Just One Night", "A Night at the Adonis"). Manchmal werden zusätzliche sexuelle Signalwörter verwendet ("Night of Passion", "Night Adventures"), oft gekoppelt mit den Namen von Städten und Ländern ("Night in Berlin", "One Night in Rio"). Das Nachtleben lässt sich mit weiteren symbolischen Begriffen verbinden ("Night Heat", "Night Fever"). Manchmal werden mit der Nacht auch nur private Momente angedeutet und eine gemeinsam verbrachte Nacht wird zum einfachen Code für Sex ("My Night with Reg", "About Last Night", "A Night at Bruno's"). Geht es neben dem Sex auch um Träume, gibt es in Cover-Motiven eine Überschneidung mit dem bereits in Folge 48 behandelten Motiv des Sternenhimmels (Jean Daniel Cadinots "Night Dreams", "Night Eyes", "The Night Has Eyes"). Nur in ganz seltenen Fällen wird anhand der Nacht auch die Gefährlichkeit einer Großstadt betont ("Night Ghosts").

Helles, Dunkles und die Nacht in "Lights & Darks" und "Night of Passion"
Ein Wort wie "dunkel" kann sowohl über den Pornotitel ("Dark Horses", "Lights & Darks. An Interracial Spin") als auch über die Darstellernamen ("Dark Meat", "Dark Chocolate") auf die Hautfarbe der Protagonisten verweisen – und dabei auch eine Nebenbedeutung von "edel" haben. Darsteller, die sich nach der Dunkelheit benennen, wollen jedoch meistens Härte betonen ("Dark Abyss", "Dark Devil", "Dark Knight"), wobei sich eine symbolische Überschneidung mit dem Motiv des Engels ergeben kann ("Dark Angel", "Angels of Darkness"). Unter den Pornos, die das Schattenmotiv im Titel führen ("In the Shadows"), kann "Shadow Dancer" hervorgehoben werden, weil auf dem Filmcover die Schatten der Darsteller erkennbar sind.

Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de
Mo, 20:10h, Ki.Ka:
First Day – Ich bin Hannah
Folge 3 + 4: Nachdem trans Mädchen Hannah von einem Unbekannten im Klassenchat geoutet wurde, zieht sie sich zurück.
Serie, AUS 2019- 6 weitere TV-Tipps für Montag »















