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Berlin

Nach Brandanschlägen: Homophober Täter soll in Psychiatrie

Ein 63-Jähriger hatte im Sommer aus Hass auf muslimische, jüdische und queere Menschen mehrere Brandanschläge verübt, darunter auch auf das Homosexuellen-Mahnmal. Nun soll er nach dem Willen der Staatsanwaltschaft dauerhaft in die Psychiatrie.


Der Verdächtige soll es unter anderem auf das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen abgesehen haben (Bild: Marko Priske / Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas)
  • 13. Dezember 2023, 11:23h 2 Min.

Weil er aus rechtsextremen Motiven eine Serie von Bränden gelegt haben soll, hat die Staatsanwaltschaft Berlin beim Landgericht ein Sicherungsverfahren gegen einen 63-jährigen Verdächtigen beantragt. Der Mann soll dauerhaft in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden, wie die Behörde am Mittwoch mitteilte. Ihm werden Volksverhetzung in sechs Fällen, gemeinschädliche Sachbeschädigung in zwei Fällen und versuchte schwere Brandstiftung vorgeworfen. Der Mann hatte laut Staatsanwaltschaft an den Tatorten Pamphlete hinterlassen, in denen er jüdische, muslimische und queere Menschen herabwürdigte.

Zwischen dem 8. und dem 11. August soll er an einer Moschee im Stadtteil Kreuzberg, einer Schule in Neukölln und einer Neuköllner Begegnungsstätte Zettel ausgehängt haben, auf denen er unter einem Pseudonym Menschen muslimischen Glaubens geächtet und ihr Lebensrecht bestritten haben soll.

Am 12. August soll er eine Flasche mit Lampenöl in Brand gesetzt und auf das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen gelegt haben (queer.de berichtete). Die Flasche sei dabei herunter gefallen, die Flamme erloschen. Zu einer Sachbeschädigung kam es nicht.

Homosexuelle "haben den Tod verdient"

Der 63-Jährige soll am Tatort homophobe Pamphlete hinterlassen haben, in denen er unter anderem einen Bibelvers aus dem 3. Buch Mose Kapitel 20, Vers 13 zitierte. Diese Bibelstelle wird häufig für queerfeindliche Agitation missbraucht. Darin heißt es in der deutschen Übersetzung wörtlich: "Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen; beide haben den Tod verdient; ihr Blut kommt auf sie selbst."

Am selben Tag soll er eine sogenannte Bücherbox unweit eines Deportationsmahnmals am Bahnhof Grunewald in Brand gesetzt und zerstört haben. Er habe dort ein antisemitisches Schreiben hinterlassen.

Zwei Tage später habe er die Scheibe einer Beratungsstelle für lesbische Frauen eingeschlagen und eine brennende Flasche hinein geworfen (queer.de berichtete). Dabei habe er in Kauf genommen, dass sich das Feuer auch auf die Wohnungen im Haus ausbreiten würde. Erneut habe er ein homophobes und volksverhetzendes Schreiben hinterlassen. Insgesamt seien über 30 Fälle von Äußerungen mit homosexuellen-feindlichen oder volksverhetzenden Inhalten bekannt geworden, so die Staatsanwaltschaft.

In einer Vernehmung habe der 63-Jährige die Vorwürfe eingeräumt. Weil es Anhaltspunkte für eine schwere psychische Erkrankung gab, wurde er von der Untersuchungshaft in ein psychiatrisches Krankenhaus verlegt. (AFP/dpa/cw)

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