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Bremen
Kritik an Verleihung des Hannah-Arendt-Preises an nichtbinäre*n Masha Gessen
Die nichtbinäre Person Masha Gessen sollen einen prestigeträchtigen Preis erhalten, obwohl sie in einem Beitrag für ein US-Magazin Israelis und Nazis gleichgesetzt hat. Daran gibt es Kritik.

Masha Gessen 2019 bei einem Auftritt bei der Leipziger Buchmesse (Bild: IMAGO / Christian Grube)
- 13. Dezember 2023, 14:00h 2 Min.
Trotz Kritik der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) Bremen soll Masha Gessen mit dem diesjährigen Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken ausgezeichnet werden. Der Vorstand des Trägervereins ist sich nach eigenen Angaben einig, dass die Preisverleihung am Freitag wie geplant stattfinden wird. Die DIG hatte nach einem umstrittenen Artikel von Gessen gefordert, die Entscheidung auszusetzen.
Die DIG kritisiert Äußerungen von Masha Gessen in einem Artikel im amerikanischen Magazin "The New Yorker". Befremdlich sei vor allem ein Vergleich von Gaza mit einem Ghetto – und zwar, wie es Gessens Essay heißt, "kein jüdisches Ghetto in Venedig oder ein Innenstadtghetto in Amerika, sondern ein jüdisches Ghetto in einem osteuropäischen Land, das von Nazi-Deutschland besetzt ist". Es stehe Gessen frei, solche Auffassungen zu vertreten, heißt es in einem Brief der DIG. "Aber Masha Gessen sollte mit ihren Ansichten nicht mit einem Preis geehrt werden, mit dem der jüdischen Philosophin Hannah Arendt gedacht werden soll."
Der mit 10.000 Euro dotierte Preis soll Menschen ehren, die in der Tradition Arendts zu öffentlichem politischem Denken und Handeln beitragen. Über die Vergabe entscheidet den Angaben nach eine unabhängige, internationale Jury. Vergeben wird der Preis von einem Trägerverein, der Bremer Regierung und den Heinrich-Böll-Stiftungen in Berlin und Bremen.
Trägerverein hält an Auszeichnung Gessens fest
Der Vorstand des Trägervereins will weiter an der Auszeichnung festhalten. "Der Artikel von Masha Gessen, ohne den Inhalt teilen zu müssen, passt in die Streitkultur des Hannah-Arendt-Preises", teilte der Verein auf Nachfrage mit. Diese Streitkultur soll auch bei der Preisverleihung am Freitag und bei einem Symposium mit Masha Gessen am Samstag gepflegt werden.
Gessen gehört der Jury zufolge zu den mutigsten Chronist*innen der Zeit, wie es nach Bekanntgabe der Entscheidung Anfang August hieß. Gessens Bücher, Essays und Präsenz öffneten neue Sichtweisen, die hälfen, eine Welt im beschleunigten Wandel zu verstehen, teilte der Trägerverein des Preises damals mit.
Gessen, 1967 in eine jüdische Familie Moskau geboren, schreibt über politische Strömungen und Konflikte in der amerikanischen und in der russischen Gesellschaft. Als Teenager*in verließ Gessen mit den Eltern 1983 die Sowjetunion in Richtung USA und lebt seit 2013 in New York City. 2020 outete sich Gessen als trans-nichtbinär und verwendet im Englischen das Personalpronomen "they". (dpa/dk)














