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ESC-Teilnehmerin im Interview
Alessandra: "Ich bin eine stolze, queere Person!"
Im Mai 2023 begeisterte Alessandra beim ESC Millionen von Menschen und sicherte Norwegen den fünften Platz. Im Interview mit queer.de spricht sie nun über Queerness, Erfolg in jungen Jahren und die Kritik am Wettbewerb.

Alessandra (Mele) vertrat Norwegen mit ihrem Lied "Queen of Kings" beim Eurovision Song Contest 2023 und erreichte dort den fünften Platz. (Bild: Marius Sørgjerd)
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15. Dezember 2023, 05:34h 4 Min.
Mit gerade einmal 21 Jahren hat die italienisch-norwegische Sängerin Alessandra Mele, kurz Alessandra, schon einiges erreicht: Eine Nummer-eins-Single in Norwegen, eine Top-Positionierung beim diesjährigen Eurovision Song Contest sowie eine Nominierung für die MTV Europe Music Awards 2023. Ihre Songs gingen auf TikTok viral – und machten sie zu einer Social-Media-Sensation.
Nun präsentiert sie sich, wie man sie zuvor noch nie gesehen hat – mit einem schmerzhaft und persönlich klingenden Musikstück, ihrer neuen Single "Heavy". Für wen sie diese geschrieben hat und was sie Menschen, die mit sich selbst zu kämpfen haben, rät, verrät sie im Interview mit queer.de.
Alessandra, du hast kürzlich deine Single "Heavy" veröffentlicht. Für alle, die sie noch nicht gehört haben, worum geht es darin?
"Heavy" ist ein sehr wichtiger Song für mich. Er erinnert uns daran, dass wir nicht allein sind. Wir neigen dazu, die Liebe, die wir um uns herum haben, zu vergessen oder für selbstverständlich zu halten – egal ob von unserer Familie oder unseren Freund*innen. Es ist wichtig, daran erinnert zu werden, dass wir Menschen um uns herum haben, die uns lieben und die für uns da sind, wenn wir Hilfe brauchen. Ich bin für euch da. Wir sind Menschen. Wir sind eine Familie.
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Wie hat deine beste Freundin auf den Song reagiert?
Sie war so glücklich. Sie ist eine meiner Musen, haha. Sie war und ist immer noch ein sehr wichtiger Teil meines Lebens und eine große Inspiration.
Welche Tipps hast du für Menschen, um sich so zu akzeptieren, wie sie sind?
Es ist eine Reise. Es braucht Zeit und Überzeugung. Selbstvertrauen wird einem nicht in die Wiege gelegt, sondern man muss es lernen. Ich war nicht immer so selbstbewusst, ich habe viele Bücher gelesen und Übungen gemacht. Und ich arbeite immer noch daran und werde es immer tun.
Gerade für Menschen aus der queeren Community ist es sehr schwierig, für sich selbst einzutreten, da es immer noch viel Homo- und Transfeindlichkeit gibt. Wie sollte man als betroffene Person damit umgehen?
Leider gibt es sehr viel Hass auf der Welt. Aber wir sollten darauf mit Liebe reagieren. Lasst uns zeigen, dass Liebe stärker ist als Hass. Es hat keinen Sinn, auf Hass mit Hass zu antworten, das ist meine Überzeugung.
Du bezeichnest dich auch als queer: Würdest du sagen, dass dir das in deiner Karriere geschadet, geholfen oder gar nicht beeinflusst hat?
Ich bin eine stolze, queere Person. Ich liebe die Liebe. Die Erkenntnis, dass ich queer bin, hat mir geholfen, mich zu öffnen, nicht nur in meiner Karriere, sondern auch im Leben.
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Nächstes Jahr gehst du auf eine große Tournee. Was können deine Fans erwarten? Und wirst du dafür sorgen, dass es ein sicherer Raum für queere Menschen sein wird?
Meine Fans können Spaß und Freiheit erwarten. Es wird ein Ort sein, an dem man sein kann, wer immer man sein möchte. Die Leute werden das Konzert mit dem Gefühl verlassen, unbesiegbar zu sein, stärker als je zuvor. Ob queer oder nicht, man wird sich frei fühlen, man selbst zu sein, frei, sich der Welt zu öffnen, frei von Negativität, frei von Urteilen, frei von Hass.
Die Tournee ist bereits weitgehend ausverkauft. Deine Teilnahme am ESC ist sicherlich auch für deinen Erfolg mit verantwortlich. Wie blickst du heute darauf zurück?
Ich bin super dankbar für den Eurovision Song Contest. Es war eine so schöne Zeit! Ich habe so viele tolle Menschen kennengelernt und meine Karriere mit einem Paukenschlag gestartet! Ich werde immer dankbar sein.
Der ESC wird oft kritisiert, weil er zu politisch sei oder zu sehr für soziale Themen wie Vielfalt genutzt werden würde. Wie denkst du darüber?
Ich denke, der Fokus des ESC sollte das Motto selbst sein: "Vereint durch Musik". Er sollte die Menschen zusammenbringen und nicht auseinanderbringen, das ist meine Meinung.
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Gibt es nach dem ESC noch ein anderes, größeres Projekt, das du gerne in Angriff nehmen würdest?
Mein größtes Projekt ist es, die Menschen durch die Musik zu verbinden und sich vereint zu fühlen. Wie ich schon sagte, sind wir eine Familie, und ich denke, Musik ist eine großartige Erinnerung daran. Sie bringt uns zusammen, sie lässt uns den Schmerz vergessen oder hilft uns, ihn zu fühlen, um ihn zu überwinden. Das Universum spricht zu uns durch die Musik, sie ist wie eine magische Intelligenz, die niemand erklären kann. Mein Projekt ist es, ein Teil davon zu sein. Ein Teil dieser Liebesrevolution zu sein.
Wie schaffst du es als junge Künstlerin, nicht abzuheben?
Ich bin nur ein Mensch, der tut, was er liebt.
Links zum Thema:
» Homepage von Alessandra














