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Heimkino

Nur ein kleiner Ausschnitt aus einem queeren Leben

Jetzt auf Netflix: Bradley Coopers "Maestro" erzählt vor allem die Geschichte von Leonard Bernsteins Beziehung zu seiner Ehefrau. Die zahlreichen Männerliebschaften und die Musik des bisexuellen Dirigenten und Komponisten werden eher beiläufig eingeflochten.


Bradley Cooper und Matt Bomer in "Maestro" (Bild: Netflix)

Leonard Bernstein war, was sie in den USA "larger than life" nennen – größer als das Leben. Er war leidenschaftlich, lebenshungrig und wohl auch deswegen eines der größten musikalischen Talente des 20. Jahrhunderts. Sein bekanntestes Werk ist das Musical "West Side Story", aber Bernstein (1918-1990) hat in seinem langen Berufsleben noch viel mehr komponiert und so ziemlich jedes bedeutende Orchester der Welt dirigiert. Und er hatte neben seiner langjährigen Ehe mit Felicia Montealegre zahlreiche Affären mit Männern und Frauen. Ihm in einem gut zweistündigen Film gerecht zu werden, ist von Anfang an ein aussichtsloses Unterfangen.

Wohl auch deshalb fokussiert Regisseur Bradley Cooper in seiner Filmbiografie "Maestro" auf die große Liebesgeschichte zwischen "Lenny" und Felicia, einer chilenischen Schauspielerin und Künstlerin, mit der Bernstein von 1951 bis zu ihrem Krebstod 1978 verheiratet war und drei Kinder hatte.

Männerbeziehungen nur oberflächlich erzählt


Poster zum Film: "Maestro" kann ab 20. Dezember 2023 auf Netflix gestreamt werden

Und doch beginnt und endet seine Lebensgeschichte im Film mit Bernstein in den Armen eines Mannes. Als er 1943 den Anruf der New York Philharmonic erhält, ob er nicht kurzfristig für den erkrankten Chefdirigenten einspringen könnte – jener Auftritt mit gerade mal 25 Jahren, der seinen kometenhaften Aufstieg auslöste -, liegt er gerade mit einem Mann in einem zerwühlten Bett. Und am Ende des Films tanzt er, alt und runzlig, zu Popmusik in einem Club glücklich und verträumt mit einem attraktiven, jungen Musiker, der bei ihm eine Ausbildung zum Dirigenten macht.

Die rund 40 Jahre dazwischen jedoch gehören im Film fast ausschließlich Felicia und der Familie. Selbst die Musik und Bernsteins Werk spielen eine erstaunlich beiläufige Rolle. Sie kommen jedoch oft genug vor, um zu erleben, wie sehr der Maestro beim Dirigieren mitgeht, welche fast schon ekstatischen Gefühle er dabei offensichtlich durchlebt. Klar ist auch, dass Felicia von Anfang an wusste, auf was sie sich mit Lenny einließ. Schon zu Beginn lernt sie einen seiner frühen Liebhaber kennen, David Oppenheim, gespielt von Matt Bomer, der hier nach der großartigen Miniserie "Fellow Travelers" einen weiteren prominenten, wenn auch recht kurzen Auftritt hat. Und auch Tom Cothran (Gideon Glick), mit dem Lenny in den 1970er Jahren einige Zeit zusammenlebte und für den er seine Familie verließ, taucht immer wieder mal auf.

Aber diese Beziehungen bleiben oberflächlich erzählt. Wir erfahren weder, wie sie beginnen und enden, noch was sie antreibt – oder wie es für die Liebhaber war, mit dem internationalen Star zusammen zu sein in einer Zeit, in der gleich­geschlechtliche Beziehungen auch in der westlichen Welt alles andere als akzeptiert waren. Immerhin wird angedeutet, dass sich auch Felicia und Lennys Kinder damit zwischenzeitlich schwertaten, was das Familienglück durchaus belastete.

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Preiswürdige Leistungen

Bradley Cooper und Carey Mulligan als Lenny und Felicia tragen den Film souverän und liefern absolut preiswürdige Leistungen ab – beide sind für einen Golden Globe nominiert, ebenso der Film und Cooper als Regisseur. Besonders berührend sind die Passagen, in denen Bernstein zu seiner krebskranken Frau zurückkehrt und bis zu ihrem Tod nicht mehr von ihrer Seite weicht. Obwohl er damals von ihr getrennt lebt, wird noch einmal die große Liebe deutlich, welche die beiden verbunden hat.

Ähnlich leidenschaftliche Geschichten ließen sich vermutlich auch um Bernsteins Beziehungen mit Männern erzählen. Bleibt zu hoffen, dass sich irgendwann mal ein Regisseur an eine queere Filmbiografie des großen Meisters wagt.

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Infos zum Film

Maestro. Drama, Biopic. USA 2023. Regie: Bradley Cooper. Cast: Carey Mulligan, Bradley Cooper, Matt Bomer, Vincenzo Amato, Greg Hildreth, Michael Urie, Brian Klugman, Nick Blaemire, Mallory Portnoy, Sarah Silverman, Kate Eastman, William Hill, Sara Sanderson, Yasen Peyankov, Soledad Campos, Zachary Booth, Miriam Shor, Maya Hawke, Scott Ellis, James Cusati-Moyer, Scott Drummond, Gideon Glick, Jeremy Strong, Sam Nivola, Alexa Swinton, Gabe Fazio, Eric Parkinson, Booch O´Connell, Tim Rogan, Oscar Pavlo. Laufzeit: 129 Minuten. Sprachen: deutsche Synchronfassung, englische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). FSK 6. Ab 20. Dezember 2023 auf Netflix
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